Luigi Ontani – ein Leben als Bild

Kategorie: Fotografie | December 03, 2011 | von

Sich in fremden Kleidern ablichten, als Künstlerin in eine personifizierte Rolle schlüpfen, über Jahrzehnte als Protagonistin der eigenen Kunst auftauchen, das kennt man von Cindy Sherman. Den Surrealismus in absurde Filmsets überführen, auf der Grenze zwischen Fantasie und Kitsch balancieren, den eigenen Körper als Quelle künstlerischer Inspiration ausloten, das kennt man von Matthew Barney. Luigi Ontani ist im Vergleich zu Sherman und Barney nahezu unbekannt, auf jeden Fall aber unterrepräsentiert im Kanon der zeitgenössischen Kunst. Dabei war er mit ganz ähnlichen Konzepten schon früher da.

041120111542 Luigi Ontani – ein Leben als Bild

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Lieber Clark, lieber Werner, lieber Thomas, lieber Felix, liebe Sara-Lena – hochgestapelt!

Kategorie: Fotografie | November 12, 2011 | von

091120111560 Lieber Clark, lieber Werner, lieber Thomas, lieber Felix, liebe Sara Lena – hochgestapelt!Das Hochstaplerleben ist das einzig Wahre! Thomas Mann hat es seinen Felix Krull vormachen lassen, wie man mit nichts als ästhetischem Anstand durch unruhige Zeiten kommt und sich dabei mit nichts weniger als mit sich selbst beschäftigt. Ein Buch, dass jedes Jahr aufs Neue gelesen werden sollte. Auch Walter Serners parevenüseliges Schwindlerbrevier „Letzte Lockerung“ bedarf dringend wiederholter Lektüre. In u.a. 22 Kriminalgeschichten kleidet der der Dadaist sein Wissen um Lug und Trug von der menschlichen Existenz.

091120111559 Lieber Clark, lieber Werner, lieber Thomas, lieber Felix, liebe Sara Lena – hochgestapelt!

Christian Karl Gerhartsreiter, geboren 1961 am allen Hochundhöherstapeleien gänzlich abgeneigten Siegsdorf bei Traunstein, hat es wahr gemacht und sich jahrzehntelang als Heiratsschwindler und vermeintlicher Rockefellerabkömmling in den Vereinigten Staaten von Amerika niedergelassen und dort ein Leben auf hohem Ross und großen Fuß geführt. Allein die Geheimniskrämerei wollte man ihm irgendwann nicht mehr dulden und es kam wie es kommen musste, zu Unduldsamkeit, Entführung, Haft und schließlich Mord. Das wird momentan noch verhandelt, ob er es wie manchmal auch Serners Protagonisten zum Äußersten hat kommen lassen.

091120111557 Lieber Clark, lieber Werner, lieber Thomas, lieber Felix, liebe Sara Lena – hochgestapelt!091120111558 Lieber Clark, lieber Werner, lieber Thomas, lieber Felix, liebe Sara Lena – hochgestapelt!091120111566 Lieber Clark, lieber Werner, lieber Thomas, lieber Felix, liebe Sara Lena – hochgestapelt!

Sara-Lena Maierhofer schießt mit der Kamera, stapelt aber auch weniger als tief. „Dear Clark“ hat sie ihre Serie von eigenhändig angefertigten Fotografien, zusammengeklaubten Bildern, Fotokopien und Indizien genannt. Sie scheint dem Schwindlertum verfallen und mogelt in ihre Reportage über jenen Gerhartsreiter, der sich Clark Rockefeller nannte und zurzeit im Gefängnis schmort, allerlei falsche Fährten, ganz so wie man eine Hochstaplervita anlegen sollte. Keiner wusste das besser als Thomas Mann, von Walter Serner ganz zu schweigen…

091120111561 Lieber Clark, lieber Werner, lieber Thomas, lieber Felix, liebe Sara Lena – hochgestapelt!091120111562 Lieber Clark, lieber Werner, lieber Thomas, lieber Felix, liebe Sara Lena – hochgestapelt!

Maierhofers Abschlussarbeit in der Fotoklasse der Fachhochschule Bielefeld schaffte es in die Ausstellung der besten sieben im diesjährigen Wettbewerb „Gute Aussichten“. Und „Dear Clark“ ist die mit Abstand beste Serie, nicht nur weil sie ein immerwährendes Thema trifft, sondern weil sie es auch mit der gleichen Neigung anrührt wie ihr Held/Antiheld. Sie präsentiert Hochstapelei nicht nur als Fotosujet, sondern als Kulturtechnik mit der man durchkommt, bis man irgendwo hängen bleibt.

