Nokia lights up London - Das Lumia 800 live

Kategorie: London | November 30, 2011 | von

 

Bild 71 Nokia lights up London   Das Lumia 800 live
Manchmal passiert es, dass das Digitale mit dem Analogen verschmilzt und magische Momente entstehen. Denn im besten aller Fälle überhöht das Digitale die Realität und lässt sich sehen, hören, empfinden…

Bild 5 Nokia lights up London   Das Lumia 800 live
So geschehen am  Montag, als Nokia, anlässlich des Launchs des neuen Lumia 800, den Londoner Milkbank Tower mit einer Lichtshow bespielte. Alle 800 Fenster des 120 Meter hohen Gebäudes an der Themse wurden dafür mit Vinyl überzogen und 16 Projektoren warfen gigantische 3D-Projektionen zum Takt der exklusiv komponierten Sounds des kanadischen DJs und Produzenten Deadmau5 auf die Architektur. Riesige Schmetterlinge erhoben sich in den Himmel der britischen Hauptstadt, der Turm verdrehte sich, pulsierte und stürzte schließlich in sich zusammen. Digital versteht sich.

0 Nokia lights up London   Das Lumia 800 live

Frei nach dem Lumia-Motto: The Amazing Everyay.

Broadway Market – dickes Bionade-B

Kategorie: London | November 23, 2011 | von

organic waste Broadway Market   dickes Bionade B

Der Londoner Stadtteil Shoreditch hat sich längst zum Hipster-Heaven gemausert. Bionade-Bohème und Bionade-Bourgeoisie feiern auf dem samstäglichen Broadway Market den Sieg der korrekten Kuschel-Klasse. Weiterlesen »

Off the Riot – Bilder aus London

Kategorie: London | August 12, 2011 | von

Keine Fotos von brennenden Autos – davon gibt’s s im Netz ja schon genug. London geht weiter seinen Gang, wie große Städte das so tun.

Wie wir die Riots hier erlebt haben – oder eher nicht: nur die gespenstische Leere mancher Straßen, verrammelte Geschäfte in Hoxton und Shoreditch; dagegen das Treiben auf der Oxford Street, das Saufen nachts in Soho, alles wie immer – das kann man gut bei Karolina Golimowska nachlesen.

Also nur ein paar Fotos: mehrheitlich Backsides, aus einer Stadt der Kontraste – strahlend und dreckig, laut und grün; natürlich nicht unterzukriegen.

london bearb NEU IMG 8134 Off the Riot   Bilder aus London Weiterlesen »

Louise Bourgeois, Tracey Emin: Do Not Abandon Me

Kategorie: London | February 26, 2011 | von

Manifeste einer Künstlerinnenfreundschaft -

Eine Ausstellung in Hauser&Wirth’s Old Bond Street Galerie bringt zum Vorschein, dass Tracey Emin und die im letzten Jahr verstorbene Louise Bourgeois weit mehr verbindet als ein künstlerischer Fokus auf verwandte Themenschwerpunkte. Beide Künstlerinnen untersuchen in ihrer Arbeit weibliche Sexualität und beschäftigen sich vor allem mit der Frage, wie Verlustangst und der Schmerz des Verlassenwerdens unser Denken bis zur Lähmung jeglichen Handelns beeinflussen kann. Ein Kreisen um diese existenziellen Fragen ist jedoch nicht das einzige, was Bourgeois und Emin miteinander teilen. Vielmehr sind sie außerdem verbunden durch  eine wundersam berührende Künstlerfreundschaft, deren intime Manifeste nun in London zu sehen sind.

Image 1 Deep inside my heart Louise Bourgeois Tracet Emin 2009 2010 849x1024 Louise Bourgeois, Tracey Emin: Do Not Abandon Me
Deep inside my heart, 2009-2010, Archival dyes printed on cloth, 61 x 76.2 cm / 24 x 30 in, Printed by Dye-namix, New York © Louise Bourgeois Trust and Tracey Emin. Courtesy Carolina Nitsch Contemporary Art and Hauser & Wirth

Besonders bewegend ist der Eindruck von Vertrautheit, Authentizität und gegenseitigem Respekt, den diese Ausstellung vermittelt. Emin offenbart ihre Hochachtung vor Louise Bourgeois’ künstlerischem Schaffen, wenn sie beschreibt, wie sie mit Bourgeois’ Zeichnungen einmal um die Welt reiste ohne sie zu berühren:

‘I carried the images around the world with me from Australia to France, but I was too scared to touch them’.

