Relevantes Spektakel – UDK Schau 10

Kategorie: Mode | July 11, 2010 | von Sounds like NEWS

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von Emilia von Senger und Etterlin

Die Schau 10 der UDK ist in diesem Jahr umgezogen. Präsentiert wird nicht mehr länger am Bebelplatz, zwischen großen Namen wie Boss Black und Rena Lange, sondern im alten Fernmeldeamt in der Klosterstraße. Der Besucher schwitzt, aber der Mode und den Ideen dahinter steht der Tapetenwechsel.

Mehr Menschen passen nicht ins Fernmeldeamt. Über 800 Besucher sind gekommen, bereits sechs Stunden nach Beginn des Vorverkaufs sind die Karten ausverkauft. Der Andrang ist groß, die Erwartungen noch größer. Die Erwartungen der Studenten, der Diplomanden, Professoren, persönlichen Mentoren und Gäste sammeln sich und werden von den Eintrittskarten durch die träge Luft gefächert. Die gefühlten 45 Grad werden von den Gästen mit Würde ertragen. Man verspricht sich ein Modeereignis der anderen Art.

mads dinesen 1Foto > Mads Dinesen | © Johannes Mücke

Ein weißer Schwan, gekrümmt, den langen schlanken Hals nach vorne gestreckt, den Kopf leicht unter einen perfekt geschwungenen Flügel geschoben. Er thront auf dem Kopf eines Models mit dunkler Hautund weißen Zeichnungen im Gesicht. Der Anblick ist auf eine gespenstische Art wundervoll ästhetisch. Fast monumental wirkt die Zusammenstellung von Schwan, Kleidung und Träger. Die Besucher sind begeistert, klatschen mit Energie, die angesichts der Hitze aus tiefsten Emotionen zu entspringen scheint. Mads Dinesen, einer von neun Diplomanden, präsentiert seine ganze Kollektion mit unkonventionellen Models: Sie haben einen Buckel, dunkelste Augenringe oder sind beinahe kleinwüchsig. „Pain is felt by all“ ist der Titel seiner Kollektion, die sich auf abstrakte Weise mit der dänischen Kolonialgeschichte auseinandersetzt.

mads dinesen 2Foto > Mads Dinesen | © Johannes Mücke

„Ich finde umso mehr man sich mit der Kleidung auseinandersetzt und unter die Oberfläche guckt, je mehr man arbeitet und hinterfragt, desto mehr bekommt Mode eine andere Relevanz“ sagt Dinesen im nterview im Programmheft. Dieser Prozess, das Hinterfragen von Kleidung, wird allen Beobachtern der Schau 10 deutlich. Die Modestrecken erzählen Geschichten, sind aus der Auseinandersetzung mit bestimmten Ideen, Idealen oder Kontroversen entstanden.

Die Abschlusskollektion „Graduation“ von Janosch Mallwitz fällt zunächst durch schwere Lederstiefel in unterschiedlichen Größen auf. Kleidung als Werkzeug zur Selbstfindung in Phasen des Abschlusses ist der inhaltliche Mittelpunkt seiner Designs. Die Schichten sich auflösender Jugendkultur werden durch zahllose Reisverschlüsse, die Schritt für Schritt tiefer Liegendes offenbaren, verdeutlicht.

real fake 576x1024 Relevantes Spektakel   UDK Schau 10Foto > Projekt “Real Fake” | © Johannes Mücke

In den Arbeiten der Diplomanden kann man den Findungsprozess persönlicher Ausdruckskraft, Kreativität, wieder erkennen. Ein Prozess, der seit den ersten Tagen des Studiums von den Professoren unterstützt und gefördert wird. Bestimmte Aufgabenstellungen animieren die Studenten, sich mit ihren Werten auseinanderzusetzen und ihre Grenzen kennen zu lernen. Im Projekt „Real Fake“ des Hauptstudiums sollten die Studenten sich für eine Position für oder gegen Pelz entscheiden – indem sie in ihren Arbeiten echten oder falschen Pelz verwenden. Ein Model trägt einen Hut aus Eisbärkuscheltieren, ein anderes trägt ein prachtvolles Fell. Die Besucher der Schau werden durch diese Gegensätze auf dem Laufsteg zu ihrer eigenen Position befragt – was bedeutet Mode für mich?

