Short Shots 2.0: Irene Graef, Filmemacherin

Kategorie: Film | October 19, 2011 | von

Wir wollen wissen, was geht – und was gar nicht. Welche App immer eine Lösung parat hat und welches Standardwerk im Bücherregal steht. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Irene Graef.

Yoga ist der neue Volkssport. Zumindest könnte man das denken, wenn man durch Berlins Straßen geht, wo es bald an jeder Ecke ein Yoga-Studio zu geben scheint. Proportional zur steigenden Anzahl an Hauptstädtern, die zwischen Sinnsuche und Sportambition ins Yoga-Studio strömen, muss auch der stetig wachsende Bedarf an Yogalehrern gedeckt werden. Aber wer sind eigentlich die Menschen, die unterrichten, wie man die sich richtig in die Kobra rollt oder den Rücken im abwärtsgerichteten Hund Richtung streckt? Und vor allem: Warum streben sie danach quasi Profi-Yogi zu werden und was bedeutet es, diese Ausbildung zu durchlaufen? Filmemacherin Irene Graef hat sich dem Thema zwei Jahre lang angenommen und vier Yogalehrer bei ihrer Ausbildung mit der Kamera begleitet. Aus über 250 Stunden Filmmaterial hat Graef den Dokumentarfilm „Im Kopfstand zum Glück“ erstellt, der Anfang 2011 in die Kinos kam, und nun auch auf DVD erschienen ist. Der Film erzählt von Körperertüchtigung und Kopfentspannung und Menschen auf der Suche nach sich selbst. Irene Graf hat übrigens nach ihrem Studium der Theologie und Theaterwissenschaft an der LMU München in Köln noch ein Studium der Filmregie an der Kunsthochschule für Medien Köln angehängt; „Im Kopfstand zum Glück“ ist ihr dritter Film und Yoga ist für sie nicht nur irgendein Thema: sie selbst hat ebenfalls die Ausbildung zur Yoga-Lehrerin absolviert, denn „Das Yoga gibt mir die Kraft, mich von niemandem ablenken und von keinem Hindernis davon abhalten zu lassen“. Was Irene Greaf Fragen zwischen On- und Offline-Modus statt Yoga zu sagen hat, kann man nachfolgend lesen.

 

irene graef 7001 Short Shots 2.0: Irene Graef, Filmemacherin

NAME Irene Graef
JAHRGANG 1976

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Heimat ist mein Beruf, Wahlheimat sind meine Freunde.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Ich habe Glück: Butter und Berufung gehen ganz gut zusammen.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Intellektuellen-Leiden öden mich an, jenseits von Schwarz/Weiß wird es spannend

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Ich freue mich jeden Morgen meinen neuen Kühlschrank zu sehen und frage mich, ob mich das beunruhigen sollte.

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Ich habe den Apple-Kram, da muss ich mich um sonst nix kümmern.

ONLINE vs. OFFLINE:
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Auf XING bin ich oft, aber nur manchmal gerne

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Film ist mein Alltag, ewig sparen – nee

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Clärchens Ballhaus versus Panorama Bar

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Gertrude Stein versus Politiker

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Phasenweise beides exzessiv

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
David Mitchell und Virginia Woolf / Sophie Hunger und David Bowie

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Ich bin – also ist Schönheit ohne Sünde, versteht sich, werfe aber keine Steine

DANKE!

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Bild 481 Short Shots 2.0: Irene Graef, Filmemacherin

 

kopfstand zum glueck 700 Short Shots 2.0: Irene Graef, Filmemacherin

 

 

 

 

Short Shots: Verena S. Freytag – Regisseurin

Kategorie: Film | October 03, 2011 | von

Welche Webseite gerne besucht wird und wer im wahren Leben am liebsten gesehen wird. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Dieses Mal mit: Verena S. Freytag