091120111564 Lieber Clark, lieber Werner, lieber Thomas, lieber Felix, liebe Sara Lena – hochgestapelt!

Gute Aussichten, Junge deutsche Fotografie 2011/12, Museum für Fotografie Berlin, Jebensstraße 2, 10623 Berlin, noch bis zum 29. Januar 2012

(all images shot with Nokia)

Taryn Simon – Auf Blutlinie

Kategorie: Fotografie | October 07, 2011 | von

Recherche-Kunst steht hoch im Kurs: ein relativ neues Genre zwischen journalistischer Investigation, medialer Dokumentation und ästhetischer Transformation. Im schlechtesten Fall wird das Endprodukt keiner der drei Ansprüche gerecht und das Werk versumpft irgendwo in der Triangel dazwischen. Cyprien Gaillards Trip in dieses Bermuda-Dreieck war eine Reise in den Irak, für seinen in der Folge entstandenen, halbgaren iPhone-Film „Babylon“ umkopiert auf sich pathetisch selbstzerstörendes 35-mm-Celluloid hat er kürzlich den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst gewonnen.

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Viel überzeugender präsentiert sich dagegen Taryn Simon, Fotografin, die ebenfalls zwischen Dokumentation, Reportage und selbstreferenzieller Kunst arbeitet. Sie fischt weniger im Trüben, sondern wird mit ihrer neuesten Arbeit „A Living Man Declared Dead and Other Chapters“ konkret. Blutlinien erforscht sie mit sowohl investigativer wie künstlerischer Recherche, also die Beziehungen zwischen blutsverwandten Personen und wie das Schicksal oder ganz bewusste Brutalität in diese sozialen Relationen schlägt.

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In die große Tageslichthalle des Mies-van-der-Rohe-Baus der Neuen Nationalgalerie in Berlin hat sie eine strenge Doppelreihe von aus anthrazitfarbenem, monolithisch zusammengeschreinertem MDF-Material angefertigten Vitrinen gestellt. Wissenschaftliche Schaukästen, Bildaltäre, Triptychen aus Portraits, Beschreibungstext und Found-Fußnoten-Footage. Mit einer sakralen Stringenz fordert sie auch in der Präsentation die übermächtige Architektur heraus.

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2109201114441 Taryn Simon – Auf Blutlinie

Taryn Simon

Inhaltlich hat sie ebenso viel zu bieten und wird brisant: Contergan, Nordkoreaflüchtlinge,Flugzeugentführung, Albino-Opfer, Blutfehden. Drei Jahre lang ist Taryn Simon durch die Welt gereist, um Beweise zu sammeln, Menschen zu fotografieren und Geschichte in eine artifizielle Form zu überführen. Die Blutlinien, die sie rekonstruiert, formulieren erst in der Beschäftigung mit der auf den ersten Blick spröden Darstellung ein komplexes Netz von Verhältnissen und Abhängigkeiten. Mit „A Living Man Declared Dead“ hat Simon damit die junge Gattung Recherche-Kunst auf ein neues Niveau geführt, an dem sich Konkurrenten und andere Preisträger erst einmal messen lassen müssen.

Taryn Simon, „A Living Man Declared Dead and Other Chapters“, Neue Nationalgalerie Berlin, Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin-Tiergarten, noch bis zum 1. Januar 2012

(photos shot with Nokia)

Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin
030 266424242

Öffnungszeiten:
Di-Mi: So 10:00-18:00
Do: 10:00-22:00
Fr-Sa: 11:00-18:00

 

Off the Riot – Bilder aus London

Kategorie: Fotografie | August 12, 2011 | von

Keine Fotos von brennenden Autos – davon gibt’s s im Netz ja schon genug. London geht weiter seinen Gang, wie große Städte das so tun.

Wie wir die Riots hier erlebt haben – oder eher nicht: nur die gespenstische Leere mancher Straßen, verrammelte Geschäfte in Hoxton und Shoreditch; dagegen das Treiben auf der Oxford Street, das Saufen nachts in Soho, alles wie immer – das kann man gut bei Karolina Golimowska nachlesen.

Also nur ein paar Fotos: mehrheitlich Backsides, aus einer Stadt der Kontraste – strahlend und dreckig, laut und grün; natürlich nicht unterzukriegen.

london bearb NEU IMG 8134 Off the Riot   Bilder aus London Weiterlesen »

Items Of The Week – Skying

Kategorie: Fotografie | July 26, 2011 | von

Items Skying Items Of The Week   SkyingDer du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

(Johann Wolfgang von Goethe)

Der Himmel ist Symbol ewiger Seligkeit. Aber kann man den Himmel auch stehlen? Kann man ihm entgehen? Will man überhaupt hin?

