Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Kategorie: Galerie | January 30, 2012 | von
qualle Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Shot with Nokia

Apertur, Verschlusszeit, Weissabgleich. Normalerweise besteht die Kunst der Fotografie darin, den Blick und Eindruck des Betrachters mit den richtigen technischen Mitteln zu führen. Was aber, wenn all diese Mittel nicht zur Verfügung stehen? Dann bedarf es dem richtigen Motiv – und viel Talent für den richtigen Augenblick.

artist Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Monika Rauscher, Jahrgang 1976, bekam im vergangenen Sommer zufällig ein Nokia C6 Smartphone von ihrem Bruder geschenkt. Mit 5 Megapixeln sowie einem einzigartigen Auge für Kontraste, Strukturen und Spiegelungen ausgestattet, hielt sie ihren Alltag fest. Ein fotografisches Tagebuch, veröffentlicht auf Facebook, das mit einer kleinen Spielerei begann, ist nun in Auszügen in der Schöneberger Galerie Under the Mango Tree zu sehen.

crowd 01 Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Durch einen weiteren Zufall wurde die Galeristin Mini Kapur auf Monika Rauscher aufmerksam. Sie schätzt die Fähigkeit der Künstlerin, Imagination und äußere Wirklichkeit miteinander zu verweben. Und tatsächlich handelt es sich bei vielen Motiven um Spiegelbilder, bei denen das Auge des Betrachters zwischen der oberflächlichen Wahrnehmung und der zweiten Bildebene hin- und herosziliert – und sich dabei der Tiefe des Eindrucks nicht entziehen kann. Realität wird zur relativen Erfahrung, die sich in ihrer Flüchtigkeit manifestiert.

h%C3%A4nsel und gretel im universum Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Shot with Nokia

Der Unbeständigkeit des Moments begegnet Monika Rauscher mit ihrem Smartphone. Sie sagt, viele der Bilder wären ohne ihr Handy nie entstanden, da ihr Nokia C6 ihr steter Begleiter im Alltag ist.

Monika Rauscher: Many Realities
30. Januar – 11. März 2012
UNDER THE MANGO TREE

Merseburgerstraße 14
10823 Berlin

roll up banner Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

 

Darstellung in Szene – ArtBerlin

Kategorie: Galerie | December 17, 2011 | von

Bild 1 Darstellung in Szene – ArtBerlin

Kunstszene – dieses schlimme Wort. In Berlin hat es insofern seine Berechtigung, als dass sich die Kunst wie an wohl keinem anderen Ort so inszenieren konnte, wie hier in der preußischen Tiefebene. Kunst muss sich darstellen, manchmal als Selbstzweck, immer als ihre grundlegende Eigenschaft. In Berlin haben sich in den letzten zwanzig Jahren kreative (noch so ein schlimmes Wort, um das man leider nicht herumkommt ab und an…) Netzwerke gebildet, in denen die Kunst eine maßgebliche Rolle spielt. Der ortsansässige Möbelproduzent und Ideendistributor Rafael Horzon hat eine Keimzelle des Kunstnetzes in seinem „Das weisse Buch“ unlängst beschrieben, obwohl er selbst alles nur kein Künstler sein will. Glücklicherweise besteht die Berliner Kunstszene inzwischen nicht mehr nur aus einigen wenigen Spinnennetzen mit den immergleichen Protagonisten, sondern diversifiziert sich. Den Überblick zu behalten, wird schwieriger.

Bild 42 Darstellung in Szene – ArtBerlinBild 5 Darstellung in Szene – ArtBerlinBild 7 Darstellung in Szene – ArtBerlin

Eine jüngst gelaunchte Online-Plattform könnte sich zu einem Anker in Sachen kultureller Kommunikation rund um die Kunst entwickeln. Erdacht von Eva Kaczor, keine Unbekannte bei Sounds Like Me, versteht sich ArtBerlin als Kompass durch die nicht nur lokale Kunstwelt. Sie interessiert die Persönlichkeit hinter der Kunst, der Mensch im Künstler, den eloquenten Geist im Sammler, die Macherin aber auch den Scout in der Galeristin, das Soziale hinter der Kunstmesse. Zusammen mit Journalisten und Kunsthistorikern, Fotografen und Filmemachern will sie ArtBerlin zu einem vielschichtigen Portrait der Berliner Kunstszene entwickeln.

Bild 8 Darstellung in Szene – ArtBerlin

Ein solches redaktionelles, aber unabhängiges Angebot hat in Berlin bisher gefehlt! Wir wünschen ArtBerlin für 2012 ein exponentielles Wachstum der Liste von Künstlern und anderen Gesprächspartnern, die sich auch jetzt schon sehen lassen kann, und ein gutes Gespür für Meinungen, Sichtweisen, Trends und spannende Charaktere.

ArtBerlin1 Darstellung in Szene – ArtBerlin

 

Vormittag zwischen Trance und Kunst. Galerie Thomas Fischer.

