Innen Statt Außen – Lisa Wassmann stellt aus

Kategorie: berlin | August 04, 2010 | von Sounds like NEWS

the ocean Innen Statt Außen   Lisa Wassmann stellt aus
In ihrer ersten Einzelausstellung, die am kommenden Donnerstag eröffnet, gibt die Berliner Fotografin Lisa Wassmann, die schon in Sleek, Vice, ZEITmagazin, Dazed & Cofused oder Derzeit veröffentlichte, einen Überblick über ihre Werkperiode der letzten drei Jahre.

Als Fotografin bewegt sich Wassmann auf dem schmalen Grad zwischen handwerklicher Präzision und einer kühlen digitalen Ästhetik, die im Zusammenspiel ihren Motiven Rückhalt bieten. Die nun gezeigten, teils unveröffentlichten, Bilder sind besonders aus Perspektive der Künstlerin: Sie bieten nicht nur einen Blick auf ihr Innenleben – sind es doch ausschließlich ihre Lieblingsfotografien- sondern machen aus dem intimen Einblick gleichzeitig einen Ausblick in die Welt.

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In der Vorbereitung der Ausstellung arbeitete Lisa Wassmann dem üblichen Prinzip der Präsentation auf mehreren Ebenen entgegen: Nicht die Fotografien allein werden zum Zentrum des Ausgestellten, sondern der Fotografie wird ihre technische Reproduzierbarkeit genommen, indem sich in selbst gesuchten und restaurierten Rahmungen der digitale Print in ein Bild im traditionellen Sinne verwandelt. Die eigentliche Bildauswahl wird dabei zusätzlich verkehrt, indem der Rahmen den Inhalt bestimmt. Die so entstandenen Unikate blicken also eher aus ihrer äußeren Begrenzung heraus und erlauben ein spannungsvolles Wechselspiel zwischen Tradition und Gegenwart.

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Die ausgestellten Fotografien sind auf eine Auflagenhöhe von drei Abzügen pro Motiv begrenzt. Fotografien inklusive Rahmung sind nur als Unikat erhältlich.

Lisa Wassmann – 05. August – 05. September
West Berlin Gallery
Brunnenstraße 56
13355 Berlin

Vernissage: 05. August ab 19:00 Uhr

Lisa Wassmanns Blog auf Sounds-Like-Me
www.lisawassmann.com

Eröffnungssport – jung und etabliert

Kategorie: berlin | July 30, 2010 | von Marcus Woeller

Manche Künstlerinnen sammeln Preise, andere Erfahrungen. An diesem Freitag stechen zwei Eröffnungen aus einem immer schmaler werdenden Sommerprogramm heraus. Zwei tragende Säulen der Kunstlandschaft in Berlin-Mitte zeigen etablierte Installation und junge Fotografie.

Mona Hatoum, Foto: Jim Rakete (c) Mona Hatoum

Mona Hatoum, Foto: Jim Rakete (c) Mona Hatoum

Mona Hatoum, "3-D Cities", 2008-2010 (Detail), Foto: Fakhri N. al Alami, Courtesy The Khalid Shoman Foundation – Darat al Funun, Amman (c) Mona Hatoum

Mona Hatoum, "3-D Cities", 2008-2010 (Detail), Foto: Fakhri N. al Alami, Courtesy The Khalid Shoman Foundation – Darat al Funun, Amman (c) Mona Hatoum

Mona Hatoum, "Worry Beads", 2009, Foto: Agostino Osio, Courtesy Fondazione Querini Stampalia, Venezia (c) Mona Hatoum

Mona Hatoum, "Worry Beads", 2009, Foto: Agostino Osio, Courtesy Fondazione Querini Stampalia, Venezia (c) Mona Hatoum

2008 hat Mona Hatoum den Trend zu temporären Gärten und anderen vegetabilen Interventionen von der Seite der Kunst entscheidend mit angestoßen. Die Installation „Hanging Garden“ in der DAAD-Galerie bestand aus mit Samen gefüllten Sandsäcken, die nach gründlicher Wässerung austrieben und die an Schützengräben oder Hochwassereindämmung erinnernde Mauer in eine grün sprießende, lebendige Plastik verwandelte. Jetzt erhält die libanesisch-palästinensische Künstlerin den Käthe-Kollwitz-Preis der Berliner Akademie der Künste für ihren vom Readymade ausgehenden erweiterten Skulpturbegriff. Performance, Installation und Environment sind für Hatoum nur das Vehikel ihren durch und durch politischen Ansatz zu transportieren. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht immer der Mensch, sein verletzlicher Körper und seine individuellen Erfahrungen.

