Items Of The Week – Wolf Gang

Kategorie: nike | August 11, 2011 | von

Von Mareike Nieberding

Die Germanen verehrten den Wolf als magisches Tier, das den Sieg im Kampf versichern sollte. Die Männer hüllten sich deshalb in Wolfspelze, damit die Kräfte und die Gefahr des Wolfes sich auf sie übertragen würden. Nachdem Wolfgang Amadeus und Johann Wolfgang dem Namen zu neuem Glanz verholfen haben, kamen auch deutsche Familien nicht umhin ihre Söhne nach den Wölfchen dieser Welt zu benennen. In der Wolf Gang sind sie besonders gefährlich.

Auf dem neuen Love Magazine hat sich in einem Triple-Split-Cover die neue Wolf Gang Hollywoods verewigt: Hailee Steinfeld, Chloe Mortez und Elle Fanning zieren das “Supernatural Issue” und lasssen sich in entsättigten Grün- und Blautönen, romantischem Styling und Tränen in den Augen auf solch romantisch-hilflose Art inszenieren, dass man sich fragen muss, warum sie eigentlich die Krallen ihres Talents verbergen (03). Bei Wolf Gang wiederum, hinter was sich der 24-jährige britische Musiker Max McElligot verbirgt, hätte man sich indessen gewünscht, dass er auf seinem Album “Suego Faults” das Festkrallen an der Geschäftsidee Popstar ein bisschen besser zu verpacken gewusst hätte. Sein Indie-Pop ruckelt und rumpelt mit viel britischem Poprock-Pathos ohne Höhepunkt vor sich hin und hinterlässt Nichts als den schönen Namen (07). Auch Leif Randt kann mit seinem Vor- und Zunamen angeben und hat außerdem das Buch “Schimmernder Dunst über Coby County” geschrieben, dass bei dem diesjährigen Ringen um den Ingeborg-Bachmann-Preis den Publikumspreis gewonnen hat. In seinem schmallippigen Roman, den manche gar als Generations-Roman bezeichneten, schildert Randt das Leben Wim Enderssons, der in Coby County in einem unbenannten Land ein anstrengungsloses Leben verbringt, dass sich durch wenig anderes auszeichnet als seine umstandslose Leichtigkeit, die sich als eine Falsche entpuppt. Der Roman wird so “zur Satire auf eine westliche Wohlsstandsgesellschaft, in der es keinerlei existentielle Nöte gibt, aber doch einen ideelen Mangel, der alles auszuhöhlen droht” (05).

wolf gang Items Of The Week   Wolf Gang

Eine negative Utopie, der der Architekt Buchminster Fuller mit seinen Visionen für einen zukünftigen Kosmos zu entfliehen suchte. Schon in den Sechzigern sprach “Bucky” von Nachhaltigkeit, predigte seine “Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde”, das er mit seinen in Leichtbauweise erstellten geodätischen Kuppeln bewahren oder mit seinem “Dymaxion Car” in spritsparender Stromlinienform möglichst umweltfreundlich berfahren wollte. Das Marta in Herford widmet ihm nun eine Ausstellung (05). Während Christopher Kanes Accessoires für den kommenden Winter ebenfalls futuristisch anmuten und an das Lavalampen-Comeback der Neunziger Jahre erinnert (01), wirken die neuen Nike SB´s von Stefan Janoski eher erdverwachsen (08) und auch das schlichte Hemdkleid von T by Alexander Wang eignete sich wunderbar, um zu viel Wolfsblut hinter einer zurückhaltenden Fassade verschwinden zu lassen (04). In Derek Cianfrances “Blue Valentine” versuchen die Figuren bis zum bitteren Ende den Schein ihrer Ehe aufrecht zu erhalten. Ryan Gossling und Michelle Williams beweisen dabei wie wahrhaftig das Scheitern einer großen Liebe schauspielerisch zum Ausdruck gebracht werden kann (02). Become a Wolf Gang.