Später hat sie es dann glücklicherweise doch getan. Emin versah Bourgeois’ Gouachen männlicher und weiblicher Torsi mit ihrer eigenen Handschrift. Beispielsweise lässt sie Figuren, die wie Liliputaner anmuten, mit den überdimensionalen Körperteilen interagieren. Indem sie zusätzlich Text in die Papierarbeiten integriert, schafft sie so etwas wie eine kleine Erzählung, die Bourgeois’ Torsi mit Emins Charakteren in Verbindung setzt.

Image 2 And so I kissed you Louise Bourgeois Tracey Emin 2009 2010 1024x830 Louise Bourgeois, Tracey Emin: Do Not Abandon Me
And so I kissed you, 2009-2010, Archival dyes printed on cloth, 61 x 76.2 cm / 24 x 30 in, Printed by Dye-namix, New York © Louise Bourgeois Trust and Tracey Emin. Courtesy Carolina Nitsch Contemporary Art and Hauser & Wirth

‘And so I kissed you’ wird von ihr unter einen Torso geschrieben, den Emin außerdem mit einer weiblichen Figur, die einen erigierten Phallus umklammert, erweitert. So erweckt sie den Eindruck eines Abhängigkeitsverhältnisses, der sich möglicherweise durch den Sexualakt konstituieren könnte.

Ein solches Abhängigkeitsverhältnis wird von beiden Künstlerinnen kritisiert. Dementsprechend drücken die Manifeste ihrer Freundschaft auch keineswegs eine hierarchische Asymmetrie aus, sondern sind Zeugnisse eines anregenden Dialogs, der zu einer unfassbar vertraulichen und berührenden Ausstellung geführt hat.

Image3 A sparrows heart Louise Bourgeois Tracey Emin 2009 2010 852x1024 Louise Bourgeois, Tracey Emin: Do Not Abandon Me

A sparrow’s heart, 2009-2010, Archival dyes printed on cloth, 61 x 76.2 cm / 24 x 30 in, Printed by Dye-namix, New York © Louise Bourgeois Trust and Tracey Emin. Courtesy Carolina Nitsch Contemporary Art and Hauser & Wirth

Zu sehen noch bis zum 12 März 2011 bei:

Hauser & Wirth London
15 Old Bond Street
London W1S 4AX

Öffnungszeiten
Di – Sa, 10:00 – 18:00 Uhr

Gazelli Art House presents: Fired Up

Kategorie: London | February 16, 2011 | von

Image 1 Gazelli Art House 550 Gazelli Art House presents: Fired Up

In einer ehemaligen Molkerei in Bloomsbury riecht es am Freitagmorgen weniger nach Milch als nach einer ziemlich langen Party. Um die 500 Gäste waren es die hier am Abend zuvor die Vernissage der ersten Ausstellung von Gazelli Art House gefeiert haben. Gar kein schlechter Anfang für ein inspiriertes Projekt.

Image 2 Installation Shot 550 Gazelli Art House presents: Fired Up

Mila Askarova, sowie Gründerin als auch Direktorin dieses kommerziellen Galerienbusiness, hat es sich zum Ziel gesetzt jungen Sammlern den Einstieg in den Kunstmarkt zu erleichtern. Gazelli Art House, dessen Name übrigens auf ein Aserbaidschanisches Familienunternehmen verweist, will eine Plattform bieten, auf der sich Künstler und junge Sammler einander annähern können. Dies soll außerdem durch die Wahl ungewohnter Ausstellungsorte jenseits des White Cubes erleichtert werden. Der Launch von Askarovas Projekt wird im Laufe des Jahres 2011 an fünf unterschiedlichen Orten (wovon der erste ‘The Dairy’ ist, während die vier anderen noch geheim sind) stattfinden. Erst für das nächste Jahr ist dann eine eigene Galerie geplant.

Image 3 Farid 550 Gazelli Art House presents: Fired Up

Farid Rasulov ist einer der in ‘Fired Up’ – der gerade eröffneten allerersten Ausstellung von Gazelli Art House – vertretenen jungen der Künstler. Nicht so ganz klar ist, in welchem Zusammenhang das sezierte Hähnchen des Aserbaidschanischen Mediziners, der wie Askarova aus Baku stammt, zum feurigen Oberthema der Ausstellung steht.