Den Max-Ophüls-Preis zu gewinnen, sollte der Karriere nicht schaden, immerhin gehört der Filmpreis zu den Renommiertesten für junge Filmemacher in Deutschland. Seit diesem Jahr zählt auch Verena S. Freytag zu den Prämierten. Nach ihrem Studium an der Musikhochschule in ihrer Heimat, wechselte die 1973 geborene Stuttgarterin nach Berlin, um dort ein Regie-Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) anzuhängen. Seither ist sie als Regisseurin und Drehbuchautorin für TV und Kino tätig und hat diverse Kurz- und Langspielfilme realisiert.
Ihr neuester Film heißt „Abgebrannt“, ist inspiriert vom Leben im Berliner Stadtteil Wedding und lief am 22. September in den Kinos an. Die Story kreist um eine junge, alleinerziehende Mutter und Tätowiererin namens Pelin deren Leben aus den Fugen gerät, als sie vom Jugendamt zu einer Mutter-Kind-Kur an die See geschickt wird. Mit ungeschöntem Blick und erzählt Freytag von der Schwierigkeit Freiheitsliebe und Familie, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinen. Der Film wurde nicht nur dem zu Beginn genannten Max-Ophüls-Preis in der Sparte Drehbuch bedacht, sondern hat beim diesjährigen Festival Achtung Berlin sowie beim Neiße Filmfestival 2011 die Preise als „Bester Spielfilm“  abgeräumt. Der Autakt zur Premierentour von „Abgebrannt“ ist am 20. September im Acud Kino in Berlin, am Folgetage geht es in der Schaubühne Lindenfels in Leipzig weiter sowie in Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Esslingen und Bremen – alle Infos, Zeiten und Spielstätten gibt hier.Verena S. Freytag wird bei den meisten Veranstaltungen anwesend sein! Was sie zu sagen hat, wenn sie es nicht gerade ihre Protagonisten in einem Film sprechen lässt, gibt’s nachfolgend zu lesen.

086 verenafoto 500 Short Shots: Verena S. Freytag – Regisseurin

VERENA S. FREYTAG

 

NAME Verena S. Freytag
JAHRGANG 1973

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
… von zwei wunderbaren Urgrossmüttern…will die Linie fortsetzen…

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Wenig Butteressen – aber viiiiel Scriptanalyse mit intelligenten Schauspielern!

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
„Deutschland sucht den Superstar“ versus Ingmar Bergmann

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Der Roman „Das Licht und der Schlüssel“ von Adolf Muschg / der Hunger in Afrika

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Ich denke insgesamt über Abkoppelung nach… Unabhängigkeit…

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Facebook / meiner Espressomaschine.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
einfache, schöne Dinge / ein Bechstein-Konzertklavier

HOT SPOT vs. SO NOT
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
mein alter Holzbalkon / der Alexanderplatz am Nachmittag

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Meine 8-jährige Tochter hat immer ziemlich viele neue Gedanken und interessante Pläne. / Ab in die Mülltonne von Thilo Sarrazins  dummer, spekulativer ANACHRONISTISCHER, populistischer Null-Intelligenz!

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Im Kino auf jeden Fall die ganz grosse Gemeinschaft! / Im Fussballstadion lieber ohne mich .

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Now: „Literatur als Therapie“ von Adolf Muschg, „Let-England-Shake“ von  PJ Harvey
Forever: Albert Camus „Der erste Mensch“, Bach „Partiten“

Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
PJ Harvey „Let-England-Shake“; das ganze Album ist einfach Zeitgeist PUR.
The Beatles, Steely Dan, Radiohead, Roxy Music, Paul Hindemith „Das Marienleben“

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
1. Ich danke dem Leben vor dem Einschlafen für ALLES!
2. Das Leben ist viel zu erhaben und komplex für so einen eindimensionalen Begriff…

 DANKE!

0 Short Shots: Verena S. Freytag – Regisseurin

 

086 Strand Short Shots: Verena S. Freytag – Regisseurin

SZENENFOTO AUS "ABGEBRANNT"

086 IMG 4360 kleiner Short Shots: Verena S. Freytag – Regisseurin

SZENENFOTO AUS "ABGEBRANNT"

086 EdinPelin1 Short Shots: Verena S. Freytag – Regisseurin

SZENENFOTO AUS "ABGEBRANNT"

 

Short Shots 2.0: Jan Schomburg, Regisseur + Drehbuchautor

Kategorie: Film | September 26, 2011 | von

Welches Standardwerk im Bücherregal steht und was das Gadget der Stunde ist. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Jan Schomburg.

Er ist ein Mann, der sich präzise auszudrücken weiß – in Worten, wie im nachfolgenden Fragebogen lesen kann – aber nicht nur: Jan Schomburg weiß die Fähigkeit präziser Ausdrucksweise auch auf der Leinwand einzusetzen. Bester Beweis dafür ist sein Film „Über uns das All“, der am 15. September in die deutschen Kinos gekommen ist. In dem Langfilm-Debüt des gebürtigen Aacheners, der an der Kunsthochschule für Medien in Köln Film studiert hat, geht um Wendepunkte im Leben, Momente in denen Dinge plötzlich eine andere Wendung nehmen, den Umgang mit Verlust, um Identität und Doppelleben. Protagonistin Martha, gespielt von der wie-immer-begnadeten Sandra Hüller, wird das Verschwinden ihres Mannes Paul (Felix Knopp) mitgeteilt. Infolge des Verlusts gibt sich Martha nicht der Trauer hin, sondern setzt ihr Leben mit einem neuen Mann namens Alexander (Gerog Friedrich) fort und stellt fest, dass sie ihren Mann beiweitem nicht so gut gekannt hatte, wie gedacht. Der Neue jedoch weist charakterliche Parallelen mit seinem Vorgänger auf – oder ist es Martha, die diese herbeiführt? Die Geschichte beleuchtet das Handeln der Protagonisten nicht nur von einer Seite, sondern wagt den Perspektivwechsel. Ein deutscher Film, der mit einer Vielschichtigkeit und zugleich Klarheit aufwartet, die man im deutschen Kino nur selten zu Gesicht bekommt. Beim Panorama Special der diesjährigen Berlinale hat „Über uns das All“ übrigens den „Prix Europas Cinemas“ abgeräumt. Wer jetzt Angst vor anspruchsvollem Kino bekommen hat, dem sei gesagt: Der Trailer verrät, dass subtiler Humor durchaus Teil des Films ist und der Herr Regisseur selbst verfügt dementsprechend auch über ein angenehmes Maß dessen – immerhin nennt er seinen Flur als Ort, der gar-nicht-mehr-geht. Aber lest selbst…

