Soul Kitchen – Essen für die Seele, Witze fürs Klo

Kategorie: Hamburg | February 07, 2010 | von Moritz Kuhn

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Seine beste Szene hat Soul Kitchen, der neuste Film von Fatih Akin, gleich zu Beginn: Spitzenkoch Shayn, gespielt von Birol Ünel, rammt ein langes Messer in einen Restauranttisch, an dem ein Gast sitzt, der nach einer heißen Gazpacho verlangt. Ünel muss den Psychopathen nicht spielen und auch der Gast sieht mit seiner runden Kai Diekmann-Brille so aus, wie  reiche Hamburger Schnösel eben aussehen.

Leider sind Birol Ünel im Lauf des Films kaum noch Auftritte gestattet, von ein paar cholerischen Anfällen mal abgesehen. Stattdessen erzählt Soul Kitchen die, nach Angaben des Regisseurs, autobiografische Geschichte von Zinos Kanzantsakis, einem dümmlichen Griechen der in Hamburg-Wilhelmsburg ein Restaurant betreibt. Gespielt wird Zinos von Adam Bousdoukos, einem dümmlichen Griechen, der in Hamburg-Altona ein Restaurant betreibt.

Weil das an sich noch nicht besonders witzig ist, akkumuliert Fatih Akin im Laufe des Films so lange Zufälle und unfassbare Ereignisse, bis sich daraus zwangsläufig so etwas wie ein Plot ergibt. Zunächst taucht Zinos Bruder Ilias auf, gespielt vom unvermeidlichen Moritz Bleibtreu.

Die Rolle des Freigängers im Nadelstreifenanzug beschränkt Bleibtreu auf die inflationäre Verwendung der Anrede „Digger“ und darauf das Klischee des kleinkriminellen Südländers, der auf Pump lebt und Arbeit verweigert, zu verkörpern. Nachdem Zinos, von seiner Freundin verlassen, sich beim Anheben einer Spülmaschine auch noch einen Bandscheibenvorfall zuzieht, speist sich die Komik des Films hauptsächlich aus dem Aufeinandertreffen der ungleichen Brüder. Das simple Prinzip, nach dem man zwei Chaoten zusammenführt und damit Lacher erntet, erinnert dabei stark an die anstrengenden Blödeleien des neunziger Jahre Comedy-Duos Erkan und Stefan.

YouTube Preview Image

Was folgt sind zunächst brave Gags, wie der über einen türkischen Motorradfreak namens „Ali Davidson“, die schließlich in einem brachial-humoristischen Desaster enden: Immobilienhai Neumann „fickt das Finanzamt“ in Person einer Mitarbeiterin und filmt sich dabei mit dem Handy.

Zwischendurch hat Kultregisseur Fatih Akin (”der Spiegel“) noch ein paar Überraschungen parat: Zunächst betritt Lebensmittelkontrolleur Jan Vedder, der Kult-Polizist vom Großstadtrevier Zinos Restaurant und bemängelt die Nicht-Einhaltung der Hygienevorschriften. Vedder im Kino zu sehen sorgt für kurze Irritation, irgendwie witzig ist es leider nicht. Gegen Ende des Films taucht dann auch noch Udo Kier auf, sagt nichts und spielt eine für die Story völlig unerhebliche Rolle, eine Kult-Rolle sozusagen.

Bild 2

Zwischen diesen Höhepunkten deutsch-griechisch-türkischer Kult-Komik bleibt den Schauspielern, allesamt aus dem Freundeskreis des Regisseurs, noch genug Zeit, sich ausgiebig selbst zu feiern. Das wirkt anfangs sympathisch und irgendwann nur noch aufdringlich. Vor allem aber muss man sich fragen, was dem Zuschauer eigentlich mitgeteilt werden soll und ob Pointen auf diesem Niveau nicht beim Quatsch Comedy Club besser aufgehoben wären. Die eigentliche Geschichte über ein Restaurant in Hamburg-Willhelmsburg, dass zur Szene-Location avanciert und nur knapp der Versteigerung durch skrupellose Immobilienmakler entgeht, fällt in Soul Kitchen dem Klamauk zum Opfer.

Dem NDR hat Fatih Akin erzählt, sein Film sei zwar leichte Unterhaltung, berühre aber auch die aktuelle Diskussion um das Thema Gentrifizierung. Wer das behauptet, hält vermutlich auch „Reine Männersache“ mit Mario Barth für einen Beitrag zur Gender Mainstreaming-Debatte.

