Short Shots 2.0: Nina Pauer, Autorin + Journalistin

Kategorie: Buch | October 31, 2011 | von

Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat? Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Nina Pauer

Sie hat keine Angst. Sie kann eigentlich keine Angst haben, denn immerhin hat sie gerade ein Buch veröffentlicht, indem man mitunter peinliche Details über ihre Kindheit und Jugend erfährt. Und dann setzt sich damit auch noch vor große Menschenansammlungen und liest daraus vor. Nein, Nina Pauer muss mutig sein. Die Autorin und Journalistin, die unter anderem für „Die Zeit“ schreibt, kennt sich mit dem Thema „Angst“ aber dennoch bestens aus: Es ist das Gefühl, dass sie ein Leben lang begleitet hat – oder haben sollte. Von Tschernobyl in früher Kindheit – Pauer ist Jahrgang 1982 – über BSE, Y2K, 9/11  bis zur Finanzkrise: jedem Lebensabschnitt sein Schreckensszenario. Aber sind es wirklich die großen oder auch nur vermeintlichen großen Katastrophen, die unser Leben prägen? Haben sie uns alle zu neurotischen Angsthasen gemacht, die sich ihres Lebens fürchten? Oder ist es vielleicht die Qual der Wahl, die das Aufwachsen in der westlichen Hemisphäre des 20./21. Jahrhunderts mit sich bringt, und die dazu führt, dass Menschen im Alter von 30 Rat beim Psychologen suchen, um das Problem ihrer Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen zu eruieren, oder so nach den Auslöser der chronischen Unzufriedenheit oder gar des Burn-Outs zu suchen. Nina Pauer schreibt in ihrem Buch „Wir haben (keine) Angst – Gruppentherapie einer Generation“ (Fischer Verlag) Weiterlesen »

Celia Birtwell – Das Buch

Kategorie: Buch | September 09, 2011 | von

punchinella grand repeat 1024x1024 Celia Birtwell   Das Buch
Celia Birtwell hat viele Fans. Kein Wunder, stehen ihre Printdesigns doch genauso wie der Minirock und (zu viel) Plastik für eben die Ära, die manchem als stilistisches Inspirationsmekka und anderen als die Sechziger Jahre bekannt ist. 1941 im englischen Salford geboren, begann der kometenhafte Karriereaufstieg für Frau Birtwell 1966. In eben diesem Jahr begann nämlich die Kollaboration des Ehepaares Birtwell/Clark, die für die quirlige und sicher auch quietschbunte Quorum Boutique in London eine Kollektion entwarfen. Die Mischung aus Birtwell’schem Print und Clark’schem Pattern gefiel und so konnte man schon bald illustre Gestalten wie die Rolling Stones, die Beatles und Tausendsassa du damalige jour Verushka in den Designs des Liebespaares über die Straßen Londons swingen sehen.

hockney.clark percy 1024x712 Celia Birtwell   Das BuchDavid Hockney: Mr and Mrs Clark and Percy , 1970; Acrylic on canvas, 304 x 213 cm

Aber auch wer für Mode nichts übrig hat, kennt Frau Birtwell vielleicht, war sie doch schließlich nicht nur die Muse von David Hockney, sondern ist sie doch auch Teil seines Ölgemäldes ‘Mr & Mrs Clark and Percy’, das man auch dieser Tage noch in der Tate Gallery in London bewundern kann. Die Ehe sollte nicht halten und Ossie Clark würde in den Neunzigern von seinem Ex-Geliebten in seiner Wohnung erschossen werden – Celia Birtwell machte trotzdem weiter.


PC1271 11 Celia Birtwell   Das Buch
Gut so, erlebte sie doch schließlich im 21. Jahrhundert einen zweiten (Karriere-)Frühling. Nach einigen Kollektionen für die englische High Street gibt es jetzt wieder etwas, auf das sich der Birtwell-Fan freuen kann. Weniger vergänglich als ein Zeitungsartikel und leichter zu händeln als, sagen wir, ein Ehrenmal. Worum es sich handelt? Um ein Buch.