Mona Hatoum, „Käthe-Kollwitz-Preis 2010“, Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 30. Juli 2010, 19 Uhr

Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg

Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg

Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg

Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg

Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg

Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg

Zwanzig junge Fotografen hat Felix Hoffmann, der Kurator von C/O Berlin schon aufgespürt und bietet ihnen einen Sprungbrett ihre Arbeit vorzustellen. „Talents“ heißt die Reihe und präsentiert die Positionen von Kunstfotografinnen, Fotojournalisten und Dokumentarfotografen, falls zwischen diesen Kategorien noch jemand trennen will. Clou des Konzepts ist aber nicht diese Möglichkeit einer Ausstellung zu nutzen, sondern die Idee, die Fotografien direkt zur Diskussion zu stellen. Zu jeder monografischen Ausstellung produziert C/O Berlin eine Publikation, in der ein Nachwuchskritiker, Kunstvermittler oder eine Bildwissenschaftlerin sich eingehend mit Kunst und Werk auseinandersetzt und sie mit den Mitteln der Kunstgeschichte aufarbeitet. Friederike Brandenburg zeigt zum 20. Jubiläum nun ihre Serie „Zurückgelassen“. Die Fotografin ist auf Spurensuche nach Hinterlassenschaften in der Natur gegangen. Vor der Kulisse Norwegens richtet sie ihren Blick eben nicht nur auf Gletscher, Fjorde und Wälder, sondern auf die Rückstände der Menschen, Fundstücke, Reste, Residuen. Die Kunstvermittlerin Sophia Greiff fühlt ihr auf den konzeptuellen Zahn.

„Talents 20 – Junge Fotografie/Kunstkritik“, C/O Berlin, Oranienburger Straße 35/36, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 30. Juli 2010, 19 Uhr

Love all over – Scissor Sisters auf Heimatbesuch

Kategorie: berlin | July 16, 2010 | von Esther Harrison

IMG 2767 1024x768 Love all over   Scissor Sisters auf Heimatbesuch

Nach ein wenig terminlichem Hin- und Her wurde das für den ursprünglich 9.7. angesetzte Konzert der “Scheren Schwestern” dann auf Dienstag den 13.7. verlegt. Man traf sich im Postbahnhof, der den nicht unerheblichen Vorteil des Innenhofs für sich verbuchen konnte.

Und so war das schräge und großartige Musikerkollektiv der Hidden Cameras, die das Vorprogramm bestritten zwar ein würdiger Start aber die meisten sammelten dann doch Kraft, Vorfreude und Sauerstoff, bevor der Abend beginnen konnte.Das Publikum quittierte ein Freund (selbst schwul) wie folgt, als er sich im Hof umsah: “Huch, ganz schön schwul hier” und löste damit einige Heiterkeit aus. Soviel neckische “Hot Pants mit Söckchen”- Kombis, wo sonst bekommt man das in solcher Pracht zu sehen? Und gibt es etwas Schöneres, als mit der liebsten Gayboyfriends-Clique zu einem Scissor Sisters Konzert im Hochsommer zu gehen?

Kurzer Rückblick: Die 5 New Yorker, die 2004 mit Ihrem großartigem, gleichnamigen Debüt mit Knallern wie “Tit´s on the Radio”, “Take your Mama”,  “Filthy Gorgeous” und natürlich “Comfortably Numb” den Soundtrack für einen endlos scheinenden Sommer lieferten. Sie verkauften damals über 1 Million Tonträger, wobei die Zusammenarbeit mit Kylie Minogue (”I believe in you”) wohl den entscheidenden Impuls für den Erfolg auch außerhalb es britischen Eilands gab.

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Das zweite Album “Ta-Dah” allerdings konnte nicht an das großartige Songwriting des Erstlings anknüpfen und so ist es herzergreifend sympathisch wenn man Jake auf der Bühne geschehen von dieser schweren Zeit in 2009 erzählen hört: Er erwachte eines Tages sprach mehr zu sich selbst: “Das ist alles nichts. Ich muss raus.” Und aus dem Hintergrund schreit Ana: ” The Album was shit!”
Jake berichtet über die Zeit, die er in Berlin verbrachte: “Es gab Nächte, in denen ich mir die tanzende Menge anschaute und bei diesem Anblick jegliches Gefühl für die Zeit verlor. Ich hätte nicht einmal sagen können, in welchem Jahrzehnt wir uns gerade befanden”
Und so ist das neue Album “Night Work” Ergebnis dieser Phase: Eine absolute und konsequente Weiterentwicklung und eine tanzbare Sensation. Mit Killertanzschrittbeats, die aus den verschiedensten Dekaden stammen könnten. Die erste Single ist dann auch gleichzeitig die “einfachste” wenn wir über “Singlemerkmale” sprechen, die heutzutage so maßgeblich und doch bedenklich scheinen.

Scissor Sisters “Fire with Fire”.

Nicht zu vergleichen mit “Invisible Lights”, von dem es leider noch kein Video gibt.

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Jake: “Die Platte ist einfach nur ein Traum. Sie vereint all das, woran wir uns früher vergeblich die Zähne ausgebissen haben.”
Das Album kam am 10.6.2010 auf den Markt und man kann es nicht oft genug sagen: Jeder der hierbei nicht ins “wippen” gerät, ist entweder taub oder tot. Soviel dazu.

