Items Of The Week – Im Totalen

Kategorie: Linda Farrow | June 20, 2010 | von

von Mareike Nieberding -

Das Totale zur existenziellen Bedingung erhebend, gehen die Begehrlichkeiten dieser Woche aufs Ganze und lassen keinen Raum für Kompromisse. Auf dem schmalen Grat zwischen schützender Verhüllung und entwaffnender Verführung fordern sie totale Aufmerksamkeit und überschreiten so die Grenzen des Erwartbaren.
Physisch und psychisch am eindruckvollsten erfahrbar wird dieser Sinn-Totalitarismus in Bruce Naumans Rauminstallation „Room with my soul left out, room that does not care“, die dem Hamburger Bahnhof als Schenkung zur Verfügung gestellt wurde und so Anlass gab für die erste große Bruce Naumann-Ausstellung “Dream Passage” in Berlin (07). Noch bis zum 10.Oktober kann man sich in den begehbaren Korridor-Installationen mit der Angst der Isolation und der totalen Ausweglosigkeit konfrontieren. Abstrahierter Fatalismus, den Menomena in ihrem Album „Mines“ (03) zum Prinzip erhoben haben. Die amerikanische Band, die beim Berliner Label City Slang unter Vertrag ist, spickt ihr Gitarren-Album mit klanglichen Minen aus Klavieren, echoisiertem Gesang, mexikanischen Gitarren, tief-traurigen Schlagzeugsoli und elektrifiziertem Geloope und findet so immer wieder die totale Balance zwischen zuckendem Stampfrock und sensiblem Wippklang.

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Während Jeremy Scott für Linda Farrow (01) die Monitorisierung der Welt ad absurdum führt, indem er die vielbeschworenen eckigen Augen als Fernsehfenster für die Nase materialisiert, wappnet Acne Weiterlesen »

Items Of The Week – Im Knick

Kategorie: Linda Farrow | March 26, 2010 | von

von Mareike Nieberding

Der Knick ist ein Multifunktionstalent. Gilt er in Zeiten der makellosen Geradlinigkeit und unbedingten Perfektion als Zeichen von Schwäche, birgt er bei unvoreingenommener Ausnutzung seiner vielfachen Anwendungsfelder ungeahnte Fähigkeiten sowohl praktischer als auch ästhetischer Natur.

Erstes Beweisstück dieser These bietet der freischwingende „Straw Chair“ der Berliner Designer Osko+Deichmann (5), der ab heute Abend in der Ausstellung „Funktionale Beschädigung – The beauty of deliberate kinks, dents and bends in a family of tubular steel furniture“ in der Galerie Helmrinderknecht gezeigt wird. Mutet hier das geknickte Stahlrohr tatsächlich wie ein gefalteter Strohhalm an, ist auch bei dem poppig-pinken Bonbon-Portemonnaie von Maison Martin Margiela (3) der Knick elementares Konstruktionsmoment und reduziert die metallisch glänzende Oberfläche auf taschenkompatibles Maß.

Demgegenüber knicken und kreuzen die Mulleavy Schwestern für das Rodarte´sche Sommermädchen verschiedenste Muster, Materialien, Formen und Farben zu voluminösen Stoffabstraktionen (2), die kombiniert mit der angespitzten Sonnenbrille von Alexander Wang für Linda Farrow (1) sicherlich auch den größten Kritiker wie einen Origami-Schwan zusammenzufalten vermögen.

ITEMS imKnick Items Of The Week   Im Knick

Wer sich lieber der sensibel auf Foto gebannten Fatalität des menschlichen Geknickt-Seins hingibt, der kann noch bis zum 17. April Ryan McGinley´s neuste Ausstellung „Everybody Knows This Is Nowhere“ (7) in der Team Gallery observieren. In dieser zeigt er ganz un-Ginley´isch, im Atelier entstandene Emotionsstudien in Schwarz-Weiß.

Nach soviel nackter Konfrontation, darf man sich dann auch getrost wieder der Oberflächenausstattung widmen. Und mit Fanfarlo´s Debutalbum „Reservoir“ (4) auf den Ohren, durch poppige Melodicas samt Celli und Mandolinen aus dem Knick kommend, zukünftiger Ungewissheit mit der optimistischen Illustration von Justin Krietemeyer auf dem Shirt von Sixpack (8) die Brust bieten. Um sich sanft gebettet auf den mit fröhlichem Pfirsich akzentuierten Nike Air Max 1 (6) durch die grauen Massen treiben zu lassen. Aber bitte nicht umknicken!