The Horrors scheinen mit ihrer neuen Platte, mal Bowie’isch, mal in Synthie-Pop-Manier die Frage zu stellen, ob der Himmel überhaupt ein anzustrebender Ort ist und loten musikalisch die Möglichkeiten des Anhimmelns aus. (07) André Kertész’ surreal inspirierte Bildpoesie konnte Gefühle in Fotos sichtbar machen. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zeigt neben seinen Schlüsselwerken wie “Schwimmer unter Wasser” oder “Chez Mondrian”, die vorallem durch die formale Bildkomposition bestechen auch frühe Aufnahmen, die während seines Militärdienstes im Ersten Weltkrieg entstanden und Polaroids aus den letzten Jahren in New York (06). Der amerikanische Fotograf Arnold Crane war der Fotograf der Fotografen und er porträtierte neben Kértesz und seiner Türklingel auch all die anderen Großen der amerikanischen und europäischen Fotogeschichte: Man Ray, Ansel Adams, Walker Evans, Brassai, Henri Cartier-Bresson, Edward Steichen und viele mehr. Eine Ausstellung in der Berliner Galerie Camera Work zeigt sein beeindruckendes Werk nun erstmals in Berlin und in Kombination mit Werken der porträtierten Fotografen (02). Das neue Acne Paper widmet sich der Jugend – dem Begehren nach der Jugend als Himmel der Möglichkeiten, als Quell der Perfektion und ewigem Tanz auf dem Vulkan der Vergänglichkeit. Spannende Interviews mit jungen klassischen wie Pop-Musikern, Künstlern und den Tänzern des Moskauer Bolshoi Theaters sowie eine ebenso umfangreiche wie vielfältige Strecke kuratiert von Bruce Weber sorgen für die visuelle wie intellektuelle Ansprache. (03)

skying Items Of The Week   Skying

Das französische Pret-a-Porter Haus Carven hat in ihren Resortkollektion Kleider und Blusen gezeigt, die den Himmel gleich auf Brust und Schultern bringen (04); Christopher Kane wandte sich in seiner Resortkollektion einem anderen Phänomen der Himmelssphäre zu, nämlich dem Regenbogen, den er prominent in Pullover strickte und auf Kleider druckte (05); dieses Collier von Valentino scheint für Himmelsstürmerinnen gemacht (01) und mit den neuen Converse Schuhen scheint man den Himmel gleich unter den Füßen zu spüren – sie sehen außerdem auch wie Wolken aus (08). Go Skying!

Von Mareike Nieberding

Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die Zeit

Kategorie: Fotografie | July 01, 2011 | von

Er kam ein bisschen spät. Kein Wunder, der Mann nimmt sich ja im Allgemeinen viel Zeit. So hatte dann zwar das Aufbauteam von C/O Berlin die Nacht durchzuschuften, aber heute morgen hing die Ausstellung „In a Lonely Place“ von Gregory Crewdson dann doch und macht seiner Dialektik von Schönheit und Schwermut alle Ehre in den speckige Zeitgeschichte ausdünstenden Räumen des ehemaligen Postfuhramts in Berlin-Mitte.

0107201112771 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die Zeit0107201112761 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die Zeit010720111281 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die ZeitDer amerikanische Fotograf treibt einen Aufwand, als wolle er Filme inszenieren, dabei kommt am Ende nur ein Foto heraus. Nur ein Foto? Felix Hoffmann, Kurator der Fotogalerie, betonte, dass es sich bei jedem Bild um das Endresultat eines Prozesses handelt. Und der kann schon mal sechs Monate dauern für ein Foto. Da kann man zur Hängung schon mal zu spät kommen…

010720111272 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die Zeit010720111286 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die Zeit010720111275 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die ZeitCrewdson ist detailversessen. Wochenlang fährt er durch die amerikanische Suburbia um Locations zu suchen oder nimmt sich Zeit, durch die angejahrten Filmkulissen von Roms Cinecittà zu trotten. Vor 15 Jahren ist er mit Geduld und Ausdauer sogar Glühwürmchen auf den hell pulsierenden Leib gerückt. Die Details, die er findet, mental sortiert und dann in regelrechte Drehbücher für jedes Bild gießt, liegen am Ende fast gleichberechtigt nebeneinander auf der planen Bildfläche der Fotografie, die eigentlich ein Stapel von Folien ist, die auf eine Ebene verdichtet wurden.