Kategorie: Galerie | September 14, 2011 | von

Galerie Potsdamer Strasse Tagesspiegel 1024x764 Vormittag zwischen Trance und Kunst. Galerie Thomas Fischer.Galerist Thomas Fischer neu 1024x764 Vormittag zwischen Trance und Kunst. Galerie Thomas Fischer.

Thomas Fischer ist auf eine stille Art präsent. Fast schüchtern wirkt der Galerist auf mich als wir uns zum ersten Mal begegnen. Es ist Berlin Fashion Week und wir werden einander im Hof des ehemaligen Tagesspiegel Areals in der Potsdamer Strasse vorgestellt. Andreas Murkudis hat so eben seinen neuen Concept Store eröffnet und ich bin noch geblendet vom weißen kathedralhaften Inneren.

Ich knabbere am Bircher Müsli und betrachte den kleinen ockerfarbene Balkon im Gebäude gegenüber. Vor ein paar Wochen zum Gallery Weekend Berlin hat er sich vor lauter Menschen fast durchgebogen. Weiterlesen »

Tanja Wagner über junge Kunstsammler in Berlin

Kategorie: Galerie | June 27, 2011 | von

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Das war die Frage, die Tanja Wagner nicht los gelassen haben, als sie noch für die Galerie Max Hetzler arbeitete. Die Arbeit mit etablierten Künstlern wie Albert Oehlen und Jeff Koons war eine gute Zeit, eine lehrreiche und eine perfekte Startrampe, um für die neue Generation Künstler einen eigenen Ort zu schaffen.

Eine Generation von jungen Künstlern, denen das inhaltliche Arbeiten genauso wichtig ist wie das Material mit dem sie arbeiten. Die sich von kalten, aseptischen Arbeitsweisen entfernen und mit ihrem Werk berühren wollen. Mehr noch, den Betrachter in einen Dialog verwickeln möchten. Und der ersten Schritt dazu, der geht immer vom Kunstwerk selbst aus. Genau diese Richtung möchte ich mit meiner Galerie aufzeigen und diskutieren.

IMG 2170 610x455 Tanja Wagner über junge Kunstsammler in Berlin

IMG 2168 610x455 Tanja Wagner über junge Kunstsammler in Berlin

Tanja Wagner hat, wie Euch wir bereits erzählten, ihre Galerieräume in der Schöneberger Pohlstrasse letztes Jahr im September bezogen. Sehr erfolgreich ist sie seitdem gewesen und heute Morgen hat sie Weiterlesen »

Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

Kategorie: Galerie | May 02, 2011 | von

Das Berliner Gallery Weekend schwingt sich auf, dem was vom Berliner Kunstherbst noch übrig ist, den Rang abzulaufen. Seit kürzlich bekannt gegeben wurde, dass Messeleiter Peter Vetsch sich vom Art Forum Berlin zurückzieht, ist der Keim des hoffnungsvollen Neustarts verpufft. Die Organisatoren des Gallery Weekend dürfte das wenig kümmern, sie buhlen mit aller Macht um die Gunst ihres Publikums, wovon freilich nur die Sammler ernst genommen werden. Und was bleibt nun vom Wochenende (außer vielleicht den 68 Minuten verschwendeter Lebenszeit beim Besuch von Sarah Morris’ neuem, langweiligen und belanglosen Film “Chicago”, der von Künstlerkollege Liam Gillick kongenial uninspiriert und nervig vertont wurde)? Hier ein Überblick…

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Ein kantiger Bekannter neu gehängt. Niels Borch Jensen zeigt von Georg Baselitz gestische Figurationen, die in allerbester Weise auf seine Skulpturen verweisen: Holzschnitte, Aquarelle und Pigmentdrucke.

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Kitty Kraus ist nominiert für den Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst der im Herbst verliehen wird und probt in der Galerie Neu schon mal institutionskritische Haltungen. Ihrer Leuchtskulptur darf man nicht zu nahekommen, sonst läuft man Gefahr sich einem elektrischen Schlag auszusetzen, beim Lesen ihrer an den Wänden verteilten Texte fühlt man nur einen kühlen Hauch im Nacken: Es geht um den glücklicherweise äußerst selten gewordenen Tod durchs Guillotinieren.

010520111198 Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

Der Betroffenheitstourismus rennt neugerriemschneider die Bude ein. Die Galerie präsentiert eine Ausstellung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der seit vier Wochen in seiner Heimat interniert ist. Vielleicht hilft der überproportionale Auflauf wenigstens für genügend Aufmerksamkeit, auf dass die chinesische Regierung mehr Gegenwind bekommt. Die offizielle deutsche Diplomatie zeigt sich ja eher handzahm...