9781844008445 788x1024 Celia Birtwell   Das Buch
Geschrieben von der Journalistin Dominic Lutyens, wird der Band, der am 03. Oktober erscheinen wird, nicht nur Designs und Skizzen der Designerin enthalten, sondern auch Fotos ihrer berühmt und teilweise berüchtigten Freunde. Und das? Dürfte schlußendlich auch die erfreuen, die sich eigentlich darüber freuen, dass die Sechziger Geschichte sind.

Celia Birtwell von Dominic Lutyens
208 Seiten
Quadrille Publishing
03. Oktober 2011

Bild 1: Relaunched Puchinella Grand by David Hockney for Celia Birtwell

 

 

 

 

Short Shots 2.0 – Katja Kullmann, Journalistin + Autorin

Kategorie: Buch | September 05, 2011 | von

Wir wollen wissen was geht – und was nicht. Wo die Heimat ist und wo die Wahlheimat, welches Werk im Bücherregal steht und welches Gadget den Alltag ausmacht. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Katja Kullmann.
Schreiben ist Beruf und Berufung für Katja Kullmann. Nach ihrem Studium der Politologie, Soziologie und Amerikanistik verschlug es Kullmann in die Medienwelt, der sie seither treu geblieben ist. Bisher hatte sie bereits diverse Positionen inne – etwa als Redakteurin, Ressort-Leiterin, Reporterin oder Textchefin bei Zeitungen wie der Financial Times Deutschland, Frankfurter Rundschau oder dem Freitag. Momentan ist sie als freie Autorin tätig und neben dem Schreiben für Magazine und Zeitungen, verfasst sie auch Bücher. Nach ihrem Erstlingswerk im Jahr 2003, ist dieses Jahr das Zweite Buch erschienen: In „Echtleben“, so der Titel, spricht die 41-jährige über etwas, das sie bestens kennt – das Leben als freie Journalistin und Schriftstellerin und die Schwierigkeit in Deutschland davon leben zu können. Dabei fasst Kullmann die Sorgen einer ganzen Gesellschaftsschicht zusammen und sinniert über Individualität, Ideale und Lifestyle sowie den Anspruch und die Arbeitswelt im neuen Jahrtausend. Das hat ihr viel Aufmerksamkeit und Anerkennung eingebracht: Der Tagesanzeiger aus Zürich lobt die Lektüre als „süffig und hochspannend“, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nennt es ein „wichtiges Buch“, die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit ein „dringend zu empfehlen“. Der Untertitel von „Echtleben“ lautet übrigens „Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben“ – die Antwort auf diese Frage kann nur das selbst Buch liefern, aber der nachfolgende Fragebogen ist in jedem Fall Beweis dafür, dass Katja Kullmann Haltung zu bewahren weiß, und um eine Antwort nie verlegen ist und dabei etwas zu sagen hat, aber lest selbst…

 

1FAS 1 Short Shots 2.0 – Katja Kullmann, Journalistin + Autorin

KATJA KULLMANN / PHOTO: JÜRGEN ZIEMER

NAME Katja Kullmann
JAHRGANG 1970

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Aus dem hessischen Mittelgebirge. Am liebsten bin ich unterwegs. Zurzeit wohne ich in Hamburg am Meer. Aber ich habe schon wieder ein paar Bahn- und Flugtickets für die nächsten Monate.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Buchstaben bringen das Brot und die Butter. Oft sind leider die langweiligsten Texte am besten bezahlt. Faustregel: Schreibe drei Stücke, die dir nicht gar so viel bedeuten, aber Dir auch nicht wehtun – und finanziere Dir davon die Arbeit an einem größeren Geniestreich, an einem verstörend funkelnden Intelligenz-Projekt, an das anfangs keiner glaubt, außer Dir selbst.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Distinktionsbemühungen vs. Distinktionsbemühungen. Mit Status- oder Fashionfragen habe ich mich selbst nie größer aufgehalten – aber ich liebe es, diese Mechanismen ringsum zu beobachten und auseinanderzunehmen. Sprachcodes, Stil-Regeln, andere ideelle Schutzwälle und Maschendrahtzäune: alles Lieblingsthemen.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Aktuell projiziere ich meine Begierden auf zwei Städte: Detroit/Michigan und Akron/Ohio. Da gibt es viel zu sehen. Ansonsten sammele ich seit meinem 13. Lebensjahr Schallplatten, schwarzes, knisterndes Vinyl – das tollste Material, das je erfunden wurde.

