FRATERNISE | The Salon at Beaconsfield

Kategorie: Franko B | April 14, 2011 | von


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Ein kleines verbranntes Schaukelpferd aus Stroh—liebevoll mit einem gelben Handtuch zugedeckt—steht in einem Gewölbe, über das im Minutentakt ein Overground Train rattert. Dieser charismatische Ausstellungsraum ist Teil von Beaconsfield —einer unabhängigen Institution, die jungen Künstlern eine Plattform zum Experimentieren bieten will. Das Pferdchen ist das Überbleibsel einer Performance, die zur Vernissage von Fraternise – The Salon stattfand. Eloise Fornieles erzeugte auf einer Rudermaschine so viel Energie, das sie damit das Pferd in Flammen aufgehen lies.

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Image 2: Damien Hirst ist mit seiner Arbeit Big Love (2010) vetreten

Diese Aktion, die gleichsam symbolisiert, welche intensive Kraft Kunst besitzen kann, ist Teil eines einzigartigen Fundraising Projektes. Anstelle sich von den enormen Förderungseinschnitten des Britischen Arts Council einschüchtern zu lassen, haben sich hier Künstler zusammengeschlossen, um eigenständig Unterstützung für innovative Kunstprojekte einzuwerben. Dabei vereint der Salon, der von Rachel Howard, Judith Dean, David Crawforth und Naomi Sidefin kuratiert wurde, Werke verschiedenster Kreativschaffender, die sich alle in irgendeiner Form Beaconsfield verbunden fühlen. Dazu gehören die ehemaligen YBA-Stars Damien Hirst, Sarah Lucas und Tracey Emin sowie auch deren Kritiker Julian Stallabrass, der neben seiner akademischen Beschäftigung auch als Kurator und Photograph aktiv ist.

Image 3: Eine Skulptur von Sarah Lucas & Olivier Garbay

Sind in dem Raum unter dem Bahnbogen vor allem Skulpturen zu sehen, findet man im zweiten Ausstellungsraum des Salons—dem Schulzimmer der ehemaligen Lambeth Ragged School—eine Menge wandbasierte Arbeiten.

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Image 4: Das ehemalige Schulzimmer der Lambeth Ragged School in einen Galerieraum verwandelt

Außerdem erinnert hier eine Schaukel an eine weitere Performance, die am Eröffnungstag stattgefunden hat. Franko B schwang sich hier nackt hin und her. Mit seinen unendlich vielen Tattoos wirkte er wie ein mit Körperfarbe verziertes Kunstwerk an sich.

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Image 5: Die Schaukel des Franko B

Im Vorhof der ehemaligen Schule hat die israelische Künstlerin Dafna Talmor einen kleinen Garten auf einem Garagendach installiert. Talmor ist eigentlich eher als Photographin bekannt. Ihre Arbeit verdeutlicht, was Beaconsfield ausmacht. Hier wird Künstlern jenseits von kommerziellen Zwängen die Chance gegeben, kreativ zu experimentieren und ihr Werk facettenreich zu erweitern. Dass das Kunstschaffen dabei nicht auf Einfluss nehmende Patronage angewiesen ist, führt Beaconsfield inspirierend vor Augen.

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Image 6: Die Malerin Jules Clarke vor ihrem Oelbild Reader (2010)

Was gute Kunst ausmacht ist nicht ihr kommerzieller Marktwert sondern die kreative Idee, die sich in ihr manifestiert. Solche Ansätze sind in Beaconsfield in einer unglaublichen Vielfalt zu entdecken. Diese sind von einer solchen Sprengkraft, dass sie sicher noch anderes als nur ein Schaukelpferd in Flammen setzen könnten.

Fraternise – The Salon ist noch bis zum 29. Mai zu sehen von Dienstags bis Sonntags jeweils 11-17 Uhr.

Beaconsfield
22 Newport St
London
SE11 6AY
+44 (0) 207 582 6465

Image 1: Die Überreste von Eloise Fornieles’ Performance