Als gegen Ende mit der Zugabe der neue Song “Invisible Lights” kommt, scheinen alle absolut entfesselt. Sich selbst und allem um sich herum bewusst, mit allem und jedem verbunden und doch gleichzeitig ein sinnliches Einzelteil für sich. Für jeden, der nicht dabei war, mag sich das etwas befremdlich anhören aber ich kann mich nicht erinnern wann ich das letzte Mal unmerklich in so einem Gefühlszustand “getanzt” hätte. Fast schon instinktiv, archaisch wie der höchstpersönliche Vodooclan in your tummy, brain and heart. Und so bringen die Scissor Sisters die Crowd im wahrsten Sinne des Wortes mit jedem Song unbeirrt zum Rasen. Wie aufgepeitschte Wellen- die Hände in der Luft.

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“Put on your dancing shoes filthy old party children, we are scissors sisters and so are you!”

Wie soll man eine Scissor Sisters-Show am besten beschreiben, als mit großartiger Bühnepräsenz und bis ins letzte Detail gelebtes Posing und Lyrics.
Doch die Intensität liegt auch an etwas anderem: Es ist nicht irgendein Konzert, sondern jenes, das in Berlin stattfindet. Von Song zu Song stieg nicht nur die Temperatur, sondern ebenso die Verbundenheit dieser Band zu ihrem Berliner Publikum und umgekehrt. Die Berliner und die Scissor Sisters, das ist Familie. Eine Lovestory die als Radiokonzert vor 100 Fans 2004 begann, ihren wohl vorerst kommerziellsten Höhepunkt 2006 mit der Singleauskopplung “I don´t feel like dancing” in der ausverkauften Columbiahalle hatte und jetzt wieder ein Stück intimer, vertrauter, herzlicher, aber eben auch anspruchsvoller, musikalisch aufregender und schmutziger geworden ist.
Und so überrascht es nicht, dass der Überraschungs DJ auf der Aftershowparty im Bang Bang Club, Jake himself ist, der schon da ist als wir eintreffen.

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Und Ana findet man eine halbe Stunde später ausgelassen auf der Tanzfläche. Ähnlich präsentieren sich beide auch im Gespräch: Unprätentiös, herzlich, offen und direkt. Die Backstage-Pässe werden direkt nach der Show zu Requisiten. Backstage? Brauchen die New Yorker nicht, sie mischen sich lieber unter die Leute. Denn sie sind ja in Berlin. Also irgendwie zuhause. Bei der Familie, die sie glücklich an alle Busen und äh… Bälle drückt.
Und als kleine, letzte Randnotiz: Der Bang Bang Club war mit circa 30-50 Gästen angenehm gefüllt, alles also intim und nah. Michael Stipe von R.E.M. hing da auch irgendwo rum. Mittendrin. Das ist halt Berlin, wa?

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Hommage an den Spanngurt – WM 2010

Kategorie: berlin | July 14, 2010 | von Marcus Woeller

31 Tage Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Was bleibt? Ein Weltmeister, mit dem man gut leben kann. Eine deutsche Mannschaft, die England und Argentinien nass gemacht ganz ohne teutonisches Geholze. Eine neue Wertschätzung der Großelterngeneration. Ein leichter Tinnitus. Eine gewisse Verlustangst in Sachen Netzer. Kein innerer Parteitag. Ein Ausflug zu den Löwen. Ein blauer Pullover. Ein bester Nachwuchsspieler. Hoffentlich eine Vertragsverlängerung. Vor allem aber bleibt die Erkenntnis, dass nichts bleibt. Alles ist im Fluss, wenn nicht im Fluxus. Die allgemeine Tendenz zu temporärer Architektur hat sich im Kleinen des Public Viewing schon zu ganzer Schönheit entfaltet. Ohne Spanngurte, Kabelbinder, Gaffertape, Pressspan, Wäscheleine, Bierdeckel, Getränkekästen, Plastikfolie und Holzlatten ging gar nichts. Eine Stilkunde…

Purismus. Am Anfang war der konstruktive Urbaukörper: ein Bierkasten.

Purismus. Am Anfang war der konstruktive Urbaukörper: ein Bierkasten.

Strukturalismus. Die wesentlichen Funktionsträger fürs Public Viewing in strenger Komposition.

Strukturalismus. Die wesentlichen Funktionsträger fürs Public Viewing in strenger Komposition.

Exotismus. Koloniale Attitüde in Verbindung mit Großmannssucht.

Exotismus. Koloniale Attitüde in Verbindung mit Großmannssucht.

Legerer Funktionalismus. Standhafter Aufbau mit elegantem Überwurf zum Licht- und Nässeschutz.

Legerer Funktionalismus. Standhafter Aufbau mit elegantem Überwurf zum Licht- und Nässeschutz.

DIY-Narzissmus. Gefallsucht in lapidarer Lattenkonstruktion auf Rollen in abschüssigem Terrain.

DIY-Narzissmus. Gefallsucht in lapidarer Lattenkonstruktion auf Rollen in abschüssigem Terrain.

Neo-Biedermeier. Trash meets Danish Design fürs Private Public Viewing in Gemütlichkeit.

Neo-Biedermeier. Trash meets Danish Design fürs Private Public Viewing in Gemütlichkeit.