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Ich trage ein Telekom-Handy von 1999 mit mir herum. Ich glaube nicht an Applikationen.

ONLINE vs. OFFLINE:
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Meinem Blog, der unter dem Tag „Euphorie im Alltag“ läuft und dem Kiosk im Nachbarhaus.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Mein Alltag ist geprägt von meinem Plattenspieler, meinen schwedischen Bücherregalen und dem Laptop. Ich spare auf ein lebenslang gültiges All-around-the-world-jump-in-and-get-further-Ticket.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Noch immer hänge ich an Hackney, London E8, da habe ich in den frühen 90ern mal ein halbes Jahr gelebt. Und ich bin sehr froh, dass ich nicht mehr in Berlin wohne.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Menschen, die ihre Idiosynkrasien ausleben, ihre Eigentümlichkeiten, finde ich toll. Es ist ja völlig verrückt, was Menschen manchmal machen: Mit Puppen sprechen, Traumtagebücher führen, Plastiktüten nach Farben sortieren, solche Dinge. Sehr öde finde ich alles Who-is-Who und Wer-mit-Wem. Mit Visitenkarten beeindruckt mich niemand.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB:
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Oh, es gibt viele Gemeinschaften, immer wieder neue, oft nur temporär und sehr flüchtig. Manchmal entstehen sie, ganz banal, in einer langen Supermarktkassenschlange: Man blickt sich an, von Kunde zu Kunde, und ist gemeinsam genervt. Übrigens ist ja jede(r) immer ganz grundsätzlich Teil einer Masse. Ich betrachte mich selbst sehr gern und oft als soziologisches Item. Das ist ungeheuer entlastend, es erspart auch die Psychotherapie, glaube ich. Die Leute sind ja beinahe in den Wahnsinn individualisiert, heutzutage. Das tut mir sehr leid für viele.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Zuletzt las ich viel über Arbeit – prekäre vs. abgesicherte, ausbeuterische, erfüllende, sinnlose Arbeit und so weiter. Aber jetzt beschäftigte ich mich viel mit Städtebau, Wohnpolitik, Shrinking Cities, Gentrification und so. Wichtige Autoren für mich sind Jörg Fauser, Siegfried Kracauer, Marieluise Fleißer, lauter Kleine-Leute-Schreiber, kann man sagen. Musikalisch bewegt es sich bei mir vor allem so zwischen den Jahren 1948 und 1968, vor allem in den Feldern Soul, Popcorn, Black Rock’n’Roll, Blues, Garagen-Punk, Novelty. Da liegt ja alles begraben, seither wird im Wesentlich ja nur noch gesampelt. Ab und an brauche ich eine Dosis 79er-Geräusche, Post-Punk und Proto-Wave. Und sehr selten gelüstet es mich auch nach Elektro, so Minimalzeugs. Aber damit kenne ich mich im Grunde überhaupt nicht aus.

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Jeder Text ist ein Angebot, sich darüber zu unterhalten, das große Gespräch am Laufen zu halten, Dinge zu teilen. Das ist mein Beitrag. Und ich bin ein sehr höflicher Mensch, glaube ich. Sünden? Ich verweigere mich weitgehend dem allgemeinen Fitness-Gebot, rauche zu viel und schlafe zu wenig.

DANKE!

 

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Nilz Bokelberg und Silke Bolms fischen im WWW

Kategorie: Buch | November 22, 2010 | von

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Nilz Bokelberg und Silke Bolms haben im World Wide Web gefischt und „Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin“ ist die Ausbeute ihres Tauchgangs durch die (Un)Tiefen des Internets. Bei Langenscheidt dokumentieren und kommentieren sie den herrlichen Nonsens des aktuell grassierenden Gruppenwahns auf Social-Network-Plattformen wie Facebook & Co.