 

Jan Schomburg Short Shots 2.0: Jan Schomburg, Regisseur + Drehbuchautor

NAME Jan Schomburg
JAHRGANG 1976

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Mutterbauch / Muttererde.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Herzblut schmiert Butter.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Gloriös inszenierte Sexualität / lange Bahnfahrten.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
äußere Hülle der Frau meines Herzens / innerer Kern der Frau meines Herzens

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Fahrrad / Luftpumpe

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
der Seite des legendären Psychotheoretikers Dr. Hanno Verbier / Großmutter

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Liebe Arbeit Kino / neue Schuhe

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Schlafzimmer / Flur

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Menschen / Tod

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Die Gemeinschaft, die jemanden wie mich aufnähme, ließe ich immer lieber alleine ziehen. (nach Marx) (G.)

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
J. Litell: „Die Wohlgesinnten“, The Montesas „Vendetta ’62“
Duden, Bibel, Freud
„Am Besten wäre es, nicht geboren zu sein. Aber wem passiert das schon? Unter Millionen kaum einem.“

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Zivilisatorische Triebkontrolle / Felice angeschrien, weil sie zu spät kam.
DANKE!
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06 Short Shots 2.0: Jan Schomburg, Regisseur + Drehbuchautor

"ÜBER UNS DAS ALL"

10 Short Shots 2.0: Jan Schomburg, Regisseur + Drehbuchautor

ÜBER UNS DAS ALL

54 Short Shots 2.0: Jan Schomburg, Regisseur + Drehbuchautor
“ÜBER UNS DAS ALL”

Ten Years After – Dan Meths “Twin Tower Cameos”

Kategorie: Film | September 11, 2011 | von

Genau eine Dekade nach den Anschlägen auf das World Trade Center werden wir mit Rückblicken, Würdigungen, Kritik und Undunds aller Art zugeballert. Und die wenigstens treffen den richtigen Ton. Dan Meth ist das Kunststück gelungen, ohne Pathos oder Sarkasmus an das Wolkenkratzerpärchen zu erinnern, indem er Szenen aus zwischen 1969 und dem Jahr 2000 entstandenen Filmen zu einer eindrucksvollen Collage zusammengeschnitten hat. Fernab von Politik und Verschwörungstheorien hat er den beiden Türmen, welche die Skyline New Yorks über drei Jahrzehnte geprägt haben, mit seiner Collage ein cineastisches Denkmal gesetzt.

(via)

Okay, den hier habe ich noch – für eine Werbung gar nicht mal so schlecht. Ist aber auch Absolut. Eben.

 

 

 

 

 

Items Of The Week – Thronen

Kategorie: Film | September 09, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

“Und auf dem höchsten Thron der Welt sitzen wir doch nur auf unserem Hintern” (Michel de Montaigne)

Jay Z und Kanye West begutachten auf ihrem gemeinsamen Album Watch the Throne den selbst erklommenen Hip-Hop-Thron. Selbstkritisch und erschreckend offen rappen sie sich selbst die Brokat-Pantoffeln von den Füßen, reflektieren ihren Erfolg, geben trotzdem mächtig an und das in einem fortdauernden Klangspektakel, dem es an Helfern wie Beyoncé und Ottis Redding und Helfershelfern wie Pharrell Williams, James Brown und den The Neptunes nicht mangelt (07).

Schauspielerin Colleen West (Ellen Barkin) sucht in Shit Year mit verschmierten Augen und voll finsterer Gedanken nach einem Ich jenseits der Rolle. Regisseur Cam Archer drehte den Film auf schwarz-weißem 16-mm Material und Ellen Barkin rettet den dissoziativen Handlungsverlauf durch ihr atemberaubendes Spiel (02).