010520111195 Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

Leila Pazooki bedient ein weiteres Chinaklischee, dass sich die Maler nämlich besonders aufs Kopieren verstehen. 100 Künstler aus Dafen hat sie eingeladen, in einem Malwettstreit innerhalb von sechs Stunden eine Renaissanceallegorie auf die Gerechtigkeit zu vervielfachen. Was will sie uns sagen? Dass Gerechtigkeit im Auge des Betrachters liegt? Zu sehen bei Christian Hosp...

290420111175 Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

Die gerade frisch gegründete Galerie Thomas Fischer eröffnete mit der französischen Zeichnerin Laetitia Gendre. Für ihren Film "Thank You for Watching" hat sie sich offenbar an Cory Arcangel orientiert und das Youtube-Archiv nach Zeichenvirtuosen durchsucht. Der Film ist eine intelligente und humorvolle Stellungnahme zur Mutter aller bildenden Künste. Unbedingt sehenswert!

010520111199 Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

Dauerbrenner in Sachen gezeichneter Witz und gar nicht mal doof dabei ist David Shrigley. Bei BQ Berlin hat er die neuen Räume ausstaffiert und verweist mit den Skulpturen außerdem ironisch auf die eigene Wertschöpfungskette.

290420111178 Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

Weniger erfreulich das Sammelsurium aus Installationen und Wandreliefs mit eingearbeiteten Telefonen bei Johann König. Die Londonerin Helen Marten hat sich wahrscheinlich zu sehr an den Vertretern ihrer Vorgängergeneration orientiert. Young British Artists waren schon mal interessanter.

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Auch John Bock hat sich bei Klosterfelde nicht gerade verausgabt. Mittels kleiner Motoren lässt er Fenster auf- und zuklappen, Türen schlagen und Scheuerleisten ein redundantes Eigenleben entwickeln. Die Idee ist lustig, erschöpft sich aber selbst für 4-Jährige offenbar schnell...

010520111189 Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

Hengesbach wartet mit einer opulenten, computermanipulierten Videogewaltfantasie von Mihai Grecu auf. Der rumänische Künstler präsentiert sich mit "We Become Oil" als virtuoser Bild- und Gedankenbearbeiter.

2904201111791 Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

September gründelt mit Larissa Fassler und Bertrand Lamarche in den Untiefen von Urbanismus und Stadtutopien: "This Is Nowhere".

2904201111851 Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

Eine der besten Ausstellungen des Gallery Weekend präsentiert Barbara Weiss mit dem Altmeister des ungeschönten Blicks auf Russland. Boris Mikhailovs Fotografien sind irritierend und deprimierend, aber man spürt auch seine tiefe Zuneigung.

2904201111721 Nur ein kühler Hauch im Nacken – Gallery Weekend

Gilbert & George: Sie sind Ikonen, Living Sculptures, Gentlemen und sich für nichts zu blöd, noch nicht einmal bei Arndt dazusitzen und Bücher zu signieren. In diesem Fall zu ihrem Versuch der Quadratur des Kreises (nämlich dem Kreisquerschnitt der Harnröhre dargestellt durch die Multiplikation Londoner Postkarten... Nichts verstanden? Die Ausstellungen laufen alle noch mindestens drei Wochen!)

Photos shot with Nokia.

Think New, Think Big – Gallery Weekend 2011

Kategorie: Galerie | April 29, 2011 | von

Berlin clustert nicht mehr, sondern spreadet eher. Klumpte die Galerienszene früher rund um Auguststraße und Linienstraße, dann für einige Zeit in den S-Bahn-Bögen an Jannowitzbrücke und Holzmarktstraße und in den letzten Jahren dann in schicken Galeriehäusern an Koch- und Lindenstraße oder dem logistisch wie ausstellungstechnisch idealen Flachbau zwischen Markgrafen und Charlottenstraße, löst sich das Muster der Berliner Galerieadressen langsam auf. Entropie allenthalben.

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Turning the Seventh Corner...

Der Westen wird schon seit längerem wiederentdeckt, schließlich gilt es hier noch ganze Viertel zu gentrifizieren. Im Wedding fristen Max Hetzler und Guido W. Baudach noch immer ein Platzhirschendasein, der projekt- und konzeptorientierte Nachwuchs wie Essays and Observations oder Vierter Stock bevorzugt aber schon das Dreieck Max- und Schererstraße, hauptsächlich bleibt der Bezirk aber noch eher Produktions- als Verkaufsland. Auch im Hansaviertel in Tiergarten tut sich nicht mehr viel, Lüttgenmeijer und Micky Schubert bleiben weite allein. Die frühere Schmuddelecke Potsdamer Straße alias Potse ist zuzeit wohl das heißeste Pflaster zwischen Baby- und Asistrich auch Editionen, Kunst etablierter Galerien, die Mitte den Rücken gekehrt haben oder Blue-Chips anzubieten.

