
Ja ich gebe zu eigentlich wollte ich so gar nicht zum Lady Gaga Konzert in die o2 World. Was hat man nicht alles gehört: galaktische Ticketpreise trotz nicht ausverkauften Stadien. Man erinnere sich: die letzte Show in Berlin fand in der Columbiahalle statt. Das ist vor allem eins: Ein galaktischer Unterschied.
Über 30 Trucks konnte man vor der Arena zählen, und die braucht sie auch die Gaga. Bemerkte ein Freund spaßeshalber: “Ich wünsch mir, dass die Show ewig geht und überhaupt ein Musical”, war das beinahe prophetisch.


Der ewige “die neue Madonna”-Vergleich fängt schon zu Beginn an zu hinken. Lady Gaga kann nämlich singen. Also live. Und gut, sehr gut! Wenn sie auf Ihrem Hocker vor Ihrem Piano kauert, und zusätzlich die Absätze Ihrer Lacklederschnür -Louboutins zum Spielen benutzt (ja, und auch das gut), wird überdeutlich: Das ist keine Mogelpackung, die Frau versteht Ihr Handwerk.
Statt eines tot-choreographierten Programms ist die Monsterball-Tour eine richtige Show, ein Musical, manchmal Grusical (man verzeihe mir den Wortwitz), eine Geschichte, erzählt von Stefani Joanne Angelina Germanotta aka Lady Gaga. Und die lässt keinen Zweifel daran, woher sie kommt und warum sie hier ist: “Some say i need a vacation. But I´d rather die here on stage with my fans, than next to a fucking palmtree.”

Sie spielt auf dem Piano “Speechless”- eine Ballade, die Sie Ihrem besten Freund Posh widmet, mitten im Song fängt sie an zu erzählen, was sie sich zu oft anhören musste: “You are not pretty enough, not thin enough, not sexy enough, you can´t write a proper popsong, enough…FUCK YOU I AM GONNA BE A STAR.” schreit sie hinaus ins Publikum.
Und sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie zu Recht auf dieser gigantischen Bühne steht.
Sie ist ein Kind Ihrer Zeit, das erkennt man immer wieder: Anleihen an alle Großen der Popwelt, von Madonna bis zum Wutang Clan, aber so genial In Ihren Gagaismus transportiert, neu, anders und unnachahmlich, dass sie selbst den größten Kritikern oder Neidern der Wind aus den Segeln nimmt.

Das “Bühnenstück Gaga” enhält so geniale Bilder wie die dunkelste Stelle im Centralpark (auf dem Weg zum Monsterball), einen Twister der sich überdimensional auf Sie und Ihre Tänzer herabsenkt, und heraus kommt eine überlebensgrosse Eisprinzessingaga. Ein Tiefseemonster mit Fangarmen zu Paparazzi, geniale Überleitungen, in Wort, Bild, Musik, sowie alle Hits, neu und alt genial darin verwoben.
Nie wirkt etwas trist, nie gespielt, ja auf der großen Leinwand lassen sich echte Freude, Enthusiasmus und wirklicher Spaß in ihrem Gesicht ablesen, und auch manchmal Stolz. Stolz es allen bewiesen zu haben und es soweit geschafft zu haben. Lady Gaga hat mit dieser enormen Produktion bewiesen, dass Sie es schafft Ihre ganz eigenen, manchmal unfreiwillig (?) trashigen Visionen zu transportieren, ja sogar zu verbessern, eine Nähe zu ihren Monstern (so nennt die Gaga ihre Fans) zu schaffen, allen das Gefühl zu geben, dass sie alles schaffen können, solange sie nur wollen.

Stefani Joanne Angelina Germanotta aka Lady Gaga, die verdammt nochmal ihr Geld wert war und auch nicht müde wird, sich zwischendrin immer wieder zu bedanken ohne dass es zur Phrase verkommt. Dann wieder fluchend ins Gesicht der tanzenden Mege: “Fuck, yeah dance NOW!” And everyone danced. Of course. Was ein Spaß!
Begeisterungsstürme nach der Show von allen Seiten. Als Zugabe “Bad Romance” alles am Toben, Pulli-überm-Kopf-Wirbeln…Ra, Ra, Ra, Ra, Ra, Ra..!
Der Tenor danach: Alle Erwartungen wurden mühelos und bei weitem übertroffen. Ich persönlich finde: Live knüpfen alle neuen Songs mühelos an das alte Album an. Show me your teeth!!!
In diesem Sinne: Don´t call me Gaga…