Sabine Weiss lernte beim deutschen Haute-Couture-Fotografen-Urgestein Willy Maywald, der Diors New Look ikonisch in Szene setzte, und fand ihre eigenen Sujets letztlich doch weit entfernt von den Laufstegen und Modeateliers. Weiss porträtierte in der Tradition der “photographie humaniste” Menschen in den Straßen von Paris und den Alltag der Nachkriegszeit, für den sie immer wieder eindrückliche Motive fand. Eine Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen zeigt nun Fotos aus fünf Jahrzehnten (06).

thronen Items Of The Week   Thronen

Dorothy Parker war eine der schillernsten und bissigsten Persönlichkeiten New Yorks. Sie schrieb für Vogue und Vanity Fair, destillierte zur Zeit der Prohibition mit Trinkbrüdern wie John Gershwin und Irving Berlin Alkohol in der Badewanne, bezahlte aus Prinzip keine Hotelrechnungen, fuhr mit Fitzgerald und Hemingway in die Sommerfrische, kam als Drehbuchautorin bei Paramount zum großen Geld, war Mitbegründerin der “Anti-Nazi-League” und Mitglied der Kommunistischen Partei und starb versifft und versoffen 1967 in New York. Michaela Karl erzählt in Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber mit staubtrockenem Humor Parkers Leben (03).

Eines Thronfolgers würdig sind die neuen Glitzer-Pailletten-Pumps von Miu Miu (01), der mystische Goldarmreif von Pamela Love  (05) und die neuen Sneakers von Pointer und Comme des Garcons (08). Zimmert Euch Euren eigenen Thron.

Papierfilmer – Von Hitchcock bis Spielberg

Kategorie: Film | August 12, 2011 | von
04 A I 700 Papierfilmer   Von Hitchcock bis Spielberg

Der Film läuft im Kopf ab, vor dem inneren Auge. So wird die letzte Einstellung, das ultimative cineastische Erlebnis kolportiert bevor man das Zeitliche segnet. Bei Regisseuren, den besseren jedenfalls, darf vorausgesetzt werden, dass sie diese Fähigkeit von Berufswegen abrufen können, ohne letale Konsequenz. Ehe die visionäre Abfolge tatsächlich als Kinofilm läuft, werden die Bilder skizziert,in eine Kontuität gesetzt, die dem Film auf Zelluloid einen Film auf Papier voranstellt: das Storyboard.

17 GONE WIND 700 Papierfilmer   Von Hitchcock bis Spielberg

Vom Winde verweht, Victor Fleming (USA 1939), Storyboard: William Cameron Menzies, Eröffnungsszene in Tara, Leihgeber: David O. Selznick Collection, Harry Ransom Center / The University of Texas at Austin

1235 Zoetrope 05 700 Papierfilmer   Von Hitchcock bis Spielberg

Apocalypse Now, Francis Ford Coppola (USA 1979), Storyboard: Dean Tavoularis, Hubschrauberangriff, Leihgeber: American Zoetrope Films, San Francisco

Die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen in Berlin würdigt dieser Kulturtechnik und ihren Protagonisten – Regisseuren einerseits und Storyboardzeichnern anderserseits – nun erstmals eine Ausstellung. In den seltensten Fällen sind Regisseur und Storyboardzeichner identisch. Martin Scorsese etwa, der zwar nicht zeichnen kann, aber die Drastizität der Ereignisse in seinem Massaker-Klassiker “Taxi Driver” von 1976 mit blutrotem Filzstift auf körperweicher Bleistiftschraffur prägnant zu akzentuieren weiß. Meist sorgen ausgebildete Illustratoren und Comiczeichner für die erstbildgebende Geschichtsschreibung.

03 Spellbound  700 Papierfilmer   Von Hitchcock bis Spielberg

Ich kämpfe um dich, Alfred Hitchcock (USA 1945), Storyboard: William Cameron Menzies / James Basevi (nach Entwürfen von Salvador Dalí) Traumsequenz, Leihgeber: David O. Selznick Collection, Harry Ransom Center / The University of Texas at Austin

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Zwischen Film und Kunst. Storyboards von Hitchcock bis Spielberg, Deutsche Kinemathek, Foto (c) Marian Stefanowski

Alfred Hitchcock beauftragte für seinen Psychoanalysethriller “Spellbound – Ich kämpfe um dich” zunächst den 1945 populären Surrealisten Salvador Dalí, der zuvor schon mit Luis Buñuel zusammengearbeitet hatte, engagierte dann aber noch den Art Director James Basevi um Dalís etwas statischen Klischeebildern von verborgenen Rädern, rollenden Augen und sich verformenden Gesichtern zu mehr Leben zu verhelfen. Wie sehr der Kontrollfreak Hitchcock aus solchen Erfahrungen lernte, zeigen die Storyboards zu “Die Vögel” von 1963, die sozusagen jede mimische Verzerrung seiner Protagonistin Tippi Hedren im Angesicht sich vor ihr bedrohlich zusammenrottender Saatkrähen zeichnerisch vorwegnahm.

