Die Sommerpause ist beendet. Wie gewohnt schon am Donnerstag eröffnete Sprüth Magers den Spurt in Richtung Art Forum. Mit Ed Ruscha und Barbara Kruger meldete sich die Galerie der großen Namen zurück und wusste doch zu erstaunen.
  Barbara Kruger, die Grande Dame der New Yorker Konzeptkunst zwischen Pop Art und Konsumkritik, Feminismus und Typografiefetischistin, überrascht mit Humor. Etwa in der Ansprache eines jungen Mannes, der in einem nicht enden wollenden Witz, die verschiedenen Sekten des amerikanischen Evangelikalismus aufzählt und dabei aussieht, als würde er ein Tutorial für die neueste Apple-Software anbieten. Eine Frau telefoniert beim Autofahren und droht die Kontrolle über ihr Fahrzeug zu verlieren. Gegenüber läuft der nachfolgende Fahrer aufzufahren und vor lauter Wut über die Telefonierende die Kontrolle über seine Ausdrucksweise zu verlieren. Zwei bärtige Mannermünder verquatschen sich im Dialog, schriftliche Ermahnungen rollen über die Screens und wir Betrachter mittendrin, drehen uns um uns selbst und versuchen den kleinen Sequenzen von Liebenswürdigkeiten und Brutalitäten im Alltag zu folgen. Die Mehrkanal-Videoinstallation “The Globe Shrinks” wurde in diesem Frühjahr erstmals in ihrer Stammgalerie bei Mary Boone in Chelsea gezeigt, mit deren Räumen Sprüth Magers es spielend aufnimmt.
  Denn um die Ecke geht es schon mit Ed Ruscha weiter. Und zwar ganz klassisch. In einer Vitrine finden sich die Künstlerbücher mit den sich der Kalifornier (okay geboren in Nebraska) einen ewigen Platz im Herzen aller Kunststudenten around the globe erworben hat. Sein Fetisch-Leporello “Every Building on the Sunset Strip” liegt dort ausgebreitet. An den Wänden die ikonischen Bilder von Parkplätzen vom Helikopter fotografiert, “Thirtyfour Parking Lots”, die auch zuerst als Buch erschienen waren, “A Few Palm Trees” und die Dokumentation von Baulücken wie Bausünden “Real Estate Opportunities”. Mit seinen sarkastischen Fotoserien hat er den Geist der Pop Art entschieden mitgeprägt; die feinen Architekturzeichnungen präsentieren Ruscha von seiner subtileren Seite.
  Eine Wiederentdeckung sind die schwarzweißen Großformate collagierter Foto-Text-Bilder von Astrid Klein. Für die Serie “Broken Heart” hat sie zwischen 1980 und 1995 die Zettelsammlungen des Schriftstellers Arno Schmidt geplündert und in Beziehung zu Frauendarstellungen aus dem Kino der Sechziger und Siebziger gesetzt. Die neuen Kontexte mögen keinen Sinn ergeben, lustig sind sie allemal.
Barbara Kruger, Ed Ruscha und Astrid Klein, Sprüth Magers Berlin, Oranienburger Straße 18, 10178 Berlin-Mitte
Höhepunkt der Freitagseröffnung dürfte die neue Ausstellung von Nathan Hylden bei Johann König sein. Der hat sein Malereiprojekt inzwischen von der Leinwand auf Aluminiumplatten und freistehende Skulpturen erweitert. Treu bleibt er aber seiner Technik mit Schablone und Sprühpistole Schicht um Schicht aufzutragen, nicht vor Metalliceffekten und Neonfarben zurückzuschrecken und sich dem Thema der Berechtigung von Abstraktion immer wieder neu zu stellen.
Nathan Hylden, “Getting There, in Various Order”, Johan König, Dessauer Straße 6/7, 10963 Berlin-Kreuzberg. Eröffnung: 3. September 2010, 18 Uhr
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Manifest Destiny! Die Bestimmung des jungen amerikanischen Volkes im 19. Jahrhundert sich das Land untertan zu machen und die legendäre Frontier immer weiter nach Westen zu verlagern, bis sie eins wurde mit der Küstenlinie des Pazifischen Ozeans, ist zentrale Identifikationslegende der Vereinigten Staaten von Amerika. Auch heute bleibt die Reise durch den immer weniger wilden Westen ein Mainstreamreisetraum.

