Die Achse des Surrealen

Kategorie: Paris | February 12, 2010 | von Marcus Woeller

Nach dem Abebben des Surrealismus als Avantgarde der 1920er und 1930er Jahre lebte die Stilrichtung vornehmlich als Jungskunst unter Dalí-Verehrern und in Kunst-Leistungskursen an gymnasialen Oberstufen weiter. Schließlich bieten die Erfindungen der Surrealisten beste Möglichkeiten für die kreative Entfaltung unter Zwang und die Auslebung kunstpädagogischer Richtlinien. Collagieren, Assemblieren, De-Collagieren, Durchpausen sind Techniken, die auf den eher in der Literatur und der Philosophie angesiedelten Theorien André Bretons fußen und dann von Leuten wie Max Ernst künstlerisch ausgefeilt wurden. Bis heute eignen sich Frottage, Grattage und Dekalkomanie perfekt um präadoleszente Teenager im Kunstunterricht bei Laune zu halten.

WHM Toyen 231 Die Achse des SurrealenToyen, “Nach der Vorstellung”, 1943, Alsova jihoceska galerie, Hluboká und Vltavo

Dennoch ist der Surrealismus ist untergegangen, wenngleich er durch immer neue Dalí-Ausstellungen künstlich am Leben gehalten werden soll, denn als kommerzielle Kalenderkunst funktioniert die fantastische Ikonografie immer noch.

Mood Bilder zur Ausstellung "Gegen jede Vernunft. Surrealismus Paris-Prag" (c) Dorothee Schumacher, 2009

Mood Bilder zur Ausstellung "Gegen jede Vernunft. Surrealismus Paris-Prag" (c) Dorothee Schumacher, 2009

Ganz tot? Nein, meint das Ausstellungsprojekt “Gegen jede Vernunft” in Ludwigshafen. Der dortige Kunstverein und das Wilhelm-Hack-Museum haben Paris als Surrealismus-Hochburg sozusagen janusköpfig sowohl den Rücken gedreht als auch im Auge behalten und wenden sich einer Achse zu, um die surrealistische Kunst nicht nur historisch rotiert, sondern bis in die Gegenwart. Prag ist die gelobte Stadt für Surrealisten, die sich nicht für die Zombies der Kunstgeschichte halten.

Emila Medková, "Handgelenk mit Uhr", 1949, Museum für Angewandte Kunst, Prag (c) Eva Kosáková, 2009

Emila Medková, "Handgelenk mit Uhr", 1949, Museum für Angewandte Kunst, Prag (c) Eva Kosáková, 2009

Bis heute existieren in Prag und der Tschechischen Republik Surrealistische Gruppen, die das Experiment und die Theorie am Laufen halten. Durch die wechselhafte Geschichte Tschechiens hindurch hat sich surrealistische Kunst als eine Nische gehalten, die es den Künstlern und Künstlerinnen erlaubte, im Kleinen gegen die Staatsdoktrin zu opponieren. In den letzten Jahren hat sich die surrealistische Kunst auch am tschechischen Kunstmarkt etabliert und wird von Galerien verstärkt gehandelt.

Mauerwächter am Hof vom Jan Svankmajer

Mauerwächter am Hof vom Jan Svankmajer

Ein Hauptvertreter, der Installationskünstler und Filmemacher Jan Švankmajer, lebt und arbeitet mit 75 Jahren in einem kleinen Dorf bei Prag. In einem ehemaligen Bauernhof hat er sein Filmstudio eingerichtet und dreht, cuttet und postproduziert dort Animationsfilme, die zum besten zählen, was die Branche hervorbringt. Švankmajer hat Regisseure wie Tim Burton oder Terry Gilliam beeinflusst und lebt seine Kunst als “permanente Avantgarde“.

Karel Teige, "Collage Nr. 50", 1938, Museum of Czech Literature (c) Nachlass Karel Teige

Karel Teige, "Collage Nr. 50", 1938, Museum of Czech Literature (c) Nachlass Karel Teige

Die Ausstellungen in Ludwigshafen stellen die tschechischen Künstler den bekannteren Epigonen des Surrealismus gegenüber und drehen den westzentrierten Blick mit Werken von Jindřich Štyrský, Karel Teige oder Toyen in eine neue Richtung.

Die Ausstellung “Gegen jede Vernunft – Surrealismus Paris-Prag” läuft noch bis Sonntag, den 14. Februar 2010 im Wilhelm-Hack-Museum und im Kunstverein Ludwigshafen

Fashion direction! – Spring/Summer 2010

Kategorie: Paris | December 28, 2009 | von Aicha Reguieg

Es wird eine sehr unkomplizierte, klare Saison werden. Mit eindeutigen Trends und einem bewussten Ankommen im neuen Jahrzehnt. Der Frühling 2010 wird modisch betrachtet ein Spannungsfeld werden zwischen Unschuld und Verruchtheit, Leinen und Leder, Land und Strand. Die Mode kennt ihre Richtung: nach vorn. Allerdings wohlüberlegt, in kleinen Schritten. Es schreit wenig, es wirkt bedacht und eines ist trotzdem klar: die neuen Entwürfe sind ein Ausdruck von Stolz und Lust, aber auch Verletzbarkeit. Vor allem aber darf und sollte man eines sein: sexy.

