
In ihrer ersten Einzelausstellung, die am kommenden Donnerstag eröffnet, gibt die Berliner Fotografin Lisa Wassmann, die schon in Sleek, Vice, ZEITmagazin, Dazed & Cofused oder Derzeit veröffentlichte, einen Überblick über ihre Werkperiode der letzten drei Jahre.
Als Fotografin bewegt sich Wassmann auf dem schmalen Grad zwischen handwerklicher Präzision und einer kühlen digitalen Ästhetik, die im Zusammenspiel ihren Motiven Rückhalt bieten. Die nun gezeigten, teils unveröffentlichten, Bilder sind besonders aus Perspektive der Künstlerin: Sie bieten nicht nur einen Blick auf ihr Innenleben – sind es doch ausschließlich ihre Lieblingsfotografien- sondern machen aus dem intimen Einblick gleichzeitig einen Ausblick in die Welt.

In der Vorbereitung der Ausstellung arbeitete Lisa Wassmann dem üblichen Prinzip der Präsentation auf mehreren Ebenen entgegen: Nicht die Fotografien allein werden zum Zentrum des Ausgestellten, sondern der Fotografie wird ihre technische Reproduzierbarkeit genommen, indem sich in selbst gesuchten und restaurierten Rahmungen der digitale Print in ein Bild im traditionellen Sinne verwandelt. Die eigentliche Bildauswahl wird dabei zusätzlich verkehrt, indem der Rahmen den Inhalt bestimmt. Die so entstandenen Unikate blicken also eher aus ihrer äußeren Begrenzung heraus und erlauben ein spannungsvolles Wechselspiel zwischen Tradition und Gegenwart.

Die ausgestellten Fotografien sind auf eine Auflagenhöhe von drei Abzügen pro Motiv begrenzt. Fotografien inklusive Rahmung sind nur als Unikat erhältlich.
Lisa Wassmann – 05. August – 05. September
West Berlin Gallery
Brunnenstraße 56
13355 Berlin
Vernissage: 05. August ab 19:00 Uhr
Lisa Wassmanns Blog auf Sounds-Like-Me
www.lisawassmann.com
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Der Sommer hat ein Loch. Die Galerien sperren ihre Türen zu und nutzen die Zeit ausgiebig die Einnahmen zu verprassen oder lassen auf und zeigen Gruppenausstellungen. Gute Idee – hier 17 Künstler und Künstlerinnen an einem Abend.
 Claudia Angelmaier, "Das große Rasenstück" (c) Claudia Angelmaier
 Nina Ebbinghaus, "Robinie" (c) Nina Ebbinghaus
 Ralph Samuel Grossmann, "trefle", (c) Ralph Samuel Grossmann
Der Untertitel „Positionen zeitgenössischer Pflanzenfotografie“ klingt wie ein schlechter Floristenwitz. Wie verhalten sich überhaupt Botanik und Zeitgenossenschaft zueinander? Gibt es das Genre Pflanzenfotografie? Der Titel führt dann aber in eine Richtung, die immer mehr in den Blickpunkt von Stein und Smog gepeinigter Städter rückt. Innerstädtische Landwirtschaft, Guerilla-Gardening und Seed-Bombing besetzen in dem Metropolen zunehmend die Sehnsucht nach dem Landleben ohne die Vorzüge der Urbanität missen zu müssen: von intelligenten Interventionen in den sich immer mehr verselbständigenden Stadtorganismus bis zum reaktionären Spießertum ewiger Großstadtfeinde, die es mit ihrem Allround-Defätismus auf dem Land freilich auch nicht aushalten würden. Die Alfred-Ehrhardt-Stiftung stellt in der Ausstellung „Urbane Gewächse“ nun Fotografen und Fotografinnen (Annabelle Fürstenau, Claudia Angelmaier, Nina Ebbinghaus, Helmut Völter, Claudia Fährenkemper, Ralph Samuel Grossmann) vor, die ihren Städterblick auf die Flora lenken und ausgegrenzten Korbblütler und wackeren Pionierpflänzchen zu ihrem Recht verhelfen.
