Items Of The Week – Thronen

Kategorie: Dior | September 09, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

“Und auf dem höchsten Thron der Welt sitzen wir doch nur auf unserem Hintern” (Michel de Montaigne)

Jay Z und Kanye West begutachten auf ihrem gemeinsamen Album Watch the Throne den selbst erklommenen Hip-Hop-Thron. Selbstkritisch und erschreckend offen rappen sie sich selbst die Brokat-Pantoffeln von den Füßen, reflektieren ihren Erfolg, geben trotzdem mächtig an und das in einem fortdauernden Klangspektakel, dem es an Helfern wie Beyoncé und Ottis Redding und Helfershelfern wie Pharrell Williams, James Brown und den The Neptunes nicht mangelt (07).

Schauspielerin Colleen West (Ellen Barkin) sucht in Shit Year mit verschmierten Augen und voll finsterer Gedanken nach einem Ich jenseits der Rolle. Regisseur Cam Archer drehte den Film auf schwarz-weißem 16-mm Material und Ellen Barkin rettet den dissoziativen Handlungsverlauf durch ihr atemberaubendes Spiel (02).

Sabine Weiss lernte beim deutschen Haute-Couture-Fotografen-Urgestein Willy Maywald, der Diors New Look ikonisch in Szene setzte, und fand ihre eigenen Sujets letztlich doch weit entfernt von den Laufstegen und Modeateliers. Weiss porträtierte in der Tradition der “photographie humaniste” Menschen in den Straßen von Paris und den Alltag der Nachkriegszeit, für den sie immer wieder eindrückliche Motive fand. Eine Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen zeigt nun Fotos aus fünf Jahrzehnten (06).

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Dorothy Parker war eine der schillernsten und bissigsten Persönlichkeiten New Yorks. Sie schrieb für Vogue und Vanity Fair, destillierte zur Zeit der Prohibition mit Trinkbrüdern wie John Gershwin und Irving Berlin Alkohol in der Badewanne, bezahlte aus Prinzip keine Hotelrechnungen, fuhr mit Fitzgerald und Hemingway in die Sommerfrische, kam als Drehbuchautorin bei Paramount zum großen Geld, war Mitbegründerin der “Anti-Nazi-League” und Mitglied der Kommunistischen Partei und starb versifft und versoffen 1967 in New York. Michaela Karl erzählt in Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber mit staubtrockenem Humor Parkers Leben (03).

Eines Thronfolgers würdig sind die neuen Glitzer-Pailletten-Pumps von Miu Miu (01), der mystische Goldarmreif von Pamela Love  (05) und die neuen Sneakers von Pointer und Comme des Garcons (08). Zimmert Euch Euren eigenen Thron.

Items Of The Week – Dekonstrukt

Kategorie: Dior | November 24, 2010 | von

von Mareike Nieberding

Dekonstruktion. Destruktion. Kämpft das eine gegen die Sinnfixierung, gegen kanonische Vereinheitlichungen und hält Verstehen für primär unmöglich, beschreibt das andere die Zerstörung, das Niederreißen von Bestehendem. Die Objekte dieser Woche zehren von beidem und werten die vermeintliche Negativität um in reine Produktivität.
Nan Goldin dekonstruiert die Destruktion. Ihre Fotografie ist die Dokumentation des Nichtverstehens und der Nichtverstandenen. Ein Werk, dass Verstehen ermöglicht.
80 Fotografien, die in den letzten 20 Jahren in Berlin entstanden, in ihrer Zeit als Daad-Stipendiatin, davor und danach, zeigt die Berlinische Galerie ab dem 19. November (02). Was Nan Goldin mit Fotografie schafft, schafft Rei Kawakubo mit ihrer Mode – die Dekonstruktion von Bekleidungstraditionen, das Aufbrechen von Konventionen. In der 20. Ausgabe hat 032c der japanischen Designerin in einem 40-seitigen Dossier ein journalistisches Denkmal gesetzt (07).

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Dagegen konzentrieren sich Kris van Assche für Dior, Nicolas Ghesquière für Balenciaga und Nicholas Kirkwood für Erdem nicht auf die Sinn- sondern die tatsächliche Struktur ihrer Entwürfe. Van Assche destrukturiert die Dior-Silhouette in fließende Weiten (03), Ghesquière erarbeitet sich bei Balenciaga eine strukturelle Ästhetik, schwer verständlich, doch wunderschön (08) und Kirkwood zieht für Erdem die Struktur des Wanderschuhs in schwindelerregende Höhe (01). Bedwin & The Heartbreakers und Beauty & Youth flicken Zerstörtes wieder zusammen. Ihr vierfarbiger Cardigan zeugt davon (05). Marshall bleibt bei seinen Konstrukten, ihren legendären Verstärkern und macht sie kopfgerecht, als Headphones „The Major“ im originären Marshall-Design (04). Warpaint machen Musik, die man nicht verstehen, sondern verliegen muss. Reinfallen lassen, sich den schweren Gesängen der vier Mädchen aus Los Angeles hingeben, leicht mit dem Oberkörper wippen, weil „The Fool“ beschwert und beschwingt zugleich, verwischt Strukturen, Konstruktionen, Dekonstruktion und Destruktion(06). Sinnfixierung ist ein autoritärer Akt. Dekonstruiert!