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ehemaliges Tagesspiegel-Gebäude

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Sue Webster und Tim Noble (c) Marcus Woeller

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Blain Southern, ehemalige Rotationsmaschinenhalle

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Frieze d/e

Im seit einem Jahr leerstehenden Tagesspiegel-Gebäude, bzw. in Teilen um die ehemalige Rotationspressenhalle, eröffnet am Freitag die Filiale der Londoner Galeristen Blain|Southern. Harry Blain und Graham Southern hatten vor knapp zehn Jahren die Galerie Haunch of Venison gegründet, die zwei Jahre auch schon mal in Berlin gastierte. Ihre Dependance in der Heidestraße (diesen entlegenen Spot jenseits der Brache um den Hauptbahnhof gibt es ja auch noch) wurde dann aber letztes Jahr geschlossen. Kurz zuvor hatten Blain und Southern, die eh unter dringendem Kommerzverdacht stehende Firma an das Auktionshaus Christie’s verkauft – zum Aufschrei der Szene, die ja gern glaubt, Kunst und Kommerz gehörten strikt getrennt. Blain und Southern versuchen jedenfalls verlorenen Boden moralisch gutzumachen, wollen unabhängig und nur im Primärmarkt agieren. Die Resonanz auf diesen Versuch kann man bei der Eröffnung ihrer Debütausstellung überprüfen, die Tim Noble und Sue Webster mit Unterstützung des Architekten David Adjaye in der spektakulären Location installieren. Direkt nebenan feiert übrigens Frieze den Launch ihres neuen Magazins und den Vorgeschmack auf die riesige Halle von Nolan Judin, die als Galerie aber erst im September eingeweiht wird.

Eröffnung am Freitag, 29. April 2011, 18 – 20 Uhr, Potsdamer Straße 77-87, Berlin-Tiergarten

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mit Blick auf den Landwehrkanal

EstherSchipper I3@ 700 Think New, Think Big – Gallery Weekend 2011

Galerie Esther Schipper (c) Attilio Maranzano

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Gabriel Kuri, Untiled (Spendenbox), 2010, Kunstverein Freiburg, Foto: Marc Doradzillo

Und auch Esther Schipper wagt zum diesjährigen Gallery Weekend Berlin etwas Neues. Seit Jahren hielt sie mit ihrem Programm zwischen Pop und Konzeptkunst die Stellung in einem spätexpressionistischen Bau an der Linienstraße die Treue. Jetzt ist auch sie mal umgezogen. In ihren frischen Räumen am Landwehrkanal vis à vis der Neuen Nationalgalerie geht sie nicht auf Nummer Sicher. Mit Angela Bulloch würde sich eine in Berlin gut bekannte Künstlerin anbieten, die Schipper im Portfolio hat und die gerade zwei Preise einheimsen konnte: den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg „Junge Stadt sieht Junge Kunst“ (die zugehörige Ausstellung ihrer Zeichenmaschinen präsentiert die Städtische Galerie) und den Vattenfall Contemporary, der ihr gestern Abend in der Berlinischen Galerie verliehen wurde. Esther Schipper eröffnet aber mit Gabriel Kuri. Der Mexikaner hatte vor drei Jahren an der 5. Berlin Biennale teilgenommen, verdient aber unbedingt wieder größere Aufmerksamkeit.

Eröffnung am Freitag, 29. April 2011, 18 – 20 Uhr, Schöneberger Ufer 65, Berlin-Kreuzberg

Louise Bourgeois: The Fabric Works

Kategorie: Galerie | November 07, 2010 | von


Image 1 Hauser Wirth London Louise Bourgeois Untitled 2008 709x1024 Louise Bourgeois: The Fabric Works

23 Savile Row. Hier eröffnen Hauser&Wirth ihren bereits dritten Londoner Galerieraum. In unmittelbarer Nähe zu ihren bisherigen Standorten in Piccadilly und in der Old Bond Street. Während andere etablierte Galerien wie White Cube die Strategie verfolgen, sich neben einer Hauptvertretung im Zentrum von Londons traditionellen Galerienvierteln wie Mayfair ebenfalls auch—zusammen mit den jüngeren Galerien—in East London zu repräsentieren, bleiben Hauser&Wirth Central London treu. Mit einer Ausstellung der Fabric Works (das Spätwerk der vor 5 Monaten gestorbenen Louise Bourgeois) weihen sie nun ihre neusten Standort im kommerziellen Kunstareal ein.

Image 2 Hauser Wirth London Louise Bourgeois Fabric Works Installation  936x1024 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 2:  Installation view ‘Louise Bourgeois: The Fabric Works’ | Hauser & Wirth London, Savile Row, 2010 © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Peter Mallet

Die ausladende Größe der neuen Galerie ist perfekt für die Arbeiten von Louise Bourgeois. Inmitten des Raumes ist Crouching Spider (2003) platziert, eine von Bourgeois Spinnenskulpturen, die mittlerweile schon zu so etwas wie Bourgeois’ Erkennungszeichen geworden sind. Allerdings hat die hier gezeigte Spinne dann doch etwas kleinere Ausmaße hat als die legendäre Arbeit Maman (1999) (übrigens wurde auch mit diesem Werk einst schon ein neuer Ausstellungsort eingeweiht— kein geringerer als die Turbinenhalle der Tate Modern).