 Soul Kitchen – Essen für die Seele, Witze fürs Klo

Soul Kitchen-Hauptdarsteller Adam Bousdoukos sagt in Interviews Sätze wie: „Ich habe in den letzten Jahren nicht gespielt, aber in meinem Kopf waren immer irgendwelche Geschichten.“ Das ist schwer vorstellbar, denn einmal mehr spielt sich Bousdoukos in Soul Kitchen ganz einfach selbst. Das war ihm schon einmal gelungen, als er in „Kurz& Schmerzlos“ einen Kleinkriminellen spielte, der als Postbote arbeitete und Briefsendungen aufriss, um sich zu bereichern. Zwischen den Filmen liegt mehr als ein Jahrzehnt in dem es Bousdoukos nicht gelungen ist, eine andere Rolle als die des bemitleidenswerten Losers anzunehmen.

„Kurz& Schmerzlos“, Fatih Akins Erstlingswerk war roh, gewalttätig und überzeugte mit Mehmet Kurtulus als Ex-Häftling in der Hauptrolle. Der Berlinale-Gewinner „Gegen die Wand“ war gewalttätig und pornographisch und ließ das deutsche Publikum erahnen, dass es hierzulande tatsächlich noch erlaubt ist, Filme jenseits von vaterländischem Kitsch wie „Good bye Lenin“ und „Das Wunder von Bern“ zu drehen.

Soul Kitchen verlässt den von Akin eingeschlagenen Weg und reiht sich ein in das schlimmste Filmgenre das die Welt derzeit zu bieten hat: Deutsche Comedy.

Vienna Boogie – Ja, Panik!

Kategorie: Hamburg | December 13, 2009 | von Alexander Gumz

JA, PANIK LIVE IM HAFENKLANG, HAMBURG, 10.12.09

ja panik 025 Vienna Boogie   Ja, Panik!

Wie toll „Ja, Panik“ aus Wien, jetzt Berlin, sind, haben wir ja schon lautstark verkündet. Intro, Spex und Co. sind auch der Meinung.

Nachdem sie bei LAN, einem von mir mit organisiertem Festival für Literatur, im Mai gespielt haben und glatt Jens Friebe, den Headliner des Abends, ein bisschen an die Wand schubsten, hab ich sie in Berlin neulich verpasst und bin ihnen nach Hamburg nachgefahren.

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Die Hamburger Proteste

Kategorie: Hamburg | November 02, 2009 | von Judith Marthaler

recht auf stadt die stadt gehört allen miguel martinez Die Hamburger Proteste Foto via Spanier

> Die Marke Hamburg und das Recht auf Stadt <

Die Ohrfeige, der wichtigen Zielgruppe „Creative Class“ an die Standortpolitik der Stadt Hamburg und deren „urbanen Aufwertungsvisionen“ mit „Bruttogeschossflächen-Ideologie“ hat geschallert. Endlich.

Das schwarze Jahr einer städtischen Politik, die Kultur als „integralen Bestandteil einer Eventisierungs-Strategie“ und Stadtteilentwicklung aus der Quadratmeterhöchstpreis-Gebots-Perspektive als Vision für eine wachsende Stadt zu betrachten scheint, neigt sich dem Ende zu und erfährt durch das jüngst von Hamburger Kunst- und Kulturschaffenden veröffentlichte Manifest „Not in or Name, Marke Hamburg!“ einen scharfen, vielbesprochenen Gegenwind. Weiterlesen »

Ein Jahr Missy Magazine

Kategorie: Hamburg | October 18, 2009 | von Judith Marthaler

Ein Jahr Missy Magazine. 10 Fragen und hier die Lieblingslinks von Stefanie Lohaus, Chris Köver und Sonja Eismann, den Köpfen hinter dem jungen Popkultur-Magazine für Frauen, von Frauen. Missy Magazine whats wrong with the zoo Judith Marthaler Ein Jahr Missy Magazine

Das Missy Magazine feiert im Oktober seinen ersten  Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch.
Was ist das Fazit eures ersten Missy-Jahres?

