
‘Raw’. Das ist das diesjährige Thema der Summer Show an Londons Royal Academy of Arts. Das Besondere an dieser traditionsreichen Ausstellung, die in diesem Sommer bereits zum 242. Mal stattfindet, ist, dass ihr ein Wettbewerb vorangeht, der Künstlern offensteht zum jeweiligen Thema Arbeiten einzureichen. Um eine größtmögliche Resonanz zu erzielen, lässt das Thema wie ‘Raw’ Spielraum für unterschiedlichste Interpretationen. Dies führte zu über 11.000 Einreichungen in diesem Jahr, von denen 1.267 Arbeiten für die Sommerausstellung ausgewählt wurden.
Foto : Fiona Rae RA | I Wish to Fully Grow My Small Dream, 2010 | Oil, acrylic and gouache | 152 x 127 cm | © Fiona Rae. Courtesy Timothy Taylor Gallery, London
Roh und unfertig, so wie es das Thema ‘Raw’ suggeriert, sind die Arbeiten jedoch keineswegs. Vielmehr beeindrucken sie durch ihre Ausdrucksstärke und Emotionalität. Die Rückkehr abstrakt expressionistischer Elemente in die zeitgenössische Kunst, die sich ja bereits auf der Art Basel angebahnt hat, manifestiert sich in Englands königlicher Sommerausstellung umso mehr. Arbeiten wie Fiona Raes ‘I wish to fully grow my small dream’ bereiten reinstes Sehvergnügen. Die Intensivität der abstrakten Malerei besteht darin, dass sie direkt an unsere Emotionen apelliert ohne dem Umweg über das Gegenständliche zu gehen. Callum Innes ‘Untitled No 39’, eine Abstraktion in Gelb und Weiß, hat eine so durchdringend Wirkung, dass wir – voller Konzentration auf das Bild – beinahe orientierungslos werden. Diese Intensivität, mit der die abstrakten Arbeiten uns ansprechen und berühren, passt zum Thema: ‘Raw’ bedeutet nämlich nicht nur ‘roh’, sondern auch ‘unverstellt’, ‘nicht verkleidet’, ‘intensiv’ und ‘stark’.
Foto: Tal R | Minus Yesterday, Minus Tomorrow | Oil | 250 x 250 cm |Photograph: John Bodkin
Interessant ist auch, wie viele deutsche Kuenstler in der diesjährigen Summer Show vertreten sind. Mit ‘Einschüsse’, einer Arbeit von einem riesigen Format, dominiert Anselm Kiefer Raum VI (The Philip and Pauline Harris Gallery). Ein violettes Plexiglass-Folienbild repräsentiert den Berliner Künstler Anselm Reyle. Der immer mal wieder gerne bei CFA Berlin ausgestellte israelische Kuenstler TAL R ist mit ‘Minus Yesterday, Minus Tomorrow, sogar auf der Shortlist für den Wollaston Award platziert, mit dem die besten diesjährigen Einreichungen ausgezeichnet werden.
Besonders hervor sticht aber ‘Mittendrin’, ein Ölgemälde von Georg Baselitz. Es fasziniert nicht nur durch seine innovative Art der Komposition, sondern auch durch seine Farbwahl. Ein helles Blau setzt sich so intensiv von den anderen Farben ab, dass der Besucher sofort magisch von dieser Arbeit angezogen wird, obwohl sie weitaus unvorteilhafter gehängt wurde als Tracey Emin’s ‘But I Think I Love You’, beispielsweise, das für £125,000 zu erwerben ist.
Foto: Summer Exhibition 2010 | View of Small Weston Room | Photograph: John Bodkin
Der Small Weston Room ermöglicht einem schon mit einer geringeren Summe ein Mitglied der Londoner Kunstwelt zu werden. Ab £100 gibt es hier kleinere Arbeiten zu erstehen, mit denen man möglicherweise seine eigene Sammlung beginnen kann.
