Eröffnungssport – schwarzweißbunte Dialoge

Kategorie: Han Lungh | August 13, 2010 | von

Westen, Osten, bunt, schwarzweiß, Monolog, Zwiegespräch, Neukölln oder Prenzlauer Berg? Sind das noch Fragen, die sich stellen?

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Motiv RPLCMNT, Savvy Contemporary

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Han Lungh, Yoga Meditation, presented at A.J.A.R. Projekt Galerie Berlin, 2010

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Darri Lorenzen, from the performance "Void Doupt Echo" at The Office, Berlin 2009

Neukölln ist ja in aller Munde und bereitet sich auf baldiges Time-Cover und steten Zuzug der Bohème vor. Da ist es kein Wunder, dass sich eine Galerie, die sich als „Laboratorium der Formgedanken“ versteht und den Austausch zwischen „Westkunst“ und „Nicht-Westkunst“ fördern will, ausgerechnet am Richardplatz in Neukölln niedergelassen hat. Ebenso wie hier klar ist, dass sich die Globalisierung vor allem global ausdrückt, sich im Lokalen aber noch Unwägbarkeiten bewahren, die die Kunst eigentlich an erster Stelle auslöschen will. Savvy Contemporary lädt alle zwei Monate einen Kurator ein, der wiederum zwei Künstler oder Künstlerinnen zum interkulturellen Dialog über geografisch-politische Blockgrenzen hinweg einlädt. In „RPLCMENT“ treffen sich Darri Lorenzen, geboren 1978 in Reykjavik und Lan Hungh, geboren 1976 in Taipeh. Über die Unwestlichkeit von Taiwan und die Westlichkeit von Island, politische und gesellschaftliche Unterschiede und überhaupt den Sinn einer Unterscheidung zwischen west und nicht-west kann man streiten, Sinn zwei Künstler in einen gemeinsamen Ausstellungskontext treten zu lassen macht es aber auf jeden Fall. Auf keinen Fall will sich Lan Hungh formal festlegen, er arbeitet zwischen Performance, Installation, Zeichnung und Fotografie, auch seine isländische Kollegin kommt immer wieder auf Skulptur und Installation als form- und raumschaffendes Objekt zurück. In der Ausstellung woll es um Austausch und Verdrängung gehen, der Titel kündigt das mit seinem Verzicht auf die für ein verständliche Aussprache von Wörtern notwendigen Vokale schon an. Die Ausstellung im Projektraum der Galerie tritt ihrerseits auch in einen Dialog: Im Internet ist ein Bildblog eingerichtet, der RPLCMNT in den virtuellen Raum erweitert.

Lan Hungh und Darri Lorenzen, „RPLCMNT“ kuratiert von Pauline Doutreluingne, Savvy Contemporary, Richardstraße 43/44, 12055 Berlin-Neukölln. Eröffnung: Freitag, 13. August 2010, 20.30 Uhr.

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Alexander Adams, "Anna Chapman I (0/10/39)"

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Alexander Adams, Untitled (0/10/25)

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Alexander Adams, Untitled

Alexander Adams, britischer Künstler und Absolvent des Goldsmiths College in London hatte sich eigentlich 1994 von der Farbe endgültig verabschiedet. Monochrome Bilder malt er seither, Akte, Landschaften, Architektur. Motive, die dadurch dass sie vom Künstler selbst der Farbe beraubt wurden, eine artifizielle Wandlung erfahren, so wie Schwarz-/Weißfilme vor allem antiquiert, künstlich oder unwirklich erscheinen. Den Streit, ob Fotografie farbig oder unbunt zu sein hat, um dokumentarische Wahrheitswerte zu vermitteln, wurde lange ausgefochten. Der Sieger war die Technik, sobald man etwas technisch kann, muss man es auch verfolgen, so eine Paradigma des Fortschrittsglauben. In der Malerei ist man freier, hier zählt das kann noch mehr als das muss. In Adams Fall war die Entscheidung der Farbe zu trotzen bewusst, aber nicht unumkehrbar. Er hat sie als Ausbildung zur Strenge aufgefasst, malt aber inzwischen auch wieder in Farbe, sein Ausbildungsverhältnis mit der Monochromie ist zu einem Ende gekommen. Im Kunstkontor Tief im Blut zeigt Adams aber nun mit der Ausstellung „Defaced“ nur Bilder in Schwarz und Weiß: gesichtslose Aktmodelle nach akademischen Fotografien der vorletzten Jahrhundertwende, aber auch kleine Formate nach Schnappschüssen von Amateuren.

Alexander Adams, „Defaced“, Tief im Blut Kunstkontor, Kollwitzstraße 74, 10435 Berlin. Eröffnung: Samstag, 14. August 2010, 16 Uhr.