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Marcel van Eeden, Ohne Titel, 2010, Privatsammlung © Marcel van Eeden

39 Eeden 700 Papierfilmer   Von Hitchcock bis Spielberg

Marcel van Eeden, Ohne Titel, 2010, Privatsammlung © Marcel van Eeden

Die Ausstellung präsentiert das Phänomen Storyboard im Kontext von Filmproduktion und bildender Kunst. Der Künstler Marcel van Eeden bedient sich der formalen Idee der Storyboards schon lange für seine mysteriösen Zeichnungsserien, denen er bislang aber noch keine Filme hat folgen lassen. Den Zeichnungen für Walt Disneys ersten farbigen Animationsfilm “Schneewittchen und die sieben Zwerge” von 1937 stellen die Kuratoren Paul McCarthys Interpretationen der naiv-lieben Micky Maus gegenüber. So nah manche Storyboards an der Kunst sind, offenbaren andere, wie etwa Maurice Zuberanos Zeichnungen für Mike Nichols‘ Ehedrama “Wer hat Angst vor Virginia Woolf” von 1966, dass Storyboards in erster Linie Verbildlichungswerkzeuge für Regisseur und Kameramann sind.

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Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Mike Nichols (USA 1966), Eröffnungszene, Martha und George kommen nach Hause, Leihgeber: Ernest Lehmann Collection, Harry Ransom Center / The University of Texas at Austin

35 McCarthy 618 Papierfilmer   Von Hitchcock bis Spielberg

Paul McCarthy, Spinning Dwarf (House), 2009, Leihgeber: Galerie Hauser und Wirth, Zürich, Privatsammlung

“Zwischen Film und Kunst. Storyboards von Hitchcock bis Spielberg” ist eine äußerst sehenswerte Ausstellung nicht nur für Filmkenner (die meisten ausgewählten Sequenzen gehören längst zum kollektiven Bildwissen) und Regiestudenten, sondern auch für jene, die sich von ihrem eigenen finalen Film nicht allzu überraschen lassen wollen…

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Zwischen Film und Kunst. Storyboards von Hitchcock bis Spielberg, Deutsche Kinemathek, Foto (c) Marian Stefanowski

“Zwischen Film und Kunst. Storyboards von Hitchcock bis Spielberg”, Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Filmhaus am Potsdamer Platz, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin-Tiergarten, noch bis zum 27. November 2011

Bild 1: A. I. – Künstliche Intelligenz, Steven Spielberg (USA 2011), Storyboard: Chris Baker, (Fangorn) The Toll Gate – Tor zu Rouge City, Leihgeber: Stanley Kubrick Archive, The University of Arts London

Items Of The Week – Wolf Gang

Kategorie: Film | August 11, 2011 | von

Von Mareike Nieberding

Die Germanen verehrten den Wolf als magisches Tier, das den Sieg im Kampf versichern sollte. Die Männer hüllten sich deshalb in Wolfspelze, damit die Kräfte und die Gefahr des Wolfes sich auf sie übertragen würden. Nachdem Wolfgang Amadeus und Johann Wolfgang dem Namen zu neuem Glanz verholfen haben, kamen auch deutsche Familien nicht umhin ihre Söhne nach den Wölfchen dieser Welt zu benennen. In der Wolf Gang sind sie besonders gefährlich.

Auf dem neuen Love Magazine hat sich in einem Triple-Split-Cover die neue Wolf Gang Hollywoods verewigt: Hailee Steinfeld, Chloe Mortez und Elle Fanning zieren das “Supernatural Issue” und lasssen sich in entsättigten Grün- und Blautönen, romantischem Styling und Tränen in den Augen auf solch romantisch-hilflose Art inszenieren, dass man sich fragen muss, warum sie eigentlich die Krallen ihres Talents verbergen (03). Bei Wolf Gang wiederum, hinter was sich der 24-jährige britische Musiker Max McElligot verbirgt, hätte man sich indessen gewünscht, dass er auf seinem Album “Suego Faults” das Festkrallen an der Geschäftsidee Popstar ein bisschen besser zu verpacken gewusst hätte. Sein Indie-Pop ruckelt und rumpelt mit viel britischem Poprock-Pathos ohne Höhepunkt vor sich hin und hinterlässt Nichts als den schönen Namen (07). Auch Leif Randt kann mit seinem Vor- und Zunamen angeben und hat außerdem das Buch “Schimmernder Dunst über Coby County” geschrieben, dass bei dem diesjährigen Ringen um den Ingeborg-Bachmann-Preis den Publikumspreis gewonnen hat. In seinem schmallippigen Roman, den manche gar als Generations-Roman bezeichneten, schildert Randt das Leben Wim Enderssons, der in Coby County in einem unbenannten Land ein anstrengungsloses Leben verbringt, dass sich durch wenig anderes auszeichnet als seine umstandslose Leichtigkeit, die sich als eine Falsche entpuppt. Der Roman wird so “zur Satire auf eine westliche Wohlsstandsgesellschaft, in der es keinerlei existentielle Nöte gibt, aber doch einen ideelen Mangel, der alles auszuhöhlen droht” (05).