„Urbane Gewächse – Positionen zeitgenössischer Pflanzenfotografie“, Alfred Ehrhardt Stiftung, Auguststraße 75, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr
 "Sommerland" bei systM
 "Sommerland" bei systM
Kunst in Kneipen – das geht meist schief. SystM versteht sich trotzdem einerseits als Bar und andererseits als Galerie für Design, von Grafik bis Fashion. Mit der Sommerausstellung „Sommerland“ stellt systM nun acht Illustratoren und Illustratorinnen (Ana Albero, Romy Blümel, Danae Diaz, Sandra Ehlen, Nastja Holtfreter, Sophia Martineck, Maki Shimizu, Silke Werzinger) vor, deren Ausbildung an internationalen Kunst- und Designschulen noch nicht allzu lange zurückliegen. Illustration als angewandte Kunst fristet immer noch ein Schattendasein, weil die Grenzen zwischen künstlerischer Freiheit und wirtschaftlichen Nutzen schwer zu stecken sind. Gute Illustrationen eröffnen jedoch eine ganz eigene Ebene gestalterischer Darstellungs- und Erzählformen: ob nun Characters zum Leben erweckt werden, narrative Geschichten im Comic verbildlicht werden, statische Zeichnung in animiertes Bewegtbild überführt werden oder Magazine über die Illustration ein zusätzliches und visuell unerschöpfliches Bildmedium erhalten. SystM verschafft Überblick auf die Szene.
„Sommerland“, systM Gallery Bar, Torstraße 68, 10119 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr
 Christof Zwiener, "Elegy for all the dead rock stars 19:49min", 2009
 Tamara Lorenz, o. T., 2009/10
 Alexandra Schumacher, "Eroberung des Raumes II (Über die Rückseite)", 2010
Wie hier schon des Öfteren erwähnt, hat Surrealismus immer noch ungebrochen Hochkonjunktur. Wenn nicht direkt an den Werken ablesbar, dann in der zugrundeliegenden Theorie. Stedefreund eröffnet heute mit einer Dreierausstellung (Tamara Lorenz, Alexandra Schumacher und Christof Zwiener): “Les Chants de Maldoror”. “Die Gesänge von Maldoror” von Isidore Ducasse von 1868 gehörte in die Handbibliothek eines jeden gestandenen Surrealisten, wie etwa Man Ray oder René Magritte. Ersterer schwärmte vom zufälligen Zusammentreffens einer Nähmaschine und eines Regenschrims auf dem Seziertisch. Unwillkürliche oder arrangierte Konfrontationen propagieren auch die Künstler und Künstlerinnen der Ausstellung und loten den Bereich aus zwischen den Objekten und ihren fotografischen Abbildern.
“Les Chants de Maldoror”, Stedefreund, Dorotheenstraße 30, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr
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Krisenbewältigung allerorten. Ob in der deutschen Defensive, im radikalen London der Siebziger, in Performances auf der Schwelle zwischen Kunst und Leben, im Diskurs der eigenen Gattung oder einfach ohne Geld. Aber Eröffnungssportler sind Krisen gegenüber gefeit, denn sie stählen sich in der freitäglichen Konfrontation.
 „Another empty home“, Plakat gegen Immobilienspekulation, 1970er Jahre © Nick Wates Associates
 "Gay Pride Demonstration, London", Hall-Carpenter Archives © HCA/Townson
Die Losung „Eure Krise, unsere Jobs“ wird immer mal wieder auf Plakate und Banner gemalt und durch die Innenstädte getragen. Wirtschaftlichem Niedergang folgen Boomzeiten, so will es die Konjunktur. Großbritannien hat beides schon erlebt. „Goodbye London“ blickt zurück auf eine Zeit der Radikalisierung der englischen Gesellschaft in den 1970er Jahren, die darin gipfelte, dass Maggie Thatcher den Neoliberalismus erfand. Vor diesem Hintergrund von Leerstand, Häuserkampf, militanten Boulevardmedien, Feminismus und Gay Liberation entwickelte sich eine Bewegung, für die Kunst, Politik und Leben eins war. Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt Protagonisten dieser Szene zu denen u.a. der Filmemacher Derek Jarman, der Performer Stuart Brisley (der sich übrigens am Samstagnachmittag bei Exile mit dem Kurator Andrew Wilson von der Tate Gallery unterhält) oder der Konzeptkünstler Victor Burgin gehörten. Zur Ausstellung erscheint außerdem ein empfehlenswerter Katalog.