Image 4 550 Gazelli Art House presents: Fired Up

Auch die Werke des Slade-Absolventen Joe Clark und seines Studienfreundes Rory McCartney, Goldsmiths Alumni David Jones und der jungen Amerikanerin Lauren Cotton machen nicht so ganz klar, warum gerade diese Arbeiten das Element ‘Feuer’ verkörpern. Was sie eher vereint, ist ein ziemlich hoher Grad an Plakativität. Alle Objekte würden sicherlich ganz hübsch an der Wand eines Londoner town houses wirken. Die Frage ist nur, ob sich ein Kunstwerk mit der Funktionalisierung zu einer individualisierten Wanddekoration zufrieden geben darf.

Image 5 550 Gazelli Art House presents: Fired Up

Basierend auf der Lehre von den fünf Elementen werden Wasser, Erde, Luft und Äther die Themen der weiteren Ausstellungen bestimmen. Bis dahin muss Askarova allerdings beweisen, dass ihre art consultancy nicht nur durch die Wahl aufregender Ausstellungsorte glänzen kann, sondern vor allem auch durch Ausstellungsobjekte beeindruckt, deren Kunstwert sich nicht auf ihre visuelle Attraktivität beschränkt. Um sie kontextuell verorten zu können, wäre ihre Einbindung in ein klar nachvollziehbares kuratorisches Konzept sicherlich auch sinnvoll. Ansonsten wird es sich für Gazelli Art House als schwierig gestalten über den Ruf eines teuren Postershops für Neureiche herauszukommen.

Fired Up at Gazelli Art House
11 – 25 FEBRUARY
7 WAKEFIELD STREET
LONDON WC1N 1PG

Engelsgleich: Francesca Woodman bei Victoria Miro

Kategorie: London | December 19, 2010 | von

Wie ein Engel, der sich auf die Welt verirrt hat, bewegt sich Francesca Woodman durch den Raum. Ihre unglaubliche Grazilität evoziert Momente der Schönheit, die beinahe unwirklich erscheinen.
Bereits in ihrem ersten Selbstportrait, das Woodman mit nur dreizehn Jahren schuf, deutet sich ihr einzigartiger Stil an, der ihr Werk charakterisiert. Die junge Francesca sitzt dort in einem übergroßen weißen Wollpullover auf einer Holzbank in einem undefinierbaren Raum (möglicherweise ein Dachboden?). Ihr Blick entzieht sich uns, obwohl sie in die Kamera blickt. Ihre braunen Haare beschützen ihr Gesicht wie ein Vorhang vor den Blicken des Betrachters. Scheu wie ein Reh weicht sie mit ihrem Hinterkörper vor der Kamera zurück. Gleichzeitig ist sie mit dieser aber durch ein Kabel verbunden, das sie in ihrer anderen Hand hält. Eine undefinierbare Bewegung im Vordergrund des Bildes führt zu einer Unschärfe, die ein wenig an ein meteorologisches Phänomen erinnert. Auf dieser Wolke aus Nebelschleier scheint Woodman hervorzuschweben. Wie ein Wesen aus höheren Sphären taucht sie in die Welt ein.

Image 1 Boulder 500 Engelsgleich: Francesca Woodman bei Victoria MiroFrancesca Woodman | Self-portrait at 13, Boulder, Colorado, 1972 (E.1) | gelatin silver print | 20.3 x 25.4 cm, 8 x 10 in (FW 261) © The Estate of Francesca Woodman, Courtesy George and Betty Woodman and Victoria Miro Gallery

Eine Retrospektive des Werkes von Francesca Woodman ist derzeit Weiterlesen »

MUNTEAN / ROSENBLUM at Maureen Paley

Kategorie: London | December 13, 2010 | von

Okay, sie ist nicht blond. Aber ansonsten erinnert der uns lasziv aus dem Schwimmbecken anstarrende Teenager doch schon ein bisschen an die sich am Beckenrand räkelnde Julie aus François Ozon’s Swimming Pool. Gemeinsam haben Film(-plakat) und MUNTEAN/ROSENBLUMs Ölgemälde einiges mehr als das auffällig azurblaue Wasser.

