Items Of The Week – Im Totalen

Kategorie: Design | June 20, 2010 | von Sounds like NEWS

von Mareike Nieberding -

Das Totale zur existenziellen Bedingung erhebend, gehen die Begehrlichkeiten dieser Woche aufs Ganze und lassen keinen Raum für Kompromisse. Auf dem schmalen Grat zwischen schützender Verhüllung und entwaffnender Verführung fordern sie totale Aufmerksamkeit und überschreiten so die Grenzen des Erwartbaren.
Physisch und psychisch am eindruckvollsten erfahrbar wird dieser Sinn-Totalitarismus in Bruce Naumans Rauminstallation „Room with my soul left out, room that does not care“, die dem Hamburger Bahnhof als Schenkung zur Verfügung gestellt wurde und so Anlass gab für die erste große Bruce Naumann-Ausstellung “Dream Passage” in Berlin (07). Noch bis zum 10.Oktober kann man sich in den begehbaren Korridor-Installationen mit der Angst der Isolation und der totalen Ausweglosigkeit konfrontieren. Abstrahierter Fatalismus, den Menomena in ihrem Album „Mines“ (03) zum Prinzip erhoben haben. Die amerikanische Band, die beim Berliner Label City Slang unter Vertrag ist, spickt ihr Gitarren-Album mit klanglichen Minen aus Klavieren, echoisiertem Gesang, mexikanischen Gitarren, tief-traurigen Schlagzeugsoli und elektrifiziertem Geloope und findet so immer wieder die totale Balance zwischen zuckendem Stampfrock und sensiblem Wippklang.

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Während Jeremy Scott für Linda Farrow (01) die Monitorisierung der Welt ad absurdum führt, indem er die vielbeschworenen eckigen Augen als Fernsehfenster für die Nase materialisiert, wappnet Acne Weiterlesen »

DMY – Kaufst du noch oder designst du schon?

Kategorie: Design | June 14, 2010 | von Nina Trippel

Der ehemalige Flughafen Tempelhof ist momentan nicht nur das neue Mekka der erholungssuchenden Hauptstädter, die das Areal zwischen Landebahn, Vogelwiese und BBQ-Fläche als neugewonnene Freifläche nutzen, der Ex-Zentral-Flughafen ist diesen Sommer auch einmal mehr der Pilgerort für Design-Pros. Knapp einen Monat bevor es im Rahmen der Modemesse Bread & Butter Berlin um Textiles geht, hatte sich diese Woche das nun schon zum 8. Mal stattfindende DMY International Design Festival in den ehemaligen Hangarn eingemietet.

01 Opener Abflughalle DMY   Kaufst du noch oder designst du schon?

Wer sich die Neuheiten von up-and-coming Designern, Hochschulen und etablieren Firmen (DMY Youngsters vs. DMY Allstars) ansehen wollte, musste in jedem Fall eines sein: gut zu Fuß. Der Weg von der ehemaligen Abfertigungshalle bis zur eigentlichen Ausstellung ließ Flughafen-Flair aufkommen – und moderne Annehmlichkeiten wie Rollbänder vermissen…Belohnt wurden die Besucher, die (wie eine nicht-repräsentative Umfrage bewies) vor allem aus Design-interessieren und anderen Designern bestand, dann aber mit einer Fülle von gleichermaßen innovativen und visuell ansprechenden Produkten belohnt.

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"Cassette Is Not Dead" von OOO My Design

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"Chopstix Besteck" von designstudents for rent

Die Spannbreite reichte davon einfachen Alltagsobjekten, wie dem kombinierten Besteck-Chopstick-Set (designstudents for rent) bis zur Kassetten-Lampe von Vanesa Moreno Serna des Labels OOO My Design aus dem spanischen Valencia. Und auch des Designers liebstes Produkt, der Stuhl durfte natürlich nicht fehlen. Ob aus zusammengeklebten Bauklötzen oder mit wattiertem Stoff überzogen (beides vom niederländischen Designer Pepe Heykoop), als 3-in-1-Variante von Paul Menand, einem Studenten der Ecole Supérieure des Arts Decoratifs in Straßburg oder aus ausrangierten, zusammengepressten Kleidungsstücken wie beim „Remembermechair“, des Designers Tobias Juretzek – der Sitzmöglichkeiten Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt.