Items Of The Week – Riviera

Kategorie: nike | July 03, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

Das Meer. Die See. Das Ufer. Der Strand. Ort für Sommerfrische. Ort für Urlaubslieben. Ort der Ruhe. Ort für gutdeutsche Territorialisierung. Jedem seine Riviera:

Englische Riviera: Möwengeschrei, Streicher, Brandung. Metronomy nehmen uns auf ihrem neuen Album mit an die “The English Riviera”. Der Hit: The Look (07). Passend dazu die Sonnenbrille “Joanie” von Mykita (04).

Französische Riviera: Helmut Newton fotografierte 1987 in St. Tropez für den Stern. Ausschussprodukt dieser Auftragsarbeit: die Polaroids, die spontane Ideenskizzen waren, Aufschluss über Licht- und Bildkomposition gaben und seinem ungeduldigen Drang die Fotografie gleich wirken sehen zu wollen, entgegenkamen. Die Ausstellung “Helmut Newton Polaroids” im Museum für Fotografie Berlin verleiht diesem wichtigen Aspekt von Newtons kreativem Prozess mit über 300 Polaroids Ausdruck (06). Auch Le Corbusier hielt sich mit Vorliebe am Meer auf, um Steine, Muscheln und Strandgut zu studieren wie Niklas Maak in seinem Buch “Der Architekt am Strand” materialreich nachweist, um des Architekten Synthese aus mathematischen Ordnungsprinzipien und der Natur auf die Seeschnecke als “vollkommenste Verköperung der Naturgesetze” zurückzuführen (03).

riviera2 Items Of The Week   Riviera

Italienische Riviera: An der Küste Italiens zieht man mit den bunten Minikleidern aus der aktuellen Sommerkollektion von Versace sicher alle Blicke, Pfiffe und offenen Münder auf sich. Ab November gibt es Donatellas italienischen Kurvenchic für kurze Zeit auch bei H&M (05).

Deutsche Riviera: “Freiheit, ist das einzige was zählt”, oder? Wie Menschen in einem freien Deutschland ein unfreies Leben führen – bedrängt von den Zwängen des Alltags, den familiären Erwartungen, den gesellschaftlichen Konventionen und wie Menschen für ihre Freiheit auf die Straße gehen – sei es auf der Demo im Großen oder der Bürgerinitiative im Kleinen erzählt die Dummy in ihrem neuen Heft mit dem Titel “Freiheit” (02). Neben all den Crocs und Flip Flops wagt sich so manch einer noch stilvoll an den Strand. Vielleicht mit diesem neuen Nike Blazer (08) oder den Plateaus von Chloé (01) – beide in strahlendem Meeresblau. Rive-era.

Lighter – Items Of The Week

Kategorie: nike | June 10, 2011 | von

von Mareike Nieberding

“Da ich mir vornehme, hier das Licht zu behandeln, will ich Sie zuerst darüber unterrichten, dass es einen Unterschied geben kann zwischen der Empfindung, die wir von ihm haben, d.h. die Idee, die sich davon mittels unserer Augen in unserer Einbildung formt, und dem, was in den Gegenständen liegt und in uns diese Empfindung hervorruft, d.h. das, was sich in der Flamme oder der Sonne befindet und Licht heißt.” (René Descartes, 1633)

Was wir empfinden, wenn wir etwas anschauen muss nicht mit dem übereinstimmen, was wir sehen und der Ausdruck unseres tiefsten Gefühls erfährt immer Objektivierung durch das Nadelöhr Sprache.