Zwei Künstler aus der nicht als besonders expansionistisch bekannten Schweiz haben sich mehrfach auf diese Reise gemacht und die Weite und den Raum visuell unterjocht. Nicht aber mit tausendfach wiederaufgewärmter pittoresk-pathetischer Landschaftsfotografie oder Dokumentation von Vorstadtfolklore und Lokalkolorit von Highway-Dinern und Motels im Nowhere.

Obwohl sie natürlich genau dort abgestiegen sind und – natürlich – auch fotografiert haben. Doch sind Nico Krebs und Taiyo Onorato nicht nur Fotografen, sondern erweitern das Medium durch Intervention in Landschaft und Szenerie mittels Skulpturen und Installationen. Auf ausschließlich analogem Weg manipulieren sie die Bilder, spannen virtuelle Räume aus Schnüren, fotografieren durch befleckte Scheiben, basteln endlos erscheinende Landstraßen aus Pappe, verkabeln Hotelzimmer neu und nehmen die Absurditäten die sie sehen auf und wandeln sie um in mal humorvolle, mal rätselhafte Motive.

Etwa wenn eine Kuh auf artistische Weise die Beine übereinander schlägt oder eine Armee von Freedom Fries die Freiheit der touristisch ausgelutschten Grand-Canyon-Kulisse in neues Licht setzt. Im letzten Jahr haben sie ihr Projekt „The Great Unreal“ bereits als Fotobuch präsentiert. Am Samstag haben Onorato und Krebs ihre erste Soloausstellung in Deutschland in der Berliner Galerie Kunstagenten eröffnet.

Die überzeugende Hängung in den drei Galerieräumen setzt die Fotografien noch einmal in andere Beziehungen, eine Überraschung wartet aber in der Gruft: Dort tauchen die bepflanzten Häuser aus einigen Fotos wieder auf. Hier tauschen Skulptur und Fotografie plötzlich die Rollen. Und Taiyo Onorato und Nico Krebs beweisen, dass von ihnen in Zukunft noch mehr als „nur“ Fotografie zu erwarten ist.
Taiyo Onorato & Nico Krebs, „The Great Unreal“, noch bis zum 25. September 2010, Galerie Kunstagenten, Linienstraße 155, 10115 Berlin-Mitte

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Der aus Argentinien stammende Künstler Horacio Salinas ist viel mehr als ein Photograph. Die eigentliche Arbeit macht sich der Mann, bevor er auch nur ein einziges Mal auf den Auslöser seiner Kamera gedrückt hat. Inspiration findet er dabei oft in den alltäglichsten Gegenständen, die er auf ungesehene Weise neu arrangiert oder zweckentfremdet. Doch zeichnet ihn nicht nur sein Ideenreichtum aus, seine Bilder sind auch immer von bestechender Qualität. Weiterlesen »
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Vier Tage Prag bei 35 Grad – Postkartenstadt in der völlig überlaufenen Mitte. Gassen, Galerien, Parks und Hügel drum rum. Ausserdem natürlich das beste Bier der Welt (nicht im Bild). Ein Glück, dass sich die Touriströme keine zwei U-Bahnstationen von der Altstadt wegbewegen. Hier ein paar Vorder- und Rückseiten – Gotik, Barock und Stacheldraht.












































