Kategorie: Arbeit | December 30, 2009 | von Miriam Rauh
Es geschah im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts, eine Geschichte, wie sie sich wieder und immer wieder und auch heute noch abspielt. Ein Mann und eine Frau verlieben sich ineinander. Sie heiraten. Eines Tages sagt die Frau zu ihrem Mann, sie bitte ihn inständig, ihr um ihrer beider Liebe Willen etwaige Fehltritte für immer zu verschweigen. Sie sei so nachtragend, dass sie nichts verzeihen könne, da wolle sie lieber bestimmte Dinge gar nicht erst wissen. Wie sehr er seine Frau geliebt hat, ist mir nicht bekannt. Wohl aber, dass er sich an ihre Bitte hielt. Als er mit ihrer besten Freundin eine Affäre begann und diese schwängerte, ließ er über Nacht die Freundin verschwinden. Die Frau war untröstlich über das Verschwinden der Freundin, das sich zu ihren Lebzeiten niemals aufklärte. Mit ihrem Mann aber blieb sie zusammen, bis zu ihrem Tod.

//Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//
Die meisten Menschen haben ein Geheimnis. Wohl verschlossen in ihrer Erinnerung bewahren sie eine Geschichte oder eine Begebenheit auf, deren Verlauf sie mit kaum jemandem, vielleicht sogar mit niemandem teilen. Weiterlesen »
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Kategorie: Arbeit | December 10, 2009 | von Miriam Rauh
„Und ich dachte, die Araber verfolgen mich,“ hatte er gesagt, nachdem der schwarze Wagen ihn an den Straßenrand gedrängt und zum Halten gezwungen hatte. Mit viel zu hoher Geschwindigkeit war er durch die Nacht gebraust und sogar noch schneller war er geworden, als er seine Verfolger bemerkte. Die beiden Polizisten tauschten einen viel sagenden Blick und wiesen ihn an, seine Taschen zu leeren. Mit diesem simplen Statement hatte er sie auf die Spur gebracht, dass es hier um mehr ging, als um das dringende Bedürfnis, ganz schnell nach Hause zu kommen. „Eigenbedarf,“ sagte er, als sie ihm die Briefchen mit dem weißen Pulver unter die Nase hielten, “machen alle in der Gastro.“