Image 3 Hauser Wirth London Louise Bourgeois Untitled 2005  1024x716 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 3: Louise Bourgeois | UNTITLED | 2005 | Fabric | 30.4 x 42.5 cm © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Christopher Burke

Crouching Spider, die im Zentrum der Ausstellung steht, eignet sich ideal um Bourgeois’ Thematik zu verstehen. Spinnen symbolisieren für Bourgeois nicht nur die Kreativität der Kunst, sondern evozieren auch Gedanken an ihre Mutter. In einem ihrer Interviews verglich Bourgeois ihre Mutter Joséphine, die sie als ihre beste Freundin bezeichnete, mit einer Spinne. Joséphine, die so protektiv war wie eine, ihre Eier beschützende, Spinnenmutter. Noch eine andere Eigenschaft teilt sich Bourgeois Mutter mit Spinnen: Sie war Weberin.

Image 4 Hauser Wirth London Louise Bourgeois Fabric Works Installation  1024x682 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 4: Installation view |  ‘Louise Bourgeois: The Fabric Works’ | Hauser & Wirth London, Savile Row, 2010 © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Peter Mallet

Dies erschließt auch die Beziehung zu den Fabric Works—über siebzig zwischen 2002 und 2008 entstandene Zeichnungen—die um die Spinne herum an der Wand gruppiert sind. Beeinflusst sind diese Arbeiten nämlich durch Webereien, die für Bourgeois eine so große Bedeutung hatten.

Schon als Kind fertigte sie in der Restaurationswerkstatt ihrer Eltern Skizzen an, die zur Wiederherstellung historischer Teppiche dienten. Das Zusammennähen zerstörter Stoffe hatte für Bourgeois eine geradezu therapeutische Bedeutung. Das Nähen drückt den Versuch aus, Dinge zusammenzuhalten und wiederherzustellen. Bourgeois, die schon früh ihre Mutter verlor und von ihrem Vater abgelehnt wurde, versuchte so sich eine kohärente Identität zu konstruieren, mit der sie sich als Individuum auszeichnen kann. Das Medium der Kunst erlaubte ihr nicht nur sich in der Welt zurechtzufinden, sondern auch Verbindungen zu ihrer Umwelt zu erstellen, die sie als ablehnend empfand. Weben und Nähen als Prozesse des Flickens von bereits erstandenen Wunden.

Image 5 Hauser Wirth London Untitled 2005 1024x790 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 5:  Louise Bourgeois | UNTITLED | 2005 | Fabric | 60.9 x 78.7 cm © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Christopher Burke

Auf der Rückseite der Einladung zum Private View findet sich ein Zitat, in dem Bourgeois ihre Verletztheit charakterisiert:

‘I think we live more through the

intensity of our affects than through time or space;

we’re never really present in time or space,

since we can only be in one place at a time and only

live through an hour once; but with ourselves,
we always are.

I’ve trans-lived with Louise Bourgeois for

over 40 years. Every day carried its daily wound

and I ceaselessly carried those wounds

with no remission like a perforated hide,

beyond repair.’

(Louise Bourgeois, 1951)

Image 6 Opening 1024x768 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 6: Einweihung bei Hauser&Wirth in der 23 Savile Row © Sarah Hegenbart

Da die erste Ausstellung in 23 Savile Row am Abend des Private View, den Hauser&Wirth geschickterweise auf den ersten Öffnungstag der Frieze gelegt haben, gnadenlos überfüllt war (kein Wunder bei dem Timing), macht es Sinn die von Germano Celant kuratierte Ausstellung noch einmal in Ruhe zu besuchen. Bis zum 18. Dezember ist noch Zeit dazu.

Hauser & Wirth London, Savile Row
23 Savile Row
London W1S 2ET
Gallery hours:
Tuesday to Saturday, 10 am – 6 pm

Bild 1: Louise Bourgeois |UNTITLED |2008 | Fabric and fabric collage | 94.6 x 60.9 x 5 cm © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Christopher Burke

Eröffnungssport – Some Sense of Direction

Kategorie: Galerie | September 10, 2010 | von

Der Vernissagenrundgang kann heute schnell zum 10.000-Meterlauf der Orientierungslosen geraten, denn so viel Eröffnung war selten. Berlin bringt sich schon mal in Stimmung, um den ungeliebten, späten Termin des Art Forum schon prophylaktisch auszuwetzen.

regine müller waldeck 700 Eröffnungssport – Some Sense of Direction

(c) Regine Müller-Waldeck

Startpunkt Brunnenstraße: Klemm’s zeigt Regine Müller-Waldecks Ausstellung mit dem vielversprechenden Titel „Tomatencasino“. Laut Eigenaussage der Galerie soll es dort konkret narrativ und abstrakt vieldeutig werden. Vielleicht aber auch vieldeutig narrativ und abstrakt konkret, oder wenigstens narrativ abstrakt und konkret vieldeutig.