Postmoderne. Wohl austariertes Formenspiel zwischen Flatscreenrechtecke und Rotationskörperstütze mit Schlampigkeiten bei der Kabelführung.

Postmoderne. Wohl austariertes Formenspiel zwischen Flatscreenrechtecke und Rotationskörperstütze mit Schlampigkeiten bei der Kabelführung.

Techno-Funktionalismus. Neueste LED-Technik erzeugt mäßige Bildqualität, der Bierkasten ist in der Wiederholung zum Sitzmöbel degradiert.

Techno-Funktionalismus. Neueste LED-Technik erzeugt mäßige Bildqualität, der Bierkasten ist in der Wiederholung zum Sitzmöbel degradiert.

Asia-Ästhetizismus. Dekorative Zweck-Skulptur mit Bommeln.

Asia-Ästhetizismus. Dekorative Zweck-Skulptur mit Bommeln.

Art Brut. Mit Mitteln des Baumarkts auf dem Weg in die Abstraktion.

Art Brut. Mit Mitteln des Baumarkts auf dem Weg in die Abstraktion.

Simplizismus. Farblich gut eingepasst in die Umgebung.

Simplizismus. Farblich gut eingepasst in die Umgebung.

Prä-Dekonstruktivismus. Turmbau zu Babel meets Statik-Know-How.

Prä-Dekonstruktivismus. Turmbau zu Babel meets Statik-Know-How.

Arte Povera. Wir hatten ja nichts, und wollten doch mitschauen.

Arte Povera. Wir hatten ja nichts, und wollten doch mitschauen.

Deutscher Heimatstil. Sozialromantik im Strandkorb.

Deutscher Heimatstil. Sozialromantik im Strandkorb.

Dada-Existenzialismus. Das Sein und das Wesen des Public Viewing - im Happening geboren.

Dada-Existenzialismus. Das Sein und das Wesen des Public Viewing - im Happening geboren.

Brutalismus. Temporäre Architektur für die Ewigkeit, die manchmal 90 Minuten dauert.

Brutalismus. Temporäre Architektur für die Ewigkeit, die manchmal 90 Minuten dauert.

Konstruktivismus. Filigraner Zweckbau als Intervention in den Straßenraum.

Konstruktivismus. Filigraner Zweckbau als Intervention in den Straßenraum.

Gelsenkirchener Barock. Harmonisch eingefügt in die Berliner Hüttenseligkeit.

Gelsenkirchener Barock. Harmonisch eingefügt in die Berliner Hüttenseligkeit.

Situationismus. Public Viewing als installative Kommunikationsguerilla im urbanen Gefüge.

Situationismus. Public Viewing als installative Kommunikationsguerilla im urbanen Gefüge.

alle Fotos (c) Marcus Woeller, Berlin 2010

Fashion Week Berlin – Talente + Sieger

Kategorie: berlin | July 10, 2010 | von Nina Trippel

An einem mangelt es Berlin nicht – und das sind Modestudenten. Vom Lette-Verein, über die AMD (Akademie Mode und Design) (AMD) bis ESMOD, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), KH Weißensee und Universität der Künste (UdK), ist das Portfolio an Ausbildungsstätten in der deutschen Hauptstadt vielfältig. Und andersherum können sich die Studenten inzwischen nicht, wie noch vor einigen Jahren, über mangelnde Förderung, Wettbewerbe und Aufmerksamkeit beschweren. Die meisten Wettbewerbe sind nicht Berlin-spezifisch, aber fast alle finden in Berlin statt. Und es werden mehr. Neu ist etwa der „German Fashion Film Award, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, daneben gibt es noch den Create Europe Award vom Goethe-Institut, den „Premium Young Designers Award“ der gleichnamigen Messe, den „Designer for Tomorrow (by Peek & Cloppenburg)“ Wettbewerb im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin. Und neuerdings dürfen sich die Mode-Studenten auch über das Engagement der Stadt Berlin freuen, den nun gibt es on top noch den „Start Your Own Fashion Business Wettbewerb und der wurde gestern Abend ausgelobt.

 Fashion Week Berlin   Talente + Sieger

Aus über 100 Teilnehmern wurden fünf viel versprechende Designer ausgewählt, eine Auswahl ihrer S/S 2011 Kollektion auf dem Laufsteg vor Publikum und Jury zu präsentieren; die Jury war mit Christiane Arp, Chefredakteurin der Vogue Deutschland, Melissa Drier von Womenswear Daily und Anita Tillmann (Premium) anspruchsvoll besetzt.

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Den Auftakt machte das Duo Perret Schaad, das auf dem Berliner Modeparkett kein Unbekanntes ist – die beiden Ex-Studentinnen der KH Weißensee waren auch schon beim Create Europe Award in der Endrunde und lieferten ihr Runway-Debüt letzte Saison im Mercedes-Benz-Zelt. Von der Presse schon als „Jil Sanders Töchter“ betitelt, sind Perret Schaad mit ihrer Mode kommerziell genug, um tatsächlich Erfolg im Mode-Business zu haben und gut genug es zu verdienen. Der minimalistisch-elegante, auf Schnitt und Silhouette konzentrierte, Look der beiden zeigt eine klare Handschrift – und mehr als verdient wurden Johanna Perret und Tutia Schaad der 2. Platz, und damit auch ein Preisgeld von 15.000 Euro, und ein Betreuungs-Package, das Public Relations-Leistungen im Wert von 5.000 Euro, ein Coaching, sowie die Teilnahme an künftigen Gemeinschaftspräsentationen Berliner Modedesigner im Rahmen der Berlin Fashion Week, beinhaltet, zugesprochen.