010720111283 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die Zeit010720111299 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die Zeit010720111273 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die ZeitDas spielt nicht nur darauf an, dass er – wenn auch behutsam – digital in die Erstellung seiner Bilder eingreift, sondern auch auf die Komposition von Bildausschnitten, die zwar durch denselben Rahmen, aber unterschiedlich fokussiert aufgenommen wurden. Die Detailverliebtheit teilt Crewdson mit den Fotorealisten der 1970er Jahre, die so uramerikanisch sind wie er selbst – und natürlich Edward Hopper, dessen kühle Zurückgezogenheit und Attraktion der Entfremdung er verehrt: „Es ist nicht nur Entfremdung, für mich hat es auch viel mit Trennung oder Abkopplung zu tun – und damit auch dem Bedürfnis, wieder eine Verbindung zu dieser Welt herzustellen, in der das Schöne und das Traurige zusammentreffen. Ich strebe also nicht nach dem Entfremdeten, ich strebe nach einem Gefühl oder einer Möglichkeit, Anschluss an etwas Größeres zu finden.“

Gregory Crewdson, „In a Lonely Place“, C/O Berlin, Oranienburger Straße 35/36, Berlin-Mitte, Eröffnung: heute, Freitag, 1. Juli 2011, 19 Uhr

010720111288 Eröffnungssport | Gregory Crewdson nimmt sich die Zeit

Gregory Crewdson vor einer Fotografie aus der Serie "Beneath the Roses"

(all images shot with Nokia)

Die 80er, die 90er grüßen – Herb Ritts in Berlin

Kategorie: Fotografie | May 27, 2011 | von

Es wird der Sommer der Modefotografie in Berlin.. Die Ausstellung „Herb Ritts“ in der Berliner Galerie Camera Work, die bereits eröffnet hat, macht den Anfang und zeigt viele berühmte Bilder des im Jahr 2002 verstorbenen amerikanischen Fotografen.

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© Herb Ritts Foundation Christy Turlington Hollywood, 1988

Herb Ritts wurde 1952 in Los Angeles geboren, genauer gesagt in Brentwood in, im Westen der Stadt, einem Mittelklasse-Bezirk „nicht vorstädtisch, aber auch nicht Hollywood“, wie es Ritts in einem Interview einst selbst beschrieb. Sein Vater arbeitete als Möbeldesigner und -produzent, seine Mutter unterstützte den Familienbetrieb – und auch Herb Ritts selbst begann zuerst im Familienbetrieb zu arbeiten, bevor er schließlich an der US-Ostküste der USA Wirtschaft und Kunstgeschichte studierte. Zur Fotografie gelangte er erst über Umwege, als er nach seinem Studium nach Los Angeles zurückkehrte. Das Foto von einem Freund – einem damals angehenden Schauspieler und späteren Hollywood-Größe, lotste ihm den Weg ins professionelle Fotografentum. Der Name des Freundes war Richard Gere – und dem Foto wurde viel Aufmerksamkeit zuteil. Eine weitere frühe Arbeit war unter anderem ein Portrait von Brooke Shields für ein Magazin-Cover.

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© HERB RITTS Woman in Sea Luminios Print Hawaii, 1988

Es folgten Aufträge wie dem, Madonna für ihr drittes Album „True Blue“ abzulichten; einige Bilder dieser Serie sind auch in der Ausstellung zu sehen, darunter auch ein Kontaktbogen, des Shootings mit der handschriftlichen Auswahlmarkierung durch Ritts. Der Spannungsbogen zwischen Celebrity-Portraits und Mode sollte Herb Ritts‘ Karriere sein lebenlang bestimmen. Seine klare Schwarz-Weiß-Ästhetik, die ikonenhaften Posten und der Kunst den Körper stets ins beste Licht zu rücken, machte ihm zum Vertrauten vieler bekannter Gesichter – Cindy Crawford etwa, liess sich von Ritts nackt ablichten – ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Auch der jungen Claudia Schiffer kann man entgegenblicken – damals in Brigitte Bardot-Manier und mit übermalten Lippen, gestylt. Mick Jagger, David Bowie oder sowie diverse Aufnahmen von Jack Nicholson, einige davon im Großformat, sind ebenfalls zu sehen. Viele der Bilder kennt man aus Magazinen. Die Ausstellung ist wie eine kleine Zeitreise in die Modefotografie der 80er und 90er Jahre – die Posen, das Styling, die Art der Inszenierung scheint mit heutigem Blick zum Teil dated, aber die Portraits, wie das von Philip Seymour Hoffman, sind große Momente der Fotografie. Alle Abzüge in der Ausstellung sind übrigens noch zu Ritts’ Lebzeiten entstanden und von ihm autorisiert.

ritts Die 80er, die 90er grüßen   Herb Ritts in Berlin

Die Ausstellung ist  bis zum 9. Juli zu sehen; freier Eintritt!