(Alle Fotos: Alexander Gumz)
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 John Everett Millais, "Ophelia", 1852 (c) Tate Gallery, London
Arthur Rimbaud war von Ophelia so angetan, dass er seiner Leidenschaft für die tragische Figur aus William Shakespeares „Hamlet, Prinz von Dänemark“ 1870 in einem Gedicht Bahn brach: „… Seit mehr als tausend Jahren schon zieht die traurige / Ophelia / Vorüber als weißes Phantom auf dem langen schwarzen Fluss. / Seit mehr als tausend Jahren schon raunt ihr sanfter süßer / Wahnsinn / Seine Romanze der Abendbrise zu.“ Doch nahm Rimbaud gar nicht so sehr Shakespeares Tragödie in seinen Bann, sondern ein Gemälde, das John Everett Millais, Präraffaelit und Hobbybotaniker 1852 gemalt hatte und die in einem Fluss treibende, den Depressionen verfallene Geliebte Hamlets vor detailverliebter Feuchtwiesenflora zeigt.


Lisa Wassmann wartet noch auf lyrische Rezeption ihrer Kunst. Sie hat aber auch gerade erst ihre erste Einzelausstellung. Am Donnerstagabend eröffnete die West Berlin Gallery in Berlin-Wedding mit einer Schau, die einen breiten Blick über das Werk der Fotografin wirft, die ihre Wurzeln in der Clublandschaft hat, Hausfotografin des mittlerweile wie Ophelia in den Fluten der Vergangenheit versunkenen Scala war, Bilder und Fotostrecken in Zeitschriften wie Dazed&Confused oder dem Zeit-Magazin veröffentlichte und sich offenbar wie Millais auch für die Darstellung des Menschen in der Natur interessiert, ob nun als Wasserleichen, Badende oder Strandspaziergänger. In der Ausstellung zeigt Lisa Wassmann Bilder, die in den letzten drei Jahren entstanden sind.
   
Und das Motiv der Ophelia scheint auch hier mehrmals aufzuflackern. Da taucht aus Grasfroschperspektive eine unbekleidete junge Frau hinter einem auf dem Rasen eines Gartens stehenden Aquariums auf. Ein anderes Bild zeigt eine weitere Frau nicht mehr so klar erkennbar lebend, romantisch gewandet, vor Blumenranken durch eine Wasserlache fotografiert. Dann wieder ein amphibisch nackt an den Strand robbendes Wesen mit einem glamourösen Kopfputz. Am weitesten entfernt sich Wassmann vom vermuteten Opheliamythos, wenn ihre Protagonistin erschöpft aber voll bekleidet in einem Swimmingpool sitzt.
 
Die Bildwelten sind in der Schwebe zwischen Landschaftsfotografie und inszeniertem Portrait- oder Modeshooting, surrealen Tableaus und stilisiert filmischen Erzählungen. Sie verrätselt die Figur, schießt aus dem fahrenden Auto auf nordische Natur, teert und federt aber auch schon mal für eine Strecke in Texas. Die eigenartige Präsentation der Fotos in alten Rahmen, die die Bilder zu Wandobjekten machen, verstärkt noch den Eindruck einer Fotografin, die auf der Suche nach einem verlorengegangenen Symbolismus ist. „… So sitzt sie da und gibt nicht Antwort / Mit ihren träumenden Augen, / Mit ihrem schmachtend köstlichen Blick, / Beinah Paradies, / Und doch nicht glücklich, allzu wissend.” (Christina Georgina Rossetti, aus „Day-dreams“)
Lisa Wassmann, West Berlin Gallery, http://www.westberlingallery.com/ Brunnenstraße 56, 13355 Berlin-Wedding, noch bis zum 5. September 2010
// alle Installationsansichten > shot with Nokia N series //
 
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Es gab da mal einen Nachmittag in einer Berliner Redaktion. Daniel Josefsohn erzählte die Geschichte vom Terranova-Albumcover, das, explizit wie es war, in der Produktion einen kleinen Streik unter den muslimischen Druckern ausgelöst hatte… Später beschmierte er Charlotte Roche für das Zeit Magazin mit Dreck oder lichtete für das Dummy Magazin beschnittene Jungs ab.