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Stuhl von Pepe Heykoop

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Tobias Juretzek in seinem "remembermechair"

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Arbeiten der Studenten der Ecole Supérieure des Arts Décoratifs Straßburg

Dabei geht es den Designern aber nicht nur um Optik und Funktion, sondern um Tieferes: Bei Juretzek bekommen „Kleidungsstücke, die nicht mehr getragen werden, aber noch einen emotionalen Wert haben, einen neuen Aufbewahrungsort in den Möbeln“. Das textile Tagebuch mit Mehrwert sozusagen – oder Recycling zum Draufsitzen.

Mehr als nur ein Stuhl, sondern eine Weltanschauung, möchte man fast sagen, ist auch der 24-Euro Stuhl von Le van Bo. Der Berliner mit laotischen Wurzeln hat aus einem einzigen Brett für 24 Euro, in 24 Stunden eigenständig einen Stuhl gebaut, der ohne eine einzige Schraube auskommt. Als Hobby. Und  nun hat van Bo ein Projekt draus gemacht. Das nennt der 33-jährige aufmerksamkeitsträchtig „Hartz IV-Möbel“, was aber  keineswegs zynisch gemeint ist – wenn van Bo anfängt über sein Projekt, merkt man, dass er weiß, was es heißt mit wenig Geld leben zu müssen. Inzwischen ist das in seinem Leben zwar kein Thema mehr, aber es beschäftigt ihn. Das Möbelprojekt mit dem Motto „Konstruieren statt konsumueren“ ist aber nach wie vor ein Hobby, sein Geld verdient er in seinem erlernten Beruf, als Architekt. Und verkauft wird ohnehin nichts – den Bauplan des Stuhls darf sich jeder selbst online downloaden. Und dann zusammenbauen. DIY ist das Ding – zurück den eigenen Fähigkeiten, den eigenen zwei Händen.

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Le van Bo in seinem 24-Euro-Stuhl

Neben diesen und anderen Sitzmöglichkeiten jeder Couleur gab es aber auch andere Dinge, die das Leben im Eigenheim wahlweise schöner oder praktischer machen zu bestaunen. Ersteres geht gut mit der „Swing Necklace“ von Johanna Richter – ihre an eine Perlenkette erinnernde Schaukel ist zwar irgendwie auch eine Sitzmöglichkeit, vor allem aber Eyecatcher und Entertainment-Objekt in einem. Richter, die Innenarchitektur studiert hat, stellte ihre Arbeiten im Rahmen des Kollektivs MyMyMy vor, gemeinsam mit ihren zwei Kollegen Ilja Oelschlägel und Robert Haslbeck. Letztgenannter, der an der an der Burg Giebichstein Hochschule für Kunst und Design in Halle Industrie-Design studiert hat, stellte seinen tragbaren Tisch namens „Under-Koffer“ vor, der zusammengeklappt zur handlichen Tragetasche wird. Und um Mobilität geht auch bei seinem Rollwagen namens „Rolf“, der wie ein aufgehübschter Supermarkt-Wagen daher kommt, und mit den Holzkisten namens „Karsten“ zum Regal wird und Industrie-Charme wohnlich macht.

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"Swing Necklace" von Johanna Richter

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Rollwagen "Rolf" und Tisch "Under-Koffer" und andere Arbeiten von MyMyMy

Im Rahmenprogramm gab es neben Satelliten-Ausstellungen im Berliner Stadtraum auch einen Hands-on-Workshop, sowie den DMY-Award – für Unterhaltung war also gesorgt. Intellektuell durfte sich im Rahmen des Symposiums der Kopf über die Frage „Are Nerds The New Designers?“ der Kopf zerbrochen werden. Die Antwort war erwartungsgemäß uneindeutig – fest steht aber, dass neue Technologien und Software dem Design neue Möglichkeiten bieten. Aber auch wer sich auf die reine Ausstellung beschränkte, konnte Stunden in den Hangarn verbringen und seien Sinne stimulieren. Und das Fazit des diesjährigen Festivals lässt sich einmal mehr mit den Worten „Es gibt nichts, das es nicht Wert wäre neu durchdacht zu werden“ zusammenfassen.