Galerie Camera, Kantstraße 149, 2. Hinterhof, 
10623 Berlin

Eröffnungssport | Neu ausgepreist

Kategorie: Fotografie | May 13, 2011 | von

Wenn die Banken schwächeln und weltweite Finanzkrisen anzetteln, müssen die Börsen als symbolische Hüter des globalen Kapitalismus natürlich Konstanz beweisen. Da passt es ins Bild, dass die Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, die obwohl sie nach eigener Aussage immer den „Überblick behalten“ ihren Kunstpreis „blauorange“ (Preisträger waren Künstler und Künstlerinnen wie Kitty Kraus, Danh Vo und Klara LidénGabriel Orozco oder Francis Alÿs) kürzlich abgeschafft haben, während die Deutsche Börse nicht nur vor der Fusion mit der New York Stock Exchange steht, sondern sich nach wie vor auch noch einen der wichtigsten Preise für Fotografie leistet.

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Deutsche Börse Photography Prize

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Deutsche Börse Photography Prize, Eröffnung in der Turnhalle von C/O Berlin

Der Deutsche Börse Photography Prize wird jedes Jahr an einen Künstler verliehen, der einen „bedeutenden Beitrag zur Fotografie geleistet hat“. Seinen traditionellen Ausstellungsort hat er in der Galerie C/O Berlin, die ihrerseits auf Kontinuität bedacht ist und zumindest noch bis Ende des Jahres ihre Räume im Ehemaligen Postfuhramt in Berlin behalten darf, nachdem sie sich eigentlich schon obdachlos wähnte.

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Jim Goldberg

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Jim Goldberg

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Jim Goldberg

Der US-amerikanische Fotograf Jim Goldberg hat den mit 30.000 britischen Pfund nicht schlecht dotierten Preis gewonnen und sich in einem ebenso vielfältig wie qualitätsvoll besetzten Feld von vier Finalisten durchgesetzt. Goldbergs Verständnis von Fotografie ist dokumentarisch. Deshalb ist das Foto auch nur ein Element in seiner expressiven bildnerischen Ausdrucksform. Er fügt Polaroids, Plakate, Großformatfotografien, handschriftliche Texte und Fundstücke zu überbordenden Hängungen zusammen, die die antiquierte Kulturtechnik der Wandzeitung überaus zeitgemäß interpretieren. Nominiert wurde Goldberg für seine Ausstellung „Open See“ zum Thema Migration in der Londoner Photographers Gallery.

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Elad Lassry

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Elad Lassry

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Elad Lassry

Auf den Plätzen rangeln sich drei vollkommen diverse Positionen. Der israelische Fotograf Elad Lassry überzeugt mit überstilisierten Stilleben und Klischees aus der Werbe- und Produktfotografie. Gefundene Bilder und Studioaufnahmen fügt er genussvoll zu in Kitsch, Form und Farbseligkeit schwelgenden Portraits des schönen Scheins zusammen.

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Roe Ethridge

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Roe Ethridge

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Roe Ethridge

Roe Ethridge erinnert in seiner konzeptuellen Herangehensweise und Ästhetik entfernt an Richard Prince, doch appropriiert Ethridge nicht, sondern verwischt die Grenzen zwischen dem was er als Künstler fotografiert und was er als kommerzieller Fotograf herstellt. Sein Interesse gilt der Beliebigkeit und wie sie ihre Wertigkeit verändert, wenn sie in den Fokus gerät.

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Thomas Demand

Und auch Thomas Demand sollte man nicht verschweigen, auch wenn er nur mit einem Bild in der Ausstellung vertreten ist. Aber Demand ist auch von den vier Finalisten am wenigsten Fotograf. Mit seiner so faszinierenden wie einengenden Masche Papiermodelle nach fotografischen Erinnerungen zu bauen und diese dann abzufotografieren, ist er zu einem der bekanntesten zeitgenössischen Künstlern in Deutschland geworden. Sein konzeptuelles Nischendasein hat er wohl langsam satt: Die Architektur seiner Ausstellungen war ihm schon immer wichtig, in letzter Zeit lässt er Skulptur und architektonische Elemente aber auch in den Vordergrund treten. Es wäre keine Überraschung, wenn er mit dem Fotografieren bald aufhören würde.