Dekonstruktivistischen Theorien zum Trotz, die den Autor töten und das Werk zu einem Netz von Zitaten ohne Urheber machen, bringen biographische Bezüge gelegentlich dennoch erhellende wenn nicht gar das eigentliche Werk erhebende Impulse. So auch bei der Malerin Christa Dichgans, die ihrem Ehemann, dem Galeristen Rudolf Springer über vierzig Jahre selbst gestaltete Postkarten zu Weihnachten schickte und damit einerseits ihre “eigentliche” Malerei reflektiert und sich andererseits ein völlig neues Medium inklusive der kreativen Freiheit persönlicher Korrespondenzen erschloss. Ab morgen sind Postkarten wie private Fotografien in der Ausstellung “Postskriptum” in der Galerie für Moderne Fotografie zu sehen (04). Der amerikanische Galerist Brooke Alexander publiziert seit über 40 Jahren Editionen namhafter Künstler wie Ed Ruscha, Bruce Nauman, Raymond Pettibon oder Alex Katz. Ab diesem Donnerstag ist eine Auswahl der von ihm vertretenen Prints und Multiples in der Galerie Helga Maria Klosterfelde in der Potsdamer Straße zu Gast. Ein Galeristen-Experiment, das uns Werke von Donald Judd, Richard Long, Jenny Holzer, Lawrence Weiner und John Baldessari beschert und spannende Positionen zur Entwicklung der amerikanischen Editionsgeschichte verspricht (06).

lighter Lighter   Items Of The Week

Marilyn Monroe stand Zeit ihres Lebens im Licht der Öffentlichkeit. 1959 gewährte sie dem deutschen Fotografen Manfred Linus Kreiner für drei Tage den Spot auf sie zu richten, wenn die Pressetermine zu dem Wilder-Klassiker “Some like it hot” vorbei waren und die Blitzlichter der Anderen ausgeschaltet. Die entstandene Serie “Marilyn backstage” zeigt nun das Zeitmagazin im Café Einstein Unter den Linden (02). Jan Wigger von Spiegel Online empfiehlt das neue Album des “Sohn des Edelmutes” und “führenden Schwermutspianist” Scott Matthew nur im weißen Anzug zu hören, wir gehorchen und schalten zu den sanft schillernden Klängen von Klarinette, Mandoline und Cello den Kopf ab und die Leichtigkeit ein (07). Leicht, licht und erleuchtend sind auch die Entwürfe des Central St. Martins Absolventen Tze Goh (03), die zitronengelben Sonnenbrillen von Illesteva (01), das Schrankparfum von Diptyque, das muffige Shirts und Shorts nach Feige, Moos, Rosen und Geranien duften lässt (05) oder die Nike Pegasus mit frischen roten Akzenten (08). Be light. Nimm´s leichter.

Items Of The Week – Kompass

Kategorie: nike | April 20, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

Der Kompass liegt mittlerweile tief in den Mikrogewinden elektronischer Geräte verborgen. Dennoch ist er das Werkzeug, dass uns Menschen zu all dem Kartenmaterial ins Verhältnis setzt, auf das wir uns täglich blindlings verlassen. Der Kompass bietet geographische Orientierung und ermöglicht die bewusste Entscheidung welche der vier Himmelsrichtung wir einschlagen wollen.

Wegen eben dieser wegweisenden Funktion und weil Kompass im Englischen auch für das Zeichenwerkzeug Zirkel steht, hat der Kurator Christian Rattemeyer die Präsentation von rund 250 Zeichnungen im Martin-Gropius-Bau aus der Sammlung des Museum of Modern Art (Moma) in New York “Kompass” genannt. Die Arbeiten von großen Namen wie Joseph Beuys, Elizabeth Peyton oder Cy Twombly und Neuentdeckungen wie Christian Holstadt und Nick Mauss weisen in viele Richtungen und zeigen die unendliche Vielfalt, die sich hinter dem Gattungsbegriff Zeichnung verbirgt (06). Auch die foto- und grafischen wie literarischen Positionen und Interpretationen im neuen “Magazin über Orte” sind ihrem inneren Kompass gefolgt – in Richtung Paradies. Unter anderem Ryan McGinley, Jeff Wall, Raymond Pettibon und Luc Tuymann suchen bildlich nach Utopien während Günter Kunert und Miranda July versuchen Sehnsüchte nach Unendlichkeit und Freiheit in Worte zu fassen – ein wahrlich pardiesisches Unterfangen (03). Das passende Schuhwerk liefert Alexander McQueen – Plateaus wie aus der Elfengarderobe (01).

