republica: Warten auf “Wer bin ich?”

April 15, 2010 | von

Die Ungnade des späten Aufstands. Es ist mal wieder re:publica, seit gestern. In der Hauptstadt. Also mal wieder in die Bahn geschmissen und von Köln aus quer durch die analoge Republik entlanggeleist. Anreise Dienstag, um auch ein wenig mehr von Berlin mitzubekommen als zwischen Friedrichstadtpalast und Kalkscheune pendelnd von Session zu Panel zu Workshop zu hüpfen. Der Urlaub beginnt also einen Abend vor der eigentlichen Konferenz wie letztes Jahr mit der Jahreshauptversammlung der pl0gbar im famösen St. Oberholz. Nur, als wir dort angekommen sind, ist die vorversammelte Netzschaft zum Großteil schon in ihre Bettenbuden abgewandert. Dann also Prassnik, beim Einchecken, daß Sascha Lobo hier der virtuelle Bürgermeister ist und Jochen Distelmeyer ebendort sehr real sein Bier trinkt. Na dann, gute Nacht.

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Am echt ersten Tag dann die ungeplante Eingebung gehabt, sich den Vortrag von Peter Glaser zu schenken, den hat man ja im letzten Jahr schon reden gehört, um den Anmeldeandrang zu entzerren. Verdacht. Die Schlange P-Z ist immer noch so lang, daß der erste Raumbesuch (irgendwas mit Fernsehen und Social Media) wegen Überfüllung verunmöglicht wird. Dasselbe passiert am Nachmittag nochmal, wir kommen wegen eines ausgedehnten Mittagsmahls nicht mehr zu Passigs Ansage, wie man Leuten nichts beibringt.
Clever eingerichtet von den Organisatoren der re:publica, wie schon 2009 kein vernünftig funktionierendes W-LAN zur Verfügung zu stellen, damit sich niemand über diesen Herumstand öffentlich aufzuregen in der Lage ist. Selbst das UMTS-Netz der Gegend ist standrechtlich überlastet. Also zum Arbeiten hin und wieder in ein querstraßiges Café. Der Kaffee der Espresso Ambulanz ist dabei so lecker, daß man versucht ist, hier gleich sitzen zu bleiben und sich in diesem Fall sogar zu kostenloser Werbung für den Laden hinreißen läßt. Beim sonstigen Herumstehen, Warten und Zeitüberbrücken spekuliert man dann darüber, ob es re:publicanisches System ist, interessante und populäre Themen in zu kleine Räume zu packen, damit die eigentlichen wichtigen, (netz-)politischen Themen genug Überlaufzuläufer bekommen.

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Im Friedrichstadtpalast findet man hingegen auch bei großen Namen immer ein Sitzplätzchen. Und die Vorträge von Jeff Jarvis und Peter Kruse sind ihre Besuchszeit wirklich wert gewesen. Inhalte kann man sich ja anderweitig anschauen – oder in so prinzipiell unverlinkten Papierzeitungen nachschlagen. Und andersrum ist die Besucherzahl am ersten Abend im großen Saal der Kalkscheune erfreulich übersichtlich, weil die Masse sich die Twitterlesung statt der Royal Revue von @Nilzenburger und @hermsfarm ansieht.

Am Ende des Abends im sponsorpartytauglichen Tapeclub konnte man ja noch nicht ahnen, daß es am zweiten Tag kaum anders werden würde. Mal sehen, was der morgige letzte Tag bringt.

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