Items Of The Week – Wolf Gang

Kategorie: Christopher Kane | August 11, 2011 | von

Von Mareike Nieberding

Die Germanen verehrten den Wolf als magisches Tier, das den Sieg im Kampf versichern sollte. Die Männer hüllten sich deshalb in Wolfspelze, damit die Kräfte und die Gefahr des Wolfes sich auf sie übertragen würden. Nachdem Wolfgang Amadeus und Johann Wolfgang dem Namen zu neuem Glanz verholfen haben, kamen auch deutsche Familien nicht umhin ihre Söhne nach den Wölfchen dieser Welt zu benennen. In der Wolf Gang sind sie besonders gefährlich.

Auf dem neuen Love Magazine hat sich in einem Triple-Split-Cover die neue Wolf Gang Hollywoods verewigt: Hailee Steinfeld, Chloe Mortez und Elle Fanning zieren das “Supernatural Issue” und lasssen sich in entsättigten Grün- und Blautönen, romantischem Styling und Tränen in den Augen auf solch romantisch-hilflose Art inszenieren, dass man sich fragen muss, warum sie eigentlich die Krallen ihres Talents verbergen (03). Bei Wolf Gang wiederum, hinter was sich der 24-jährige britische Musiker Max McElligot verbirgt, hätte man sich indessen gewünscht, dass er auf seinem Album “Suego Faults” das Festkrallen an der Geschäftsidee Popstar ein bisschen besser zu verpacken gewusst hätte. Sein Indie-Pop ruckelt und rumpelt mit viel britischem Poprock-Pathos ohne Höhepunkt vor sich hin und hinterlässt Nichts als den schönen Namen (07). Auch Leif Randt kann mit seinem Vor- und Zunamen angeben und hat außerdem das Buch “Schimmernder Dunst über Coby County” geschrieben, dass bei dem diesjährigen Ringen um den Ingeborg-Bachmann-Preis den Publikumspreis gewonnen hat. In seinem schmallippigen Roman, den manche gar als Generations-Roman bezeichneten, schildert Randt das Leben Wim Enderssons, der in Coby County in einem unbenannten Land ein anstrengungsloses Leben verbringt, dass sich durch wenig anderes auszeichnet als seine umstandslose Leichtigkeit, die sich als eine Falsche entpuppt. Der Roman wird so “zur Satire auf eine westliche Wohlsstandsgesellschaft, in der es keinerlei existentielle Nöte gibt, aber doch einen ideelen Mangel, der alles auszuhöhlen droht” (05).

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Eine negative Utopie, der der Architekt Buchminster Fuller mit seinen Visionen für einen zukünftigen Kosmos zu entfliehen suchte. Schon in den Sechzigern sprach “Bucky” von Nachhaltigkeit, predigte seine “Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde”, das er mit seinen in Leichtbauweise erstellten geodätischen Kuppeln bewahren oder mit seinem “Dymaxion Car” in spritsparender Stromlinienform möglichst umweltfreundlich berfahren wollte. Das Marta in Herford widmet ihm nun eine Ausstellung (05). Während Christopher Kanes Accessoires für den kommenden Winter ebenfalls futuristisch anmuten und an das Lavalampen-Comeback der Neunziger Jahre erinnert (01), wirken die neuen Nike SB´s von Stefan Janoski eher erdverwachsen (08) und auch das schlichte Hemdkleid von T by Alexander Wang eignete sich wunderbar, um zu viel Wolfsblut hinter einer zurückhaltenden Fassade verschwinden zu lassen (04). In Derek Cianfrances “Blue Valentine” versuchen die Figuren bis zum bitteren Ende den Schein ihrer Ehe aufrecht zu erhalten. Ryan Gossling und Michelle Williams beweisen dabei wie wahrhaftig das Scheitern einer großen Liebe schauspielerisch zum Ausdruck gebracht werden kann (02). Become a Wolf Gang.

Items Of The Week – Skying

Kategorie: Christopher Kane | July 26, 2011 | von

Items Skying Items Of The Week   SkyingDer du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

(Johann Wolfgang von Goethe)

Der Himmel ist Symbol ewiger Seligkeit. Aber kann man den Himmel auch stehlen? Kann man ihm entgehen? Will man überhaupt hin?

The Horrors scheinen mit ihrer neuen Platte, mal Bowie’isch, mal in Synthie-Pop-Manier die Frage zu stellen, ob der Himmel überhaupt ein anzustrebender Ort ist und loten musikalisch die Möglichkeiten des Anhimmelns aus. (07) André Kertész’ surreal inspirierte Bildpoesie konnte Gefühle in Fotos sichtbar machen. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zeigt neben seinen Schlüsselwerken wie “Schwimmer unter Wasser” oder “Chez Mondrian”, die vorallem durch die formale Bildkomposition bestechen auch frühe Aufnahmen, die während seines Militärdienstes im Ersten Weltkrieg entstanden und Polaroids aus den letzten Jahren in New York (06). Der amerikanische Fotograf Arnold Crane war der Fotograf der Fotografen und er porträtierte neben Kértesz und seiner Türklingel auch all die anderen Großen der amerikanischen und europäischen Fotogeschichte: Man Ray, Ansel Adams, Walker Evans, Brassai, Henri Cartier-Bresson, Edward Steichen und viele mehr. Eine Ausstellung in der Berliner Galerie Camera Work zeigt sein beeindruckendes Werk nun erstmals in Berlin und in Kombination mit Werken der porträtierten Fotografen (02). Das neue Acne Paper widmet sich der Jugend – dem Begehren nach der Jugend als Himmel der Möglichkeiten, als Quell der Perfektion und ewigem Tanz auf dem Vulkan der Vergänglichkeit. Spannende Interviews mit jungen klassischen wie Pop-Musikern, Künstlern und den Tänzern des Moskauer Bolshoi Theaters sowie eine ebenso umfangreiche wie vielfältige Strecke kuratiert von Bruce Weber sorgen für die visuelle wie intellektuelle Ansprache. (03)