kompass Items Of The Week   Kompass

Unterdessen beschreibt die neue Ausgabe der “I love you” mit dem Titel “The Mama issue, because I said so” in ironischer Art und Weise die Schwierigkeit den Einfluss des wohl wichtigsten Kompass im Leben eines jungen Menschen – von Mama -  produktiv umzudeuten (04). Rodarte schöpfen für ihre Kollektionen stets aus allen Richtungen – dieses Kleid erinnert an norddeutsche Fliesen (05). Farblich abgestimmt: die neuen Sneakers “Hachi” von Nike (08). Auch das neue Album von “The Kills” will ein bisschen von Allem – “Blood Pressures” krakelt und kuschelt (07). Michel Houellebecq wäre glücklicher, wenn er einfach überall rauchen dürfte, verrät er Iris Radisch von Die Zeit - sein innerer Kompass zeigt deutlich in Richtung Freiheit und das heißt für ihn ein Leben ohne Regulierungen und so wenig Veränderungen wie möglich. In seinem neuen Roman “Karte und Gebiet”, der bereits mit dem renommierten französischen Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, zeigt er was die Veränderungen anrichten – als Milieu wählt er die Kunstwelt. Am Ende steht Mord (02). Horcht nach eurem inneren Kompass.

Items Of The Week – Famous

Kategorie: nike | April 01, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

“Die neue Wirklichkeit – Fotografie der Moderne aus der Stiftung Ann und Jürgen Wilde” zeigt die Fotografie der 20er und 30er Jahre als Medienexperiment mit entfesselnder Wirkung. Werkgruppen von Germaine Krull, August Sander, Florence Henri, Karl Blossfeldt oder Aenne Biermann – surrealistische Inszenierung, sachliches Formexperiment und Objektstudien – konfrontieren mit den Stilwurzeln der Gegenwart. Die Pinakothek der Moderne ehrt fast vergessene Persönlichkeiten der frühen Fotografie, die das Medium berühmt, begehrlich und bedeutsam machten (06). Die “Fantastic Man” bezeichnet ihn als “den berühmtesten Mann der Welt”: David Beckham. Er ist zurück in England. Fotografiert von Alasdair McLellan auf dem Cover der neuen Ausgabe von “Fantastic Man” vergisst man fast den Prunk und Protz amerikanischer Zeiten (02). Siri Hustvedt und Paul Auster sind das Paar der New Yorker Literaturszene. Hustvedt erzählt in “Sommer ohne Männer” die Geschichte einer pausierenden Ehe, einer Flucht an den Ort ihrer Kindheit und die subtil boshaften und doch herzerwärmenden Beziehungen unter Frauen – delikat autobiographisch (03).

famous Items Of The Week   Famous

Fast jedes Kollektionsteil von Missoni wirkt wie ein Mantra auf die Form- und Farbentradition des Hauses und sie machen Spaß, wie diese Espandrilles (01). Stella Tennants Ausdruck ist hart und verschlossen, aber durch Juergen Tellers Linse wirkt sie dennoch entspannt. Sein Blick auf die Welt verändert etwas – macht sie farbig, hell und ironisch. Die neue Céline-Kampagne zeugt davon (04)Stella McCartney wurde mit Pastellfarben berühmt, mit Minimalismus, Zurückhaltung und pointierter Weiblichkeit. Ihre Sommerkollektion spritzt, leuchtet und fordert ein Lächeln heraus, so zitronig, orangig und voller Natur (05). Ebenso klebrig süß sind die neuen Air Max 1 “Honeycomb” in bestechender Farbkombination (08). Es wird Frühling – seid eure eigene Berühmtheit.