Deutsche Börse Photography Prize, C/O Berlin, Oranienburger Straße 35/36, 10117 Berlin-Mitte, 13. Mai – 19 Juni 2011

(all images shot with Nokia)

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Deutsche Börse Photography Prize 2011 für Jim Goldberg

Short Shots 2.0 – Kai von Rabenau, Fotograf / Herausgeber

Kategorie: Fotografie | March 22, 2011 | von

Wir wollen wissen, was gar nicht geht – und, was Kopf und Körper wirklich bewegt. Welche App immer eine Lösung parat hat und welches Standardwerk im Bücherregal steht. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Kai von Rabenau.

In erster Linie ist er Fotograf uns setzt Menschen zwischen Musik- Kunst- und Modewelt ins rechte Licht. Dabei verzichtet Kai von Rabenau auf Schnickschnack, sondern setzt auf das Wesentliche in den Fokus: die zu fotografierende Person. Seinen klaren Stil stellt der Wahl-Berliner regelmäßig in den Dienst von Zeitungen wie Die Zeit und Magazinen wie Brand Eins oder The Wire. Und natürlich mono.kultur, das nur nebenbei erwähnt Kai von Rabenaus eigene Zeitschrift ist. Die Affinität zur Drucksachen kommt übrigens nicht von irgendwo – immerhin hat er „Graphic Design“ am Central St. Martins College of Art and Design studiert und dann einen Master in „Visual Communication“ am renommierten Royal College of Art in London hinterher geschoben. Sein Magazin im DIN A5-Format ist, wie der Name schon verrät, stets einem Thema oder besser einer Person gewidmet. In der Vergangenheit waren das so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Frank Leder, Tilda Swinton oder Sissel Tolaas. Die neueste Ausgabe ist dem Musikproduzenten Manfred Eicher gewidmet und soeben erschienen. Aber das heißt nicht, dass es Zeit zum Ausruhen für den 37-jährigen gäbe, denn ein Modelabel betreibt er schließlich auch noch. Das nennt sich passend zum restlichen Oeuvre mono.gramm und kommt mit Kleidungstücken daher, die prädestiniert für das Leben unterwegs sind, weil man sie bestens kombinieren und wahlweise up- oder downdressen kann. Für Sounds Like Me hat Kai von Rabenau trotz vielfältiger Projekte Zeit gefunden und seine Vorlieben und Abneigungen in den Short Shots 2.0-Fragebogen eingetragen.

NAME Kai von Rabenau
JAHRGANG 1973

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?

Ich komme aus Regensburg im schönen Bayern, wohne jetzt seit zehn Jahren in Berlin und will derzeit eigentlich nirgendwo hin – ich liebe Berlin und bin sowieso so viel unterwegs, dass ich ganz froh bin, hier eine Heimat zu haben.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?

Meine Butter verdiene ich mit der Fotografie und mein Herzblut steckt ebenfalls in der Fotografie – ebenso sehr wie in unserem kleinen und feinen Magazin mono.kultur und unserem Womenswear Label mono.gramm.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?

Mich langweilen Menschen, die keine eigene Meinung haben, die immer nur irgendwelchen Trends oder großen Namen hinterherlaufen und nicht den Mut zu etwas Neuem haben. Um so mehr freue ich mich über jeden und alles, was anders, eigen und eigenständig ist, neue Persönlichkeiten, Ideen und Gedanken, an denen man sich reiben kann.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?

Mein aktuelles Objekt der Begierde wäre die Zeit zu haben, für mehrere Wochen auf Reisen gehen zu können, wie ich das früher immer gemacht habe – alles abschalten und nur mit einem Koffer aufzubrechen. Denn das bewegt mich wirklich: Menschen, Erfahrungen, Leben.

HARDWARE vs. SOFTWARE:
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?

Unentbehrlich sind Kamera und Computer. Sie ermöglichen, was mein Gehirn sich ausgedacht hat – diese unschlagbarste aller Software.

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?

Täglich besuche ich unseren hauseigenen mono.blog, aber tatsächlich besuche ich lieber das Leben.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?

So viele kleine Dinge: morgens einen Kaffee im Bett zu trinken, mit dem Fahrrad durch Berlin zu fahren, Freunde und Freundin, ein gelungenes Foto, die kleinen Überraschungen des Alltags. Ich spare eigentlich auf gar nichts – Geld ist da, um ausgegeben zu werden … Luxus ist für mich vor allem Zeit – wenn ich also sparen würde, dann für eine Reise oder um mir eine Auszeit zu gönnen, in der man sich voll und ganz auf seine eigene Arbeit konzentrieren kann.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?

