Quo vadis, Wahl der Qualen?

September 25, 2009 | von goerex

politik Quo vadis, Wahl der Qualen?

Was muss jeder von uns nur mitmachen in diesen Tagen: Wahlsprüche als würden sich die Parteien alle ein und der selben, sehr wahrscheinlich auch noch überbezahlten und dennoch irgendwie im Untergang begriffenen und geistig  umwölkten Textergilde hingeben. So als stellte man die Wahlpplakate auf einer Rinderfarm in den Schlamm und würde in Kuhsprache darauf verfassen: hier könnte auch ihr Wahlspruch stehen. Für was hält man uns eigentlich? Auch wenn ich bisher nicht der Meinung war, dass unsere Sprache verfällt, hier muss ich zweifeln. Sprache und Denken haben sich zeitweise entkoppelt. Und wie geht es weiter?

Einer sagt Yeah, alle sagens nach und spiegeln die Phrasenhaftigkeit politischer Aussage. Blogs und Foren füllen sich daraufhin damit, ob das gut oder schlecht war, als ob es mit Schwarz oder Weiß getan wäre, wenn es um graue Mäuse geht. Bei PRO7s Galileo wird die Berliner Jugend gefragt, was die Opposition ist und als intelligenteste Antwort hört man  “die, die dagegen sind, oder doch die von gegenüber, oder was?“. Die Piratenpartei sichert sich CDU Werbeslogans – unter www.wirhabendiekraft.de kann man folglich sehen, was passiert wenn bei der CDU Werbeetats von Überlebenden des 19. Jahrhunderts verwaltet werden, die in keiner Weise das Internet als Faktor überhaupt in Erwägung gezogen haben und nun noch einer Partei zuspielen, die ihre Existenz keinem traditionellen Freibeuter zu verdanken hat, wie manch andere nicht den traditionellen Christen. Zumindest macht sie auf Dinge aufmerksam, die den digital Nativen, so wir sie so nennen wollen, bei den anderen nur als Fehlstelle aufgefallen sind. Der Fauxpas der PP ein Interview mit einer nach eigener Darstellung ihnen zum Interviewzeitpunkt nicht eineindeutig bekannten Zeitung namens Junge Freiheit zu geben, die sich dann dem rechten Spektrum als zugehörig entpuppt, nutzen wiederum polemische Trittbrettfahrer. Die Piratenpartei dann ob dieses Vorfalls in die braune Ecke zu drängen, da sich das ja aus rein populistischen Zwecken anbietet, so wie ja auch jeder schwul wird, weil er einem gleichgeschlechtlich orientierten mal ‘ne Zigarette anzündet, auch wenn er nicht wusste dass er schwul ist finde ich arm wie typisch. Der Mangel an Medierecherchefähigkeit ist natürlich rot anzumarkern . Aber für die Methode: Mein Gott.

Der traditionelle SPD-Wähler ertappt sich beim Anblick eines Herrn Steinmeier während des TV-Muells der Versuchung, Gründe für das Kreuz bei der CDU zu suchen, wohl wissend dass man dieses dann auf einen Berg trüge, um daran mancherlei Hoffnung zu nageln. Das Feuilleton der ZEIT mäkelt – wenn auch nicht ganz zu Unrecht – gegen das politische Kabarett und vor allem das beiwohnende Publikum in diesem Land und setzt jene, von denen kritische Größe zu erwarten gewesen wäre, nun auch noch ihren Zielscheiben gleich. Und zwingt uns somit zur Selbstreflektion. Das rührt am Mark. Ebenso wie die großen Brüste auf der CDU-Attacke “Wir haben mehr zu bieten”. Bitte auf die Tittel-Seiten damit.

Da keimt in mir die Hoffnung auf, die die FDP in der Brandenburger Provinz auf Wahlplakaten sät: “Damit der Landarzt nicht nur im Fernsehen kommt.” steht da geschrieben. Ohne mich damit identifizieren zu können, atme ich erstmals auf in diesem Wahlkampf bis am nächsten Pfosten was von Partei XY steht und ich mich wieder fühle als sei ich davor gefahren. Nur noch ein paar Tage, dann ist es endlich vorbei…nur ob wir dann alle noch die Kraft haben.

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2 KOMMENTARE

  1. Simoone:

    Das Interview mit dem stv. Vorsitzenden der PP wurde medial aufgebauscht. Okay. Viele der Empörten agieren scheinheilig, schließlich steht die freie Meinungsäußerung. Punkt. Außerdem empfiehlt es sich, zu lesen was man kritisiert.

    Daher ärgert mich weniger das -meiner persönlichen Meinung nach fragwürdige- Interview an sich, sondern vielmehr der interne Umgang mit der Sache.

    schlichte Unkenntnis…? räusper…
    Piraten, ne Internet-Recherche wäre da angebracht gewesen

  2. kathi:

    Mmmhh…Bilanz. Wahl vorbei, und nun?
    Im Land regiert schwarz-gelb – hat Brandenburg jetzt kräftige Landärzte? SPD wird von Rücktrittswelle überschwemmt. Und es fühlt sich an, als ob der Kinofilm der Wahl vorbei ist. Na gut, das Ende war vielleicht nicht ganz mein Geschmack, aber nach Verlassen des Saals, ist es so egal wie nach jedem schlechten Film.

    Wieso berührt Politik nicht mehr?

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