www.udk-berlin.de

real fake2 576x1024 Relevantes Spektakel   UDK Schau 10Foto > Projekt “Real Fake” | © Johannes Mücke

Fashion Week Berlin – Talente + Sieger

Kategorie: Mode | July 10, 2010 | von Nina Trippel

An einem mangelt es Berlin nicht – und das sind Modestudenten. Vom Lette-Verein, über die AMD (Akademie Mode und Design) (AMD) bis ESMOD, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), KH Weißensee und Universität der Künste (UdK), ist das Portfolio an Ausbildungsstätten in der deutschen Hauptstadt vielfältig. Und andersherum können sich die Studenten inzwischen nicht, wie noch vor einigen Jahren, über mangelnde Förderung, Wettbewerbe und Aufmerksamkeit beschweren. Die meisten Wettbewerbe sind nicht Berlin-spezifisch, aber fast alle finden in Berlin statt. Und es werden mehr. Neu ist etwa der „German Fashion Film Award, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, daneben gibt es noch den Create Europe Award vom Goethe-Institut, den „Premium Young Designers Award“ der gleichnamigen Messe, den „Designer for Tomorrow (by Peek & Cloppenburg)“ Wettbewerb im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin. Und neuerdings dürfen sich die Mode-Studenten auch über das Engagement der Stadt Berlin freuen, den nun gibt es on top noch den „Start Your Own Fashion Business Wettbewerb und der wurde gestern Abend ausgelobt.

 Fashion Week Berlin   Talente + Sieger

Aus über 100 Teilnehmern wurden fünf viel versprechende Designer ausgewählt, eine Auswahl ihrer S/S 2011 Kollektion auf dem Laufsteg vor Publikum und Jury zu präsentieren; die Jury war mit Christiane Arp, Chefredakteurin der Vogue Deutschland, Melissa Drier von Womenswear Daily und Anita Tillmann (Premium) anspruchsvoll besetzt.

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Den Auftakt machte das Duo Perret Schaad, das auf dem Berliner Modeparkett kein Unbekanntes ist – die beiden Ex-Studentinnen der KH Weißensee waren auch schon beim Create Europe Award in der Endrunde und lieferten ihr Runway-Debüt letzte Saison im Mercedes-Benz-Zelt. Von der Presse schon als „Jil Sanders Töchter“ betitelt, sind Perret Schaad mit ihrer Mode kommerziell genug, um tatsächlich Erfolg im Mode-Business zu haben und gut genug es zu verdienen. Der minimalistisch-elegante, auf Schnitt und Silhouette konzentrierte, Look der beiden zeigt eine klare Handschrift – und mehr als verdient wurden Johanna Perret und Tutia Schaad der 2. Platz, und damit auch ein Preisgeld von 15.000 Euro, und ein Betreuungs-Package, das Public Relations-Leistungen im Wert von 5.000 Euro, ein Coaching, sowie die Teilnahme an künftigen Gemeinschaftspräsentationen Berliner Modedesigner im Rahmen der Berlin Fashion Week, beinhaltet, zugesprochen.

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Nicht nur in Sachen Runway-Reihenfolge, sondern auch auf dem Siegertreppchen direkt dahinter, durfte sich Vladimir Karaleev einreihen. Mit seinen drapierten, organischen Formen hatte der aus Bulgarien stammende Designer und Student der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) die Jury überzeugt – er bekam den 3. Platz zugesprochen und damit immerhin noch 10.000 Euro sowie ebenfalls das Betreuungspaket.