„Goodbye London – Radical Art and Politics in the Seventies“, NGBK Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Oranienstraße 25, 10999 Berlin-Kreuzberg, Eröffnung: 25. Juni, 19 Uhr
 Mark Met, Zeichnung
 Mark Met, Zeichnung
Weniger auf dem Boden der Tatsachen bewegt sich Mark Met. Aber auch für ihn gilt die Maxime, Kunst und Leben möglichst deckungsgleich unter einen Tirolerhut zu bringen. In dieser Schnittmenge spucken Lamas und Vulkane, verschmelzen Jäger und Gejagte zu Mischwesen der Imagination, wird getestet, wie lang U-Boot-Kapitäne unter Wasser bleiben können – ohne U-Boot versteht sich. Der Niederländer probt die Revolte in der Aktion und sagt: „Die Wahrheiten müssen Akrobaten werden, damit wir sie erkennen. Es kommt ja; es kommt ja was sagst du; Revolution?“ Im Kulturpalast Wedding präsentiert er Zeichnungen und performt zur Eröffnung.
Mark Met, „Spucken wie ein Lama – Rauchen wie ein Vulkan“, Kulturpalast Wedding International, Freienwalder Straße 20, 13359 Berlin-Wedding, Eröffnung: Freitag, 25. Juni, 20 Uhr mit einer Performance des Künstlers
 Henry Kleine, Untitled, 2010 (c) the artist, courtesy September Berlin
 Henry Kleine, Untitled, 2009 (c) the artist, courtesy September Berlin
In einem ganz anderen, wenngleich auch innerlichen Diskurs steckt Henry Kleine. Der Brite ist Maler und beschäftigt sich wie die meisten Maler mit Malerei. Gut so! Denn keine andere künstlerische Gattung befindet sich so im ständigen Kampf mit sich selbst. Totgesagt und immer wieder auferstanden. Kleine setzt sich mit der Abstraktion von Mark Rothko auseinander aber auch mit dem eher konzeptionellen Malereiverständnis von Wade Guyton, immer auf der Suche nach der nächsten Metaebene. Bei September zeigt Kleine Magazinübermalungen, gestische Kompositionen, aber auch Wandgemälde auf Holz und Polyvinylchloridfolien.
Henry Kleine, „Aether“, September, Charlottenstraße 1, 10969 Berlin-Kreuzberg, Eröffnung: Freitag, 25. Juni, 19 Uhr
 Zero Budget Biennial
In Zeiten, da eine Biennale die nächste jagt und Unsummen an Fördergeldern ausgegeben werden, um Tourismus und Wirtschaft unter dem Deckmäntelchen der Kunst anzukurbeln, kommt das Nullsummenspiel von Joanna Fiduccia und Chris Sharp gerade recht. Sie kuratieren die „Zero Budget Biennial“ als offiziell unprofitable Ausstellung im kommerziellen Raum der Galerie Klemm’s. So viel Marktunorthodoxie muss belohnt werden. Das Line-up der Künstler und Künstlerinnen, die unter der Vorgabe noch nie an einer Biennale teilgenommen zu haben ausgesucht wurden, liest sich schon mal nicht schlecht. Mit dabei sind u.a. Agnieszka Brzezanska, Simon Dybbroe Møller und Cécile Meynier.
