Relevantes Spektakel – UDK Schau 10

von Emilia von Senger und Etterlin
Die Schau 10 der UDK ist in diesem Jahr umgezogen. Präsentiert wird nicht mehr länger am Bebelplatz, zwischen großen Namen wie Boss Black und Rena Lange, sondern im alten Fernmeldeamt in der Klosterstraße. Der Besucher schwitzt, aber der Mode und den Ideen dahinter steht der Tapetenwechsel.
Mehr Menschen passen nicht ins Fernmeldeamt. Über 800 Besucher sind gekommen, bereits sechs Stunden nach Beginn des Vorverkaufs sind die Karten ausverkauft. Der Andrang ist groß, die Erwartungen noch größer. Die Erwartungen der Studenten, der Diplomanden, Professoren, persönlichen Mentoren und Gäste sammeln sich und werden von den Eintrittskarten durch die träge Luft gefächert. Die gefühlten 45 Grad werden von den Gästen mit Würde ertragen. Man verspricht sich ein Modeereignis der anderen Art.
Foto > Mads Dinesen | © Johannes Mücke
Ein weißer Schwan, gekrümmt, den langen schlanken Hals nach vorne gestreckt, den Kopf leicht unter einen perfekt geschwungenen Flügel geschoben. Er thront auf dem Kopf eines Models mit dunkler Hautund weißen Zeichnungen im Gesicht. Der Anblick ist auf eine gespenstische Art wundervoll ästhetisch. Fast monumental wirkt die Zusammenstellung von Schwan, Kleidung und Träger. Die Besucher sind begeistert, klatschen mit Energie, die angesichts der Hitze aus tiefsten Emotionen zu entspringen scheint. Mads Dinesen, einer von neun Diplomanden, präsentiert seine ganze Kollektion mit unkonventionellen Models: Sie haben einen Buckel, dunkelste Augenringe oder sind beinahe kleinwüchsig. „Pain is felt by all“ ist der Titel seiner Kollektion, die sich auf abstrakte Weise mit der dänischen Kolonialgeschichte auseinandersetzt.
Foto > Mads Dinesen | © Johannes Mücke
„Ich finde umso mehr man sich mit der Kleidung auseinandersetzt und unter die Oberfläche guckt, je mehr man arbeitet und hinterfragt, desto mehr bekommt Mode eine andere Relevanz“ sagt Dinesen im nterview im Programmheft. Dieser Prozess, das Hinterfragen von Kleidung, wird allen Beobachtern der Schau 10 deutlich. Die Modestrecken erzählen Geschichten, sind aus der Auseinandersetzung mit bestimmten Ideen, Idealen oder Kontroversen entstanden.
Die Abschlusskollektion „Graduation“ von Janosch Mallwitz fällt zunächst durch schwere Lederstiefel in unterschiedlichen Größen auf. Kleidung als Werkzeug zur Selbstfindung in Phasen des Abschlusses ist der inhaltliche Mittelpunkt seiner Designs. Die Schichten sich auflösender Jugendkultur werden durch zahllose Reisverschlüsse, die Schritt für Schritt tiefer Liegendes offenbaren, verdeutlicht.
Foto > Projekt “Real Fake” | © Johannes Mücke
In den Arbeiten der Diplomanden kann man den Findungsprozess persönlicher Ausdruckskraft, Kreativität, wieder erkennen. Ein Prozess, der seit den ersten Tagen des Studiums von den Professoren unterstützt und gefördert wird. Bestimmte Aufgabenstellungen animieren die Studenten, sich mit ihren Werten auseinanderzusetzen und ihre Grenzen kennen zu lernen. Im Projekt „Real Fake“ des Hauptstudiums sollten die Studenten sich für eine Position für oder gegen Pelz entscheiden – indem sie in ihren Arbeiten echten oder falschen Pelz verwenden. Ein Model trägt einen Hut aus Eisbärkuscheltieren, ein anderes trägt ein prachtvolles Fell. Die Besucher der Schau werden durch diese Gegensätze auf dem Laufsteg zu ihrer eigenen Position befragt – was bedeutet Mode für mich?