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Zwischen einer insgesamt recht homogenen Auswahl der Finalisten wirkte die Mode von Sasa Kovacevic und seinem Label Sadak recht exzentrisch: Der Serbe, der ebenfalls an der Kunsthochschule Weißensee studiert hat, zeigte drapierte, exzentrisch-zackige Oberteile und weite Hosen, abgerundet mit goldenen Löwendrucken und Zick-Zack-Streifen und schien klar machen zu wollen, dass auch Männermode mutig gedacht werden kann.

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Im Anschluss zeigte einmal mehr ein Duo bestehend aus zwei Frauen, und einmal mehr Studenten der Kunsthochschule Weißensee, Mode: Chantal Margiotta und Klara Plaskova alias Margiotta Plaskova hatten in Sachen Materialien, die spannendste Kollektion erarbeitet. Die beiden hatten sich mit Kork beschäftig und diesen als hauchdünnes Material mit Textilien kombiniert. Im Gesamterscheinungsbild verdiente auch dieser Beitrag den Stempel: schlicht, schön, tragbar.

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Den Schlusspunkt setzte Michael Sontag, der seine von Robert Musils Stück „Die Schwärmer“ inspirierte Kollektion zeigte – und die Jury damit vollends überzeugte. Er darf sich über 25.000 Euro und das Betreuungs-Package freuen. Sontag, der bereits mit Presse-Veröffentlichungen in Magazinen wie der Vogue Italia oder der New York Times aufwarten kann, zeigte insgesamt eine feminin-elegante Kollektion und Potential sich erfolgreich etablieren zu können. Der eigentliche Sieger des Abends hieß aber Kunsthochschule Weißensee, denn auch der Sonderpreis der Jury ging an die KH: das dritte Frauen-Duo im Bunde, Schmidttakahashi, arbeitet konzeptionell mit recycelten Kleidungsstücken, die es in neue Stücke umwandelt.

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Wer in diesem Wettbewerb Teilnehmer der Universität der Künste vermisste, der konnte sich einige Stunden später wieder am gleichen Ort einfinden. Von Ergebnissen aus dem Grundstudium bis zu Diplom-Kollektionen, brachte die Show das gesammelte Werk der Mode-Abteilung der UdK auf den Laufsteg. Für die Zuschauer gab es einiges an gewagten Entwürfen zu sehen –  an mangelnder Kreativität und Experimentierfreude scheint es den Studenten jedenfalls nicht zu fehlen.

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Von den Absolventen hatte allerdings nur einer, Mads Dinesen, den Mut die geradlinige Inszenierung der Show zu durchbrechen. Der Diplomand zeigte seine schwarz-weiße Kollektion, die von Stammeskriegern und nordischer Mystik inspiriert zu sein schien, zu sphärischen Klängen an normalen Menschen unterschiedlichster Herkunft, Statur und Alter.

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Alles in allem bleibt nur zu sagen: Berlin und Nachwuchs-Modemacher – da geht was. Bleibt nur die Frage, wer demnächst auf welches Treppchen steigen darf.

Eröffnungssport – Kunst und/oder/nicht Mode

Kategorie: Mode | July 09, 2010 | von Marcus Woeller

Nur Fashion diese Woche in Berlin? Fast. Drei Positionen zeigen, wie man sich als Künstler oder Künstlerin zu Mode verhalten kann. Entweder man ist ihr aktiver Teil, setzt sich eigenständig mit ihr auseinander oder hat mit ihr so gar nichts (noch nicht mal) am Hut.

Miles Aldridge, "Dance Study #1", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Dance Study #1", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Kristen. As seen by Miles Aldridge and Chantal Joffe", 2010, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Kristen. As seen by Miles Aldridge and Chantal Joffe", 2010, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Homeworks #3", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge, "Homeworks #3", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge bringt auf den Punkt, was die Gegner von Kleidung, die mehr als wärmt, in diesen Tagen auf die Palme bringt. Dick aufgetragenes Make-up, Models wie vom anderen Stern, grellste Farben, überreizte Posen, ausgereizter Photoshop – die hysterische Zelebrierung des Artifiziellen. Mehr Drama geht kaum. Doch der Kunsthochschulabsolvent und Sohn des britischen Illustrators Alan Aldridge, der schon für die Beatles Plattenhüllen entwarf, bewegt sich auf derselben Schwelle, die Modedesigner antreibt, Kollektionen zu entwerfen, die sich nicht mit schnöder Tragbarkeit begnügen. Kunst ist das Ziel, der Körper das Vehikel. Nach Nick Knights mäßigem Beitrag für die letzte Berlin Fashion Week, hat der schwäbische Großsponsor nun Aldridge verpflichtet, der gerade laufenden Sommerausgabe ein Gesicht zu geben. Es ist das von Milla Jovovich. Die selbsternannte Plattform für Bildwelten Contributed zeigt nun die erste Einzelausstellung von Miles Aldridge in Deutschland.