In der Gastronomie zu arbeiten zehrt. Oft hat man unregelmäßige Arbeits- und Essenszeiten, oft steht man sich bis spät in die Nacht die Beine in den Bauch oder läuft im Gegenteil so viel und oft so schwer beladen durchs Lokal und zum Nachfüllen in den Keller, dass man sich wünscht, in Kilometergeld bezahlt zu werden, statt nach Zahl der Stunden. Sich da ab und zu mit kleinen „Supplements“ zu behelfen liegt nahe, zumal man Koks und Speed und Pillen oft von mehr oder weniger wohlmeinenden Gästen und Kollegen angeboten bekommt. Der Stoff ist billig, lässt einen für eine Weile vergessen, dass man einen Job macht, der einen in der Hackordnung unter den Prestige-Job-Menschen erst einmal ein paar Reihen nach hinten wirft und er macht wach. Zumindest hat man ein paar Mal die Illusion, dass es so wäre. Wenn man erst mal müde ist, ist es zum Aufhören meist zu spät.
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Kategorie: Arbeit | November 20, 2009 | von Miriam Rauh
„In Köln habe ich mal in einer Drogerie gearbeitet. 6 DM gab’s pro Stunde, angemeldet. Ich musste einen weißen Kittel tragen und war eigentlich permanent erkältet, weil ich die Klimaanlage nicht vertragen habe. Mein Job war es, Toilettenpapier in die Regale zu schichten. Wahrscheinlich habe ich auch andere Waren ein- oder ausgeräumt, aber ich erinnere mich nur an das Toilettenpapier und dass ich die Arbeit als ziemlich erniedrigend empfunden habe. Dazu kam, dass die Kolleginnen fast nicht mit mir sprachen, weil sie wohl dachten, ich hielte mich als Studentin für was Besseres. Ich habe viele solcher Jobs gemacht, um ein bisschen Geld dazu zu verdienen, aber dieser war, vielleicht wegen des Gefühls der Isolation, der unangenehmste.“
//Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//
Nebenjobs begleiten uns heute oft ein ganzes Leben. Wenn wir uns während Studium und Ausbildungszeit noch damit trösten konnten, dass schlecht bezahlte Hilfs- und Nebenjobs nur ein Übergang und notwendiges Übel sein würden, bevor wir in die Hochglanzwelt der gut dotierten Stellen eintauchen, mussten wir oft nach unserem Abschluss feststellen, dass wir nach dem (mit Nebenjobs finanzierten) Praktikum nur ein weiteres Praktikum machen dürfen und dass das wohl so weiter gehen wird, bis uns nach Praktikum X vielleicht auch mal jemand eine ehrenamtliche Stelle anbietet. Es bleibt der Nebenjob. Irgendwoher muss das Geld ja kommen. Weiterlesen »
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Es gibt Situationen, da macht die Arbeit keinen Spaß. Das liegt oft nicht einmal an der Arbeit selbst, sondern an eben der Situation. Zum Beispiel Interviews. Nun sind Journalisten sowieso eine aussterbende Spezies und die beiden Links gerade damit wohl lediglich für Historiker von Interesse. Oder halt: Solange die Tagesschau ihre Berichte über Tarifverhaldlungen und Arbeitslosenquote immer noch mit Archivmaterial von den Hochöfen ThyssenKrupps und den Fließbandfabriken deutscher Autobauer bebildert, statt die Kamera einfach mal ins St. Oberholz zu halten, ist es noch ein weiter Weg, bis sich Arbeitslebensentwürfe jenseits der vollbeschäftigten Festanstellung im allgemeinen Bewußtsein festsetzen. Weiterlesen »
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(so you better treat us right)
“Was willst Du denn mal werden?” ist eine der ersten eindringlichen Fragen, die uns gestellt werden. Spätestens wenn wir in die Schule kommen haben wir verinnerlicht, dass wir uns anstrengen müssen, um später mal einen Job zu finden. “Das hat doch keine Zukunft,” oder “davon kannst Du doch nicht leben” sind oft gegebene Kommentare besorgter Eltern, wenn sie mit ihren Kindern über deren Berufswunsch sprechen. Überhaupt: der Berufswunsch. Was ist denn, wenn man einfach neugierig darauf ist, welche Möglichkeiten sich im Laufe eines Lebens ergeben und gar keinen konkreten Berufswunsch hat? Ist es nicht viel spannender und auch zeitgemäßer, weil ohnehin alles im Wandel ist, immer mal wieder einen anderen Weg einzuschlagen?
//Koch// Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//
Arbeit ist wichtig. Diese Botschaft saugen wir schon mit der Muttermilch, respektive dem angerührten Trockenmilchpulver, auf. Wird unsere Arbeit nicht geschätzt, fühlen wir uns wertlos. Haben wir keine, verfallen wir schnell in Apathie, als stünde der fehlende Gehaltsscheck für unsere Legitimation, auf der Welt und ein geachtetes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Weiterlesen »
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Oft ist ja das Wetter der Aufhänger. Noch nicht einmal das Wetter selbst, sondern erst die Tatsache, es in Beziehung zu einer Bezugsgröße zu setzen. So sind wechselnde Temperaturen in unseren Breitengraden keine Seltenheit und ich bezweifle stark, daß man beispielsweise auch in der Sahara den Smalltalk vornehmlich mit dem Meinungsaustausch über die klimatischen Verhältnisse bestreitet. Was gäbe es bei gleichbleibend wolkenloser Wärme schon groß zu erzählen? Weiterlesen »
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Kategorie: Arbeit | September 11, 2009 | von Miriam Rauh

Ganz groß stand es da zu lesen, direkt vor meiner Nase. „Ihr neues Werkzeug,“ und etwas kleiner „Ihr Azubi.“ Das Plakat bringt auf den Punkt, was mich seit langem wütend macht. Wir sind nichts wert. Wir sollen immer mehr arbeiten für immer weniger Geld. Denn, das begreift sogar ein Kind, wo immer weniger Arbeit ist, muss man dankbar sein, überhaupt etwas tun zu dürfen und nicht gleich als überflüssiges Menschenmaterial ausgemustert zu werden… Es wird allerhöchste Zeit für neue Arbeitsmodelle. Ein Mindestlohn muss her, damit wir unsere Würde behalten. Weiterlesen »
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