„Zero Budget Biennial“, Klemm’s, Brunnenstraße 7, 10119 Berlin-Mitte, Eröffnung: Freitag, 25. Juni, 18 – 21 Uhr
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„Locate me“ machte neugierig. Schließlich will man ja wissen wo man ist. Und noch dringender will man meistens wissen wo der/die/das Andere ist. Im World Wide Web findet man allerlei Angebote, über GPS, mysteriöse Handystrahlung oder ganz normales Voodoo zu orten, wem auch immer man nachspionieren will. Mit dem ubiquitären Zugriff auf soziale Netzwerke sind dem Kontrollfreak und Hobbystalker ja schon alle Türen, Portale und Interfaces geöffnet. Warum also nicht auch hardwaremäßig aufrüsten?
 Wo bin ich? Und wenn ja, wie oft?
Doch die Ausstellung zur ständigen Standortvergewisserung seiner/ihrer selbst und aller anderen, „Locate me“ im Kunstraum Kreuzberg scheitert. Den meisten Exponaten knapp zwanzig beteiligten Künstlern und Künstlerinnen gelingt es nur in seltenen Fällen, ihre Ideen aus des Virtualität im realen Ausstellungsraum Gestalt zu verleihen. Sie scheitert aber vor allem an der krakenartigen Mischung aus Informationsmyzel und Wahrnehmungsparanoia, die das Internet zu der Universalformel des frühen 21. Jahrhunderts macht.
 Virtuell werden im realen Raum. Und umgekehrt.
Der Kommentar auf Praktiken, die im Netz entwickelt werden, kann vielleicht auch besser dort formuliert werden. Oder aber in Konzepten, denen die Ausstellung mit einem Programm auch noch auf den Leib rücken wird. In der klassischen Ausstellungssituation wirken die künstlerischen Positionen sehr bemüht, selbst wenn der Besucher interagieren kann. Die radikale Änderung unserer Wirklichkeitserfahrung und die immer größer werdende Durchdringung von virtuellem und realem Raum erfordert auch radikalere Interventionen der Kunst. Jetzt wäre die richtige Zeit. Vielleicht zum letzten Mal ehe sich das Raum-Zeit-Kontinuum unwiederbringlich verwölbt.
 Selbstbildnis des Autors als virtuelle ikone.
Im Begleitprogramm setzen die Macherinnen Florina Limberg und Daniela Walz auf Diskussionen und Workshops, die den etwas schlaffen Konsum der Ausstellung hoffentlich aufwerten können.
„Locate Me“, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2, Berlin-Kreuzberg
 Tinnitus virtualis.
Freitag, 18. Juni, und Samstag, 19. Juni, 15-18 Uhr: Biotop Bethanien. Workshop mit Verena Kuni. Samstag, 19. Juni: ab 19 Uhr Open Lab
Donnerstag, 24. Juni und 5. August, 19 Uhr: Ausstellungsführung mit den Kuratorinnen
Donnerstag, 1. Juli, 19 Uhr: „Verortungen. Über Zusammenhänge von Identitäten, Orten und neuen Medien“,
Vortrag von Prof. Susanne Hauser
Donnerstag, 22. und 29. Juli, 21-23 Uhr: „Leave-A-Comment Toolkit“, Secret-Tour mit Patrick Kochlick und Dennis Paul
Samstag, 7. August, 10-18 Uhr und Sonntag, 08. August, ab 16 Uhr: „Macht Spiele!“, Workshop mit Berlin Invisible Playground
Street Games Design
// alle Bilder > shot with Nokia Nseries //
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Ja, ist denn schon wieder Gallery Weekend? Ja! Es ist ja auch schon wieder Berlin Biennale. Und auch schon wieder Fußball-Weltmeisterschaft. Da lassen sich die Berliner Galerien nicht lumpen und versuchen angesichts des Zwischenhochs nach dem letzten Gallery Weekend von Ende April den Erfolg zu duplizieren. Wir selektieren die Überfülle an Ausstellungseröffnungen hier schon mal vor, damit ihr nicht umsonst durch die Gegend fahrt! Zeit ist eben kostbar, nicht nur für Kunstsammler…
 Lara Favaretto, Installation auf der Turin Triennale 2008
Lara Favaretto hat schon 2008 auf der Triennale von Turin, der abc in Berlin und der Biennale von Venedig im letzten Jahr überzeugt. Ihre kinetischen Skulpturen zwischen Readymade und moving Minimal Art sind von bestechender Einfachheit und poetischer Schönheit. Und erzeugen auch noch einen leichten Luftzug, der momentan ja auch nicht verkehrt ist. Bei Klosterfelde zeigt sie nun monumentale Skulpturen, die die Ahnung mystischer und fantastischer Ereignisse in sich tragen.