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Nicht nur in Sachen Runway-Reihenfolge, sondern auch auf dem Siegertreppchen direkt dahinter, durfte sich Vladimir Karaleev einreihen. Mit seinen drapierten, organischen Formen hatte der aus Bulgarien stammende Designer und Student der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) die Jury überzeugt – er bekam den 3. Platz zugesprochen und damit immerhin noch 10.000 Euro sowie ebenfalls das Betreuungspaket.

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Zwischen einer insgesamt recht homogenen Auswahl der Finalisten wirkte die Mode von Sasa Kovacevic und seinem Label Sadak recht exzentrisch: Der Serbe, der ebenfalls an der Kunsthochschule Weißensee studiert hat, zeigte drapierte, exzentrisch-zackige Oberteile und weite Hosen, abgerundet mit goldenen Löwendrucken und Zick-Zack-Streifen und schien klar machen zu wollen, dass auch Männermode mutig gedacht werden kann.

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Im Anschluss zeigte einmal mehr ein Duo bestehend aus zwei Frauen, und einmal mehr Studenten der Kunsthochschule Weißensee, Mode: Chantal Margiotta und Klara Plaskova alias Margiotta Plaskova hatten in Sachen Materialien, die spannendste Kollektion erarbeitet. Die beiden hatten sich mit Kork beschäftig und diesen als hauchdünnes Material mit Textilien kombiniert. Im Gesamterscheinungsbild verdiente auch dieser Beitrag den Stempel: schlicht, schön, tragbar.

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Den Schlusspunkt setzte Michael Sontag, der seine von Robert Musils Stück „Die Schwärmer“ inspirierte Kollektion zeigte – und die Jury damit vollends überzeugte. Er darf sich über 25.000 Euro und das Betreuungs-Package freuen. Sontag, der bereits mit Presse-Veröffentlichungen in Magazinen wie der Vogue Italia oder der New York Times aufwarten kann, zeigte insgesamt eine feminin-elegante Kollektion und Potential sich erfolgreich etablieren zu können. Der eigentliche Sieger des Abends hieß aber Kunsthochschule Weißensee, denn auch der Sonderpreis der Jury ging an die KH: das dritte Frauen-Duo im Bunde, Schmidttakahashi, arbeitet konzeptionell mit recycelten Kleidungsstücken, die es in neue Stücke umwandelt.

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Wer in diesem Wettbewerb Teilnehmer der Universität der Künste vermisste, der konnte sich einige Stunden später wieder am gleichen Ort einfinden. Von Ergebnissen aus dem Grundstudium bis zu Diplom-Kollektionen, brachte die Show das gesammelte Werk der Mode-Abteilung der UdK auf den Laufsteg. Für die Zuschauer gab es einiges an gewagten Entwürfen zu sehen –  an mangelnder Kreativität und Experimentierfreude scheint es den Studenten jedenfalls nicht zu fehlen.

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Von den Absolventen hatte allerdings nur einer, Mads Dinesen, den Mut die geradlinige Inszenierung der Show zu durchbrechen. Der Diplomand zeigte seine schwarz-weiße Kollektion, die von Stammeskriegern und nordischer Mystik inspiriert zu sein schien, zu sphärischen Klängen an normalen Menschen unterschiedlichster Herkunft, Statur und Alter.

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Alles in allem bleibt nur zu sagen: Berlin und Nachwuchs-Modemacher – da geht was. Bleibt nur die Frage, wer demnächst auf welches Treppchen steigen darf.

Eröffnungssport – Kunst und/oder/nicht Mode

Kategorie: berlin | July 09, 2010 | von Marcus Woeller

Nur Fashion diese Woche in Berlin? Fast. Drei Positionen zeigen, wie man sich als Künstler oder Künstlerin zu Mode verhalten kann. Entweder man ist ihr aktiver Teil, setzt sich eigenständig mit ihr auseinander oder hat mit ihr so gar nichts (noch nicht mal) am Hut.

