Schreib doch mal wieder

Kategorie: Kreuzberg | April 15, 2010 | von Moritz Kuhn

Im Lauf eines Monats sammelt sich jede Menge Kurioses, Ärgerliches und Lustiges in meinem E-Mail Postfach. Deshalb habe ich beschlossen, mir jeden zweiten Mittwoch die Zeit zu nehmen und Antworten zu schreiben. Antworten mit denen wahrscheinlich niemand rechnet und die ich definitiv auch abschicke.

Traumwohnung3 Schreib doch mal wieder

Berlin, 6. April 2010

Liebe Jane,

ich hoffe es stört dich nicht, dass ich dein Wohnungsanliegen öffentlich mache. Aber da es dich ja auch nicht stört, an Menschen die du nicht kennst, Mails mit deinen persönlichen Angelegenheiten weiterzuleiten, gehe ich davon aus, dass auch die Veröffentlichung in deinem Sinne ist. Ganz offensichtlich bist du der Auffassung, dass das Versenden von Spam ein legitimes Mittel zur Verfolgung deiner Interessen darstellt.

Immerhin geht’s bei dir ja auch nicht um Penisverlängerungen und Viagra, sondern um so edle Anliegen wie eine sonnige Südterrasse und eine Badewanne zum planschen für dich und deinen Schatzi.

Nun Jane, einige meiner Bekannten befinden sich ebenfalls gerade auf Wohnungssuche. Die meisten wollen genau wie du nach Kreuzberg, wären aber auch bereit eine Wohnung im Norden Neuköllns, laut TIP immerhin „Berlins Lower Eastside“, zu beziehen.

Ich frage mich allerdings, wer außer dir so naiv ist zu glauben, in einem der genannten Stadtteile ließe sich für 500 Euro Warmmiete eine Wohnung finden, die den Kriterien deiner Träume entspricht. Vielleicht solltest du anfangen im Wedding zu suchen. Der Wedding kann zwar nicht mit der Lower Eastside mithalten, dafür ist laut Berliner Volksmund die Bronx „der Wedding von New York“.

Ich habe wirklich nichts übrig für die ewige Diskussion um den besten Berliner Stadtteil, schon allein deshalb nicht, weil ich seit mittlerweile neun Jahren mit diesem Quatsch belästigt werde. Noch langweiliger ist eigentlich nur die Frage nach dem Geburtsort, mit dem gebürtige Berliner von Zugezogenen unterschieden werden, in Punkto Intoleranz etwa vergleichbar mit dem Ariernachweis im dritten Reich. Aber du hast dich nun mal entschlossen mitzumachen und weil du eben ganz weit vorn mit dabei sein willst, muss jetzt die ganze Welt, beziehungsweise das World Wide Web bei der Wohnungssuche behilflich sein.

Als Gegenleistung bietest du allen Ernstes eine Kiste Grünzeugs an. Ich hielt deine alberne Offerte ja zunächst für einen verspäteten Aprilscherz, musste aber schnell einsehen, dass du unfreiwillig komisch genug bist, die Vermittlung deiner Traumwohnung zum Hausbesetzerpreis mit einer Kiste voller Beilagen zu entlohnen. Vielleicht solltest du zunächst das Unkraut zwischen deinen Ohren jäten, damit du zu der Einsicht gelangst, dass wir uns hier im ehemals zweigeteilten Berlin und nicht etwa in der Ökohauptstadt Freiburg befinden und die Präsentkiste deshalb zwingend auch Bananen enthalten sollte.

Zum Schluss möchte ich dir aber auch noch danken. Ohne dich wäre ich nie an die Kontaktdaten der Bewohnerin der Traumwohnung gekommen. Ich werde sie gleich mal anrufen und ihr meine Wohnung in Mitte zum Tausch anbieten. Dürfte genau das sein was sie sucht und ich wollte eigentlich auch schon immer nach Kreuzberg, dieses „Berliner Williamsburg“.