1 Maureen Paley 550 MUNTEAN / ROSENBLUM at Maureen Paley Weiterlesen »

Louise Bourgeois: The Fabric Works

Kategorie: London | November 07, 2010 | von


Image 1 Hauser Wirth London Louise Bourgeois Untitled 2008 709x1024 Louise Bourgeois: The Fabric Works

23 Savile Row. Hier eröffnen Hauser&Wirth ihren bereits dritten Londoner Galerieraum. In unmittelbarer Nähe zu ihren bisherigen Standorten in Piccadilly und in der Old Bond Street. Während andere etablierte Galerien wie White Cube die Strategie verfolgen, sich neben einer Hauptvertretung im Zentrum von Londons traditionellen Galerienvierteln wie Mayfair ebenfalls auch—zusammen mit den jüngeren Galerien—in East London zu repräsentieren, bleiben Hauser&Wirth Central London treu. Mit einer Ausstellung der Fabric Works (das Spätwerk der vor 5 Monaten gestorbenen Louise Bourgeois) weihen sie nun ihre neusten Standort im kommerziellen Kunstareal ein.

Image 2 Hauser Wirth London Louise Bourgeois Fabric Works Installation  936x1024 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 2:  Installation view ‘Louise Bourgeois: The Fabric Works’ | Hauser & Wirth London, Savile Row, 2010 © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Peter Mallet

Die ausladende Größe der neuen Galerie ist perfekt für die Arbeiten von Louise Bourgeois. Inmitten des Raumes ist Crouching Spider (2003) platziert, eine von Bourgeois Spinnenskulpturen, die mittlerweile schon zu so etwas wie Bourgeois’ Erkennungszeichen geworden sind. Allerdings hat die hier gezeigte Spinne dann doch etwas kleinere Ausmaße hat als die legendäre Arbeit Maman (1999) (übrigens wurde auch mit diesem Werk einst schon ein neuer Ausstellungsort eingeweiht— kein geringerer als die Turbinenhalle der Tate Modern).

Image 3 Hauser Wirth London Louise Bourgeois Untitled 2005  1024x716 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 3: Louise Bourgeois | UNTITLED | 2005 | Fabric | 30.4 x 42.5 cm © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Christopher Burke

Crouching Spider, die im Zentrum der Ausstellung steht, eignet sich ideal um Bourgeois’ Thematik zu verstehen. Spinnen symbolisieren für Bourgeois nicht nur die Kreativität der Kunst, sondern evozieren auch Gedanken an ihre Mutter. In einem ihrer Interviews verglich Bourgeois ihre Mutter Joséphine, die sie als ihre beste Freundin bezeichnete, mit einer Spinne. Joséphine, die so protektiv war wie eine, ihre Eier beschützende, Spinnenmutter. Noch eine andere Eigenschaft teilt sich Bourgeois Mutter mit Spinnen: Sie war Weberin.

Image 4 Hauser Wirth London Louise Bourgeois Fabric Works Installation  1024x682 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 4: Installation view |  ‘Louise Bourgeois: The Fabric Works’ | Hauser & Wirth London, Savile Row, 2010 © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Peter Mallet

Dies erschließt auch die Beziehung zu den Fabric Works—über siebzig zwischen 2002 und 2008 entstandene Zeichnungen—die um die Spinne herum an der Wand gruppiert sind. Beeinflusst sind diese Arbeiten nämlich durch Webereien, die für Bourgeois eine so große Bedeutung hatten.

Schon als Kind fertigte sie in der Restaurationswerkstatt ihrer Eltern Skizzen an, die zur Wiederherstellung historischer Teppiche dienten. Das Zusammennähen zerstörter Stoffe hatte für Bourgeois eine geradezu therapeutische Bedeutung. Das Nähen drückt den Versuch aus, Dinge zusammenzuhalten und wiederherzustellen. Bourgeois, die schon früh ihre Mutter verlor und von ihrem Vater abgelehnt wurde, versuchte so sich eine kohärente Identität zu konstruieren, mit der sie sich als Individuum auszeichnen kann. Das Medium der Kunst erlaubte ihr nicht nur sich in der Welt zurechtzufinden, sondern auch Verbindungen zu ihrer Umwelt zu erstellen, die sie als ablehnend empfand. Weben und Nähen als Prozesse des Flickens von bereits erstandenen Wunden.

Image 5 Hauser Wirth London Untitled 2005 1024x790 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 5:  Louise Bourgeois | UNTITLED | 2005 | Fabric | 60.9 x 78.7 cm © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Christopher Burke

Auf der Rückseite der Einladung zum Private View findet sich ein Zitat, in dem Bourgeois ihre Verletztheit charakterisiert:

‘I think we live more through the

intensity of our affects than through time or space;

we’re never really present in time or space,

since we can only be in one place at a time and only

live through an hour once; but with ourselves,
we always are.