Mein zweites Wohnzimmer ist Berlin, vielleicht mit Ausnahme von Mitte, denn das geht wirklich fast gar nicht mehr.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?

Berlin und Berlin.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?

Ach, das ist immer so eine Stimmungsfrage: oft und gerne gesellig, hin und wieder auch gerne alleine. Beides ist wunderbar.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?

Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Kürzlich gelesen: McSweeney’s, David Foster Wallace, mono.kultur. Immer geht: Krieg und Frieden, Stiller,
mono.kultur.
Kürzlich gehört: James Blake, Radiohead, Gonjasufi, Interpol. Immer geht: My Bloody Valentine, Miles Davis, Nine Inch Nails, Arvo Pärt.


GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?

Kuchen und Kuchen. Ich liebe Kuchen.

DANKE!


26 ecm cover Short Shots 2.0   Kai von Rabenau, Fotograf / Herausgeber

mono.gramm aw 2011 Short Shots 2.0   Kai von Rabenau, Fotograf / Herausgeber

Short Shots 2.0 – Jan von Holleben, Fotograf

Kategorie: Fotografie | February 07, 2011 | von

SHORT SHORTS 2.0

Willkommen in unserer neuen Rubrik. Wir wollen wissen was geht – und was gar nicht. Welche Domains gebookmarkt und welche Bücher in echt im Regal stehen, worin das Herzblut steckt und was die letzte Sünde war. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Jan von Holleben

Es macht hauptberuflich Fotos, die in so unterschiedlichen Magazinen, wie Dazed & Confused und der GEO veröffentlicht werden, aber das liegt nicht, daran, dass Jan von Holleben keinen eindeutigen Stil hat – ganz im Gegenteil, die Bilder des 33-jährigen sind immer auf den ersten Blick zu erkennen, denn kein anderer Fotograf aus deutschen Landen spielt so kreativ mit Perspektive, erschafft merkwürdige, komische, verträumte, kindliche oder absurde Bildwelten. Aber Fotograf ist Jan von Holleben nicht: „Eigentlich bin ich ein Spielemeister, der sich tagtäglich neue Herausforderungen für seine Kamera und und deren Umwelt ausdenkt. Und das wird sicherlich so weiter gehen, bis keiner mehr mit mir spielen will. Irgendwann – wenn ich groß bin – werde ich dann einfach Fotograf.“ Sounds-Like-Me hat den Weltenerschaffer und Bildkünstler zu seinen momentanen Vorlieben befragt und Interessantes erfahren: Etwa, dass Jan von Holleben gerade die Literatur der Schulzeit neu durcharbeitet und seine Wohnung in wintergrauen Zeiten am liebsten gar nicht verlässt, aber lest selbst…

NAME: Jan von Holleben
JAHRGANG: 1977

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HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Ich komme aus Süd-Baden, dem bunten Rheintal zwischen den vielen schönen Bergen und will nur noch hier in Berlin bleiben. Falls ich noch woanders hin will, dann auf einen hohen Berg mit viel Wind und viel Sonne!

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?

In den letzten Jahren habe ich mir einen sehr großen Traum erfüllt: Mit dem was ich liebe und was ich am besten kann, meine Brötchen zu bestreichen. Fast alle fotografischen Arbeiten, die ich annehme, ob künstlerisch, kommerziell oder redaktionell, liegen mir sehr nah und ich tue alles um jede einzelne Idee, mit bestem Wissen und Gewissen perfekt auszuarbeiten. Manchmal passiert es, dass ein Job doch anders wird, als ich will, und dann bin ich froh, dass ich wenigstens Geld dafür bekommen habe.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?

Ausgehen, Clubbing und Parties um deren Selbst willen. Die Sau rauszulassen, um das Ego zu befriedigen und cool zu sein: boring! Haben die Leute nichts Besseres zu tun? Wo gehen diese Energien hin?
WOW: Wenn sich irgendwo im Leben plötzlich ein Rhythmus auf eine Atmosphäre trifft, wenn ein Gegenüber, das versteht und wenn meine Beine anfangen ein Eigenleben zu führen und erst aufhören, wenn ich mich nass geschwitzt und erleichtert irgendwo anlehnen muss, und das Gefühl habe, dass gerade etwas Wichtiges passiert ist.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?