Miles Aldridge, „13 Women“, Contributed Studio for the Arts, Strausberger Platz 16, 10243 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 9. Juli 2010, 15.30 Uhr

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

(c) Gabi Schillig

Mode und Architektur. Das scheint für manche Modekritiker fast das gleiche zu sein. Da wird Kleidung architektonisch aufgebaut, plastische Formen, Schichtungen, Strukturen ergeben skulpturale Silhouetten. Architekturkritiker dagegen werden Mode kaum als Architektur in Bewegung verstehen. Aspekte beider Disziplinen treffen sich in der bildenden Kunst. Etwa bei Gabi Schillig. Sie entwirft räumliche textile Objekte, die als Kleidungsstücke tragbar sind, den Trägern aber unmittelbar eine Performance abverlangen. Das wirft den Blick zurück auf Mode, die vom Konsumenten nicht nur übergestreift werden muss, sondern im Tragen mit einer sozialen Funktion aufgeladen werden kann. Schillig stellt in der Architekturgalerie Aedes ihre „body architecture“ vor – als Interaktion zwischen Körper, Zeit und Raum. Die japanische Tänzerin Yui Kawaguchi wird in Live-Performances herausarbeiten, ob es hier eher um die gebaute Form geht oder sogar um Mode.

Gabi Schillig, „Public Receptors“, Aedes Am Pfefferberg, Christinenstraße 18-19, 10119 Berlin-Prenzlauer Berg. Eröffnung & Performance: 9. Juli 2010, 18.30 Uhr

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann gehört wie Eva Hesse, Hannah Wilke oder Birgit Jürgenssen zu den Künstlerinnen, deren früher Tod einen wirklichen Erfolg zu Lebzeiten verhindert oder gehemmt hat, die aber umso nachdrücklicher die Kunst ihrer Zeit und ihre Nachfolger beeinflusst haben und deren eigenständiger Weg bis heute nachwirkt. Die Galerie von Barbara Thumm, die auch den Nachlass Oppermanns verwaltet, zeigt nun eines der überwältigenden „Ensembles“ von Anna Oppermann, die 1993 gestorben ist: „Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)“ von 1969 – 1985. Was so chaotisch aussieht, folgt tatsächlich einer strukturierten Logik und einem individuellen System, das Methode hat. Zeichnungen, Fotos und Erinnerungsschnipsel ordnete Oppermann zu dreidimensional die Ecke zwischen Wand und Boden oder ganze Zimmer füllenden Installationen an, die wiederum fotografiert und gezeichnet in Zeit und Raum weiterwachsen. Nach der großen Retrospektive 2007 in Stuttgart und Wien geht die Wiederentdeckung der Künstlerin nun in Berlin weiter.

Anna Oppermann, Galerie Barbara Thumm, Markgrafenstraße 68, 10969 Berlin-Kreuzberg. Eröffnung: Freitag, 9. Juli 2010, 19 – 21 Uhr

Fashion Week Berlin – Calvin, Kallam, Kruger

Kategorie: Mode | July 08, 2010 | von Nina Trippel

The World. Kein schlechter Titel – vor allem für ein Event im Rahmen der Fashion Week Berlin, die bekanntermaßen das Catwalk-Mekka der Zweitlinien ist: Vivienne Westwood zeigte hier ihre Anglomania Kollektion – damals noch im Zelt am Brandenburger Tor, Strenesse hat nur die Blue-Line als Berlin-tauglich erklärt und Joop! präsentiert gerne die Jeans-Kollektion(ist dieses Mal allerdings überhaupt nicht präsent). Hugo Boss wechselt zwischen den Unterlinien Orange und Black hin und her, aber immerhin ist dieses Mal Rena Lange Teil des Mercedes-Benz Fashion Week Kalenders.