Chris Martin Farewell Godfather of Soul 2007 152 x 162 cm Detail 700 Eröffnungssport – Some Sense of Direction

Chris Martin, Farewell Godfather of Soul, 2007, detail

Ein paar Häuser weiter, im Low-Budget-Lieblingshaus-der-Feuilletons bei Koch Oberhuber Wolff präsentiert der US-amerikanische Maler Chris Martin seine Liebe zur Black Music.

Yoko Ono A Hole Detail 2009 450x450 Eröffnungssport – Some Sense of Direction

Yoko Ono, A Hole, 2009, detail

Der Abstecher zur Heidestraße lohnt sich nur für eingefleischte Fans von Yoko Ono, die alte Dame will bei Haunch of Venison mit einer neuen Installation beweisen, dass Sie immer noch so radikal ist wie ihr Ruf.

Anna Oppermann 700 Eröffnungssport – Some Sense of Direction

Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter), 1969-1985, Interpretation: Ute Vorkoeper, Assistenz: Anna Schäffler, Foto: Lepkowski Studios, Berlin

Dann los zum Bermudadreieck zwischen Koch-, Markgrafen- und Lindenstraße: Höhepunkt dürfte die Neuinterpretation von Anna Oppermanns altem Documenta-Werk „Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)“ in der Galerie Barbara Thumm werden.

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Kirsi Mikkola, Cirquit, 2009

Nebenan wird es farbiger, aber ähnlich komplex. Die finnische Künstlerin Kirsi Mikkola präsentiert bei Carlier | Gebauer neue grelle Papierarbeiten, „Dark Core Breathing“. Die Collagen versteht sie als konzentriertere Form von Malerei.

Wolfgang Betke 362x450 Eröffnungssport – Some Sense of Direction

Wolfgang Betke, Something About Hope, 2010

Wolfgang Betke begegnet der Rolle des Künstlers im Kulturbetrieb mit gebotenem Sarkasmus. „Ich wär so gern Dein Schmuckeremit!“ skandiert er neoexpressionistisch bei Scheibler Mitte.

McBride 7001 Eröffnungssport – Some Sense of Direction

(c) Rita McBride

Bei Konrad Fischer im Galerienhaus setzt sich die Amerikanerin Rita McBride mit Kiosken auseinander. Mae West soll aber auch eine Rolle spielen bei den skulpturalen Arbeiten.

Bild 12 700 Eröffnungssport – Some Sense of Direction

Christof Mascher, Gone till November, 2009

Michael Janssen setzt auch auf Malerei. Der Künstler heißt Christof Mascher und experimentiert mit Ölfarbe, Lack, Tinte und Aquarell auf Holz, Papier und Leinwand.

Beat Streuli 700 Eröffnungssport – Some Sense of Direction

Beat Streuli, Porte de Ninove 07/08 (88_3728), 2010

Fotografie zeigt Wilma Tolksdorff, eine der wenigen noch in der Zimmerstraße verbliebenen Galerien, mit Beat Streuli. Der Schweizer Fotograf und Videokünstler destilliert aus seinen Snapshots Details heraus und setzt sie dann zu verschiedenen Kontexten neu zusammen.

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Dan Rees, French Cricket, 2010

Zum Abschluss dann noch ab nach Westen, zu Tanya Leighton in die Kurfürstenstraße. Mit ihrem Künstler, Dan Rees, der nach mehreren Dosen Stella Artois Bier über interstellare Aktivitäten nachsinnt oder nichts exotischer findet, als wenn Franzosen Cricket spielen, kann man den Eröffnungsmarathon beschwingt ausklingen lassen.


Eröffnungssport – toute en groupe

Kategorie: Galerie | July 23, 2010 | von

Der Sommer hat ein Loch. Die Galerien sperren ihre Türen zu und nutzen die Zeit ausgiebig die Einnahmen zu verprassen oder lassen auf und zeigen Gruppenausstellungen. Gute Idee – hier 17 Künstler und Künstlerinnen an einem Abend.