Liebe Grüße,

Moritz



Berlin, du kannst mich mal kreuzbergweise

Kategorie: Kreuzberg | January 22, 2010 | von Jan Joswig

berlin1 Berlin, du kannst mich mal kreuzbergweise

Nacht für Nacht leuchtet diese Fensterfront über meinen Kreuzberger Hinterhof in meine Phantasie. Was wird dort oben getrieben? Ja, getrieben, in all diesem Anspielungsreichtum muss man das formulieren. Illegaler Spielsalon, Puff, Glühbirnentestlabor? Für eine Drogenfabrik wirkt es nicht steril genug.
Man muss in Berlin nicht einmal seine Wohnung verlassen, hier blühen auch dem vergrabensten Pantoffelhelden die aberwitzigsten Abenteuer. Aus meinem norddeutschen Elternhaus habe ich extra ein Fernglas herausgeschmuggelt, um mir Klarheit zu verschaffen. Aber auch mit dieser Verstärkung sehe ich durch die dunklen Baumumrisse nur dunkle Schatten von links nach rechts schreiten. He, ich stecke doch mitten in einem Thriller von Brian de Palma! Ob der stiernackige Typ mit dem winzigen Chihuahua an der Gucci-Leine, dem ich morgens beim Bäcker begegne, zu dem Rätsel gehört?

berlin2 Berlin, du kannst mich mal kreuzbergweise
(Es wird immer rätselhafter: Die Klingel oben links gehört zu der nachtaktiven Wohnung – nur ein nacktes Loch mit Drahteingeweiden im Messingbrett.)

Das Rätsel stellte sich mir vor Jahren. Längst weiß ich gar nicht mehr, wo ich eigentlich das Fernglas verstaut habe. Es war aber auch sehr schwer und wackelig.
Mensch, ist Berlin spannend. So spannend, dass man selbst ganz ungespannt wird.

What’s in your bag, Dawid Grynasz?

Kategorie: Kreuzberg | November 05, 2009 | von Open your bags

 Whats in your bag, Dawid Grynasz?

Name: Dawid Grynasz

Alter: 28

Beruf: Architekt

Wohnort: Warschau, Polen

Getroffen, wo: In Berlin, beim Herbst-Spaziergang in Kreuzberg 61

Tasche dabei: seit ich die Kamera besitze, aber genau weiß ich das wirklich nicht mehr.

 Whats in your bag, Dawid Grynasz?

Tascheninhalt: Nikon Kamera, Visitenkarten plus Streichhölzer von Mirchi,  meine eigenen Visitenkarten, Ladekabel mit Adapter für meine Nikon, ein Würstchen mit Obstler, Kenzo Parfum, Verpackung von MUJI, Modell von Audi A4, Pinsel für meine Kameralinse von MUJI und Stadtpläne von Berlin.

Ein persönliches Statement: “Wir haben gerade einen Auftrag von MUJI bekommen, und sind gerade dabei beim Spaziergang Inspirationen und Impressionen, mit der Kamara festzuhalten.”

What’s in your bag, Ilker Ugay?

Kategorie: Kreuzberg | October 23, 2009 | von Open your bags

Whats Ilker Portrait 181009 Whats in your bag, Ilker Ugay?

Name: Ilker Ugay

Alter: 27

Beruf: Kreativer

Wohnort: Frankfurt am Main

Getroffen: beim Dreh für Kabel Deutschland, Hau Zwei Theater in Berlin, Kreuzberg

Tasche dabei seit: seit ich in Berlin bin, also Mittwoch

 Whats in your bag, Ilker Ugay?

Tascheninhalt: Apple Laptop, Ladekabel für meine Iphone’s, eine Mouse, Web n’Walk Stick, Videokabel, Digicamera, Akkuladegerät, ein Marker, zwei Iphone’s und ein Astmaspray.