I’ve trans-lived with Louise Bourgeois for

over 40 years. Every day carried its daily wound

and I ceaselessly carried those wounds

with no remission like a perforated hide,

beyond repair.’

(Louise Bourgeois, 1951)

Image 6 Opening 1024x768 Louise Bourgeois: The Fabric WorksBild 6: Einweihung bei Hauser&Wirth in der 23 Savile Row © Sarah Hegenbart

Da die erste Ausstellung in 23 Savile Row am Abend des Private View, den Hauser&Wirth geschickterweise auf den ersten Öffnungstag der Frieze gelegt haben, gnadenlos überfüllt war (kein Wunder bei dem Timing), macht es Sinn die von Germano Celant kuratierte Ausstellung noch einmal in Ruhe zu besuchen. Bis zum 18. Dezember ist noch Zeit dazu.

Hauser & Wirth London, Savile Row
23 Savile Row
London W1S 2ET
Gallery hours:
Tuesday to Saturday, 10 am – 6 pm

Bild 1: Louise Bourgeois |UNTITLED |2008 | Fabric and fabric collage | 94.6 x 60.9 x 5 cm © Louise Bourgeois Trust | Courtesy Hauser & Wirth | Photo: Christopher Burke

Toujours Être Ailleurs – Die Interventionen der Klara Lidén

Kategorie: London | October 20, 2010 | von

Über der Serpentine ist schon die Sonne untergegangen. Einzig und allein der Mond spiegelt sich im Wasser. Am Horizont zeichnen sich architektonische Formen ab. Manifestationen der Zivilisation, die mir ins Bewusstsein rufen, dass ich mich eigentlich mitten in London befinde. Menschenleer ist es im dunklen Hyde Park. Nur aus Jean Nouvels Sommer-Pavillon strömt noch etwas Licht und läßt den Garten der Serpentine Gallery rot aufleuchten. Aufgeweckt aus meiner existentialistischen Stimmung habe ich nun wieder einen Bezugspunkt. Aus dem Dunkel der Stadt trete ich ein in hell beleuchtete Galerieräume.

Image 1 Klara Liden  1024x678 Toujours Être Ailleurs – Die Interventionen der Klara LidénFoto: Klara Lidén
| Installation view Serpentine Gallery, London 
(7 October – 7 November 2010)
| Photograph: Gautier de Blonde

Ich inmitten der Stadt. Dies scheint auch ein Gefühl zu sein, das Klara Lidén bewegt. Mit ihren Interventionen in Städten wie Berlin, New York und Stockholm hinterlässt sie Zeichen des Menschen, der im Monströsen des Stadtraums verloren zu gehen scheint. Lidéns Arbeiten spiegeln das Unheimliche einer modernen Metropolis wider. Gleichzeitig eröffnen sie uns aber auch wie wunderschön die Kälte eines urbanen Stadtraums sein kann.

Image 2 Klara Liden Unheimlich Manöver  1024x701 Toujours Être Ailleurs – Die Interventionen der Klara Lidén Foto: Klara Lidén |
Unheimlich Manöver, 2007 (detail)
| Installation of everything in the artist’s apartment 
| Dimensions variable
| Photograph: Juan Luis Sánchez
| Image courtesy of Moderna Museet, Stockholm
© 2010 Klara Lidén

Lidéns Kunst ist aufs Wesentliche reduziert. Sie vollbringt es mit ihren Installationen wie Unheimlich Manöver, in dem sie ihr Leben in eine Galerie verfrachtet, Ordnungsstrukturen des Alltags zu schaffen. Durch ihre Neuordnung rebelliert sie gegen eine vorgegebene Ordnung durch Normen. In ihrem Video Der Mythos des Fortschritts (Moonwalks) läuft ein Mann rückwärts durch leere Räume. Seine beinahe tänzelnde Bewegung belebt die kalte Umgebung mit Poesie.