Everything but plain – Project White T-Shirt

Kategorie: Design | January 12, 2010 | von Julia Christian

ProjectWT0 Everything but plain   Project White T Shirt

// Foto v.l.n.r > Marlon Brando, Steve McQueen, James Dean Bradfield (Manic Street Preachers) //

Seit Marlon Brando in „The Wild One“ neben Jeans und Lederjacke ein weißes T-Shirt trug ist das Unterhemd zum Oberhemd geworden und gehört zum Standard der pop-kulturellen Garderobe. Mal ist es der virile Körper, den es durch pure Baumwolle in Szene zu setzen gilt, mal die Karikatur des vorbildlichen Arbeiters – die Franzosen nennen das Unterhemd „petit Marcel“, was nach proletarischem Kiez, dem Schweiß der Fabriken und einem Glas Rotwein an der Theke riecht. Und spätestens seit Helmut Lang ist das weiße T-Shirt zum Handwerk der Modeintellektuellen geworden: Man verweigert die Aussage und bekennt sich zur minimalistischen Eleganz der Moderne. Weiterlesen »

Mehr als Filz und Bett: A.F. Vandevorst Aktion I

Kategorie: Design | January 09, 2010 | von Julia Christian

AF3 Mehr als Filz und Bett: A.F. Vandevorst Aktion I

// Foto > A.F. VAndevorst Aktion I / Antwerpen //

Shops die im öffentlichen Raum in entlegenen Gegenden oder leerstehenden Ladenflächen aufpoppen und nach einiger Zeit wieder verschwinden, sind so inflationär geworden, dass die Begehrlichkeit, die sie wecken wollen, der Lust nach Independent-Konzerten im Olympia Stadion gleicht.

Aller Charme, der den namensgebenden Guerilla-Stores zunächst anhaftete – das Erobern des nicht genutzten Raums, die Improvisation bei Ladentheken, gefertigt aus Bierkästen und Spanplatte, Kassen, die bei jedem krächzenden Öffnen den Inhalt für immer bei sich behalten könnten, oder Avantgarderoben geknotet an Heizungsrohre und geistvolle Ladenschilder, all das kann und wird es nicht mehr geben. Denn so wie sich heute Bundeskanzler als Mäzenen gerieren oder Turnschuhgiganten mit einem bengalischen Street Artist die Massenproduktion individualisieren, so upgraden sich große Marken mit Pop-up Stores auf Innovationsniveau. Im Kosmos der künstlichen Verknappung wird selbst der nächste Nike-Windbreaker zum „Brooklyn D.I.Y. Freestyle-Item“ verklärt und die selbstkolorierbare Wayfarer von Ray-Ban zum Anlass genommen, ein paar Warhol-Anekdoten im Shop per Visuals zu erzählen. Weiterlesen »

Im Kopf von Axel Meyer

Kategorie: Design | December 09, 2009 | von Sounds like NEWS

Nokia Design Experience

nokia runde2 Im Kopf von Axel Meyer

// Foto > Nokia Design Experience, stehend: Axel Meyer //

Der Kopf hinter dem N97 und dem N97mini war zu Gast in Berlin. Axel Meyer, der junge Designchef für Nokias Nseries mit Britpop-Schüttelfrisur, hielt am 8.12.09 im „Nokia Gate 5“ einen Vortrag über seine Kommunikationsphilosophie.
Die richtet sich am Menschen aus, nicht an der Maschine. Axel Meyer vergräbt sich nicht im finnischen Espoo mit seiner Spitzen-Taskforce im weißen Labor, um dann ein optimiertes Produkt auf die Menschen loszulassen. Genau andersrum. Er beobachtet das Verhalten der Menschen vom morgendlichen Aufstehen an. Weiterlesen »

Leyla von Lala über Modernität

Kategorie: Design | November 18, 2009 | von Sounds like NEWS

LalaBild1 Leyla von Lala über Modernität

Jede Woche treffen die Autoren des BAMBIblogs Vetreter der frisch, von Suzy Menkes-geadelten Modemetropole Berlin und sprechen mit den Designern über ihre Arbeit, neue Projekte, Dresscodes und deutsche Stilikonen.

