Paarungen

Kategorie: Kommunikation | January 31, 2010 | von

„Also, was ich bei Euch Heteros echt nicht verstehe ist, warum ihr Euch so schwer tut, über Sex zu reden. Die Hetero-Männer in meinem Bekanntenkreis sind ja oft so was von frustriert, weil Ihr einfach nicht darüber sprecht, was Euch Spaß macht, oder was Ihr Euch wünscht, das ist mir unbegreiflich.“ M. nippt an seinem Gin Tonic und ich denke „Stimmt. Das ist ein totales Tabu.“ Mit dem Mann, mit dem man gerade in einer Beziehung steckt, über den hauseigenen Sex zu sprechen ist in etwa so, als würde man mit seinem Chef die verschiedenen Fehlermöglichkeiten bei der Anwendung von Hämorrhoidensalbe diskutieren wollen. Man hat von vornherein das Gefühl, sich auf sehr dünnem Eis zu bewegen und mit großer Wahrscheinlichkeit missverstanden zu werden. Oder, schlimmer noch, das Geheimnis um die eigene Sexualität zu lüften und damit schlicht banal, sprich nicht mehr begehrenswert zu sein.

hoelzl31 Paarungen//Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//

Dass die Libido zwischen Mann und Frau fragil ist, erfahren viele Paare immer wieder, manchmal unwiderruflich und ich kenne keins, das es mit Hilfe eines Therapeuten oder simplem Aussitzen geschafft hätte, wieder wohliges Feuer in die Laken zu bringen, hat sich dort erst einmal feuchtkalte Unlust so richtig breitgemacht. „Bei Frauen hat es oft mit der Erziehung zu tun, dass es so schwer ist, mit dem anders geschlechtlichen Partner über Sex zu sprechen“ sagt mein Freund H., mit dem ich mich über das Thema unterhalte. Weiterlesen »

Incredible strange unfriendly

Kategorie: Kommunikation | January 06, 2010 | von

Ist der erste Kauf des Jahres ausschlaggebend für Zwanzigzehn oder gleich die ganze Dekade? Sind Besitzer von Plattenläden eine wirtschaftsevolutionär besonders regressive Spezies von Einzelhändlern? Haben Dienstleistungsgesellschaft und Wissensgesellschaft keine gemeinsame Schnittmenge? Fragen, die ich mir wohl nicht gestellt, wären sie mir nicht so uncharmant aufgedrängt worden.

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Plattenspieler

Eine Freundin und Liebhaberin von „incredible strange music“, wie es die Spex Mitte der 1990er Jahre genannt hätte, beging am 2. Januar ihren Geburtstag. Kein besonders dankbares Feierdatum, aber immerhin erster verkaufsoffener Tag des neuen Jahres. Der Plattenladen auf der Kastanienallee war leer, die Plattenkisten wie üblich für Second-Hand-Shops zu eng befüllt, die Platten den Geruch jahrelanger Kelleraufbewahrung auf den Fingerspitzen hinterlassend, der Plattenladeninhaber unter seiner Smutje-Mütze freundlich lächelnd.

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Abtasten

Vermeintlich freundlich. Nachdem ich eine Kiste durchgeblättert habe, lässt mich die Musik aufhorchen: instrumental, eigenartig, seltsam. Könnte also etwas taugen als Geburtstagsgeschenk. „Entschuldigung, was läuft denn da gerade?“ – „Das kannst du kaufen, aber Fragen beantworte ich nicht.“ Incredible strange reply, aber egal, nach langer Konsumsozialisation im rauen Berliner Kommunikationsklima ist man ja einiges gewohnt. Vielleicht bin ja aber auch einfach nicht verstanden worden.

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Noch auf Spur?

„Ich wüsste ja nur gern was da läuft.“ Wortlos hält mir der Gebrauchtwarenhändler eine Keksdose mit einem im Deckel  eingeschnittenen Schlitz entgegen: ‚Fragenkasse 1.- Euro’.

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Noch Fragen?

„Vielleicht kaufe ich die Platte ja“, versuche ich es arglos argumentativ, „aber vorher möchte ich gern wissen, was ich da dann kaufe.“ – „Das ist mir scheißegal, ob du die Platte kaufst!“ Sprachlos verlasse ich die Servicewüste und bedauere, keine Rolle 1-Euro-Münzen mit mir zu tragen – jetzt habe ich nämlich einige Fragen. Nicht nur, was da auf dem Plattenteller lag…

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Der Name hätte einem gleich zu denken geben können...

Aber auch zwei Antworten:

„Franz & Josef“ in der Kastanienallee 48, Berlin-Mitte empfehle ich ausdrücklich nicht.

Als Geschenk eignete sich mein everlasting Top-10-Album „Song Cycle“ von Van Dyke Parks. Das gab es erster Hand, digitally remastered, auf Vinyl, weder geruchs- noch karmabelastet woanders zu kaufen.

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gute Platte

Wie dumm macht Facebook und Co. wirklich?

Kategorie: Kommunikation | January 02, 2010 | von

facebookbloed Wie dumm macht Facebook und Co. wirklich?