Lara Favaretto, „Out of It“, Klosterfelde, Potsdamer Straße 93, 10785 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, 18 – 21 Uhr
 Dennis Scholl, "Für Marcelle", 2010, Courtesy ARNDT Berlin, Foto: Bernd Borchardt
Bei all dem malerischen Realismus der letzten Jahre wundert es nicht, dass auch das Trompe-l’œil wieder da ist. Was Dennis Scholl bei Arndt zeigt ist allerdings weit entfernt von Allgäuer Lüftelmalerei und dem bloßen Reiz von illusionistischer Mimesis. Was Scholl da zusammenzeichnet, ist mehr als die Äußerung eines Bleistiftvirtuosen. Seine Tableaus erzählen krause Geschichten, verstückwerken Reminiszenzen an Comics, Sur- und Hyperrrealismus, amerikanischen Mainstream-Illustrationen und japanischen Pop-Kitsch.
Dennis Scholl, „Schmelzende Teilnehmung“, Arndt, Potsdamer Straße 96, 10785 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, 18 – 21 Uhr
 Tue Greenfort, "Incineration #1", 2008, Courtesy Johann König Berlin
Das Foto von einer Verbrennung macht neugierig und unsicher zugleich. Feuer fasziniert immer, doch was wird hier verbrannt. Totes Holz oder ein toter Mensch? Tue Greenfort setzt sich in seiner Arbeit oft mit ökologischen Prozessen und dem Verhältnis von natürlichen und sozialen Zuständen auseinander. Er ist allerdings kein Mahner mit erhobenem Zeigefinger, sondern weist auf die Dinge mit Humor – ohne ineloquent zu werden. In seiner vierten Soloausstellung bei Johann König zeigt Greenfort Fotografien, Objekten und einen Film zum Thema Feuer.
Tue Greenfort, „Flambant neuf“, Johann König, Dessauer Straße 6-7, 10963 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, 16 – 22 Uhr
 Timm Ulrichs, "Timm Ulrichs, den Blitz auf sich lenkend", 1977-2010
Timm Ulrichs ist „Totalkünstler“. Und das schon seit fünfzig Jahren. Er macht total gefährliche Performances, etwa sich einen Blitzableiter aufsetzen und über einen Acker spazieren, er macht total aufmerksam mit seinen Interventionen im öffentlichen Raum, er ist der totale Selbstdarsteller, sein eigenes Mittel zum Zweck der Kunst. Mit siebzig Jahren ist er immer noch total wichtig. Wentrup zeigt einen Überblick seines radikalen Werks.
Timm Ulrichs, „Den Blitz auf sich lenken“, Wentrup, Tempelhofer Ufer 22,
10963 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, 16 – 21 Uhr
 Michael E. Smith, "Before Medicine", 2008, KOW Berlin
Selbst wenn man die USA für den Oberschurken der Gegenwart hält, kann man doch auch Mitleid haben. Die Kinder verfetten, die Eltern sind es schon, die Küsten verschmutzt, das Hinterland von Tornados verwüstet, geistige Trostlosigkeit im Hinterland, von der Stadtplanung wollen wir nicht reden. Michael E. Smith senkt seinen Blick auf die Amerikaner als traumatisierte Existenzen. Mit ganz geringen Mitteln konstruiert er Installationen, Skulpturen aus Alltagsgegenständen, Zeichnungen und minimalistische Videos. Smiths erste Einzelausstellung bei Koch Oberhuber Wolff fokussiert auf ein Überleben zwischen Repression und Anspruchslosigkeit.