Image 3 Klare Liden Posters Installation View Serpentine Gallery 1024x681 Toujours Être Ailleurs – Die Interventionen der Klara Lidén Foto: Untitled (Poster Painting) Series | Klara Lidén
| Installation view Serpentine Gallery, London 
(7 October – 7 November 2010)
| Photograph: Gautier de Blonde

Im nördlichen Flügel bewegen sich die Besucher ganz langsam. Monochrome weiße Farbfelder evozieren hier die Erhabenheit einer Rothko Chapel. Allerdings gänzlich ohne die endlose Schwere, die Rothkos Gemälde beinhalten. Was der Besucher hier sieht sind überklebte Poster, die Lidén weiß übermalt hat und sie somit gänzlich von ihrem Inhalt bereinigt. Lidén setzt der modernen Reizüberflutung einen Minimalismus entgegen, der zur Konzentration auf das Wesentliche anregt.

Image 4 Klara Liden  1024x681 Toujours Être Ailleurs – Die Interventionen der Klara LidénFoto: Teenage Room | Klara Lidén
| Installation view Serpentine Gallery, London 
(7 October – 7 November 2010) |
Photograph: Gautier de Blonde

Die Installationen Lidéns, wie beispielsweise Teenage Room offenbaren uns eine gespenstische Leere bewusst. Ein bisschen wie eine Todeszelle wirkt dieser Raum, bei derem Betreten das Öffnen des Türrahmens eine Axt in Bewegung setzt. Drinnen ein Hochbett. Ganz ins schwarz gestrichen. Eine Ikea-Lampe beleuchtet dieses Szenario, das die Frage nach dem fehlenden Bewohner aufwirft.

Image 5 Klara Liden Always to Be Elsewhere 768x1024 Toujours Être Ailleurs – Die Interventionen der Klara Lidén

Foto: Klara Lidén
| Toujours Être Ailleurs (Always To Be Elsewhere), 2010
(detail) |
Mixed media
| Photograph: Arno Gisinger |
Image courtesy of Jeu de Paume, Paris
© 2010 Klara Lidén

Toujours Être Ailleurs. Der Titel dieser Arbeit verweist darauf, wie der Mensch nie zur Ruhe kommt. Im Chaos der Zivilisation braucht er Strukturen, die ihn irgendwo für eine Zeit ankommen lassen. Dies ist immer nur temporär. Das Ephemere des urbanen Raums, der sich ständig im Wandel befindet, erlaubt es niemandem mehr sich hier niederzulassen. Der Mensch ist immer ANDERSWO.

Klara Lidéns erste große Einzelausstellung —ein gemeinsames Projekt des Moderna Museet (Sweden) und der Serpentine Gallery— ist noch bis zum 7. November in London zu sehen.

Serpentine Gallery
Kensington Gardens
London W2 3XA

T: 020 7402 6075
F: 020 7402 4103

‘Raw’ – Summer Show at the Royal Academy of Arts

Kategorie: London | August 11, 2010 | von

Image 1 1024x768 ‘Raw’   Summer Show at the Royal Academy of Arts
‘Raw’. Das ist das diesjährige Thema der Summer Show an Londons Royal Academy of Arts. Das Besondere an dieser traditionsreichen Ausstellung, die in diesem Sommer bereits zum 242. Mal stattfindet, ist, dass ihr ein Wettbewerb vorangeht, der Künstlern offensteht zum jeweiligen Thema Arbeiten einzureichen. Um eine größtmögliche Resonanz zu erzielen, lässt das Thema wie ‘Raw’ Spielraum für unterschiedlichste Interpretationen. Dies führte zu über 11.000 Einreichungen in diesem Jahr, von denen 1.267 Arbeiten für die Sommerausstellung ausgewählt wurden.

Image 2 Fiona Rae I Wish to Fully Grow My Small Dream 857x1024 ‘Raw’   Summer Show at the Royal Academy of ArtsFoto : Fiona Rae RA | I Wish to Fully Grow My Small Dream, 2010 | Oil, acrylic and gouache | 152 x 127 cm | ©  Fiona Rae. Courtesy Timothy Taylor Gallery, London