wolf gang Items Of The Week   Wolf Gang

Eine negative Utopie, der der Architekt Buchminster Fuller mit seinen Visionen für einen zukünftigen Kosmos zu entfliehen suchte. Schon in den Sechzigern sprach “Bucky” von Nachhaltigkeit, predigte seine “Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde”, das er mit seinen in Leichtbauweise erstellten geodätischen Kuppeln bewahren oder mit seinem “Dymaxion Car” in spritsparender Stromlinienform möglichst umweltfreundlich berfahren wollte. Das Marta in Herford widmet ihm nun eine Ausstellung (05). Während Christopher Kanes Accessoires für den kommenden Winter ebenfalls futuristisch anmuten und an das Lavalampen-Comeback der Neunziger Jahre erinnert (01), wirken die neuen Nike SB´s von Stefan Janoski eher erdverwachsen (08) und auch das schlichte Hemdkleid von T by Alexander Wang eignete sich wunderbar, um zu viel Wolfsblut hinter einer zurückhaltenden Fassade verschwinden zu lassen (04). In Derek Cianfrances “Blue Valentine” versuchen die Figuren bis zum bitteren Ende den Schein ihrer Ehe aufrecht zu erhalten. Ryan Gossling und Michelle Williams beweisen dabei wie wahrhaftig das Scheitern einer großen Liebe schauspielerisch zum Ausdruck gebracht werden kann (02). Become a Wolf Gang.

Cineastik in der Werbung – Vöslauer, Ray-Ban + Co

Kategorie: Film | April 21, 2011 | von


Vöslauer der Film Cineastik in der Werbung   Vöslauer, Ray Ban + Co

Die Werbung hat das Medium Film entdeckt. Und gemeint sind damit keine 30-Sekünder, die mal mehr mal weniger dünne Handlungen um das zu bewerbende Produkt stricken, gemeint sind lange, epische Kurzfilme mit Drehbuch, deren Umsetzung durch Akteure aus der Filmbranche eine neue Qualität in der Werbung sichern.

Das mag sicher am gestiegenen Druck zur Abgrenzung liegen, hat aber wohl hauptsächlich damit zu tun, dass das Internet kein TV-Sender ist, der Geldscheine wie Reisig pro Sendesekunde verbrennt, sondern dazu einlädt, Hochwertiges zu produzieren, das sich dann wie von selbst im Netz reproduziert.

Nachdem Ray-Ban erst kürzlich für ihren Stop-Motion Viral „Photocopy Romance“ die Entzückung der Internetgemeinschaft erntete, der von der Geschichte zweier Sonnenbrillenträger erzählt, die zarte Bande knüpfen und sich schließlich auf engstem Raum ineinander verlieben – inszeniert aus der Perspektive eines Kopierers – folgt nun der nächste Kurzfilm zur aktuellen Kampagne: “Watergun”  bedient sich einfachsten Zutaten – Slow Motion, heiße Frauen, Wasserpistolen und flirrende Hitze – und doch braucht es nicht mehr, um sich an dieser cineastischen Satire zu erfreuen.

0 Cineastik in der Werbung   Vöslauer, Ray Ban + Co

Noch einen Schritt weiter geht aktuell die österreichische Mineralwassermarke “Vöslauer“. So ist deren neuestes Werk nicht mehr nur ein Clip, sondern ein 6-minütiger Kurzfilm mit Staraufgebot, passend betitelt mit “Vöslauer – der Film“.

Bild 41 Cineastik in der Werbung   Vöslauer, Ray Ban + Coaus: Vöslauer – der Film | Nora von Waldstätten

Die mit dem Max Ophüls Preis 2010 als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnete und mit Filmen wie “Carlos – Der Schakal” international bekannt gewordene Nora von Waldstätten schlüpft dabei für Vöslauer in die Rolle einer jungen Schriftstellerin, die sich in einem literarischen Dilemma befindet und Inspiration für ihr neues Buch sucht. Aus
diesem Grund bezieht sie eine idyllische Kabane im Thermalbad Vöslau und trifft auf eine faszinierende, scheinbar ewig junge Frau, dargestellt vom norwegischen Supermodel Carmen Maria Hillestad, deren Geheimnis in der Ursprungsquelle des Mineralwassers zu liegen scheint.

