Punk in Schleswig-Holstein, in echt

July 30, 2011 | von

Bild 32 Punk in Schleswig Holstein, in echt

“Dorfpunks” von Rocko Schamoni habe ich nie gelesen. Aber der Roman spielte ja auch nicht in meiner Geburtsstadt Kiel, so wie “Pseudo” von Roland Scheller.

Der ehemalige Kieler Punk und Skinhead Roland Scheller legt mit Pseudo einen Aufarbeitungstext vor, der das Schildbürgerhausen der Teenager-Punks aus ungeschliffener Nähe nachzeichnet. Saufen, prügeln, stehlen, Kleinkriminalität und Großtuerei vermischen sich zum Bild einer Jugend, die partout nicht weiß, was sie tut, vor allem nicht, sobald es um Politik geht.

Komische Details, schiefe Aufzählungen und wilde Sprünge im Duktus geben dem Text ein Flair von Kneipenbekenntnissen. Viele der Szenen stolpern so unverhofft daher, die kann man sich nicht ausgedacht haben. Dadurch erhält die Erzählung sich etwas von dem unmittelbaren Erleben eines 16-Jährigen. Dieser Nicht-Stil wirkt wie ein Kunstgriff, der keiner ist.
Über eine Sylvesterparty bei “Normalos” schreibt der mittlerweile zum Skinhead konvertierte Ich-Erzähler: “Ich erinnere mich daran, dass es in der Wohnung sehr hell war. In meinem Suff kritzelte ich noch etwas an die weiße Tapete im Flur: ‘Oi! Oi! Oi!’, den Erkennungsruf der Skinheads. Doch ich bekam Angst, dass das auf uns zurückgeführt werden könnte, und ich malte ein T davor: ‘Toi! Toi! Toi!’”
Wenn sich hier nicht die ganze Tragikomödie jugendlichen Querulantentums verdichtet: Der heldenhafte Revoluzzer endet als komischer Duckmäuser.
Bei allen stilistischen Wackeligkeiten ist “Pseudo” eines ganz sicher nicht: pseudo.

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3 KOMMENTARE

  1. Finn Johannsen:

    Huch!

  2. Jörn-Tobias Schröder:

    Hallo Joe,
    schön, das Du uns Kieler “Punks” nicht vergessen hast.
    Gruß Jörn

  3. Jan Joswig:

    You can take the boy out of Kiel but you can’t take Kiel out of the boy …
    Schönen Gruß!

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