Preview Fashion direction!   Spring/Summer 2010

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Wir hassen “I love…”

Kategorie: Paris | December 05, 2009 | von Aicha Reguieg

Irgendwie scheint seit zwei Jahren jeder alles zu lieben. South East Asia, New York, Paris, Michael Jackson, Chanel, Fiffi, Lucky Strike, Surfen, Bob Dylan, die liebe Mama – whatever. Wir können es nicht mehr sehen! Die Mitteilungsbereitschaft mancher Leute überschreitet Grenzen.

hate love Wir hassen I love...

„I love“ – Statments, mittlerweile ein Massenphänomen, sind peinlich, vor allem in Form eines so genannten „Fun-Shirts“. Halt die Klappe oder sag, was du zu sagen hast, denkt man immer öfter. Aber bitte nicht per Textildruck. Oh und auch nicht per Facebook-Post, zumindest nicht, wenn du (heute bei Facebook gelesen): Ofenpizza so sehr liebst, dein Badezimmerschränkchen, die Geduld deiner Mitbewohner, deinen Freund des Tages, die neuen Autoreifen, das Bio-Katzenfutter, deine Nagellackfarbe, den Namen deines neuen Freundes: Daniele Pascale. Weiterlesen »

Hot Stoff – New Velvet!

Kategorie: Paris | November 27, 2009 | von Aicha Reguieg

Wer an Samt denkt, denkt an Omas. So ist es doch. Nur sie haben Zuhause auf dem Sofa Kissen mit Samtüberzug liegen und nur Omas wollen Zuhause die Haare eingerollt haben. Ja richtig, mit Lockenwicklern. Der typische Großmutter-Lockenwickler – ebenfalls mit Samt überzogen. Weiterlesen »

Berlin überholt Paris im Nissan

Kategorie: Paris | November 22, 2009 | von Sounds like NEWS

Cubelist Berlin überholt Paris im Nissan

Unter dem Motto “Spurensuche” begeben sich die Autoren des BAMBIblogs nicht nur auf Erinnerungssuche bei prominenten und nicht-prominenten Deutschen, sondern stöbern gleichfalls nach Ausstellungen, Lieblingsorten und dem Besonderen in Berlin & Potsdam.

Wenn die Gründer der Nagellackfirma „Uslu Airlines“ ihre Ralley-beklebten BMWs vor einer wirklich spektakulären Kulisse in Position bringen wollen, düsen sie nach Paris und parken vor Colette. Das Kaufhaus Colette ist der weltweit unangefochtene Stil-Tempel, die Geschmacksinstanz für Mode und Schnickschnack. Als einer der ersten Concept Stores hat Colette persönlichen, intuitiven Geschmack über Zielgruppen-Ausrichtung gestellt. Damit sind sie zum Ziel Nummer eins für die Konsumelite geworden. Ab dem 26. November 2009 können sich die Uslus den Parforce-Ritt nach Paris sparen. Dann öffnet in einem der Stalin-Zuckerbäckerbauten in Berlins Karl-Marx-Allee der erste Colette-Pop-up-Store unter der Flagge von Nissans Kastenkarre „Cube“. Im „Cubelist Store“ werden japanische Kinkerlitzchen zum Kauf angeboten, handverlesen von Colette. Abends schließen sich dann…weiterlesen

Text > Jan Joswig

Macqua im Gespräch

Kategorie: Paris | November 15, 2009 | von Sounds like NEWS

BildMacqua Macqua im Gespräch

Jede Woche treffen die Autoren des BAMBIblogs Vetreter der frisch, von Suzy Menkes-geadelten Modemetropole Berlin und sprechen mit den Designern über ihre Arbeit, neue Projekte, Dresscodes und deutsche Stilikonen.

Sie präsentiert ihre Kollektionen auf den Schauen in New York und zeigte in diesem Jahr erstmals auch einen Art-Fashion-Film in Paris. Meike Vollmar, die Designerin von Macqua, schneidert kontrastierende Kollektionen aus Leder, Seide mit Applikationen aus Metall – feinsinnig, anmutig und modern zugleich.
Macqua Silhouetten entstehen im Kopf, in einem Wort, einer Stimmung oder in der Staatsoper…weiterlesen

Text > Julia Christian
Foto & Video > shot with Nokia Nseries

Watch out or I will gun you down

Kategorie: Paris | August 11, 2009 | von Miriam Rauh

Klare Ansage. Die junge französische Künstlerin Princess Hijab zieht sich den schwarzen Schleier an und streift durchs nächtliche Paris, um Werbeposter zu „hijabizen“ und ihre Hijab-Ads and Wände zu kleben. Auch das Internet ist nicht vor ihrem Kampf sicher. „Straight edge in behaviour and language, I’m a mutant fighting for a cause,“ beschreibt sie sich selbst.

PrincessHijab 1 15 Watch out or I will gun you down

Sie selbst bleibt im Verborgenen, umschreibt jedoch im Manifest auf ihrer Website sehr klar ihre Motive. „L’Oreal & Co killed me little by little“. Sie fühlt sich beschmutzt, ihre Kunst ist ihre Antwort, ihr Kampf. Dabei betont sie ihre Unabhängigkeit und künstlerische Freiheit. Sie gehört  keiner Lobby, keiner politischen oder religiösen Bewegung an. Princess Hijab sieht sich vielmehr als schlaflosen Punk, als Anführerin eines künstlerischen Djihad… „You know what? My only masters are Bob Flanagan and Darth Vador.“

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