Miles Aldridge, "Dance Study #1", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Dance Study #1", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Kristen. As seen by Miles Aldridge and Chantal Joffe", 2010, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Kristen. As seen by Miles Aldridge and Chantal Joffe", 2010, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Homeworks #3", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Homeworks #3", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge bringt auf den Punkt, was die Gegner von Kleidung, die mehr als wärmt, in diesen Tagen auf die Palme bringt. Dick aufgetragenes Make-up, Models wie vom anderen Stern, grellste Farben, überreizte Posen, ausgereizter Photoshop – die hysterische Zelebrierung des Artifiziellen. Mehr Drama geht kaum. Doch der Kunsthochschulabsolvent und Sohn des britischen Illustrators Alan Aldridge, der schon für die Beatles Plattenhüllen entwarf, bewegt sich auf derselben Schwelle, die Modedesigner antreibt, Kollektionen zu entwerfen, die sich nicht mit schnöder Tragbarkeit begnügen. Kunst ist das Ziel, der Körper das Vehikel. Nach Nick Knights mäßigem Beitrag für die letzte Berlin Fashion Week, hat der schwäbische Großsponsor nun Aldridge verpflichtet, der gerade laufenden Sommerausgabe ein Gesicht zu geben. Es ist das von Milla Jovovich. Die selbsternannte Plattform für Bildwelten Contributed zeigt nun die erste Einzelausstellung von Miles Aldridge in Deutschland.

Miles Aldridge, „13 Women“, Contributed Studio for the Arts, Strausberger Platz 16, 10243 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 9. Juli 2010, 15.30 Uhr

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

Mode und Architektur. Das scheint für manche Modekritiker fast das gleiche zu sein. Da wird Kleidung architektonisch aufgebaut, plastische Formen, Schichtungen, Strukturen ergeben skulpturale Silhouetten. Architekturkritiker dagegen werden Mode kaum als Architektur in Bewegung verstehen. Aspekte beider Disziplinen treffen sich in der bildenden Kunst. Etwa bei Gabi Schillig. Sie entwirft räumliche textile Objekte, die als Kleidungsstücke tragbar sind, den Trägern aber unmittelbar eine Performance abverlangen. Das wirft den Blick zurück auf Mode, die vom Konsumenten nicht nur übergestreift werden muss, sondern im Tragen mit einer sozialen Funktion aufgeladen werden kann. Schillig stellt in der Architekturgalerie Aedes ihre „body architecture“ vor – als Interaktion zwischen Körper, Zeit und Raum. Die japanische Tänzerin Yui Kawaguchi wird in Live-Performances herausarbeiten, ob es hier eher um die gebaute Form geht oder sogar um Mode.

Gabi Schillig, „Public Receptors“, Aedes Am Pfefferberg, Christinenstraße 18-19, 10119 Berlin-Prenzlauer Berg. Eröffnung & Performance: 9. Juli 2010, 18.30 Uhr

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann gehört wie Eva Hesse, Hannah Wilke oder Birgit Jürgenssen zu den Künstlerinnen, deren früher Tod einen wirklichen Erfolg zu Lebzeiten verhindert oder gehemmt hat, die aber umso nachdrücklicher die Kunst ihrer Zeit und ihre Nachfolger beeinflusst haben und deren eigenständiger Weg bis heute nachwirkt. Die Galerie von Barbara Thumm, die auch den Nachlass Oppermanns verwaltet, zeigt nun eines der überwältigenden „Ensembles“ von Anna Oppermann, die 1993 gestorben ist: „Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)“ von 1969 – 1985. Was so chaotisch aussieht, folgt tatsächlich einer strukturierten Logik und einem individuellen System, das Methode hat. Zeichnungen, Fotos und Erinnerungsschnipsel ordnete Oppermann zu dreidimensional die Ecke zwischen Wand und Boden oder ganze Zimmer füllenden Installationen an, die wiederum fotografiert und gezeichnet in Zeit und Raum weiterwachsen. Nach der großen Retrospektive 2007 in Stuttgart und Wien geht die Wiederentdeckung der Künstlerin nun in Berlin weiter.

Anna Oppermann, Galerie Barbara Thumm, Markgrafenstraße 68, 10969 Berlin-Kreuzberg. Eröffnung: Freitag, 9. Juli 2010, 19 – 21 Uhr

Fashion Week Berlin – Mode und Mittagshitze

Kategorie: berlin | July 09, 2010 | von Nina Trippel

Fashion Week – das klingt nach einem klimatisierten Zelt, nach gelecktem Laufsteg und Auf und Ab vor Blitzlichtgewitter. Und auch bei der Fashion Week Berlin gibt es ein Zelt, in dem genau das zelebriert wird, doch es sind vor allem die Präsentationen und Installationen der jungen Independent-Labels, die charakteristisch für die hauptstädtische Modewoche sind. Unprätentiös und unter freiem Himmel präsentierten sich gestern das Berliner Label c.neeon und das Wiener Männermodelabel superated.

IMG 06492 1024x728 Fashion Week Berlin   Mode und Mittagshitze

Clara Leskovar und Doreen Schulz alias c.neeon hatten sich im Clubs Picknick eingemietet, um ihre neue Spring/Summer-Kollektion zu präsentieren. Das Duo schickte seine Models, mit aufgemalten Sommersprossen und schmalen, geflochtenen Zöpfen vor dem Gesicht auf den die Wiese des Hinterhofs, an dessen Seite Bierbänke für die Zuschauer aufgestellt waren.

