Items Of The Week – Gemustert

Kategorie: München | April 24, 2010 | von Sounds like NEWS

Homer ruft im zweiten Buch der Ilias mit feinem Enthusiasmus aus: „Lasst mich masturbieren – oder sterben.“ Mark Twain rezitiert dieses erfundene Zitat in seinem Vortrag „Einige Überlegungen zur Kunst der Onanie“ im Jahre 1879 im eleganten Stomach Club in Paris und drehte damit wohl so manchem eleganten Herrn tatsächlich den Magen um.

Die Zeit (Nr. 16) druckte diese parodistischen Frechheiten nun das erste Mal vollständig in deutscher Übersetzung ab und lieferte so zum 100. Todestag des Romanciers Twain skandalträchtige Horizonterweiterungen, mit denen auch in dem vom Aufbau Verlag neu herausgegebenen Briefband „Sommerwogen – Eine Liebe in Briefen“ (06) gerechnet werden darf. Ganz sicher nicht mustergültig für das mit dem Biedermann kämpfende 19. Jahrhundert und trotzdem in seiner Quertreiberei Symbol eines der grundsätzlichsten Attribute des Musters als graphische Struktur – dem organisierten Chaos.

Ist Neo Rauch für die einen Musterschüler, sehen die anderen in ihm die personifizierte Rückwärtsgewandtheit. Die Kritik streitet sich über den künstlerischen Wert des finanziell erfolgreichsten lebenden deutschen Künstlers – wer sich selbst ein Bild machen möchte, reise noch bis zum 15.08.10 zu seiner Show „Begleiter“ (07) entweder ins Museum der bildenden Künste Leipzig oder die Pinakothek der Moderne in München.

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Auch das Album „Swim“ (03) vom Musikantenkollektiv Caribou (die am 28.04. im Berghain spielen) arbeitet mit der Kraft fließender Wiederholungsstrukturen: Fluffige Tanzbarkeit bestehend aus computerbasierter Clubmusik und Disco Fox-tauglichen Instrumentspielereien, die sich die Style and the Family Tunes im Gespräch mit Dan Snaith persönlich erläutern ließen.

Wollte man die Klänge von „Swim“ in Form und Farbe pressen, fiele die Entscheidung, ob es zur luftigen Seidenhose von Acne (02) oder zum Festival-prädestinierten H&M-Sonnenstuhl (08) samt einprägsamem Inkadruck werden sollte, sicherlich nicht leicht. Südamerikanische Mustereien, die auch Taka Hayashi für die Klettverschlüsse seiner Vans Vault (01) nutzte, um den adäquaten Fußschmuck für den modernen Großstadt-Indianer zu schaffen.

Wer nun auch noch die stilistischen Mitstreiter vom persönlichen Odessa überzeugen muss, der ziehe seine neue Leica V-Lux 20-Kompaktkamera (05) inklusive GPS aus dem lachsledernen Mongrels in Common-Sack (04) und befördere sie in neidische Weiten. Mustern und mustern lassen – das ist die Devise.

Sie leben! – Berlins Fashion Week wird unterwandert

Kategorie: München | January 12, 2010 | von Nackt im Wind

mjunik Sie leben! – Berlins Fashion Week wird unterwandert
(Im weißen Rollkragen auf dem Oktoberfest, typisches Münchner Halligalli, aus dem wunderbaren Band „Mjunik Disco“, Hrsg.: Mirko Hecktor, Blumenbar Verlag)

Guttenberg in Afghanistan und München in the Hauptstadt. Die Bayern scheinen sich klammheimlich zu einem Kreuzzug aufgemacht zu haben. Zur Mercedes Benz Fashion Week Berlin im Januar 2010 kommen gleich neun Bayern hoch, um am Bebelplatz ihren Entwurf von guter Kinderstube vorzuführen. Im letzten Jahr waren es sechs, das macht eine satte Steigerung um fünfzig Prozent. Weiterlesen »

What’s in your bag, Christine Block?