Items Of The Week – Koeniglich

Kategorie: nike | February 24, 2011 | von

von Mareike Nieberding

Die Könige fallen. Ein Abgesang auf die Könige, ein Hohelied auf das Königliche, dass jeder von uns in sich trägt:

“I have a voice!” schreit der Duke of York Albert, genannt Bertie (Colin Firth), seinen Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush) an. Denn wenn er flucht, dann stottert er nicht. Bertie wird König George VI – Lionel hilft ihm seine hierfür dringend benötigte Stimme zu finden. “The King´s Speech” ist eine intime Begegnung zweier Männer, die den Zuschauer zum stillen Mitwisser macht – berührend und amüsant, getragen von einer herausragenden schauspielerischen Leistung von Colin Firth – 12 Oscars sind für Tom Hoppers Film kaltgestellt – es bleibt spanned. (06)

Überraschend veröffentlichte Radiohead am letzten Freitag auf ihrer Website ihr neues Album “King of Limbs”, stellten es zum kostenpflichtigen Download bereit und traten eine Welle der Be- wie Empörung aus bei Fans und Kritikern aus. Und so tackern nun Dubstep-Loops neben akustischer Gitarre und es federt der verzerrte, zerfaserte, vervielfältigte Gesang von Thome Yorke durch die streng durchkomponierten, detailreichen und dennoch nie verkopften Songs von “King of Limbs” – dem König der Äste. Er ist ein uralter Baum irgendwo in England und wohnt diesem Album inne – wohlig, organisch, holzig, weitreichend, vielfarbig gemasert – eine Herzensangelegenheit (07), die sich in den frischen Nike SB´s von Stefan Janowski an den Füßen (04), die man im Civilist auf der Brunnenstraße ergattern kann und mit den neuen In-Ears “Bagis” von Urbanears in königlichem gold-orange besonders gut erfahren lässt (08).

königlich1 Items Of The Week   Koeniglich

“I´m tired of looking like a sheperd boy!” zitiert Patti Smith Robert Mapplethorpe in ihrem Buch “Just Kids”. Er wollte einen Haarschnitt wie ein Rockstar aus den 50ern – “he liked to make an appearance”. So wie seine Fotos – nur völlig ohne Zeitbezug – nur rein und klar wollen sie das Subjekt zum Objekt machen und so den Betrachter den Raum für eigene Gedanken öffnen. Die letzte Ausstellung im C/O Berlin, “Robert Mapplethorpe – Retrospektive” zeichnet die Genese seines fotografischen Werks von den frühen Polaroids über die Porträts seines New Yorker Dunstkreises bis hin zu den skulpturalen Körper- und Objektstudien nach. Eine Zeitreise, die Skandale sortiert und eine Suche nach Perfektion dokumentiert. (02)

Eine Tasche, die aus derselben Zeit stammt, in der Patti und Robert sich in New York begegneten, ist die “Le 69″ von Paco Rabanne, die nun gemeinsam mit Comme des Garcons neu aufgelegt wurde (05), zu der Herbst/Winter-Kollektion von Acne, die mit außergewöhnlichen Farben wie diesem Senf-Orange-Gelb begeisterte (03), und dieser mondänen Sonnenbrille von Mykita (01), Betrachter und Träger ein royales Vergnügen bereiten würde. Heute ein König.

Items Of The Week – Magisch

Kategorie: nike | January 06, 2011 | von

von Mareike Nieberding

“Wie man Soziologie schreibt, ohne zu schreiben, sondern indem man Bilder gibt, Bilder von Gesichtern und nicht etwa von Trachten, das schafft der Blick dieses Photographen, sein Geist, seine Beobachtung, sein Wissen und nicht zuletzt sein enormes photographisches Können. […] Wer blickt, wird rasch belehrt werden, besser als durch Vorträge und Theorien, durch diese klaren, schlagkräftigen Bilder und wird von den andern und von sich erfahren.-”
(Alfred Döblin in der Einleitung zu “August Sander. Antlitz der Zeit”)