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Wie immer waren Drucke, ob im Streifen-Optik oder mehrfach überlagert tonangebend für die Kollektion. Zarte Baumwollstoffe, partiell mit metallisch glänzenden Effekten, extrafeine, zum Teil semi-transparente Strickstoffe hatte das Duo zu luftigen, leichten Kleidern und Einteilern verarbeitet. Die Models, die mit ernster Miene ihre Runden drehten, wirkten wie eine Mischung aus und Hippie-Mädchen auf Weltreise und Pippi Langstrumpf in melancholisch; am Ende legten die Models Teile ihrer Kleidung ab, die dann als Tuch auf der Wiese zurückblieb.

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Ernst und leise ging es auch eine halbe Stunde später bei superated weiter. Im Hinterhof der Projekt Galerie zeigte das Wiener Label seine Sommerkollektion – und stellte das schnelligkeitsverwöhnte Gemüt auf die Probe. Die Zuschauer konnten sich frei im unaufgehübschten Hinterhof aufstellen verteilen; die Models kamen schließlich durch die Tür zum Gebäude in den Hof, auf einem Baumstumpf Platz zu nehmen und dort zu verharren. Nachdem sich fünf Models aufgebaut hatten, hieß es warten – darauf dass etwas passiert. Aber es passierte nichts. Nur die Beats des Wiener Tingel Tangel-Teams, das mit seinem Musik-Wagen angereist war, sorgte für Unterhaltung. Aber auch wenn das Sich-Einlassen schwer fiel, so blieb bei der Präsentation letztlich Zeit sich die Kleidungsstücke tatsächlich und ausgiebig anzusehen – auch wenn die stechende Mittagssonne dabei nicht unbedingt dienlich war.

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Die Mode von Designer Peter Holzinger zeigte ungewohnt mutige Männermode: gebatikte Strumpfhosen zu Shorts, fließende, zarte Mäntel zum Neon-T-Shirt, Türkis zu Hellblau. Zusammengesetzt aus Versatzstücken klassischer Herrenmode, sportiven Elementen mit Raver-Charme, ungewöhnlichen Accessoires und mit insgesamt einem femininen Touch wirkte die Kollektion zuerst befremdlich und einschüchternd bunt, aber durch die Bildhaftigkeit der Inszenierung blieb Zeit sich den Kleidungsstücke einzeln anzunähern und auf Details zu achten. Insgesamt wirkte die Kollektion gleichzeitig erdig und abgehoben, aber hinterliess in jedem Fall einen bleibenden Endruck.
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Zum Thema Fashion Week unter freiem Himmel – bleibt folgendes zu sagen: Gerne wieder. Aber dann bitte nicht zur Mittagszeit…

Fashion Week Berlin – Calvin, Kallam, Kruger

Kategorie: berlin | July 08, 2010 | von Nina Trippel

The World. Kein schlechter Titel – vor allem für ein Event im Rahmen der Fashion Week Berlin, die bekanntermaßen das Catwalk-Mekka der Zweitlinien ist: Vivienne Westwood zeigte hier ihre Anglomania Kollektion – damals noch im Zelt am Brandenburger Tor, Strenesse hat nur die Blue-Line als Berlin-tauglich erklärt und Joop! präsentiert gerne die Jeans-Kollektion(ist dieses Mal allerdings überhaupt nicht präsent). Hugo Boss wechselt zwischen den Unterlinien Orange und Black hin und her, aber immerhin ist dieses Mal Rena Lange Teil des Mercedes-Benz Fashion Week Kalenders.

 Fashion Week Berlin   Calvin, Kallam, Kruger

Die hatte Kostas Murkudis „bestellt“ – in einem Interview mit der Zeitung Die Morgenpost hatte Murkudis im Jahr 2008 das mangelnde Interesse der großen, etablierten, deutschen Labels, wie unter anderem Rena Lange beklagt…aber zurück zu „The World“, eine Ausstellung/Installation der Modemarke Calvin Klein, gestern Abend in Berlin. In großzügigen, kahlen Räumlichkeiten, die mit weißen Objekten des Architekts J. Mayer H. bestückt waren, hatte der US-Konzern zur Rundumschau geladen. Präsentiert wurden Teile der neuen S/S 2011 Kollektion der verschiedenen Unter-Marken, inklusive Accessoires wie flachgelegten Sonnenbrillen oder höhergelegten Schuhen. Während die ersten zwei Räume noch als Showroom-slash-Ausstellung in einem durchgingen, war der Rundgang durch die folgenden Räume ein reines Model-Gelage frei nach dem Motto „mehr ist mehr“.

 Fashion Week Berlin   Calvin, Kallam, Kruger Fashion Week Berlin   Calvin, Kallam, Kruger

Gruppiert, arrangiert, aneinander gelehnt – jede Station, jedes einzelne weiße Mayer’sche Konstrukt war eine modische Insel. Rundherum durfte das Fachpublikum flanieren und zu Himbeer-Cocktails und Orangenwasser Mode und Models in Augenschein nehmen. Ab und an konnte auch eine VIP gesichtet werden: Twilight-Star Kellam Lutz etwa. Der verursachte am Eingang diverse Herzensbrüche bei verzweifelten Mädchen, während Diane Kruger und Zoe Saldana eher die Fotografen beschäftigten.