skying Items Of The Week   Skying

Das französische Pret-a-Porter Haus Carven hat in ihren Resortkollektion Kleider und Blusen gezeigt, die den Himmel gleich auf Brust und Schultern bringen (04); Christopher Kane wandte sich in seiner Resortkollektion einem anderen Phänomen der Himmelssphäre zu, nämlich dem Regenbogen, den er prominent in Pullover strickte und auf Kleider druckte (05); dieses Collier von Valentino scheint für Himmelsstürmerinnen gemacht (01) und mit den neuen Converse Schuhen scheint man den Himmel gleich unter den Füßen zu spüren – sie sehen außerdem auch wie Wolken aus (08). Go Skying!

Von Mareike Nieberding

Items Of The Week – Filigranes

Kategorie: Christopher Kane | September 22, 2010 | von

von Mareike Nieberding -

Von Hand blau-weiß bemalte Tassen aus hauchdünnem Bone China Porzellan in den braun gewetterten Händen eines Landarbeiters, Sektflöten aus mundgeblasenem Kristallglas in einem zu vollen Spülbecken, die weiße Spitzenbordüre eines gestärkten Nachthemds in einem vergessenen Wäscheschrank – Filigranes geht schnell zu Bruch, übt einen wundersamen Anfasszwang aus und buhlt um Bewunderung.

Peter Lindbergh fotografiert Filigranes, seit über 30 Jahren, und dennoch nimmt sein Blick auf das Schöne es niemals gewaltsam in Besitz. Lindbergh lässt Modell, Komposition und Bild Atmen und sich so selbst entfalten – im Unperfekten, in der Momentaufnahme, in einem einzigen Blick. Vom 25. September bis zum 9. Januar bespielt Lindbergh mit „On Street. Photography and Films. 1980-2010“ als letzter das C/O Berlin. Am Freitag ist Vernissage. (06) Hatje Cantz veröffentlicht eine Biographie zu einem der wegweisensten Reportagefotografen des 20. Jahrhunderts: „Andreas Feininger. Ein Fotografenleben. 1906-1999“. Sein berühmter Vater, seine Stationen am Bauhaus, seine Arbeit für das Life Magazine: Lesenswert. (02)

ITEMS.FILIGRAN1 Items Of The Week   Filigranes

Christopher Kane stickt Filigranes in Form von Blumen auf Blusen, Röcke und Pullover. (05) Stella McCartney auf seidene Unterwäsche. (03) Valentino verziert seine Abendclutches mit glitzernden Vögeln und dem Gefieder ihrer einst lebenden Vorbilder. (01) Patrick Mohr setzt der dichten Schwärze seines Sneakers für KX1 eine dünn geschnürte Knöchelstütze gegenüber. (04) Swarovski versieht ein Schweinchen namens Pearl mit USB-Funktion und schweren Klunkern. (08)

„Wären sie [die Hunderttausend mal amerikanischen, mal skandinavischen, in jedem Fall aber traurigen Männer mit Denkerbart und Wandergitarre] doch ein bisschen wie Sufjan Stevens! Es ist das reine Können, der traumhaft sichere Umgang mit bunten Geistern, Engelschören, Flöten, Hörnern, Streichern, heimlichen Gigantomanien und gütig dahingehauchtem Akustikschmelz“ jubiliert Jan Wigger über das neue Album “All Delighted People EP” auf Spiegel Online. (07) Dem ist nichts mehr hinzuzufügen außer tiefen sehnsüchtigem Seufzen nach mehr leeren Tagen und Nächten für Filigranes – als Klang, Stoff oder Eindruck.

Starfucker vs. Zyniker

Kategorie: Christopher Kane | September 16, 2009 | von

Pailetten Trend Starfucker vs. Zyniker

Pailletten besitzen etwas Zwanghaftes. Darf man in Karohemd und bleischweren Boots noch selbst entscheiden, ob man damit Straußreiten in Brandenburg geht oder doch besser nur Pflaumenkuchen kaufen beim Bäcker nebenan, wirft man sich – von Kopf bis Fuß in „Bling“ – einem ekstatischen Amüsierauftrag an den Hals. Und der bedingt die Wahl von nahezu allem: Strähnige Gelfrisur und tropengrüner Lidschatten gehören zur Ausstattung des Strobo-Chicks, wie der gleichgewichtsstörende Schein der Lichtorgel und die gellende Powermusik Donna Summers. Weiterlesen »