Foto: Michael Craig-Martin CBE RA |Kids Screenprint | 48 x 82 cm |Photograph: John Bodkin
Neben den Einreichungen präsentiert die Summer Show aber auch Werke ihrer Mitglieder, der Academians and Honorary Academians, wozu in diesem Jahr Arbeiten von Antoni Tapies, Ed Ruscha, Michael Craig-Martin, Gillian Ayres und Tracey Emin gehören. Außerdem widmet sich eine Sektion den im vergangenen Jahr verstorbenen Academians Craigie Aitchison, Jim Cadbury-Brown, John Craxton, Barry Flanagan, Freddy Gore, Donald Hamilton Fraser, Flavia Irwin und Michael Kidner.
Foto: David Mach RA |Silver Streak | Coat hangers | Photograph: John Bodkin
Die so hervorragend von Stephen Chambers und David Chipperfield koordinierte Ausstellung gehört zu einem der Ereignisse, die man während der Sommerzeit in London auf keinen Fall verpassen sollte.
Summer Exhibition 2010 – 14 June—22 August 2010
Royal Academy of Arts – Burlington House,
Piccadilly
London W1J 0BD
Montag – Sonntag: 10:oo – 18:00 Uhr
Freitag: 10:00 – 22:00 Uhr
Foto 1 > Skulpturen von Barry Flanagan im Hofe der Royal Academy of Arts © Sarah Hegenbart
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Krisenbewältigung allerorten. Ob in der deutschen Defensive, im radikalen London der Siebziger, in Performances auf der Schwelle zwischen Kunst und Leben, im Diskurs der eigenen Gattung oder einfach ohne Geld. Aber Eröffnungssportler sind Krisen gegenüber gefeit, denn sie stählen sich in der freitäglichen Konfrontation.
 „Another empty home“, Plakat gegen Immobilienspekulation, 1970er Jahre © Nick Wates Associates
 "Gay Pride Demonstration, London", Hall-Carpenter Archives © HCA/Townson
Die Losung „Eure Krise, unsere Jobs“ wird immer mal wieder auf Plakate und Banner gemalt und durch die Innenstädte getragen. Wirtschaftlichem Niedergang folgen Boomzeiten, so will es die Konjunktur. Großbritannien hat beides schon erlebt. „Goodbye London“ blickt zurück auf eine Zeit der Radikalisierung der englischen Gesellschaft in den 1970er Jahren, die darin gipfelte, dass Maggie Thatcher den Neoliberalismus erfand. Vor diesem Hintergrund von Leerstand, Häuserkampf, militanten Boulevardmedien, Feminismus und Gay Liberation entwickelte sich eine Bewegung, für die Kunst, Politik und Leben eins war. Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt Protagonisten dieser Szene zu denen u.a. der Filmemacher Derek Jarman, der Performer Stuart Brisley (der sich übrigens am Samstagnachmittag bei Exile mit dem Kurator Andrew Wilson von der Tate Gallery unterhält) oder der Konzeptkünstler Victor Burgin gehörten. Zur Ausstellung erscheint außerdem ein empfehlenswerter Katalog.
„Goodbye London – Radical Art and Politics in the Seventies“, NGBK Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Oranienstraße 25, 10999 Berlin-Kreuzberg, Eröffnung: 25. Juni, 19 Uhr
 Mark Met, Zeichnung
 Mark Met, Zeichnung
Weniger auf dem Boden der Tatsachen bewegt sich Mark Met. Aber auch für ihn gilt die Maxime, Kunst und Leben möglichst deckungsgleich unter einen Tirolerhut zu bringen. In dieser Schnittmenge spucken Lamas und Vulkane, verschmelzen Jäger und Gejagte zu Mischwesen der Imagination, wird getestet, wie lang U-Boot-Kapitäne unter Wasser bleiben können – ohne U-Boot versteht sich. Der Niederländer probt die Revolte in der Aktion und sagt: „Die Wahrheiten müssen Akrobaten werden, damit wir sie erkennen. Es kommt ja; es kommt ja was sagst du; Revolution?“ Im Kulturpalast Wedding präsentiert er Zeichnungen und performt zur Eröffnung.