Mein immerwährendes Objekt der Begierde sind bunte Süßigkeiten. Die bringen mich auch Touren. Zucker ist ‘ne Droge für mich. Je krasser desto besser! Sauer und süß, klebrig und hart. Alles geht und nichts ist verboten, außer Zuckeraustauschstoff – denn damit fühlt sich mein Körper betrogen. Am Spannendsten ist es, wenn ich reise, denn dann versuche ich die verschiedenen Kulturen anhand ihres Süßigkeiten-Angebots kennenzulernen. Ich selbst definiere ich mich als Lakritzexperte, denn ich habe schon alles, was mir in den Weg gekommen ist, probiert. Aaaaaaalles!
„Sicht“ und „Weite“ bewegt mich wirklich: Ich würde sehr gerne eine Dachterrasse haben; das ist so ähnlich wie mit dem Berg und dem Wind. Da will ich hin – aber diese Terrasse muss ich noch suchen … Oder einfach bauen!

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?

Da bin ich ganz langweilig: Gadgets mag ich nicht. Aber mein Laptop ist unentbehrlich, da ich darin meine ganze Welt abgespeichert habe. Alle meine Fotos sind darin archiviert und ich kann zu jeder Zeit mit ihnen spielen und basteln, wie es mir gefällt. Software ist zweitrangig, denn da gibt es zu viele, die alle das Gleiche können und Keine, die besonders ist.

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?

Ich bin generell immer online aber nirgendwo stetig. Ich liebe die bunte Welt des Internets und bereise sie tagtäglich als Tourist – es gib kein Ende und immer wieder wilde Abenteuer. Aber eigentlich im Herzen bin ich eher ein Offline-Typ!
Ich lese meine TAZ lieber in echt, treffe meine Freunde lieber in echt, blättere lieber durch Fotobücher in echt, genieße meine Welt, wie sie sich bewegt, anfühlt und riecht – in echt!
Und wem ich gerne mal einen echten Besuch abstatten möchte? Astrid Lindgren! Nur schade, dass das nicht mehr so einfach geht!


CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?

Gutes vollwertiges, korrektes Essen und sauberes wohlschmeckendes Leitungswasser ist der größte Luxus, den ich mir vorstellen kann. Das Essen habe ich gefunden. Das Wasser suche ich noch. Worauf ich spare? Gerade nicht mehr, da ich mir kürzlich endlich ein größeres Sofa und ein tolleres Bett geleistet habe. Aus meiner Wohnung will ich nicht mehr raus. Schon gar nicht bei dem Wetter!

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Meine zweiten Wohnzimmer sind die Wohnzimmer und Küchen meiner Freunde. Da ist es immer kuschelig. Orte, die gar nicht mehr gehen, sind die großen Städte der Welt. Die sehen alle zu ähnlich aus und es ist mir mittlerweile egal, ob ich in London, New York, Amsterdam oder Barcelona bin!

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?

Die Medien und die Medien!

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?

Sehr sehr gerne lade ich zwischen einem und 50 meiner Freunde zu mir nach Hause ein, um dort zu essen, zu spielen oder zu trinken. Sehr gerne gehe ich mit den gleichen Menschen auch raus ins Freie und tue dort das Gleiche – da bin ich Herdentier, da gehöre ich hin, doch wenn die Masse zu einer größeren, unbekannten Masse wird, dann fühle ich mich unwohl und bleibe lieber zu Hause oder gehe alleine an Orte, an denen viel los ist.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?

Momentan arbeite ich alle literarischen Standardwerke meiner Schulzeit auf, die ich damals nicht wertschätzen konnte oder wollte. Ich bin begeistert von Max Frischs „Stiller“ und „Andorra“ sowie von Brechts „Leben des Galilei“. Das nächste Buch, auf das ich mich freue, ist Thomas Manns „Zauberberg“.
Bei Musik bin ich sehr frei: Gut muss sie sein, dann kann bei mir Metal, Electro, Funk und Grunge sein. Außerdem liebe ich exzellenten Pop aus den 90ern. Da können die 00er Jahre nicht mehr mithalten. Zurzeit liebe ich über alles Jamie Lidell, Portugal. The Man und The Rumour Said Fire. Aber ehrlich gesagt ist das nur die Spitze meines CD-Haufens neben meiner Anlage. Die CD die immer und schon seit 30 Jahren geht, ist das „Solo Piano“ von Keith Jarrett.

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?

Durch weniger und vorsichtig ausgewählten Fleischgenuss hoffe ich, kann sich vieles verbessern.
Meine letzte Sünde? Meinen Kompost wegen voller Tonne in den Restmüll zu leeren!

DANKE!

How we catch each other Short Shots 2.0 – Jan von Holleben, Fotograf

How we catch each other / © JAN VON HOLLEBEN