Sanders Vermögen zu doku-szenieren, die Menschen der Weimarer Republik in ihren spezifischen Eigenheiten so zu explizieren, dass keiner dem anderen ähnelt, jeder aber einen Typ verkörpert, verleiht den Porträts in dem Büchlein “August Sander. Antlitz der Zeit”, das 1990 bei Schirmer/Mosel in einer gekürzten Version neu aufgelegt wurde, den Geist eines Zeitalters, die Magie des Alltags. (07) Paul Graham braucht ebenso keine Worte, um das Unsagbare zu sagen und das Schweigen zu brechen. Ausgehend von der britischen Sozialreportage und durch die amerikanische Objektdokumentation beeinflusst, zeigen Grahams Aufnahmen, die noch bis zum 9. Januar in den Deichtorhallen in Hamburg zu sehen sind, durch die Verneinung jeglicher Romantik den Zauber des Realen. (06)

magisch1 Items Of The Week   Magisch
Auch wenn das Album “Magic Chairs” von Efterklang schon im Februar veröffentlicht wurde, sorgt es immer noch für bezaubernde Momente. (02) Ebenso wie die Nike Air Max in sanftem Lila und Pfirsich (08) und die Headphones von AIAIAI (04).
Bei Jean-Michel Basquiat passiert die Magie nicht nur auf rezeptiver, sondern auch auf inhaltlicher Ebene – Voodoo, das imaginäre Afrika und die Emanzipation der Afroamerikaner inkl. symbolischer Selbstkrönung waren einige der zentralen Motive, in der er seiner lebensvollen Malerei Ausdruck verlieh. Warum, wieso, weshalb? Darauf gibt vielleicht der Dokumentarfilm “Jean-Michel Basquiat: The radiant child” von Tamra Davis Antwort, der am Donnerstag u.a. im Kino Babylon im Zuge des Filmfestivals Unknown Pleasures zu sehen sein wird. (03)
Entgegen der düsteren energiereichen Seiten der Magie, erstrahlen diese Pumps von Giuseppe Zanotti ähnlich dem gläsernen Schuh aus Aschenputtel in zuckersüßem verkitschtem Glanz. (01) Die Sommerkollektion 2011 von Jil Sander, die einer der Höhepunkte Mailands war, zelebriert indessen die unschlagbare Magie der Einfachheit, der puren Eleganz. (05) It´s magic.

Items Of The Week – N8 Aus Pixeln

Kategorie: nike | November 01, 2010 | von

von Mareike Nieberding -

Pixel sind die kleinste Einheit einer digitalen Rastergrafik. Pixel leisten Lesbarkeit und Erkennbarkeit in der digitalen Flut und sind dennoch ein Symbol für die fortschreitende Differenzierung, die immer kleinteiligere Durchdringung aller Lebensbereiche, für die auch Social Media steht. So wurden die Items of the Week im Rahmen der N8 Showrooms in München, Hamburg und Berlin nun erstmals mit einem dem neuen Nokia N8, einem wahren Social Media-Talent, live im Studio fotografiert. Hier konnten sich Interessierte und Involvierte von Experten aus den Bereichen Musik, Video, Fotografie und Maps & Apps alle Vorzüge des Geräts in der unmittelbaren Anwendung live erklären lassen. Für die Studioaufnahmen der Items baten wir deshalb den aufstrebenden Fotografen Jonas Lindström mit seinem N8 samt 12mp-Kamera und Carl Zeiss Optik die Begehrlichkeiten der Woche auf Foto zu bannen und die Shootings für die N8-Website in HD-Qualität zu filmen. Wie es dabei am Set in Berlin zuging, seht ihr hier.

items auspixeln1 Items Of The Week   N8 Aus Pixeln

All pictures shot with the Nokia N8.