Michael E. Smith, Koch Oberhuber Wolff, Brunnenstraße 9, 10119 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, ab 18 Uhr
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Seide, Organza, Leder oder Baumwolle scheinen logisch wenn es um die Materialität von Kleidung geht. Abseits elastischer Gewebefasern aber scheint wenig vorstellbar, dem nicht sofort der Stallgeruch der Kunst oder schlimmer, der funktionalen Wegwerfgesellschaft anhaften würde.

Bild > Marcus Tomlinson, Stills aus dem Film „Pen to Paper“, UK 2003. © Marcus Tomlinson Weiterlesen »
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“Warum sammeln Sie eigentlich Kunst, Mister Joannou!” – Auf diese Frage würde ich gerne einmal eine ehrliche Antwort von Dakis Joannou, dem Athener Kunstmogul und Gründer der DESTE-Foundation for Contemporary Art hören.
“Skin Fruit: Selections from the Dakis Joannou Collection,” curated by Jeff Koons. Photograph by Benoit Pailley.
Die von Jeff Koons kuratierte Ausstellung ‘Skin Fruit’ – hiermit werden im New Yorker New Museum zum ersten Mal in den Staaten Werke aus der Dakis Joannou Collection gezeigt – gibt Hinweise auf eine mögliche Beantwortung dieser Frage. Joannou scheint davon bessessen zu sein einen möglichst vollständigen Kanon der wichtigsten Künstler seit den 80er Jahren zu besitzen.
“Skin Fruit: Selections from the Dakis Joannou Collection,” curated by Jeff Koons. Photograph by Benoit Pailley.
So sind dementsprechend auch gleich über 50 Künstler in Skin Fruit vertreten. Durch die Aneinanderreihung verschiedenster künstlerischer Ansätze wird dem Besucher der Zugang zum einzelnen Werk erschwert. Worum geht es hier eigentlich? Steht wirklich das künstlerische Werk im Mittelpunkt oder bietet ‘Skin Fruit’ vielmehr eine Plattform für den Sammler um sich zur Schau zu stellen?
“Skin Fruit: Selections from the Dakis Joannou Collection,” curated by Jeff Koons. Photograph by Benoit Pailley.
Was soll zum Beispiel diese einzelne Skulptur von Pawel Althammer in der Mitte des Raumes? Sie glänzt dort zwar schoen golden, macht aber keineswegs die Intention von Althammers künstlerischem Wirken klar. Das einzige, was sie hier repräsentiert, ist der Fakt, dass Althammer zur Joannous Sammlung gehört. Aber warum gerade Althammer? Ist sich Joannou bewusst, welches Konzept hinter Althammers Kunst steht?
“Skin Fruit: Selections from the Dakis Joannou Collection,” curated by Jeff Koons. Photograph by Benoit Pailley.
Der Sinn geht ein bisschen verloren, wenn der Sammler scheinbar sinnlos sammelt. Warum wird dies dann mit einer musealen Ausstellung honoriert, die auch noch ein Freund des Sammlers kuratiert: nämlich Jeff Koons? Prima, dass das den beiden Spass macht. Leider nur wird so die Bedeutung des einzelnen Kunstwerks zur hedonistischen Bedürfnisbefriedigung degradiert.
“Skin Fruit: Selections from the Dakis Joannou Collection,” curated by Jeff Koons. Photograph by Benoit Pailley.
Eines der Werke in Skin Fruit ist eine abstrakte Collage von Mark Bradford. Diese Arbeit proklamiert: ‘Let’s Make Christmas Mean Something This Year’. Diese Forderung sollte nicht nur für Weihnachten, sondern auch für die Kunst gelten.