Aber das vermeintliche Enfant terrible kann auch anders: Handzahm, verschroben, kurzum: liebenswert. Und kreativ. Eine Eigenschaft, die Daniel Josefsohn auf der Experten-Wunschliste für die N8 Sessions platzierte. Er hat „Ja“ gesagt. Wir sagen „Danke!“ Und was sagst du?
Du willst mit Daniel krude Ideen aushecken und umsetzen? Dann zeig uns, Nokia und Herrn Josefsohn, was du drauf hast – und gewinne einen Workshop-Tag in Berlin mit der N8-Experten-Crew und dem neusten Smartphone made in Finland. Bewirb dich hier bis zum 22. August.
It’s not the technology, it’s what you do with it.
N8 Sessions:
Mit Daniel Josefsohn.
Mit dir.
Und mit deiner Kreativität.
www.nokia.de/n8blog/
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Die junge Kunst. Viel beschworen. In den etablierten Galerien ist sie immer seltener zu finden, in Zeiten der noch häufiger beschworenen Krise erst recht nicht. Altbewährtes zahlt sich eben besser aus. Während sich das Galeristenestablishment in der wohlverdienten Sommerpause befindet, geht es trotzdem weiter. Mit jungen Künstlern, jungen Showrooms, oder zumindest jung gebliebenen.
 Oliver Braid, „Predictions“ (Detail), 2010, © Oliver Braid
 Darren Tesar, „Portal Gun (TRACING INTENTIONS)“, 2010, © Darren Tesar, 2006-2010
 Ellie Harrison, „Toytown“ (Installation Newbury Gallery, Glasgow School of Arts), 2009, © Ellie Harrison
Spätestens seit Charles Rennie Macintosh um 1900 die schottische Version des Jugendstils erfand, hat Glasgow einen guten Leumund in Sachen Kunst, Design und Architektur. Macintosh hat das Hauptgebäude der Glasgow School of Art entworfen und damit einer der wichtigsten Kunstschulen Großbritanniens Gestalt gegeben. Das trutzige Portal der GSA haben als Alumni nicht nur die späteren Turner-Preisträger Simon Starling und Richard Wright verlassen, sondern auch Künstler und Künstlerinnen, die auf die höchste britische Auszeichnung für bildenden Kunst noch warten: David Shrigley zum Beispiel oder Jonathan Monk. Grund genug also um der Absolventenausstellung „MFA Show“ einen Besuch abzustatten. Die Glasgow School of Art leistet sich nämlich in jedem Jahr nicht nur eine lokale Ausstellung, sondern auch eine internationale Präsentation und die gastiert in diesem Jahr in Berlin im Bethanien und dreht sich um die Frage, ob Kunst den Auftrag hat, Alltagserfahrungen, politische Ereignisse und gegenwärtiges Engagement zu „reflektieren“. John Calcutt, der Kurator von „Definite Article“, will mit seiner Auswahl von 25 Künstlerinnen und Künstlern keine Antwort geben, sondern Beiträge u.a. von Oliver Braid, Rosemary Scanlon, Darren Tesar oder Ellie Harrison zur Debatte stellen. Nicht nur Berliner Galeristen werden sich zur Eröffnung die Klinke in die Hand geben, um im Sommerloch vielleicht Neuzugänge für das Portfolio zu akquirieren, sondern bestimmt auch die Berliner Hochschulkonkurrenz.