Rein visuell bombadieren uns dabei diese Woche Nike, Starstyling, Stine Goya, Weekday und Henrik Vibskov mit Pixeln in allen Formen und Farben. Punkte oder Quadrate, mal größer, mal kleiner machen so die neuen Air Max Current Moiré in rot, das Starstyling Shirt, den Overall von Henrik Vibskov mit den plateuisierenden Schuhen von Scholl Footwear sowie die Bekleidung von Stine Goya und Weekday zu Lieblichkeiten, die zum Kauf hypnotisieren. Garbstore und Closed besinnen sich indessen auf das Gegenteil, entziehen sich der digitalen Welt und funktionieren auf großer Farbfläche. Zwar übernehmen die Urbanears Tanto in dunkelgrau nur einen gedeckten Farbklecks im Outfits, dafür kann man sie beliebig kombinieren und dank eingebauter Freisprechanlage auch noch mit ihnen telefonieren.
In 20 Jahren hat Ninja Tune bewiesen, dass eine verpixelte Herangehensweise im Musikbusiness den meisten Spaß bereitet. Ihr Labelportfolio reicht von Jazz, Hip Hop, Down- und Breakbeat zu Elektronica und Dubstep. Das Boxset “20 Years of Beats and Pieces” hält damit Remixes von Modeselektor, Matthew Herbert, Spank Rock oder The Cinematic Orchestra bereit.
Normalerweise arbeitet Rainald Goetz mit den kleinsten Teilen eines Wortes – den Buchstaben und Silben wie ein Grafiker mit Pixeln – schiebt, verdreht, entfremdet oder erfindet neu – für sein neues Buch „elfter september: 2010 Bilder eines Jahrzehnts“ bedient er sich des Visuellen und zeigt sein Bildertagebuch der Nullerjahre. Zeitdokumente, die Einblick geben in die Wahrnehmung eines verpixelten Lebens und dessen Menschen im Wandel des aufkommenden Jahrhunderts.
„Unsere alte Uhr / tickte, und Staubkörnchen, Gottes Pixel, tanzten sacht.“ (Fine Point, John Updike)

Fotograf > Jonas Lindström using Nokia N8
Produktion > Mareike Nieberding & Claudia Klenke
Model > Ivana Gocmanac

Items Of The Week – Staehlern

Kategorie: nike | September 01, 2010 | von

von Mareike Nieberding -

Als Stahl werden metallische Legierungen bezeichnet, deren Hauptbestandteil Eisen ist und deren Kohlenstoffgehalt zwischen 0,01 % und 2,06 % liegt.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Stahl)

General Idea gingen mit ihrer Umwelt hart ins Gericht. Produktiv zwischen 1967 und 1994, sezierte das Künstlerkollektiv aus Kanada die rasant wachsende Mediengesellschaft im Detail. Ob TV- oder Filmproduktionen, in Installationen, Performance, Malerei, auf Postkarten oder Fahnen. General Idea konfrontierte das Publikum in den verschiedensten Medien mit den „Mythen des Alltags“ (Roland Barthes). Editionen und Multiples ab diesen Freitag, 03. September, in der Galerie Helga Maria Klosterfelde (05).
Die neue Visionaire, „Spirit“, zollt Alexander Lee McQueen Tribut. Die auf 1500 Exemplare limitierte Edition ist mit der metallenen Brokade seiner letzten Sommerkollektion verziert und die Seiten mit Wildblumensamen bepflanzt, die bei Bewässerung und Sonne aufblühen. Unkonventionell, kreativ und eigenwillig wie McQueen es selbst war, funkelt diese Visionaire, die Couture der Magazine (04).