Items Of The Week – Im Surreal

Kategorie: Dior | August 07, 2010 | von

von Mareike Nieberding -

„Ich definiere es also ein für allemal: SURREALISMUS, Substantiv, m., reiner, psychischer Automatismus, durch welchen man, sei es mündlich, sei es schriftlich, sei es auf jede andere Weise, den wirklichen Ablauf des Denkens auszudrücken sucht. Denk-Diktat ohne jede Vernunft-Kontrolle und außerhalb aller ästhetischen oder ethischen Fragestellungen.“ (André Breton, Manifest des Surrealismus, 1924) Unvernünftig in ihrer radikalen Selbstgefälligkeit, gefallen die Items dieser Woche.

ITEMS im surreal2 Items Of The Week   Im Surreal
„Wenn die Tiefen unseres Geistes seltsame Kräfte bergen, befähigt, diejenigen der Oberfläche zu mehren oder sie siegreich zu bekämpfen, so haben wir allen Grund, sie aufzufangen, sie zuerst aufzufangen und danach, wenn nötig, der Kontrolle unserer Vernunft zu unterwerfen.“ (André Breton) Ein Vorgang, aus dem Leonardo DiCaprio als Dom Cobb in Christopher Nolans neuem Film „Inception“ ein Geschäft macht (03). Sich mühelos in den Träumen anderer zu bewegen, Gedanken zu stehlen und zu implementieren, ist Cobbs Job und hinterlässt den Zuschauer mit einem dumpfen Gefühl der Ohnmacht gegenüber den Unwägbarkeiten des Unterbewussten. Hollywood: ausbalanciert, herausfordernd.

Mit dem Grenzbereich über dem Realismus – dem Raum des Traums arbeiten auch das Debütalbum von Best Coast „Crazy for you“ (02), der neue Männerduft von Dior Homme, der mit einem Kurzfilm von Guy Ritchie und mit Jude Law promotet wird (07) und die neue Zeitschrift FAT Magazine (06). Best Coast schweift musikalisch durch das Kalifornien der 70er. Fordert uns mit halliger Gitarre und einfachen romantischen Texten zum Gedankenschweifen heraus. Beim Anblick von Jude Law in Guy Ritchies Hochglanz-Kurzfilm “Rendez-vous” und den Kampagnenbildern von Peter Lindbergh träumt man mit offenen Augen. Das F(-ashion) A(-art) T(-ypo) Magazine aus Kopenhagen verfängt bereits mit einer gefangenen Natalia Vodianova auf dem Cover und hält, was es verspricht – in spannender Haptik, zurückgenommen gestaltet, intim und intelligent getextet.

„Unter dem Vorwand der Zivilisation, des Fortschritts, gelang es schließlich, alles aus dem Geist zu verbannen, was mit Recht oder Unrecht als Aberglaube, als Hirngespinst gilt, jede Art der Wahrheitssuche zu verurteilen, die nicht der herkömmlichen entspricht.“ (André Breton) Adäquater Helfer ist der USB-Stick in Schlüsseloptik von La Cie (08). Symptom der Zivilisation sind auch exorbitante Werbebudgets, die im Falle Miu Mius (05) richtig genutzt werden.  Und auf der Suche nach der Wahrheit oder dem „Beetle Bangle“ von Bottega Veneta (04) ist man mit den Clarks Wallabees von Stussy XXX (01) gut besohlt.
„Enthält der Traum weniger Gesetzeskraft als das übrige Leben? Ich altere, und vielleicht ist es — mehr noch als diese Wirklichkeit, der ich mich unterworfen glaube — der Traum, meine Gleichgültigkeit ihm gegenüber, welche mich altern läßt.“ (André Breton) Be surreal!

Absolutely not fabulous: Lacroix geht baden

Kategorie: Dior | January 02, 2010 | von

Lacroix2 Absolutely not fabulous: Lacroix geht baden

Dieses Jahr war ein komisches. Während Kate Moss ihren Gürtel nur enger schnallte, weil ihr nichts so gut schmeckt, wie ihren hageren Altgroupie-Schick im Spiegel zu sehen, mussten die Konsumenten auf einiges verzichten, was ansonsten in den Kleiderschränken dieser Welt gelandet wäre. Weiterlesen »

Dior auf dem falschen Mulholland Drive?

Kategorie: Dior | December 25, 2009 | von

Lynch21 Dior auf dem falschen Mulholland Drive?

Ähnlich surreal wie die Filme David Lynch’s, sind einige Marketingstrategien führender Modehäuser. Die von Dior zum Beispiel. Weiterlesen »