Das erste Missy-Jahr war wirklich sehr aufregend. Am Anfang haben wir ja unglaublich viel Aufmerksamkeit durch die Presse bekommen, was uns sehr geholfen hat. Ansonsten war es eine tolle Erfahrung, zu merken wie sich das Magazin entwickelt, immer besser wird, wie sich Abläufe einspielen. Und wir bekommen ja auch immer noch begeisterte Mails von Leserinnen, die uns gerade entdeckt haben und die sehr froh sind, dass es uns gibt! Das gibt uns immer wieder neuen Mut. Weiterlesen »

Ein Kleid für alle Fälle

Kategorie: Hamburg | October 10, 2009 | von Judith Marthaler

Jessica Broscheit Judith Marthaler Whats Wrong with The Zoo Herr von Eden 2 Ein Kleid für alle Fälle
Ein Kleid zu haben, das perfekt sitzt, einzigartig ist und sowohl im Alltag, als auch zu besonderen Anlässen tragbar ist, wünschte sich Jessica Broscheit bereits als Kind. Vor einem halben Jahr machte die Hamburger Künstlerin und Designerin endlich Nägel mit Köpfen, verkaufte alle Kleider und ließ sich von Bent Angelo Jensen, dem Kopf hinter Herr von Eden, einen Schnitt für ein Kleid anfertigen, das exakt auf ihren Körper angepasst, zeitlos, klassisch und dennoch modern genug ist, um stilistische Ausflüge ins Futuristische und Spielerische zuzulassen. Weiterlesen »

Kill Billy

Kategorie: Hamburg | October 03, 2009 | von Simone Schoepf

IKEA, das blau-gelbe Einkaufsparadies für Selbstschrauber, ist peinlich um sein positives Image bemüht. Doch der Unmut gegen die Standort- und Beschäftigungspolitik des schwedischen Möbelriesen wächst. Wie zuletzt in Hamburg-Altona: Anrainer wehren sich gegen eine geplante Filiale und weiten ihren Protest aufs Internet aus.

IKEA-"Keksdose"| Kai Herrner via flickr.com

IKEA-"Keksdose"| Kai Herrner via flickr.com

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Durch die Stadt auf Insider-Pfaden

Kategorie: Hamburg | October 03, 2009 | von Sounds like NEWS

Ovi Karten bietet Karten für mehr als 200 Länder. Sie sind zu Fuß und im Auto nutzbar, zeigen Waldwege und Strassen, den Weg den man gerne nehmen möchte und den, den man schon gegangen ist. Eine 3-D Ansicht gibt es auch.

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Vom Foto zum Meme. Yeaahh!

Kategorie: Hamburg | October 02, 2009 | von Judith Marthaler

yeaahh2 Vom Foto zum Meme. Yeaahh!Wenn man mich gefragt hätte, ob ich ein Bild zur Verfügung stelle für ein Flashmob, hätte ich sicherlich abgesagt. Ich finde Flashmobs langweilig und studentisch. Aber nachdem ich die YouTube Videos vom Hamburger “Yeaahh Flashmob” gesehen habe, war ich begeistert. Ich hab mich wie ein Kleinkind gefreut. Alles aus meinem Flickr-Bild aus entstanden.“

Drei Wochen nachdem Miguel Martinez aka Spanier mit diesem Foto unfreiwillig den „und alle so Yeaahh”-Nährboden schuf, haben sich die Wogen um Deutschlands bekanntestes Angela Merkel Wahlplakat längst wieder geglättet. 92 462 Views und mehr als 200 000 Google „Yeaahh“-Ergebnisse später, bietet der Blick hinter die Kulissen des Phänomens jedoch einen spannenden Überblick über die Verselbständigung eines Fotos, dessen Urheber im Offline-Urlaub weilte, während sein Bild von Flickr bis zur Kanzlerin kam.

Beim Schanzenfest war´s noch der geflügelte Satz eingeweihter Freunde. Je später der Abend, desto weniger Worte und mehr Yeaahh. Während keiner der Umstehenden verstand, weshalb  man deswegen lachen muss, waren bei Matthias Werner und Just der Blick hellwach und die Bloggerfinger am flinksten. Mit Nerdcore und Spreeblick kamen die Reichweiten ins Spiel und während Spanier nichts ahnend im Heimatland mit Freunden die Paella machte, kochte im Netz das Yeaahh-Süppchen auf vielen Herden.

„Ist dir eigentlich bewusst, was du angerichtet hast? Das ist überall. Remix Contest, T-Shirt, Yeaah-Lied und Flashmob. Oh man, Hilfe! Grüße in den Urlaub.“ Der Urlaub ist längst nicht vorbei. Die selbst auferlegte Offline-Phase endet jedoch mit dieser SMS. Miguel lacht Tränen, als er seinen Email-Account checkt und blickt fassungslos auf seine Flickr-Stats.