Lala Berlin ist Spitzname und Ortsbestimmung zugleich. Lala kommt von Leyla und die zog es in die deutsche Hauptstadt, um eigentlich etwas ganz anderes zu machen. Doch dann schlenderte sie 2003 über einen Flohmarkt, entdeckte etwas Selbstgestricktes und damit ihr eigenes Talent, aus feinsten Garnen hauchzarte Kreationen zu machen. Inzwischen zählt die gebürtige Iranerin zur international erfolgreichen “Berliner Schule”. Wir besuchten Leyla Piedayesh in ihrem Laden in der Mulackstraße und sprachen mit ihr über Modernität…weiterlesen

Text > Julia Christian

Macqua im Gespräch

Kategorie: Design | November 15, 2009 | von Sounds like NEWS

BildMacqua Macqua im Gespräch

Jede Woche treffen die Autoren des BAMBIblogs Vetreter der frisch, von Suzy Menkes-geadelten Modemetropole Berlin und sprechen mit den Designern über ihre Arbeit, neue Projekte, Dresscodes und deutsche Stilikonen.

Sie präsentiert ihre Kollektionen auf den Schauen in New York und zeigte in diesem Jahr erstmals auch einen Art-Fashion-Film in Paris. Meike Vollmar, die Designerin von Macqua, schneidert kontrastierende Kollektionen aus Leder, Seide mit Applikationen aus Metall – feinsinnig, anmutig und modern zugleich.
Macqua Silhouetten entstehen im Kopf, in einem Wort, einer Stimmung oder in der Staatsoper…weiterlesen

Text > Julia Christian
Foto & Video > shot with Nokia Nseries

This contains work

Kategorie: Design | October 31, 2009 | von Hendrik Spree

Es gibt Situationen, da macht die Arbeit keinen Spaß. Das liegt oft nicht einmal an der Arbeit selbst, sondern an eben der Situation. Zum Beispiel Interviews. Nun sind Journalisten sowieso eine aussterbende Spezies und die beiden Links gerade damit wohl lediglich für Historiker von Interesse. Oder halt: Solange die Tagesschau ihre Berichte über Tarifverhaldlungen und Arbeitslosenquote immer noch mit Archivmaterial von den Hochöfen ThyssenKrupps und den Fließbandfabriken deutscher Autobauer bebildert, statt die Kamera einfach mal ins St. Oberholz zu halten, ist es noch ein weiter Weg, bis sich Arbeitslebensentwürfe jenseits der vollbeschäftigten Festanstellung im allgemeinen Bewußtsein festsetzen. Weiterlesen »

Inspiration has an annoying tendency

Kategorie: Design | October 15, 2009 | von Eva Kaczor

Star architect Jordan Mozer @ Catch the inspiration

If you are a regular reader of my „Catch the Inspiration“ column“, you will know it: I have a passion for creative minds. But of what you maybe were not aware yet: I love hotels. Especially the ones that are done by creative minds. That‘s why I started a cooperation with Berlin based Design Hotels who would hook me up with their coolest hoteliers and designers.

Design Hotels

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Grün gedacht, grün gemacht

Kategorie: Design | October 12, 2009 | von goerex

thinkgreen Grün gedacht, grün gemacht

Da das Designerlein ab und an oder gar tagtäglich auch rote oder schwarze Punkte auf seinem Umweltkarmakonto versammelt, sehen wir uns hier, bei einem zeitgeistumwölkten Blog wie Sounds Like Me, aber vor allem auch aus Überzeugung angehalten, auf Think Green hinzuweisen. Da wird nämlich im Rahmen der Designkalender-Reihe grüne Arbeit bewertet und gekürt. Denn gerade dem Gestalter des 21. Jahrhunderts fällt einiges an Verantwortung anheim, wenn es um verantwortungsvollen Umgang und einen gewissen Demutsgrad mit den uns naturgegeben Materialien, daraus entstehenden Produkten oder den ihnen innewohnenenden ökologischen Rucksäcken geht. Weiterlesen »

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