Es ist vielerorten zu vernehmen, dass die Wissenschaft, vielleicht auch mehr die Populärwissenschaft oder gar die Pseudowissenschaft sozialen Netzwerken die Fähigkeit attestiert, sozialpsychologisch unvorteilhaft Einfluss auf die Menschheit zu nehmen. Wissenschaftler schreiben Bände und wir Online-Geschichte. Woher kommt das? Nicht, dass das Schreiben dieser ersten Sätze schon jäh durch einen einflatternden Gutrutschwunsch unterbrochen worden wäre. Die mehrkanalige Erreichbarkeit hat längst Spuren im alltäglichen Kommunikationsverhalten hinterlassen. Aber was meint dieses blöd eigentlich?

Spiegel berichtet kürzlich davon, dass eine Studie der Universität Ohio belege, dass Facebook-Nutzer empirisch belegbar schlechtere Noten haben als die Wenig- bis Nichtnutzer.

Der deutschen liebste Zeitung Bild veröffentlicht die radikale These einer Psychologin, die ein Wort für Facebook einlegt, Twitter-Usern sowie Youtube-Fanaten aber dem Übel nahe sieht, durch ihr Handeln dümmer zu werden. Facebook, so meint sie, fördere das Arbeitsgedächtnis und fördert die Intelligenz. Youtube und Twitter hingegen verursachen das genaue Gegenteil, weil das Kurzzeitgedächtnis auf unförderliche Weise beansprucht werde.

Und da sind wir wieder beim generellen Problem der Generation Netzwerk-Kinder: wir sind prokrastinierende Online-Junkies, die auf der Suche nach der kopierbaren Hausarbeit, dem Wissensquell Wikipedia auf den Leim gehen, was wir damit rechtfertigen, dass sich die Journalistengilde auch nicht anders verhält. Auf halbem Wege klimpert uns Skype, Facebook und Co. aber schon längst die Melodie des Aktuellen vor, was zwar keine große Bedeutung birgt, doch aber unseren einsamen Seelen den Herdentrieb und das Gruppengefühl überbürstet.

Und sei es nur daran gelegen, dass wir dann wissen, dass Ines und Peter heute Spaghetti gegessen haben und dabei mit Anthony and the Johnsons dem Tag einen Soundtrack gaben. Nebenbei noch ein wenig rumgehuscht, etwas dünnes bei Twitter gelesen und den Sinn für Humor im Failblog befriedet, während die Hausarbeit ins Vergessen gerät, weil wieder mal mehr Tabs geöffnet sind, als die Bildschirmbreite unterzubringen vermag. Dafür hat man was bei Ebay ersteigert, was man ohnehin nicht braucht und ist unweigerlich dem Serendipity-Effekt erlegen.

Unsere latente sexuelle Orientierungslosigkeit verdrehen wir mit Youporn und wenn es mit den Partnern nicht mehr klappt, dann gibt’s ja auch ein Heulforum. Oder ‘ne Gruppe bei Facebook.  Dafür bekommen wir aber die feschesten Partytipps und müssen nicht unbedingt alle Menschen nur noch im Internet kennenlernen, was ja gar nicht so dumm ist. Oder? Bing! Ich habe eine neue Nachricht. Endlich. Erlöst aus dem erdrückenden Jetzt.

Kommunikation, die sich gewaschen hat

Kategorie: Kommunikation | November 20, 2009 | von

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Der moderne Mensch ist einsam, unendlich einsam. Seine emotionale Isolation wird als soziale Normabweichung gesellschaftlich beargwöhnt, missbilligt oder betrauert, mithin küchenpsychologisch ausgedeutet. Unbehelligt in die Gegend starren oder triste Trübsal blasen ist nicht. Weiterlesen »

Ruhm reloaded

Kategorie: Kommunikation | October 07, 2009 | von

Youtube. Das ist doch der Inbegriff der Web-Verblödung im Drei-Minuten-Takt. Wer besonders viele Klicks erreicht, wird für einen Augenaufschlag lang “berühmt”. Doch warum muss ich das jetzt auch verwerflich finden?

Youtube jbum Ruhm reloaded

Mosaik mit 1512 der beliebtesten Youtube-Videos. (c)jbum via flickr.com

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Technomades

Kategorie: Kommunikation | August 31, 2009 | von

christophe beauregard technomades  TechnomadesGesten und physische Haltungen als soziokulturelle Codes zu verstehen,  nachzuahmen und anzuwenden erlernen wir von Kindesbeinen an. Wir wissen intuitiv, was es heißt, wenn jemand schützend die Hände vor den Kopf hält, verstehen den gehetzten Blick über die Schulter eines Verfolgten und brauchen keine wortreichen Erklärungen wenn jemand die Hände über den Kopf wirft und zum Jubelsprung ansetzt. Weiterlesen »

heavily attractive

Kategorie: Kommunikation | August 18, 2009 | von

Ich habe einen alten Communicator. Einen dieser großen, schweren, knochenartigen Funktelefone (das Wort Handy passt irgendwie nicht), das man in keine Clutch gepresst bekommt und auch nicht mal eben dezent in der Hosentasche verschwinden lassen kann… Ich liebe dieses Gerät. Mir geht das Immer-Kleiner-Werden der Gadgets total auf den Keks. Zu leicht ist irgendwie nicht sexy. Leider, leider ist der Akku inzwischen so altersschwach geworden, daß wir uns vorübergehend trennen mussten, aber ich bin schon auf der Suche nach einem neuen…

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