Zu sehen ist ‘Skin Fruit’ noch bis Juni im:
New Museum
235 Bowery
New York, NY 10002
212.219.1222
http://www.newmuseum.org/
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 Gezielter Einsatz des Erikativs
Malersuperstar und every-Leipzig-body’s darling Neo Rauch ist am Samstag 50 Jahre alt geworden. Das Museum der bildenden Künste in Leipzig spendierte dem Begründer der „Leipziger Schule“ eine Geburtstagsausstellung mit 60 Werken aus den Jahren 1993 – 2010. Seit Montag wird weiter- und nachgefeiert in Münchens Pinakothek der Moderne – mit noch mal 60 Bildern
 das Rauch'sche Dreigespann: Neider, Zweifler, Liebhaber
Neo Rauch hat mit seinen pseudo-pathetischen Tableaus ein neues Malereigenre geschaffen, den Tut-nur-so-als-ob-Surrealismus. Damit hat er auf dem Kunstmarkt eingeschlagen wie eine Bombe. Kein Wunder also, dass die meisten der in Leipzig gezeigten Bilder aus handverlesenen Privatsammlungen stammen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, an einen Rauch zu kommen, die Wartelisten sind lang.
 gut abgelagerte Ikonografien
Dräuend, unterschwellig deutsch, collagehaft verrätselt wirken die Bilder als seien sie eine visuelle Schnitzeljagd nach einer versteckten Aussage. Rauch selbst weist den Verdacht, es stecke mehr dahinter, weit von sich und pflegt in seinen Interviews die Kunst des Schön-Formulierens: als fein gedrechselte Entsprechung zu seinen Tafelbildern.
 ...wiegt schwer, das Bild noch schwerer!
Humor hat er jedenfalls, der Neo Rauch. Er tritt in seinen bedeutungsscheinschwangeren Gemälden leider manchmal zu sehr in den Hintergrund, weil man hinter den bärtigen Spießgesellen, den derben Weibsbildern, den Klassenkampfszenarien, den reaktionären Situationen und Zusammentreffen obskurer Objekte einen aufklärenden Hintersinn wittert. Doch der Witz schwelt im Detail. In den Titeln, den ins Bildgeschehen eingelassenen Wortfetzen, den Verunklarungen und falschen Fährten, der offensiven Schlechtmalerei, den kuriosen ikonografischen Ideen.
 hier herrscht Neo
Daher ist es aufschlussreich, mit dem Rauchwerk in solcher Fülle konfrontiert zu werden. Und ein Besuch in Leipzigs überdimensioniertem Museum mit seinen Leerstellen lohnt allemal.
 Rauch-Apologeten in typischer Kleidung
Neo Rauch, „Begleiter“, Museum der bildenden Künste, Leipzig, noch bis zum 15. August 2010
 Achtung: kein Neo Rauch! Nur ein nachahmender Street Artist am Bauzaun des Museums...
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// Richard Hamilton:
Swingeing London 67 (f)
, 1968-69 |
Screenprint on canvas, acrylic and collage
67 x 85 cm
© 2010 Richard Hamilton //
Ihren 40. Geburtstag feiert London’s Serpentine Gallery mit neuen Arbeiten von Richard Hamilton. Im Fokus dieser Solo-Ausstellung stehen besonders die politischen Werke des britischen Pop-Art Künstlers. Weiterlesen »
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Dies ist keine Neuigkeit. Die Ausstellung Dark Splendor mit Werken des als Filmemacher berühmt gewordenen David Lynchs läuft schon seit November letzten Jahres. Aber wann schafft man es als selbst als Kölner mal ins Max Ernst Museum, ins beschaulich benachbarte Brühl? Zumal die häßlich zusammengeschusterten Plakate nahezu aller LVR-Einrichtungen nicht gerade zu einem Besuch selbiger animieren. Aber so ist das eben, wenn sich so ein bürokratisches Ungetüm wie der Landschaftsverband Rheinland (als u. a. Träger dieses Museums) plötzlich in die Öffentlichkeit wagt und mit seinem riesigen Spektrum etwas Ähnliches wie eine Corporate Identity zu verköpern hat. Wie dem auch sei, ich habe mich trotz des schlechten Wetters vorletztes Wochenende dann doch einmal aufgerafft und muß sagen: Es hat sich gelohnt. Weiterlesen »
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