 Fashion Week Berlin   Calvin, Kallam, Kruger

Die hatte Kostas Murkudis „bestellt“ – in einem Interview mit der Zeitung Die Morgenpost hatte Murkudis im Jahr 2008 das mangelnde Interesse der großen, etablierten, deutschen Labels, wie unter anderem Rena Lange beklagt…aber zurück zu „The World“, eine Ausstellung/Installation der Modemarke Calvin Klein, gestern Abend in Berlin. In großzügigen, kahlen Räumlichkeiten, die mit weißen Objekten des Architekts J. Mayer H. bestückt waren, hatte der US-Konzern zur Rundumschau geladen. Präsentiert wurden Teile der neuen S/S 2011 Kollektion der verschiedenen Unter-Marken, inklusive Accessoires wie flachgelegten Sonnenbrillen oder höhergelegten Schuhen. Während die ersten zwei Räume noch als Showroom-slash-Ausstellung in einem durchgingen, war der Rundgang durch die folgenden Räume ein reines Model-Gelage frei nach dem Motto „mehr ist mehr“.

 Fashion Week Berlin   Calvin, Kallam, Kruger Fashion Week Berlin   Calvin, Kallam, Kruger

Gruppiert, arrangiert, aneinander gelehnt – jede Station, jedes einzelne weiße Mayer’sche Konstrukt war eine modische Insel. Rundherum durfte das Fachpublikum flanieren und zu Himbeer-Cocktails und Orangenwasser Mode und Models in Augenschein nehmen. Ab und an konnte auch eine VIP gesichtet werden: Twilight-Star Kellam Lutz etwa. Der verursachte am Eingang diverse Herzensbrüche bei verzweifelten Mädchen, während Diane Kruger und Zoe Saldana eher die Fotografen beschäftigten.

Auch die deutschen Modemacher Dirk Schönberger und Wolfgang Joop schauten vorbei – Zeit haben sie schließlich, denn Wolfgang Joop zeigt seine Mode in Paris und Dirk Schönbergers neuer Job als Kreativ-Chef der adidas Style Divison wurde schließlich erst vor wenigen Wochen bekannt gegeben. Die deutschen Designer waren vielleicht einfach zum Plausch unter Kollegen vorbeigekommen, die kreativen Köpfe etwa der Prestige-Linien Calvin Klein Collection für Männer und Frauen, Italo Zuchelli und Francisco Costa, sowie Kevin Carrigan (CK und Calvin Klein-Linie) waren schließlich auch extra nach Berlin gereist.

 Fashion Week Berlin   Calvin, Kallam, Kruger
Es war das erste Mal, dass das US-Label „seine Welt“ in Deutschland und Europa in dieser Art und Weise präsentierte. Und war damit am ersten Tag gleich das Highlight der gesamten Modewoche. Da könnte man doch sagen: Danke, Amerika. Ihr habt Berlin mal wieder einmal gerettet, wenn auch nur für einen Abend und in Sachen Fashion Week Programm. Aber modisch gesehen könnte auch der kommende Sommer ganz im Zeichen USA stehen, denn es gab da ein paar Teile der Kollektion, die Potential haben jede Garderobe aufzuhübschen; die aktuellen Klein’schen Designer haben den Geist der Marke verinnerlicht und wissen ihn angenehm-zurückhaltend ins Jetzt zu transportieren. Nicely done guys.