„Definite Article – MFA Show“, Glasgow School of Arts in Zusammenarbeit mit Artnews Projects, Bethanien, Mariannenplatz 2,
10997 Berlin-Kreuzberg. Eröffnung: Freitag, 6. August 2010, 19 – 23 Uhr
 Amos Fricke, aus der Serie „Outlooks Insights“, © Amos Fricke
 Amos Fricke, aus der Serie „Outlooks Insights“, © Amos Fricke
 Amos Fricke, aus der Serie „Outlooks Insights“, © Amos Fricke
Amos Fricke ist bisher eher als Porträt- und Modefotograf aufgefallen, etw für das Blatt „Derzeit“, das zur Berlin Fashion Week herauskommt. Persönlichere Aufnahmen zeigt der 23-jährige Hannoveraner, der in Berlin lebt, jetzt in einer kleinen Galerie, die sich dem schnellen Wechsel unterschiedlichster Ausstellungen verschrieben hat: Neonchocolate. Zum Glück nicht noch ein Schokoladenladen in Prenzlauer Berg, sondern bis zu drei Shows pro Woche, immer gekühlte Getränke und Musik. Fricke präsentiert die Serie „Outlooks Insights“ – schnelle, subjektive Schwarz-/Weißfotografien von Berliner Orten, Berliner Leuten und Berliner Situationen. Mit grobem Korn und feinem Gespür für die Dinge, die da sind oder passieren.
Amos Fricke, „Outlooks Insights“, Neonchocolate Gallery, Lychener Starße 23, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg. Eröffnung: Freitag, 6. August 2010, 19 – 23 Uhr
 (c) Alice Münch
 (c) Alice Münch
 (c) Alice Münch
Center Berlin wurde als Ausstellungsraum schon vor sieben Jahren von der Künstlerin Lin May gegründet. Inzwischen betreibt Jens Ullrich die Produzentengalerie – die Übergänge von Galerist zu Kurator zu Künstler sind hier fließend – an der Kurfürstenstraße, die immer stärker in den Fokus der Kunst rückt. Mit Alice Münch präsentiert er nun eine Künstlerin, die sich auch nicht festlegen will oder kann. Und schon gar nicht muss. Denn ihre Werke greifen auf unbestimmt poetische Weise ineinander, ob sie nun zeichnet, fotografiert, performt, schreibt oder eine temporäre Bar durch die Stadt wandern lässt.
Alice Münch, Center Berlin, Kurfürstenstraße 174, 10785 Berlin-Tiergarten. Eröffnung: Freitag, 6. August 2010, 18 Uhr
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In ihrer ersten Einzelausstellung, die am kommenden Donnerstag eröffnet, gibt die Berliner Fotografin Lisa Wassmann, die schon in Sleek, Vice, ZEITmagazin, Dazed & Cofused oder Derzeit veröffentlichte, einen Überblick über ihre Werkperiode der letzten drei Jahre.
Als Fotografin bewegt sich Wassmann auf dem schmalen Grad zwischen handwerklicher Präzision und einer kühlen digitalen Ästhetik, die im Zusammenspiel ihren Motiven Rückhalt bieten. Die nun gezeigten, teils unveröffentlichten, Bilder sind besonders aus Perspektive der Künstlerin: Sie bieten nicht nur einen Blick auf ihr Innenleben – sind es doch ausschließlich ihre Lieblingsfotografien- sondern machen aus dem intimen Einblick gleichzeitig einen Ausblick in die Welt.