angelmaier das  grosse rasenstueck 700 Eröffnungssport – toute en groupe

Claudia Angelmaier, "Das große Rasenstück" (c) Claudia Angelmaier

ebbinghaus robinie Eröffnungssport – toute en groupe

Nina Ebbinghaus, "Robinie" (c) Nina Ebbinghaus

rsg trefle 16x14 300dpi 7841 Eröffnungssport – toute en groupe

Ralph Samuel Grossmann, "trefle", (c) Ralph Samuel Grossmann

Der Untertitel „Positionen zeitgenössischer Pflanzenfotografie“ klingt wie ein schlechter Floristenwitz. Wie verhalten sich überhaupt Botanik und Zeitgenossenschaft zueinander? Gibt es das Genre Pflanzenfotografie? Der Titel führt dann aber in eine Richtung, die immer mehr in den Blickpunkt von Stein und Smog gepeinigter Städter rückt. Innerstädtische Landwirtschaft, Guerilla-Gardening und Seed-Bombing besetzen in dem Metropolen zunehmend die Sehnsucht nach dem Landleben ohne die Vorzüge der Urbanität missen zu müssen: von intelligenten Interventionen in den sich immer mehr verselbständigenden Stadtorganismus bis zum reaktionären Spießertum ewiger Großstadtfeinde, die es mit ihrem Allround-Defätismus auf dem Land freilich auch nicht aushalten würden. Die Alfred-Ehrhardt-Stiftung stellt in der Ausstellung „Urbane Gewächse“ nun Fotografen und Fotografinnen (Annabelle Fürstenau, Claudia Angelmaier, Nina Ebbinghaus, Helmut Völter, Claudia FährenkemperRalph Samuel Grossmann) vor, die ihren Städterblick auf die Flora lenken und ausgegrenzten Korbblütler und wackeren Pionierpflänzchen zu ihrem Recht verhelfen.

„Urbane Gewächse – Positionen zeitgenössischer Pflanzenfotografie“, Alfred Ehrhardt Stiftung, Auguststraße 75, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr

felsen foto LR Eröffnungssport – toute en groupe

"Sommerland" bei systM

Flyer1 700 Eröffnungssport – toute en groupe

"Sommerland" bei systM

Kunst in Kneipen – das geht meist schief. SystM versteht sich trotzdem einerseits als Bar und andererseits als Galerie für Design, von Grafik bis Fashion. Mit der Sommerausstellung „Sommerland“ stellt systM nun acht Illustratoren und Illustratorinnen (Ana Albero, Romy Blümel, Danae DiazSandra Ehlen, Nastja HoltfreterSophia Martineck, Maki Shimizu, Silke Werzinger) vor, deren Ausbildung an internationalen Kunst- und Designschulen noch nicht allzu lange zurückliegen. Illustration als angewandte Kunst fristet immer noch ein Schattendasein, weil die Grenzen zwischen künstlerischer Freiheit und wirtschaftlichen Nutzen schwer zu stecken sind. Gute Illustrationen eröffnen jedoch eine ganz eigene Ebene gestalterischer Darstellungs- und Erzählformen: ob nun Characters zum Leben erweckt werden, narrative Geschichten im Comic verbildlicht werden, statische Zeichnung in animiertes Bewegtbild überführt werden oder Magazine über die Illustration ein zusätzliches und visuell unerschöpfliches Bildmedium erhalten. SystM verschafft Überblick auf die Szene.

„Sommerland“, systM Gallery Bar, Torstraße 68, 10119 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr

Christof Zwiener Elegy 700 Eröffnungssport – toute en groupe

Christof Zwiener, "Elegy for all the dead rock stars 19:49min", 2009

TamaraLorenz 1050 Eröffnungssport – toute en groupe

Tamara Lorenz, o. T., 2009/10

Alexandra Schumacher EroberungII 9341 Eröffnungssport – toute en groupe

Alexandra Schumacher, "Eroberung des Raumes II (Über die Rückseite)", 2010

Wie hier schon des Öfteren erwähnt, hat Surrealismus immer noch ungebrochen Hochkonjunktur. Wenn nicht direkt an den Werken ablesbar, dann in der zugrundeliegenden Theorie. Stedefreund eröffnet heute mit einer Dreierausstellung (Tamara Lorenz, Alexandra Schumacher und Christof Zwiener): “Les Chants de Maldoror”. “Die Gesänge von Maldoror” von Isidore Ducasse von 1868 gehörte in die Handbibliothek eines jeden gestandenen Surrealisten, wie etwa Man Ray oder René Magritte. Ersterer schwärmte vom zufälligen Zusammentreffens einer Nähmaschine und eines Regenschrims auf dem Seziertisch. Unwillkürliche oder arrangierte Konfrontationen propagieren auch die Künstler und Künstlerinnen der Ausstellung und loten den Bereich aus zwischen den Objekten und ihren fotografischen Abbildern.