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Umgesetzt wurde der Kurzfilm im Herbst 2010 von der renommierten britischen Regisseurin Anthea Benton, die vor der Kulisse des Jahrhundertwendejuwels im Thermalbad Vöslau für die eindrucksvollen Szenen sorgte. Beispielsweise wenn die beiden Protagonistinnen im „Grünen Becken“ des Thermalbads schwimmen, das mit purem Vöslauer Mineralwasser gefüllt ist. Zudem fand ein Teil der Dreharbeiten in einem Wassertank in London statt, wo das Ereignis parallel von der renommierten Unterwasser-Fotografin Zena Holloway in Bildsujets festgehalten wurde.

Mit solchen Filmwelten scheint die Werbung sich endlich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe zu nähren: Die Verführung mittels der Kraft der Bilder. Und wer noch immer daran zweifelt oder aber den visionären Zeitbezug vermisst, dem sei Spike Jonze 30-Minüter für Absolut zu empfehlen: “I’m Here – A Lovestory In An Absolut World”

Spike Jonzes Im Here Cineastik in der Werbung   Vöslauer, Ray Ban + Co
Bild 1: aus: Vöslauer – der Film | Nora von Waldstätten & Carmen Maria Hillestad 

Jetztzeit-Technik in der Zukunft: Tron Legacy

Kategorie: Film | December 12, 2010 | von

09 1024x574 Jetztzeit Technik in der Zukunft: Tron Legacy © Walt Disney Pictures | “Tron Legacy”

Manchmal ist Jetztzeit-Technik so visionär, dass sie in die Zukunft integriert werden kann. Der Trailer zu “Tron Legacy”, Walt Disneys erzählerische Fortführung von “Tron” aus dem Jahr 1982, der am 27.01.2010 in den deutschen Kinos startet, stellt dies glaubhaft unter Beweis. Denn statt nur mit futuristischem Kulissenbau zu arbeiten, ist das neue Nokia N8 Teil der Heldenausstattung, mit dem sich auf der Flucht im Cyberspace so Einiges bewerkstelligen lässt.

Bild 2 Jetztzeit Technik in der Zukunft: Tron Legacy

Der 27-jährige Rebell Sam Flynn wird vom mysteriösen Verschwinden seines Vaters Kevin Flynn (Jeff Bridges) geplagt, der Mann, der einst als weltbester Videospiel-Entwickler galt und vor 20 Jahren spurlos verschwand. Als Sam sich auf Spurensuche begibt und ein seltsames Signal empfängt, das von seinem Vater stammen könnte, wird er hinein gezogen in eine digitale Welt, in der sein Vater seit jener Zeit gefangen ist. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise um Leben oder Tod im Cyberspace – ein Universum, das Kevin Flynn einst selbst erschuf, das sich im Laufe der Zeit aber eigenständig weiterentwickelt hat – und so kämpfen Vater und Sohn mit neuen Waffen in unbekannten Landschaften gegen einen skrupellosen Bösewicht, der alles dran setzt, ihre Flucht zu verhindern.

0 Jetztzeit Technik in der Zukunft: Tron Legacy

Tron Legacy
Filmstart: 27.01.2010

Eröffnungssport – Reden über Fotos

Kategorie: Film | July 16, 2010 | von

Vernissagentourismus kann auch gut mit Vortragstourismus verbunden werden. Nicht nur schauen, sich auch ruhig mal was erzählen lassen, ist die dieswöchige Devise für den Eröffnungssportverein. Und der Fokus liegt eindeutig auf dem mittels Kameraobjektiv erzeugten Bild!

Bild 1 700 Eröffnungssport – Reden über Fotos

Bruce LaBruce, "Put your Marxism Where Your Mouth Is", 2005, Peres Projects Berlin/Los Angeles

Bild 5 Eröffnungssport – Reden über Fotos

Bruce LaBruce, "Otto and the Rabbit", 2009, Peres Projects Berlin/Los Angeles

Bild 2 700 Eröffnungssport – Reden über Fotos

Bruce LaBruce, untitled, 2002, Peres Projects Berlin/Los Angeles

Bruce LaBruce ist so etwas wie der Rosa von Praunheim des globalisierten Art-Homo-Trash-Punks. Das Arsenal-Kino zeigt nun einen Retrospektive des kanadischen Regisseurs und Fotografen, der seinen richtigen Namen Justin Stewart wie seine Zurückhaltung schon lange abgelegt hat und nicht mehr nur in schwulen Kreisen rezipiert wird. Für ihn ist das Kino der „perverse Ort schlechthin und damit der Inbegriff der Freiheit“. Inwiefern sich das Publikum diesem Motto annimmt und der Freiheit im Kinosessel freien Lauf lässt, bleibt abzuwarten. Die Filme (frühe Super-8-Streifen aus den Achtzigern bis zu seinem neuesten Werk, das eine Schnittmenge zwischen Pornofilm und Horrorschocker bildet) dürften jedenfalls einige Hemmungen lockern. Zusätzliche Aufklärung verspricht ein Künstlergespräch. Tim Blue von der Künstlergruppe CHEAP unterhält sich mit LaBruce über das Verhältnis von Zombies, Gay-Porn und Psychoanalyse.