Kategorie: München | December 14, 2009 | von Open your bags

Whats Christine block portrait 121209 Whats in your bag, Christine Block?

Name: Christine Block

Alter: 25

Beruf: Hotelfachfrau/ Veranstaltungskauffrau

Wohnort: München

Tasche dabei seit: 2 Jahren besitze ich sie, seit wann ich sie wieder benutze weiss ich nicht mehr.

Whats Christine block inhalt 121209 Whats in your bag, Christine Block?

Tascheninhalt: Schwarze schlichte Pumps, Mondkalender 2009, Pormonnait, Zettel mit Notizen, Tankquittung, Eiskratzer, Handschuhe, Betty B. Perfum, Lippenpflegestift, Haargummi, Kleenex Taschentücher Mini und Schlüsselbund.

Ein persönliches Statement: “Die Pumps, hab ich mir gestern erst gekauf und muss mich erst an sie gewöhnen, sind aber sau bequem. Der Eiskratzer ist von heut morgen, tja beim ersten Schnee muss man die Scheiben enteisen.”

Save the wave!

Kategorie: München | September 15, 2009 | von Aicha Reguieg

Als Nicht-Münchnerin ist man beim Anblick derjenigen, die ihr Surfboard tagtäglich durch die bayrische Hauptstadt tragen, leicht irritiert. Auch diejenigen, die in Neoprenanzug oder nasser Badehose morgens wie selbstverständlich in der Tram sitzen, erscheinen einem wie ein Fremdkörper. Dabei gehören sie längst zum Stadtbild. Hier im Alpennahen „Minga“ nämlich gibt es sie: die perfekte Welle. Mitten im Englischen Garten. Der Eisbach zaubert eine Welle hervor, die schon lange sportlich-fröhlich von Surfern genutzt wird. Sogar Jack Johnson stand schon im bayrischen, seichten Gewässer und zeigte sein Können. Wer Surfen einzig mit Australien und dem Waikikii Beach assoziiert, wird hier eines besseren belehrt. Weiterlesen »

Vergessene Kleinkunst

Kategorie: München | August 31, 2009 | von Aicha Reguieg

Vom Holz- und Blechbläser, Maultrommler und Fiedler über Hip-Hop, Ragga bis hin zu klassischen Tenören. Es gibt die verschiedensten Straßenmusiker, die ihre Musik mal als reines Hobby, mal aus Not, oft auch bis hin zur Perfektion auf großstädtischen Pflastersteinen ausüben. Nicht zu vergessen die Stadtindianer mit ihren Panflöten, die um ehrlich zu sein, in meinem kleinen Kosmos doch immer wieder die größten Diskussionen auslösen. Während die einen sich gedanklich sofort wohlig unter einem Traumfänger räkeln und die guten Gefühle sich Ton für Ton vermehren, finden es die anderen einfach nur lächerlich, verleugnen die Panflöte und behaupten auch noch, es seien ja doch nur Synthesizer. Weiterlesen »

Forever young

Kategorie: München | August 26, 2009 | von Aicha Reguieg

Im Jahr 2000 lief spätsommerlich in deutschen Kinos der Film „Schule“. Die Mädchen verliebten sich damals bei schwüler Hitze in Daniel Brühl, die Jungs in Jasmin Schwiers und ein jeder fand Gefallen an dem stimmungsvollen Zusammenschnitt des Erwachsenwerdens, den der Regisseur Marco Petry – damals selbst erst 25 Jahre alt – auf die Leinwand fabrizierte. Es war das wunderbar melancholische Gefühl, die Sehnsucht und die Angst gleichermaßen, die man als junger Mensch empfindet, wenn die Schule vorüber und das echte Leben zum Greifen nah ist. Die Aufgeregtheit, das Festhalten an Freundschaften, Momenten und Augenblicken. Das gibt’s nur einmal? Das kommt nie wieder? Weiterlesen »