Denn was macht der Mensch eigentlich Tag und Nacht auf Social-Network-Seiten wie Facebook, Lokalisten oder Studi-VZ? GEr gesteht, er bekennt, er solidarisiert sich. Indem er in einer Gruppe beitritt. Am besten einer, die keinen tieferen Sinn erfüllt, aber durchaus eine sinnvolle Einstellung zu Lebensweisheiten ausdrückt. Tatsächlich möchten Millionen von Gruppen mit ihren skurrilen Slogans, absurden Aufrufen und haltlosen Anklagen nur eines: amüsieren. Wie viele Mitglieder so eine Spaßgruppe hat, ist ziemlich egal – die Spannung steckt im Statement. Besonders, wenn es zum Lebensmotto erhoben wird:

Bolms Bokelberg Nilz Bokelberg und Silke Bolms fischen im WWW

Die Anti-Perfektionisten leben ihre Wurschtigkeit in „Is mir egal, ich lass das jetzt so!“, und die Verpeilten treffen Leidensgenossen in „Fettnäpfchen? – Viel zu klein! Ich nehm direkt die Fritteuse!“. Vieltrinker gehören zu „Mein Filmriss war länger als Deine Party und die im Alltag Ermatteten in „Ich schmeiß alles hin und werde Prinzessin“. Geständnis-Gruppen scheinen für viele zu virtuellen Beichtstühlen geworden zu sein. Davon zeugen „Ich schmeiße auch nach 20:00 Uhr Altglas ein. Ha!“ oder „Ich werde Lehrerin und rasiere mir trotzdem die Beine.“ Auch Sprachliebhaber werden zu leidenschaftlichen Networkern: zum Beispiel bei „My english is so good that makes me nobody so quickly after“, Hüter der deutschen Sprache lieben „Ich bin der Einzigste wo das besser machen können tut als wie du“ – und kriegen dafür prompt eine Backpfeife von Das Einzigste GIBT ES NICHT!!! Diese Wahrheit kennt auch der kluge Gründer von „Rettet die Erde! Sie ist der einzige Planet mit Schokolade!“.

Weisheiten, die man im virtuellen Alltag nicht vernachlässigen sollte. Und dank der pointierten Kommentare von den erfahrenen „Gruppenleitern“ Silke Bolms und Nilz Bokelberg, kommen Anti-Gruppisten auf ihren Spaß.

„Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin“

Die schrägsten Gruppen aus Facebook, Lokalisten und StudiVZ“
Von Nilz Bokelberg und Silke Bolms

Langenscheidt Verlag
€ 7,99

FACEHUNTER im Interview – Vom Blog zum Buch

Kategorie: Buch | March 18, 2010 | von

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Er ist Blogger, der fotografiert. Oder Fotograf, der seine Bilder ins Netz stellt – aber Begrifflichkeiten und Berufsdefinitionen sind ihm ziemlich egal. Gestern Abend war er jedenfalls vor allem Buchautor und Star: Yvan Rodic. Der Schweizer (aus dem französischen Teil der Schweiz), der seine berufliche Laufbahn als Werbetexter begann und inzwischen einen der bekanntesten Streetstyle-Blogs unter dem Titel FACEHUNTER betreibt, seine Fotos zudem in Magazinen wie der französischen Elle oder der japanischen Ausgabe des Magazins Tokion veröffentlicht, war gestern Abend in Berlin, um sein gerade erschienenes Buch persönlich vorzustellen. Dafür hatte der Verlag ein kleines Ladenlokal in Mitte angemietet und eine Wand mit einigen seiner Bilder von jungen Menschen in aparten Outfits bestückt. Ganz unprätentiös: Kleinformatig, matt gedruckt und direkt an die Wand geklebt. Nur zwei Fotos wurden als Großformate in dem vorderen Bereich des Raumes platziert – neben das DJ-Pult und in den Schein des Kronleuchters. Aber es ging ja schließlich um das Buch.

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Fotorecycling

Kategorie: Buch | December 26, 2009 | von

Fotografie ist so banal. Seit wirklich jeder mit mindestens 5 Megapixeln, gigabytestarken Speicherkarten und Kameras, die sogar telefonieren können, ausgerüstet ist, droht das Medium endgültig auf den Hund zu kommen. Weiterlesen »