FACEHUNTER im Interview – Vom Blog zum Buch

Kategorie: Mode | March 18, 2010 | von Nina Trippel

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Er ist Blogger, der fotografiert. Oder Fotograf, der seine Bilder ins Netz stellt – aber Begrifflichkeiten und Berufsdefinitionen sind ihm ziemlich egal. Gestern Abend war er jedenfalls vor allem Buchautor und Star: Yvan Rodic. Der Schweizer (aus dem französischen Teil der Schweiz), der seine berufliche Laufbahn als Werbetexter begann und inzwischen einen der bekanntesten Streetstyle-Blogs unter dem Titel FACEHUNTER betreibt, seine Fotos zudem in Magazinen wie der französischen Elle oder der japanischen Ausgabe des Magazins Tokion veröffentlicht, war gestern Abend in Berlin, um sein gerade erschienenes Buch persönlich vorzustellen. Dafür hatte der Verlag ein kleines Ladenlokal in Mitte angemietet und eine Wand mit einigen seiner Bilder von jungen Menschen in aparten Outfits bestückt. Ganz unprätentiös: Kleinformatig, matt gedruckt und direkt an die Wand geklebt. Nur zwei Fotos wurden als Großformate in dem vorderen Bereich des Raumes platziert – neben das DJ-Pult und in den Schein des Kronleuchters. Aber es ging ja schließlich um das Buch.

http://www.vimeo.com/10252536

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Palina im Glueck | Fashion Week Roadshow

Kategorie: Mode | March 18, 2010 | von Sounds like NEWS

Dass Karl Lagerfeld a.k.a Karl der Große sich die Musik für seine Defilees luxuriös zusammen komponieren lässt und dabei Schätze wie Something à la Mode entdeckt, beweist die Marschrichtung der Mode: Neben den Entwürfen selbst ist wenig wichtiger als der richtige Beat, zu dem Schönheiten über den Laufsteg flanieren. Dass also Labels wie Armani, Boss Orange oder Tommy Hilfiger zur Kollektionspräsentation während der gestrigen Mercedes Benz Fashion Week Roadshow ebenfalls nicht ohne auskamen, war fast schon zu erwarten, dass man sich die Musik in der Nokia Music Lounge allerdings auch noch mit nach Hause nehmen konnte, war hingegen ein wahrer Glücksfall.

http://www.vimeo.com/10350813

Für Sounds-Like-Me besuchte DJane und MTV-Moderatorin Palina Power Nokia Music Lounge  in der Tauentzien Strasse in Berlin, drehte am Glücksrad, schaute sich die Fashion Shows an und nahm sich zu guter Letzt ihre musikalischen Favoriten mit nach Hause. Palina ist begeistert.

NY Fashion Week – Jeremy Scott in Irony World

Kategorie: Mode | February 19, 2010 | von Nina Trippel

He loves to entertain us – die Rede ist von Mr. Scott, Vorname Jeremy und seines Zeichens US-amerikanischer Modedesigner. Gestern Mittag lud der Designer, der ursprünglich aus Kansas City stammt, in Brooklyn studiert hat und inzwischen in Los Angeles ansässig ist, zur Präsentation seiner neuen Herbst/Winter-Kollektion.

 NY Fashion Week   Jeremy Scott in Irony World

Trotz unspektakulärer Uhrzeit um die Mittagszeit fanden sich dazu wie erwartet einige Stars und Sternchen ein: Kelly Osbourne im engen Apricotfarbenen war in der ersten Reihe zu sehen, etwas weiter daneben Model-Muse-Schauspielerin Irina Lazareanu, nebst Dazed&Confused-Chef-Redakteur Jefferson Hack. Am meisten Aufmerksamkeit zog jedoch Musikerin Santigold im türkisfarbenen Polka-Dot-Pullover auf sich – das schien Michael Stipe mit blauer Wollmütze auf dem Kopf, der in der gleichen Reihe saß, nur Recht zu sein. Weiterlesen »

NY Fashion Week – ThreeAsFour in Wonderland

Kategorie: Mode | February 18, 2010 | von Nina Trippel

Drei mal Vier macht Sieben. Bei der gestrigen Show des Modelabels ThreeAsFour im Rahmen der New York Fashion Week ging es um die sieben Metalle aus der Lehre der Alchemie. Das Kollektiv hinter dem die Designer Adi Gil, Angela Donhauser und Gabriel Asfour stecken, hatte sich für seine neue Kollektion mit dem Zweig der Naturphilosophie beschäftigt, dessen Ziel es im 17. und 18. Jahrhundert unter Anderem war, auf künstlichem Wege Gold herzustellen.