Retrospektive Bruce LaBruce, Arsenal – Institut für Film und Videokunst, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin-Tiergarten, noch bis zum 23. Juli 2010. Künstlergespräch: Tim Blue und Bruce LaBruce, „Lacan vs Jung; ‚Judy’ LaBruce Fucks the Dead… Live!“ & Zombie-Überraschungsprogramm, Freitag, 16. Juli, 20 Uhr

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Installationsansicht Magnum Ausstellung C/O Berlin

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Installationsansicht Magnum Ausstellung C/O Berlin

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Installationsansicht Magnum Ausstellung C/O Berlin

Obwohl sie bald aus dem Postfuhramt rausgeschmissen werden, lässt sich C/O Berlin sein Jubiläum nicht vermiesen. Zum zehnjährigen haben sie gestern mit einer Ausstellung der Fotoagentur Magnum eröffnet, die deren legendäre Gründer Capa, Seymour und Cartier-Bresson jüngeren Mitgliedern gegenüberstellt. Eigentlicher Höhepunkt der Geburtstagsparty ist aber ein massives Vortrags und Diskussionsprogramm, das einlädt, das ganze Wochenende im Postfuhramt zu verbringen. Fünf Panels setzen sich mit der Fotografie als Medium an sich auseinander – mit Themen wie der Zukunft des Fotojournalismus im digitalen Zeitalter, den immer komplexer werdenden Fragen des Urheberrechts, den Präsentationsformen von Fotografie von Vintage-Prints bis zu Projektionen, dem Foto als Handelsware auf dem Kunstmarkt und der Zukunft des Fotobuchs. Dazu kommen noch vier Lectures von Fotografen wie etwa dem Urgestein der New York School, Saul Leiter.

„Photography Days“, C/O Berlin, Oranienburger Straße 35/36, 10117 Berlin-Mitte. Panels: „Blogs Feeds Web 2.0 – die Zukunft des Fotojournalismus nach der digitalen Revolution“, Freitag, 16. Juli, 12 Uhr; „Bilder für alle! Das Ende des Copyrights?“, Freitag, 16. Juli, 15 Uhr; „Vintage-Prints oder Screens an der wand. Fotoinstitutionen zwischen Bewahren und Vermitteln“, Samstag, 17. Juli, 12 Uhr; „Das Foto – Zwischen Unikat und Massenware. Die Preis- und Wertbildung auf dem Kunstmarkt“, Samstag, 17. Juli, 15 Uhr; „Papier als Datenträger – das Ende des Fotobuchs?“, Samstag, 17. Juli, 19 Uhr

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Olaf Unverzart, o. T./Glacier de Argentine, aus der Serie „Strata“, 2009, Courtesy Oechsner Galerie Nürnberg
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Olaf Unverzart, o. T./Tunnel, aus der Serie „Strata“, 2009, Courtesy Oechsner Galerie Nürnberg

Olaf Unverzart hat sich die Großbildkamera aufs Rad geschnallt und die Alpen erklommen. Im Dienste seiner Fotografie. Dort hat er sich Stand gesucht. Ein Ausdruck aus der Bergsteigerlingo, der die Absicherung seiner selbst und anderer bezeichnet. Standbilder macht Unverzart, der die scheinbar so unveränderlichen Alpen in ihrer Abnutzung durch den Menschen zeigen: Befestigungsanlagen, schwindende Gletscher, Serpentinenstraßen. Den dokumentarischen Aufnahmen aus der Natur, die die Alfred-Ehrhardt-Stiftung zeigt, stellt er Polaroidabzüge entgegen, deren Ursprung die BBC-Filmreihe „Planet Earth“ ist, die in einer sublimen Naturschönheit schwelgt. Tobias Timm, Kunstredakteur der „Zeit“, will versuchen, dem Künstler zu entlocken, wie er zu den Diskrepanzen der Naturfotografie steht und welchen Standpunkt der Fotografie dabei einnimmt und wie die Absicherung auf die Metaebene der Bildwahrnehmung transformiert wird.

Olaf Unverzart, „Stand“, Alfred-Ehrhardt-Stiftung, Auguststraße 75, 10117 Berlin-Mitte. Künstlergespräch: Tobias Timm & Olaf Unverzart (Anmeldung erbeten), Sonntag, 18. Juli, 14 Uhr

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