“Les Chants de Maldoror”, Stedefreund, Dorotheenstraße 30, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr

Eröffnungssport statt Fußball – Berlin Biennale

Kategorie: Galerie | June 14, 2010 | von

Ja, ist denn schon wieder Gallery Weekend? Ja! Es ist ja auch schon wieder Berlin Biennale. Und auch schon wieder Fußball-Weltmeisterschaft. Da lassen sich die Berliner Galerien nicht lumpen und versuchen angesichts des Zwischenhochs nach dem letzten Gallery Weekend von Ende April den Erfolg zu duplizieren. Wir selektieren die Überfülle an Ausstellungseröffnungen hier schon mal vor, damit ihr nicht umsonst durch die Gegend fahrt! Zeit ist eben kostbar, nicht nur für Kunstsammler…

 Eröffnungssport statt Fußball   Berlin Biennale

Lara Favaretto, Installation auf der Turin Triennale 2008

Lara Favaretto hat schon 2008 auf der Triennale von Turin, der abc in Berlin und der Biennale von Venedig im letzten Jahr überzeugt. Ihre kinetischen Skulpturen zwischen Readymade und moving Minimal Art sind von bestechender Einfachheit und poetischer Schönheit. Und erzeugen auch noch einen leichten Luftzug, der momentan ja auch nicht verkehrt ist. Bei Klosterfelde zeigt sie nun monumentale Skulpturen, die die Ahnung mystischer und fantastischer Ereignisse in sich tragen.

Lara Favaretto, „Out of It“, Klosterfelde, Potsdamer Straße 93, 10785 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, 18 – 21 Uhr

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Dennis Scholl, "Für Marcelle", 2010, Courtesy ARNDT Berlin, Foto: Bernd Borchardt

Bei all dem malerischen Realismus der letzten Jahre wundert es nicht, dass auch das Trompe-l’œil wieder da ist. Was Dennis Scholl bei Arndt zeigt ist allerdings weit entfernt von Allgäuer Lüftelmalerei und dem bloßen Reiz von illusionistischer Mimesis. Was Scholl da zusammenzeichnet, ist mehr als die Äußerung eines Bleistiftvirtuosen. Seine Tableaus erzählen krause Geschichten, verstückwerken Reminiszenzen an Comics, Sur- und Hyperrrealismus, amerikanischen Mainstream-Illustrationen und japanischen Pop-Kitsch.

Dennis Scholl, „Schmelzende Teilnehmung“, Arndt, Potsdamer Straße 96, 10785 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, 18 – 21 Uhr

TG Incineration 2008 1 Eröffnungssport statt Fußball   Berlin Biennale

Tue Greenfort, "Incineration #1", 2008, Courtesy Johann König Berlin

Das Foto von einer Verbrennung macht neugierig und unsicher zugleich. Feuer fasziniert immer, doch was wird hier verbrannt. Totes Holz oder ein toter Mensch? Tue Greenfort setzt sich in seiner Arbeit oft mit ökologischen Prozessen und dem Verhältnis von natürlichen und sozialen Zuständen auseinander. Er ist allerdings kein Mahner mit erhobenem Zeigefinger, sondern weist auf die Dinge mit Humor – ohne ineloquent zu werden. In seiner vierten Soloausstellung bei Johann König zeigt Greenfort Fotografien, Objekten und einen Film zum Thema Feuer.

Tue Greenfort, „Flambant neuf“, Johann König, Dessauer Straße 6-7, 10963 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, 16 – 22 Uhr

TU P 2 01.001.M Eröffnungssport statt Fußball   Berlin Biennale

Timm Ulrichs, "Timm Ulrichs, den Blitz auf sich lenkend", 1977-2010

Timm Ulrichs ist „Totalkünstler“. Und das schon seit fünfzig Jahren. Er macht total gefährliche Performances, etwa sich einen Blitzableiter aufsetzen und über einen Acker spazieren, er macht total aufmerksam mit seinen Interventionen im öffentlichen Raum, er ist der totale Selbstdarsteller, sein eigenes Mittel zum Zweck der Kunst. Mit siebzig Jahren ist er immer noch total wichtig. Wentrup zeigt einen Überblick seines radikalen Werks.

Timm Ulrichs, „Den Blitz auf sich lenken“, Wentrup, Tempelhofer Ufer 22,
10963 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, 16 – 21 Uhr

Smith Before Medicine 2008 2 Eröffnungssport statt Fußball   Berlin Biennale

Michael E. Smith, "Before Medicine", 2008, KOW Berlin

Selbst wenn man die USA für den Oberschurken der Gegenwart hält, kann man doch auch Mitleid haben. Die Kinder verfetten, die Eltern sind es schon, die Küsten verschmutzt, das Hinterland von Tornados verwüstet, geistige Trostlosigkeit im Hinterland, von der Stadtplanung wollen wir nicht reden. Michael E. Smith senkt seinen Blick auf die Amerikaner als traumatisierte Existenzen. Mit ganz geringen Mitteln konstruiert er Installationen, Skulpturen aus Alltagsgegenständen, Zeichnungen und minimalistische Videos. Smiths erste Einzelausstellung bei Koch Oberhuber Wolff fokussiert auf ein Überleben zwischen Repression und Anspruchslosigkeit.

Michael E. Smith, Koch Oberhuber Wolff, Brunnenstraße 9, 10119 Berlin, Eröffnung: 11. Juni 2010, ab 18 Uhr

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