CIMG4049 1024x768 NY Fashion Week   ThreeAsFour in Wonderland

Die Entwürfe der kleinen aber komplexen Kollektion waren daher alle den sieben Metallen Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Blei, Quecksilber und Eisen zugeordnet. Zu sphärischen Klängen und über den Boden schießenden, grünen Laserstrahlen begann die Show und alle Models schritten hintereinander bis in die Mitte des ebenerdigen Laufstegs und stellten sich dort kreisförmig und mit dem Rücken zum Publikum um ein metallisch-glänzendes Boden-Tattoo in Sternform auf. Jedes Model lief dann einzeln vor dem Publikum entlang und reihte sich schließlich wieder in den Kreis ein. Dieses Mal frontal zum Publikum. Weiterlesen »

NY Fashion Week – Yamamoto in Love

Kategorie: Mode | February 15, 2010 | von Nina Trippel

Y 3 4 NY Fashion Week   Yamamoto in Love// Foto > Y-3 – A/W 2010-11 / Getty Images for Y-3 //

Während in Großbritannien noch Schockstarre nach dem Tod von Alexander McQueen herrscht, ist in New York die Modewoche bereits in vollem Gange. Gestern Nachmittag gab es in Manhattans Park Avenue “Yamamoto in Love” zu sehen. Die Sport-und Lifestyle-Marke adidas lud zur Präsentation der Unterlinie Y-3, die von dem japanischen Designer entworfen wird und einst die erste Kooperation zwischen Sportmode und einem Avantgarde-Designer war.

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// Foto links > Jeremy Scott & Alison Brie, rechts > Yohji Yamamoto / Getty Images for Y-3 //

In dem historischen Gebäude namens Armory Hall, die gerne als alternative Location zur Zeltstadt genutzt wird, und in der Vergangenheit unter anderem bereits von Marc Jacobs bespielt wurde, drängelte sich die Modewelt zwischen gusseisernen Lampen und Ölgemälden in der Empfangshalle, bevor es in die riesigen Halle ging, die mit einer schlichten, steilen Tribüne und breiten Laufsteg aus alten Holzplanken mit abblätternder grüner Farbe bestückt war. Während die meisten Gäste ihre Plätze einnahmen, sonnten Andere sich im Blitzlichtgewitter: Ellen von Unwerth war in der Front Row zu sehen – neben der Fotografin durfte die dreizehnjährige Bloggerin Tavi Platz nehmen. Designer Jeremy Scott, der ebenfalls als Designer für adidas tätig ist, war auch zu Gast – der in L.A. ansässige Designer präsentiert die Show seiner eigenen Linie am Dienstag Abend.

Y 3 2 NY Fashion Week   Yamamoto in Love// Foto > Y-3 – A/W 2010-11 / Getty Images for Y-3 //

Zu Beginn der Y-3-Show herrschte einen Moment Stille in im abgedunkelten Raum, bevor schließlich ein breiter und zwei schmale zeitliche Lichtstrahlen den Catwalk beleuchteten und die ersten Modelle zu Gitarrenmusik auf den Laufsteg traten. Und das vorwiegend in dunklen Nuancen: Grau, Anthrazit, Schwarz und sowie Blautöne dominierten. Einzig die Schuhe – Sneaker, sowie Sneaker-High-Heels bei Damen, kamen in leuchtenden Nuancen wie Orange, Weiß, Blau, Magenta oder Silber verspiegelt daher. Der Look der gesamten Kollektion war Y-3-typisch: Sportiv-lässig und unaufdringlich elegant und eine Mischung aus klassischen Bekleidungselementen in Kombination mit Yamamoto-typischen, weiten und drapierten Schnitten.