Mark Met, „Spucken wie ein Lama – Rauchen wie ein Vulkan“, Kulturpalast Wedding International, Freienwalder Straße 20, 13359 Berlin-Wedding, Eröffnung: Freitag, 25. Juni, 20 Uhr mit einer Performance des Künstlers
 Henry Kleine, Untitled, 2010 (c) the artist, courtesy September Berlin
 Henry Kleine, Untitled, 2009 (c) the artist, courtesy September Berlin
In einem ganz anderen, wenngleich auch innerlichen Diskurs steckt Henry Kleine. Der Brite ist Maler und beschäftigt sich wie die meisten Maler mit Malerei. Gut so! Denn keine andere künstlerische Gattung befindet sich so im ständigen Kampf mit sich selbst. Totgesagt und immer wieder auferstanden. Kleine setzt sich mit der Abstraktion von Mark Rothko auseinander aber auch mit dem eher konzeptionellen Malereiverständnis von Wade Guyton, immer auf der Suche nach der nächsten Metaebene. Bei September zeigt Kleine Magazinübermalungen, gestische Kompositionen, aber auch Wandgemälde auf Holz und Polyvinylchloridfolien.
Henry Kleine, „Aether“, September, Charlottenstraße 1, 10969 Berlin-Kreuzberg, Eröffnung: Freitag, 25. Juni, 19 Uhr
 Zero Budget Biennial
In Zeiten, da eine Biennale die nächste jagt und Unsummen an Fördergeldern ausgegeben werden, um Tourismus und Wirtschaft unter dem Deckmäntelchen der Kunst anzukurbeln, kommt das Nullsummenspiel von Joanna Fiduccia und Chris Sharp gerade recht. Sie kuratieren die „Zero Budget Biennial“ als offiziell unprofitable Ausstellung im kommerziellen Raum der Galerie Klemm’s. So viel Marktunorthodoxie muss belohnt werden. Das Line-up der Künstler und Künstlerinnen, die unter der Vorgabe noch nie an einer Biennale teilgenommen zu haben ausgesucht wurden, liest sich schon mal nicht schlecht. Mit dabei sind u.a. Agnieszka Brzezanska, Simon Dybbroe Møller und Cécile Meynier.
„Zero Budget Biennial“, Klemm’s, Brunnenstraße 7, 10119 Berlin-Mitte, Eröffnung: Freitag, 25. Juni, 18 – 21 Uhr
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Zur ersten Show in Berlin von Ellie Goulding – dem erklärten Liebling und Shootingstar aus UK – finde ich mich im fast ausverkauften Lido ein, verpasse die Vorband und warte auf Miss Goulding. Als sie auf die Bühne kommt fällt als erstes die Diskrepanz auf zwischen dem Eindruck den das Albumartwork vermittelt und der echten Ellie Goulding. Ihr Albumcover zeigt sie als feenhafte, sphärisch anmutende Blondine, deren Optik perfekt zur hohen, klaren Stimme passt und Klischees bedient. In der Realität hingegen wirkt sie handfester und unspektakulärer als erwartet, fast normal. Eher noch etwas unsicher im eigenen Stil, irgendwie noch nicht ganz fertig. Allerdings sei das nicht musikalisch zu verstehen. Weiterlesen »
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Was passiert mit Berlin – bleibt die Stadt an der Spree ein panerotisches Armenhaus oder hat sie eine glanzvollere Zukunft? Wer könnte besser darüber nachdenken als jemand, der Berlin sowohl aus der Perspektive der Sub- als auch der Hochkultur kennt und der darüber hinaus mit einigen Metropolen dieser Welt recht gut vertraut ist.

//Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn//
Nikolaus Jagdfeld ist vielen Berlinern ein Begriff. Als Gründer des legendären Scala Clubs in der Friedrichstrasse und auch als Mit-Geschäftsführer des Berliner Departmentstore Quartier 206, einem in ganz Europa für sein einzigartiges Konzept und Angebot bekannten Kaufhaus der Luxusklasse, hat er sich in kurzer Zeit einen Namen gemacht. Recht neu eröffnet hat er den Departmentstore-Cabinet Store, eine Art Raritätensammlung, die sich wohltuend vom sterilen Design anderer Konzept-Stores abhebt. Mode, Fotografie und Interior-Design verbinden sich im Departmentstore-Cabinet, Kunden finden „eine Vielfalt von Objekten unterschiedlichster Art und Herkunft (die) zu einer neuen Einheit und Weltsicht“ verschmelzen.
In seinem Berliner Büro gibt Nikolaus Jagdfeld zwischen einer eklektischen Mischung ausgewählter schwarz-weiß Fotografien, ethnischer Kunst und abendländischer Designklassiker Einblick in seine Gedanken über die Zukunft des Handels und Berlin und beantwortet dabei auch ein paar persönliche Fragen.
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Astronomie ist die Wissenschaft von Sternen und anderen himmlischen Objekten. Aber wofür interessiert sich die Astronomie des Subways?
Fokussiert sich die Astronomie auf die strahlendsten Objekte des Himmels, so liegt es nahe, dass im Mittelpunkt der Astronomie des Subways – nämlich der Astronomie vom Himmel auf die Erde geholt – das Individuum steht. Die Frage nach der Identität des Individuums inmitten der anonymen Menschenmasse in postmodernen Metropolen prägt die Arbeiten von Jitish Kallat, dessen Werke derzeit in London sowohl im Haunch of Venison als auch in der Saatchi Gallery zu sehen sind. Weiterlesen »
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// Richard Hamilton:
Swingeing London 67 (f)
, 1968-69 |
Screenprint on canvas, acrylic and collage
67 x 85 cm
© 2010 Richard Hamilton //
Ihren 40. Geburtstag feiert London’s Serpentine Gallery mit neuen Arbeiten von Richard Hamilton. Im Fokus dieser Solo-Ausstellung stehen besonders die politischen Werke des britischen Pop-Art Künstlers. Weiterlesen »
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Hackneyboy auf Abwegen oder der Versuch sich zu verabschieden
Ich weiß noch was ich gedacht habe, als ich vom Tod Isabella Blows erfahren habe. Oder besser, ich weiß nicht nur was ich gedacht habe, sondern auch was ich gesagt habe, nämlich: „Wenn Isabella Blow stirbt, dann sterben wir alle“. Weiterlesen »
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Dass Stricken wieder den Berggipfel der Coolness erklommen hat, ist wahrlich nichts Neues. Überall gibt es Strickclubs und sogar bei Fashionshows wird backstage gestrickt. Das Handwerk wird betrieben wie ein Volkssport und nicht mehr nur, um sich z.B. das Rauchen abzugewöhnen, sondern aus echtem Spaß an der Sache und Freude am Resultat. Dabei gibt es Designkandidaten, die treiben das in dieser Saison auf die Stricknadelspitze. Denn wirft man einen genauen Blick auf die aktuellen Kollektionen der Nachkömmlings-Crème de la Crème, könnte man den Eindruck bekommen, in der Londoner Talentschmiede am Central Saint Martins College lernt der Nachwuchs nur noch stricken. Weiterlesen »
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Mehrmals vorher dagewesen und immer nur um den Tower rumgelaufen – so kommt es mir vor nach meinem Londonbesuch letzte Woche.
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Das Modebusiness ist für die Allgemeinheit so zugänglich, wie das Gebäude des Bundesnachrichtendiensts. Nicht nur die halbjährlich stattfindenden Defilees sind exklusive Insidertreffen, auch der gesamte Modeprozess bleibt ein geschlossenes System an dessen Ende die Fotografie und damit die ideale Projektion des Looks und seines Trägers steht. Nick Knight ist erfolgreich, weil er sich dem seit Jahrzehnten entzieht. Weiterlesen »
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