Auch die deutschen Modemacher Dirk Schönberger und Wolfgang Joop schauten vorbei – Zeit haben sie schließlich, denn Wolfgang Joop zeigt seine Mode in Paris und Dirk Schönbergers neuer Job als Kreativ-Chef der adidas Style Divison wurde schließlich erst vor wenigen Wochen bekannt gegeben. Die deutschen Designer waren vielleicht einfach zum Plausch unter Kollegen vorbeigekommen, die kreativen Köpfe etwa der Prestige-Linien Calvin Klein Collection für Männer und Frauen, Italo Zuchelli und Francisco Costa, sowie Kevin Carrigan (CK und Calvin Klein-Linie) waren schließlich auch extra nach Berlin gereist.

 Fashion Week Berlin   Calvin, Kallam, Kruger
Es war das erste Mal, dass das US-Label „seine Welt“ in Deutschland und Europa in dieser Art und Weise präsentierte. Und war damit am ersten Tag gleich das Highlight der gesamten Modewoche. Da könnte man doch sagen: Danke, Amerika. Ihr habt Berlin mal wieder einmal gerettet, wenn auch nur für einen Abend und in Sachen Fashion Week Programm. Aber modisch gesehen könnte auch der kommende Sommer ganz im Zeichen USA stehen, denn es gab da ein paar Teile der Kollektion, die Potential haben jede Garderobe aufzuhübschen; die aktuellen Klein’schen Designer haben den Geist der Marke verinnerlicht und wissen ihn angenehm-zurückhaltend ins Jetzt zu transportieren. Nicely done guys.

Items Of The Week – Im Mehr

Kategorie: berlin | July 03, 2010 | von Sounds like NEWS

von Mareike Nieberding -

Im Mehr das Mehr – scheint dieses Jahr ein beliebtes Motto der kultur- und kreativschaffenden Zunft. Die folgenden Vertreter haben sich ein aktives Mehr zu Herzen genommen:
John Bock bringt mehr Interdisziplinarität in die Temporäre Kunsthalle. In der letzten Ausstellung vor Schließung kann man noch bis Ende August im von ihm kuratierten “FischGrätenMelkStand” (02) rumkriechen und auf den verschiedenen Raumebenen die Assoziationen unterschiedlich Schaffenden wie Christoph Schlingensief, Rirkrit Tiravanija, Matt Mullican, Anouschka Hoevener, Brandlhuber, Paul McCarthy und über 50 Anderen mit der „verschleimenden“ Hand John Bocks entdecken. Für den schleswig-holsteinischen Aktionskünstler ist nämlich sowieso alles eine „einzige große Bohnensuppe,  in der man drin rumrührt“.

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Salvatore Ferragamo offeriert mit dem senffarbenen IPad Case (08) ein klassisches Mehr an Luxus, das Paris-Berliner Label Uncommon Matters ein raumgreifendes Mehr an vergoldetem Porzellan für den Hals (05) und Kanye West, das personifizierte Mehr, bringt diese Attitüde in seine erste Schmuckkollektion und packt uns so gleich zwei goldene Pyramiden im Schlagringformat (01) auf die zarten Finger. Alexander McQueen forderte in seiner letzten Herbst/Winterkollektion (07) für den Mann noch mal ein Mehr an Muster in all den monochromen Schlammlooks, die uns sonst erwarten. Kostas Murkudis interpretierte den Kollaborations-Wedge mit Flip Flop in einem fluffigen Mehr an Sohle (04).
Stefan Sagmeister bringt mehr Freiheit im Umgang mit Sitzmöbeln. Der mehrfach Grammy-nominierte Graphikdesigner mit Büro in New York ermöglicht mit dem „Darwin Chair“ (06), der wie ein Block aus 200 verschieden bedruckten und abtrennbaren Bögen besteht, ein Mehr an stilistischer Vielfalt im Lebensraum.
Norman Palm bringt mehr Diversifikation in seine Musik. Auf seinem neuen Album „Shore to shore“ (03) nicht mehr so leicht in die Indie-Singer-Songwriter-Box quetschbar, klingen nun Exotik, Esoterik und Elektronik in Klang und Stimme und der Wahlberliner aus Meppen entzieht seiner Musik somit jedweder Festgelegtheit. Mehr davon.

Draussengucken – WM Public Viewing Shots

Kategorie: berlin | June 30, 2010 | von Alexander Gumz

Nach einer eher lahmen Vorrunde geht die WM 2010 jetzt in die heisse Phase – im doppelten Sinn. Wetter und Ereignis ziehen uns nach draussen.

Public Viewing – neudeutsch – wurde seit der letzten WM auch hierzulande als Kollektiviermachine erkannt, die Fremde miteinander reden lässt, Alter, Zugehörigkeiten, Nationalitäten überwindet. Wenns denn schön ist. Und das Spiel was taugt.

Hier ein paar Augenblicke – subjektiv, wie immer – abseits von Fanmeilen und Bierdosenschlachten, aus Hamburg und Berlin.

bearb WM Bild 541 Draussengucken   WM Public Viewing Shots

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