Ein persönliches Statement: “Da ich mir den Rucksack, in letzter Minute von einem Kumpel geliehen habe, sind da paar Sachen die mir nicht gehören, wie das Astmaspray. Keine Sorge, ich hab mich schon vergewissert, dass mein Kumpel noch eins vor Ort hat.”

YOU ARE HERE – and nowhere else

Kategorie: Kreuzberg | September 21, 2009 | von Jana Ahrens

SONNtag YOU ARE HERE   and nowhere else

So fängt der Sonntag gut an. Er tut es nämlich erst mittags und ich sitze vorm Café in der frühherbstlichen Restsonne. Es ist ein erhebendes Gefühl, nichts  geplant zu haben außer ein paar Zeilen am Abend zu schreiben. Dann klingelt das Telefon. Ob ich um vier Uhr am Moritzplatz sein kann. Die unglaubliche Band Dominique würde spielen. Mit dem unglaublichen Richard Davis am Bass. Aha. Also trödele ich von einem Kiez zum nächsten, ohne sonderliche Erwartungshaltung. Es ist ein Momenttag. Und der wird jetzt gekrönt vom besten Ort, an dem man in Kreuzberg den Moment leben kann: Dem Prinzessinengarten.

a garden is a garden is a garden - Photo by Wencke Landsmann

a garden is a garden is a garden - Photo by Wenke Landsmann

Die Brache neben dem Verkehrskreisel am Moritzplatz wurde zu einem urbanen Nutzgarten mit Unkraut-Appeal umgewandelt. Mitten im Dickicht eine kleine Bar und daneben eine Bühne. Und dann Dominique. Die Welt ist plötzlich wie ein Blick durch die Sonnenbrille: Das Grün ist noch grüner, das Licht noch wärmer, die Menschen sind eindeutig netter und es läuft mir ein wohliger schauer über den Rücken.

http://www.dominiquetheband.com/

http://www.dominiquetheband.com/

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Nach dem Konzert lustwandeln meine Peergroup und ich durch die Natur, die hier langsam die ehemals kahle Betonfläche zurückerobert. Überall stehen kleine Schilder: A garden is a garden is a garden. Und mein Favorit: You are here – steht da. Und genau so fühlt sich dieser Sonntag im Prinzessinengarten an. Ich bin hier, sonst nirgendwo. Ich spüre das und ganz kurz ist alles andere egal.

Photo by Wencke Landsmann

Photo by Wenke Landsmann

Das Ende der Oranienstraße. Ein Lamento.

Kategorie: Kreuzberg | September 09, 2009 | von Alexander Gumz

Ich sag es ungern: ich fühl mich in der Oranienstraße nicht mehr wohl. Und das ist für jemanden, der – mit kurzer Prenzlauer-Berg-Unterbrechung um die Jahrtausendwende – seit über 15 Jahren in der Gegend wohnt, schon sowas wie ein Weltuntergang.

oranien 499 jenseits Das Ende der Oranienstraße. Ein Lamento.

(the Good…)

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A tale of two cities: Wasserlassen

Kategorie: Kreuzberg | August 31, 2009 | von A tale of two cities

Berlin – London. Zwei Freunde, zwei Städte…

In loser Folge entsteht das Kaleidoskop zweier Leben an zwei unterschiedlichen Orten. Gebaute Umwelt, soziale Netzwerke, Eindrücke, Inspirationen – thematisch sind keine Grenzen gesetzt, der Inhalt ist frei und bleibt den beiden Tagebuchfotografen überlassen.
Es werden gemeinsame Leitfäden auftauchen, die auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen: formal, inhaltlich, stilistisch. Auf diese Weise entsteht ein Bilderreigen, a tale of two cities: Berlin – London / London – Berlin.

Samstagabend. 22.00 Uhr. Auf’m Klo.

toilets A tale of two cities: Wasserlassentrans A tale of two cities: Wasserlassen

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