Es hat mich schon beeindruckt, was für eine Eigendynamik das Bild hatte. Aber als ich die ersten Yeaahh-T-Shirts sah, war ich schon ein bißchen enttäuscht. Ich wollte selber welche machen nach mein Urlaub. Schönere, mit Stefan. Und erst recht keine hässlichen Spreadshirts. Es wurde mir aber klar, als ich diese T-Shirts sah, dass das Foto nicht mehr mir gehörte. Es gehörte nun dem Internet und jeder würde damit machen was er will. War für mich auch ok. Ich hoffte zumindest, dass ein paar Menschen zu mir verlinken und die meisten haben das auch getan. Ich war aber sowieso nur der Medium. Wie Spreeblick, Nerdcore und Company war ich nur ein Medium, das diesen geilen Spruch weitergetragen hat.

Erst nach sieben Tagen – im Internet eine Ewigkeit – entwickelte sich das “BlogTwitterFacebookFlashmobVideoSongT-Shirt Yeaahh” zum klassischen “Medien Yeaahh”. Im drögen Wahlkampf ein gefundenes Fressen, um die öffentliche Flashmob-Debatte anzuheizen, kreuzte der Spiegel auf und mit ihm der Rest. Während die ersten Bild-Anfragen großer Publikationen von Miguel neugierig mit Honorarfragen gekontert wurden und unbeantwortet blieben, stürzten sich taz, Süddeutsche, Bild, Abendblatt und Blättchen jeglicher Couleur auch ohne Foto auf Merkels „Freunde aus dem Internet“, drehten Filmchen fürs online Seitchen, dokumentierten, analysierten und bewerteten. Die Views des Fotos erreichten ihren Höhepunkt.

Tagesthemen sendete, FAZ druckte, Das Ding interviewte. Die mediale Krönung des Yeaahs war vollzogen. Viele wussten schon gar nicht mehr, woher es eigentlich kam und wohin es gehen würde. Wikipedia auch nicht.

Miguel macht sich auf die Suche nach dem Urheber. Doch Kritzeleien auf Plakatwände sind gehörig verboten. Offiziell weiß keiner, wer dem Wahlkampf diesen Spaß bescherte. Inoffiziell… folgt die zweite Straftat. Das Plakat wird von „Unbekannten“ entwendet und bringt auf Ebay 324,05 Euro ein. St. Pauli´s Café mit Herz freut sich über die Spende.

Drei Wochen später. Die Wahlen sind vollzogen. Miguel ist zurück in Deutschland und wer jetzt noch “Yeaahh” schreit, nervt. Sie hat für vieles hergehalten, die kleine Kritzelei, die im Webwirbel zum tagesthementauglichen Meme wurde. Jetzt, wo alle gezeigt haben, dass sie „Yeaahh“ können, ist es für Miguel an der Zeit, seine Urlaubsbilder zu zeigen.

Schanzenfest Reloaded

Kategorie: Hamburg | September 14, 2009 | von Judith Marthaler

schanzenfest miguel martinez11 Schanzenfest ReloadedFriedlich, das sollte es dieses Mal sein, das Schanzenfest, das am 06. September seinen 20. Geburtstag feierte und am vergangenen Samstag zum zweiten Mal in diesem Jahr in Hamburg stattfand.

Nachdem das unangemeldete Fest Monate zuvor wohl in seiner bislang blutigsten und gewalttätigsten Form endete und mit der Stürmung der unbeteiligten St. Pauli Kneipe Jolly Roger einen erschreckenden Höhepunkt erreichte, riefen lose Linke Gruppierungen zum friedlichen Feiern „ohne Einmischung“ seitens der Polizei auf. Weiterlesen »

Pudel Art Basel

Kategorie: Hamburg | September 05, 2009 | von Judith Marthaler

Pudel Art Basel Miguel Martinez kunstkacke Pudel Art Basel
Kunst und Kulturschaffende als Imageproduzenten – „um jene Viertel ins Gerede zu bringen, die noch nicht die erwünschte Rendite erwirtschaften“ – werden in Hamburg derzeit bevorzugt instrumentalisiert, um der Betonstadt Hafencity – neben Franchise-Kaffeklatsch mit affektiertem Tango-Spuk – subversive Charakterzüge aufzumalen und Randzone Wilhelmsburg „für die Mittelschichten belatschbar zu machen“. Weiterlesen »

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