In der Vorbereitung der Ausstellung arbeitete Lisa Wassmann dem üblichen Prinzip der Präsentation auf mehreren Ebenen entgegen: Nicht die Fotografien allein werden zum Zentrum des Ausgestellten, sondern der Fotografie wird ihre technische Reproduzierbarkeit genommen, indem sich in selbst gesuchten und restaurierten Rahmungen der digitale Print in ein Bild im traditionellen Sinne verwandelt. Die eigentliche Bildauswahl wird dabei zusätzlich verkehrt, indem der Rahmen den Inhalt bestimmt. Die so entstandenen Unikate blicken also eher aus ihrer äußeren Begrenzung heraus und erlauben ein spannungsvolles Wechselspiel zwischen Tradition und Gegenwart.

Die ausgestellten Fotografien sind auf eine Auflagenhöhe von drei Abzügen pro Motiv begrenzt. Fotografien inklusive Rahmung sind nur als Unikat erhältlich.
Lisa Wassmann – 05. August – 05. September
West Berlin Gallery
Brunnenstraße 56
13355 Berlin
Vernissage: 05. August ab 19:00 Uhr
Lisa Wassmanns Blog auf Sounds-Like-Me
www.lisawassmann.com
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Manche Künstlerinnen sammeln Preise, andere Erfahrungen. An diesem Freitag stechen zwei Eröffnungen aus einem immer schmaler werdenden Sommerprogramm heraus. Zwei tragende Säulen der Kunstlandschaft in Berlin-Mitte zeigen etablierte Installation und junge Fotografie.
 Mona Hatoum, Foto: Jim Rakete (c) Mona Hatoum
 Mona Hatoum, "3-D Cities", 2008-2010 (Detail), Foto: Fakhri N. al Alami, Courtesy The Khalid Shoman Foundation – Darat al Funun, Amman (c) Mona Hatoum
 Mona Hatoum, "Worry Beads", 2009, Foto: Agostino Osio, Courtesy Fondazione Querini Stampalia, Venezia (c) Mona Hatoum
2008 hat Mona Hatoum den Trend zu temporären Gärten und anderen vegetabilen Interventionen von der Seite der Kunst entscheidend mit angestoßen. Die Installation „Hanging Garden“ in der DAAD-Galerie bestand aus mit Samen gefüllten Sandsäcken, die nach gründlicher Wässerung austrieben und die an Schützengräben oder Hochwassereindämmung erinnernde Mauer in eine grün sprießende, lebendige Plastik verwandelte. Jetzt erhält die libanesisch-palästinensische Künstlerin den Käthe-Kollwitz-Preis der Berliner Akademie der Künste für ihren vom Readymade ausgehenden erweiterten Skulpturbegriff. Performance, Installation und Environment sind für Hatoum nur das Vehikel ihren durch und durch politischen Ansatz zu transportieren. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht immer der Mensch, sein verletzlicher Körper und seine individuellen Erfahrungen.
Mona Hatoum, „Käthe-Kollwitz-Preis 2010“, Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 30. Juli 2010, 19 Uhr
 Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg
 Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg
 Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg
Zwanzig junge Fotografen hat Felix Hoffmann, der Kurator von C/O Berlin schon aufgespürt und bietet ihnen einen Sprungbrett ihre Arbeit vorzustellen. „Talents“ heißt die Reihe und präsentiert die Positionen von Kunstfotografinnen, Fotojournalisten und Dokumentarfotografen, falls zwischen diesen Kategorien noch jemand trennen will. Clou des Konzepts ist aber nicht diese Möglichkeit einer Ausstellung zu nutzen, sondern die Idee, die Fotografien direkt zur Diskussion zu stellen. Zu jeder monografischen Ausstellung produziert C/O Berlin eine Publikation, in der ein Nachwuchskritiker, Kunstvermittler oder eine Bildwissenschaftlerin sich eingehend mit Kunst und Werk auseinandersetzt und sie mit den Mitteln der Kunstgeschichte aufarbeitet. Friederike Brandenburg zeigt zum 20. Jubiläum nun ihre Serie „Zurückgelassen“. Die Fotografin ist auf Spurensuche nach Hinterlassenschaften in der Natur gegangen. Vor der Kulisse Norwegens richtet sie ihren Blick eben nicht nur auf Gletscher, Fjorde und Wälder, sondern auf die Rückstände der Menschen, Fundstücke, Reste, Residuen. Die Kunstvermittlerin Sophia Greiff fühlt ihr auf den konzeptuellen Zahn.
„Talents 20 – Junge Fotografie/Kunstkritik“, C/O Berlin, Oranienburger Straße 35/36, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 30. Juli 2010, 19 Uhr