items staehlern Items Of The Week   Staehlern

Die Hurts wirken auf dem Cover ihres Debütalbums „Happiness“ als hätten sie Nerven aus Stahl. Sind sie die Verletzten oder die Verletzenden? Glücklich sehen sie in jedem Fall nicht aus. Auch ihre Musik zeugt nicht von diesem goldenen Gefühl namens Glück, bietet dafür aber aufgeplusterten Pop mit Verve: pathetisches Chorgemurmel, elektronische Orgel und gehauchter Schmerz (07). Das 80er-Revival scheint noch nicht ausgestanden, was auch die Kollaboration von Jean Paul Gaultier und La Perla beweist. Vor 20 Jahren verpasste er Madonna konische Brüste, nun bewies er für die Liaison mit der französischen Dessousmarke die gleiche stoffliche Härte (03). Unterwäsche wird man in der zweiten Ausgabe des Nude Papers kaum zu sehen bekommen. Dafür Aktfotografie mit Format (08). Durchzublättern mit der limitierten Edition „Black Velvet“ von Chanel auf den Nägeln (06), den samtweichen Vintage Blazers von Nike in Stahlgrau an den Füßen (01) und den verspiegelten Kannen von Piet Hein Eek im Blickfeld – gestochen scharf sind diese im besten Sinne, Art Déco (02). Stählernes Strahlen.

Items Of The Week – Mme Grès

Kategorie: nike | July 29, 2010 | von

von Mareike Nieberding -

Germaine Emilie Krebs revolutionierte unter dem Namen Madame Grès die französische Haute Couture der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre skulpturalen Seidenkleider drapierte sie direkt am Modell und stattete in diesen weich fallenden Dianaroben Marlene Dietrich, Greta Garbo und Isadora Duncan aus. Eleganz in jeder Faser des Seins und des Schaffens, die die Begehrlichkeiten dieser Woche mit zeitgenössischer Nonchalance zu reinterpretieren wissen.
VPL macht seit 2003 Unterwäsche zur Oberwäsche. Sie verbinden Sportlichkeit mit traditionellen Ziernähten und Schnitten und etablierten damit einen funktionalen Chic für den Wäscheschrank, der die Paradigmen der Sexiness jede Saison neu bestimmen, wie dieses Unterhemd beweist (01).

ITEMS mme gres Items Of The Week   Mme Grès
Marc Jacobs liebt den Bruch und hat in Juergen Teller den perfekten Komplizen gefunden. Die gemeinsamen Kampagnen dieser Unangepassten ihres Fachs bestechen stets durch die Unkonventionalität in Posen und Szenerien und die Teller-spezifische Farbigkeit. Zwei graue Schneeengel auf dem Trockenen. Flach in der Fläche bäumt sich die Eleganz (05). Um das richtige Foto und die medienspezifische Kontextualisierung dessen geht es auch noch bis zum 19.09. in der Ausstellung „Magnum. Shifting Media. New Role of Photography“ im C/O Berlin (07). In einer der letzten Ausstellungen im Postfuhramt in der Oranienburger Straße, kann man den modernen Fotojournalismus und die Fotoreportage als Genre hinterfragt sehen, den die Fotoagentur Magnum durch ihre starke mediale Präsenz und die Distribution von Bildmaterial auch in den musealen Kontext nachhaltig geprägt hat.

Stella McCartney verbindet graue Eleganz mit kindlichem Spaß. Das Shirt aus der aktuellen Sommerkollektion ist sowohl für Pferdemädchen als auch zum Pferdestehlen gemacht (04). Letzteres funktioniert mit den neuen Nike Airmax BW Generation 2 (02) in passendem Graumetallic bestimmt noch galanter und kann mit der aktuellen Lumix LX 5 von Panasonic (08) gleich festgehalten werden. Nur vorsichtig, dass ihr nicht mit den doppelten und mit Ketten zusammengehaltenen Ringen vom dänischen Label Maria Black im Stacheldraht hängen bleibt (06). Obgleich euch Donna Regina mit ihrem neuen Album „The Decline of Female Happiness“ (03) mit sensibel assoziierten Gitarrenriffs, ihrer zarten, aber durchdringenden Stimme und der richtigen Prise weiblicher Dramatik jeden Schmerz davonmusiziert. Madame Grès, nous sommes très heureux.

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