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Y 3 1 NY Fashion Week   Yamamoto in Love// Foto > Y-3 – A/W 2010-11 / Getty Images for Y-3 //

In Fragen der Inszenierung hatte man sich bei Y-3 eine umfassende Choreographie ausgedacht: Der erste Teil der Show wurde durch eine eine Sequenz einer bis zum Ende des Laufstegs rennenden Gruppe von Models beendet, bevor es schließlich besinnlich und elegant zu Simon&Garfunkels “Sound of Silence” weiter ging – etwa mit einem schlichten Outfit aus weißem Hemd mit hellgrauen Chinos. Auch der Song „50 Ways to Leave Your Lover“ tönte aus den Lautsprecher-Boxen…das Thema Liebe schien allgegenwärig. Gegen Ende der Show gab es neben dem Defilee auch noch einen Auftritt des Meisters selbst: Yamamoto schritt beschwingt im dunklen Anzug auf den Laufsteg, lupfte seinen Hut um sich für den Applaus zu bedanken, schritt dann aber nicht etwa wieder ab, sondern in einen Kreis aus Laserstrahlen und begann dort gegen ein männliches Model in asiatischer Kampfkunst-Manier anzutreten. Das Model musste sich geschlagen geben und sank darnieder, während der Designer sich nun nun in Slapstick-Manier mit einem weiblichen Model anlegte, woraufhin er selbst zu Boden ging – sich dann aber dennoch beschwingt und veschmizt und auf beiden Beinen wieder vom Catwalk verabschiedete und die Y-3-Show mit dem Simon&Garfunkel-Stück, “Mrs. Robinson“ ausklingen ließ.

Y 3 61 NY Fashion Week   Yamamoto in Love// Foto > Y-3 – A/W 2010-11 / Getty Images for Y-3 //

Das Fazit? Die Y-3-Show am Valentinstag war vielleicht ein wenig wie eine Liebesbeziehung: Es kann nicht nur Romantik geben – zu jeder Liebe gehört auch immer ein wenig Kampf – am Ende aber herrschte im ehemaligen Zeughaus Waffenruhe und Einigkeit: Yamamoto und adidas sind nach wie vor ein harmonisches Paar und werden wohl noch ein Paar Kollektionen zusammenbleiben. Und auch das Publikum und der Japaner schienen sich gegenseitig innig zu lieben…Wenn das kein perfekter Valentinstag zur New Yorker Fashion Week war…

http://www.vimeo.com/9472048

NEW COUTURE

Kategorie: Mode | January 29, 2010 | von Miriam Rauh

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In Berlin tut sich was. Die Stadt wird glamourös. Gab es noch in den 90er Jahren oft nicht mal einzige Frau im Club, die Lippenstift trug, reichen sich im  Jahr 2010 die sorgfältig zurechtgemachten Schönen die Klinke in die Hand. Und sogar vor den sonst gerade in Berlin so stilberatungsresistenten Herren macht diese Entwicklung nicht halt: Sie sehen aus wie moderne Großstadtdandys, mögen Anzüge und Fliegen, tragen Hüte, Reiterstiefel und Gamaschen und sehen damit so hinreißend aus, dass man sich immer wieder selbst gratuliert, nicht schon längst aus ungeduldiger Verzweiflung das Handtuch geschmissen und in eine der garantiert geschmackssicheren, aber eben doch auch langweiligeren Großstädte gezogen zu sein.

Die aktuellen Kollektionen in Berlin lebender Nachwuchsdesigner spiegeln den neuen Trend zum kleidsamen Kleidungsstück wieder. Endlich! Denn es ist höchste Zeit, dem internationalen Publikum etwas anderes anzubieten, als die immergleiche, brav reduzierte New-Media-Großraum-Büro-Wear, oder die ewigen, mit grobem Stich zusammengebastelten Beinkleider aus Hanf oder bedrucktem Cotton. Weiterlesen »