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Der Sommer hat ein Loch. Die Galerien sperren ihre Türen zu und nutzen die Zeit ausgiebig die Einnahmen zu verprassen oder lassen auf und zeigen Gruppenausstellungen. Gute Idee – hier 17 Künstler und Künstlerinnen an einem Abend.
 Claudia Angelmaier, "Das große Rasenstück" (c) Claudia Angelmaier
 Nina Ebbinghaus, "Robinie" (c) Nina Ebbinghaus
 Ralph Samuel Grossmann, "trefle", (c) Ralph Samuel Grossmann
Der Untertitel „Positionen zeitgenössischer Pflanzenfotografie“ klingt wie ein schlechter Floristenwitz. Wie verhalten sich überhaupt Botanik und Zeitgenossenschaft zueinander? Gibt es das Genre Pflanzenfotografie? Der Titel führt dann aber in eine Richtung, die immer mehr in den Blickpunkt von Stein und Smog gepeinigter Städter rückt. Innerstädtische Landwirtschaft, Guerilla-Gardening und Seed-Bombing besetzen in dem Metropolen zunehmend die Sehnsucht nach dem Landleben ohne die Vorzüge der Urbanität missen zu müssen: von intelligenten Interventionen in den sich immer mehr verselbständigenden Stadtorganismus bis zum reaktionären Spießertum ewiger Großstadtfeinde, die es mit ihrem Allround-Defätismus auf dem Land freilich auch nicht aushalten würden. Die Alfred-Ehrhardt-Stiftung stellt in der Ausstellung „Urbane Gewächse“ nun Fotografen und Fotografinnen (Annabelle Fürstenau, Claudia Angelmaier, Nina Ebbinghaus, Helmut Völter, Claudia Fährenkemper, Ralph Samuel Grossmann) vor, die ihren Städterblick auf die Flora lenken und ausgegrenzten Korbblütler und wackeren Pionierpflänzchen zu ihrem Recht verhelfen.
„Urbane Gewächse – Positionen zeitgenössischer Pflanzenfotografie“, Alfred Ehrhardt Stiftung, Auguststraße 75, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr
 "Sommerland" bei systM
 "Sommerland" bei systM
Kunst in Kneipen – das geht meist schief. SystM versteht sich trotzdem einerseits als Bar und andererseits als Galerie für Design, von Grafik bis Fashion. Mit der Sommerausstellung „Sommerland“ stellt systM nun acht Illustratoren und Illustratorinnen (Ana Albero, Romy Blümel, Danae Diaz, Sandra Ehlen, Nastja Holtfreter, Sophia Martineck, Maki Shimizu, Silke Werzinger) vor, deren Ausbildung an internationalen Kunst- und Designschulen noch nicht allzu lange zurückliegen. Illustration als angewandte Kunst fristet immer noch ein Schattendasein, weil die Grenzen zwischen künstlerischer Freiheit und wirtschaftlichen Nutzen schwer zu stecken sind. Gute Illustrationen eröffnen jedoch eine ganz eigene Ebene gestalterischer Darstellungs- und Erzählformen: ob nun Characters zum Leben erweckt werden, narrative Geschichten im Comic verbildlicht werden, statische Zeichnung in animiertes Bewegtbild überführt werden oder Magazine über die Illustration ein zusätzliches und visuell unerschöpfliches Bildmedium erhalten. SystM verschafft Überblick auf die Szene.
„Sommerland“, systM Gallery Bar, Torstraße 68, 10119 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr
 Christof Zwiener, "Elegy for all the dead rock stars 19:49min", 2009
 Tamara Lorenz, o. T., 2009/10
 Alexandra Schumacher, "Eroberung des Raumes II (Über die Rückseite)", 2010
Wie hier schon des Öfteren erwähnt, hat Surrealismus immer noch ungebrochen Hochkonjunktur. Wenn nicht direkt an den Werken ablesbar, dann in der zugrundeliegenden Theorie. Stedefreund eröffnet heute mit einer Dreierausstellung (Tamara Lorenz, Alexandra Schumacher und Christof Zwiener): “Les Chants de Maldoror”. “Die Gesänge von Maldoror” von Isidore Ducasse von 1868 gehörte in die Handbibliothek eines jeden gestandenen Surrealisten, wie etwa Man Ray oder René Magritte. Ersterer schwärmte vom zufälligen Zusammentreffens einer Nähmaschine und eines Regenschrims auf dem Seziertisch. Unwillkürliche oder arrangierte Konfrontationen propagieren auch die Künstler und Künstlerinnen der Ausstellung und loten den Bereich aus zwischen den Objekten und ihren fotografischen Abbildern.
“Les Chants de Maldoror”, Stedefreund, Dorotheenstraße 30, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr
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