„Wir müssen anderen Menschen Platz machen. Es ist ein Rad – man springt auf und fährt bis zum Ende, und dann hat jemand anders die Gelegenheit, bis zum Ende zu fahren, und wird seinerseits von einem anderen abgelöst. Es gibt nichts Neues unter der Sonne“, sprach die 83-jährige Vivian Maier 2009 kurz vor ihrem Tod auf ein Tonbandgerät. Die Entdeckung ihrer fotografischen Arbeiten erlebte sie nicht mehr.
Ohne die Anerkennung, die ihr als Fotografin gegolten hätte, ist sie bis zum Ende gefahren. Zwei Jahre vorher war der Stadthistoriker John Maloof bei einem Chicagoer Auktionshaus auf eine Schachtel Negative gestoßen – bis man herausgefunden hatte von wem sie stammen und wer diese Frau überhaupt ist, war sie verstorben. Bis heute weiß man von ihr kaum mehr, als ihren Namen, dass ihr Geburtsort New York war und dass sie in Chicago als Kindermädchen gearbeitet hatte. Die mehr als 100.000 Fotografien aus Chicago, New York und Frankreich aus den fünfziger bis neunziger Jahren, sind eine echte Sensation der modernen Straßenfotografie. Ihre Motive waren die Kinder, die sie hütete, die alltäglichen Begegnungen – die Wirklichkeit der Gassen. Ihr Gespür für Motive und Momente, die Besonderheit des Beiläufigen zeigt das Buch “Vivian Maier. Street Photographer”. (06) Weiterlesen »