Roh und unfertig, so wie es das Thema ‘Raw’ suggeriert, sind die Arbeiten jedoch keineswegs. Vielmehr beeindrucken sie durch ihre Ausdrucksstärke und Emotionalität. Die Rückkehr abstrakt expressionistischer Elemente in die zeitgenössische Kunst, die sich ja bereits auf der Art Basel angebahnt hat, manifestiert sich in Englands königlicher Sommerausstellung umso mehr. Arbeiten wie Fiona Raes ‘I wish to fully grow my small dream’ bereiten reinstes Sehvergnügen. Die Intensivität der abstrakten Malerei besteht darin, dass sie direkt an unsere Emotionen apelliert ohne dem Umweg über das Gegenständliche zu gehen. Callum Innes ‘Untitled No 39’, eine Abstraktion in Gelb und Weiß, hat eine so durchdringend Wirkung, dass wir – voller Konzentration auf das Bild – beinahe orientierungslos werden. Diese Intensivität, mit der die abstrakten Arbeiten uns ansprechen und berühren, passt zum Thema: ‘Raw’ bedeutet nämlich nicht nur ‘roh’, sondern auch ‘unverstellt’, ‘nicht verkleidet’, ‘intensiv’ und ‘stark’.

Image 3 Tal R Minus Yesterday Minus Tomorrow 1023x1024 ‘Raw’   Summer Show at the Royal Academy of ArtsFoto: Tal R | Minus Yesterday, Minus Tomorrow | Oil | 250 x 250 cm |Photograph: John Bodkin

Interessant ist auch, wie viele deutsche Kuenstler in der diesjährigen Summer Show vertreten sind. Mit ‘Einschüsse’, einer Arbeit von einem riesigen Format, dominiert Anselm Kiefer Raum VI (The Philip and Pauline Harris Gallery). Ein violettes Plexiglass-Folienbild repräsentiert den Berliner Künstler Anselm Reyle. Der immer mal wieder gerne bei CFA Berlin ausgestellte israelische Kuenstler TAL R ist mit ‘Minus Yesterday, Minus Tomorrow, sogar auf der Shortlist für den Wollaston Award platziert, mit dem die besten diesjährigen Einreichungen ausgezeichnet werden.

Besonders hervor sticht aber ‘Mittendrin’, ein Ölgemälde von Georg Baselitz. Es fasziniert nicht nur durch seine innovative Art der Komposition, sondern auch durch seine Farbwahl. Ein helles Blau setzt sich so intensiv von den anderen Farben ab, dass der Besucher sofort magisch von dieser Arbeit angezogen wird, obwohl sie weitaus unvorteilhafter gehängt wurde als Tracey Emin’s ‘But I Think I Love You’, beispielsweise, das für £125,000 zu erwerben ist.

Image 4 Small Weston Room 1024x658 ‘Raw’   Summer Show at the Royal Academy of ArtsFoto: Summer Exhibition 2010 | View of Small Weston Room | Photograph: John Bodkin

Der Small Weston Room ermöglicht einem schon mit einer geringeren Summe ein Mitglied der Londoner Kunstwelt zu werden. Ab £100 gibt es hier kleinere Arbeiten zu erstehen, mit denen man möglicherweise seine eigene Sammlung beginnen kann.

Image 5 Michael Craig Martin Kids 1024x585 ‘Raw’   Summer Show at the Royal Academy of ArtsFoto: Michael Craig-Martin CBE RA |Kids Screenprint | 48 x 82 cm |Photograph: John Bodkin

Neben den Einreichungen präsentiert die Summer Show aber auch Werke ihrer Mitglieder, der Academians and Honorary Academians, wozu in diesem Jahr Arbeiten von Antoni Tapies, Ed Ruscha, Michael Craig-Martin, Gillian Ayres und Tracey Emin gehören. Außerdem widmet sich eine Sektion den im vergangenen Jahr verstorbenen Academians Craigie Aitchison, Jim Cadbury-Brown, John Craxton, Barry Flanagan, Freddy Gore, Donald Hamilton Fraser, Flavia Irwin und Michael Kidner.

Image 6 David Mach Silver Streak 658x1024 ‘Raw’   Summer Show at the Royal Academy of ArtsFoto: David Mach RA |Silver Streak | Coat hangers | Photograph: John Bodkin

Die so hervorragend von Stephen Chambers und David Chipperfield koordinierte Ausstellung gehört zu einem der Ereignisse, die man während der Sommerzeit in London auf keinen Fall verpassen sollte.

Summer Exhibition 2010 – 14 June—22 August 2010
Royal Academy of Arts – Burlington House,
Piccadilly
London W1J 0BD

Montag – Sonntag: 10:oo – 18:00 Uhr
Freitag: 10:00 – 22:00 Uhr

Foto 1 > Skulpturen von Barry Flanagan im Hofe der Royal Academy of Arts © Sarah Hegenbart