Die Hamburger Proteste

Kategorie: Politik | November 02, 2009 | von Judith Marthaler

recht auf stadt die stadt gehört allen miguel martinez Die Hamburger Proteste Foto via Spanier

> Die Marke Hamburg und das Recht auf Stadt <

Die Ohrfeige, der wichtigen Zielgruppe „Creative Class“ an die Standortpolitik der Stadt Hamburg und deren „urbanen Aufwertungsvisionen“ mit „Bruttogeschossflächen-Ideologie“ hat geschallert. Endlich.

Das schwarze Jahr einer städtischen Politik, die Kultur als „integralen Bestandteil einer Eventisierungs-Strategie“ und Stadtteilentwicklung aus der Quadratmeterhöchstpreis-Gebots-Perspektive als Vision für eine wachsende Stadt zu betrachten scheint, neigt sich dem Ende zu und erfährt durch das jüngst von Hamburger Kunst- und Kulturschaffenden veröffentlichte Manifest „Not in or Name, Marke Hamburg!“ einen scharfen, vielbesprochenen Gegenwind. Weiterlesen »

Vom Foto zum Meme. Yeaahh!

Kategorie: Politik | October 02, 2009 | von Judith Marthaler

yeaahh2 Vom Foto zum Meme. Yeaahh!Wenn man mich gefragt hätte, ob ich ein Bild zur Verfügung stelle für ein Flashmob, hätte ich sicherlich abgesagt. Ich finde Flashmobs langweilig und studentisch. Aber nachdem ich die YouTube Videos vom Hamburger “Yeaahh Flashmob” gesehen habe, war ich begeistert. Ich hab mich wie ein Kleinkind gefreut. Alles aus meinem Flickr-Bild aus entstanden.“

Drei Wochen nachdem Miguel Martinez aka Spanier mit diesem Foto unfreiwillig den „und alle so Yeaahh”-Nährboden schuf, haben sich die Wogen um Deutschlands bekanntestes Angela Merkel Wahlplakat längst wieder geglättet. 92 462 Views und mehr als 200 000 Google „Yeaahh“-Ergebnisse später, bietet der Blick hinter die Kulissen des Phänomens jedoch einen spannenden Überblick über die Verselbständigung eines Fotos, dessen Urheber im Offline-Urlaub weilte, während sein Bild von Flickr bis zur Kanzlerin kam.

Beim Schanzenfest war´s noch der geflügelte Satz eingeweihter Freunde. Je später der Abend, desto weniger Worte und mehr Yeaahh. Während keiner der Umstehenden verstand, weshalb  man deswegen lachen muss, waren bei Matthias Werner und Just der Blick hellwach und die Bloggerfinger am flinksten. Mit Nerdcore und Spreeblick kamen die Reichweiten ins Spiel und während Spanier nichts ahnend im Heimatland mit Freunden die Paella machte, kochte im Netz das Yeaahh-Süppchen auf vielen Herden.

„Ist dir eigentlich bewusst, was du angerichtet hast? Das ist überall. Remix Contest, T-Shirt, Yeaah-Lied und Flashmob. Oh man, Hilfe! Grüße in den Urlaub.“ Der Urlaub ist längst nicht vorbei. Die selbst auferlegte Offline-Phase endet jedoch mit dieser SMS. Miguel lacht Tränen, als er seinen Email-Account checkt und blickt fassungslos auf seine Flickr-Stats.

Es hat mich schon beeindruckt, was für eine Eigendynamik das Bild hatte. Aber als ich die ersten Yeaahh-T-Shirts sah, war ich schon ein bißchen enttäuscht. Ich wollte selber welche machen nach mein Urlaub. Schönere, mit Stefan. Und erst recht keine hässlichen Spreadshirts. Es wurde mir aber klar, als ich diese T-Shirts sah, dass das Foto nicht mehr mir gehörte. Es gehörte nun dem Internet und jeder würde damit machen was er will. War für mich auch ok. Ich hoffte zumindest, dass ein paar Menschen zu mir verlinken und die meisten haben das auch getan. Ich war aber sowieso nur der Medium. Wie Spreeblick, Nerdcore und Company war ich nur ein Medium, das diesen geilen Spruch weitergetragen hat.

Erst nach sieben Tagen – im Internet eine Ewigkeit – entwickelte sich das “BlogTwitterFacebookFlashmobVideoSongT-Shirt Yeaahh” zum klassischen “Medien Yeaahh”. Im drögen Wahlkampf ein gefundenes Fressen, um die öffentliche Flashmob-Debatte anzuheizen, kreuzte der Spiegel auf und mit ihm der Rest. Während die ersten Bild-Anfragen großer Publikationen von Miguel neugierig mit Honorarfragen gekontert wurden und unbeantwortet blieben, stürzten sich taz, Süddeutsche, Bild, Abendblatt und Blättchen jeglicher Couleur auch ohne Foto auf Merkels „Freunde aus dem Internet“, drehten Filmchen fürs online Seitchen, dokumentierten, analysierten und bewerteten. Die Views des Fotos erreichten ihren Höhepunkt.

Tagesthemen sendete, FAZ druckte, Das Ding interviewte. Die mediale Krönung des Yeaahs war vollzogen. Viele wussten schon gar nicht mehr, woher es eigentlich kam und wohin es gehen würde. Wikipedia auch nicht.

Miguel macht sich auf die Suche nach dem Urheber. Doch Kritzeleien auf Plakatwände sind gehörig verboten. Offiziell weiß keiner, wer dem Wahlkampf diesen Spaß bescherte. Inoffiziell… folgt die zweite Straftat. Das Plakat wird von „Unbekannten“ entwendet und bringt auf Ebay 324,05 Euro ein. St. Pauli´s Café mit Herz freut sich über die Spende.

Drei Wochen später. Die Wahlen sind vollzogen. Miguel ist zurück in Deutschland und wer jetzt noch “Yeaahh” schreit, nervt. Sie hat für vieles hergehalten, die kleine Kritzelei, die im Webwirbel zum tagesthementauglichen Meme wurde. Jetzt, wo alle gezeigt haben, dass sie „Yeaahh“ können, ist es für Miguel an der Zeit, seine Urlaubsbilder zu zeigen.

Quo vadis, Wahl der Qualen?

Kategorie: Politik | September 25, 2009 | von goerex

politik Quo vadis, Wahl der Qualen?

Was muss jeder von uns nur mitmachen in diesen Tagen: Wahlsprüche als würden sich die Parteien alle ein und der selben, sehr wahrscheinlich auch noch überbezahlten und dennoch irgendwie im Untergang begriffenen und geistig  umwölkten Textergilde hingeben. So als stellte man die Wahlpplakate auf einer Rinderfarm in den Schlamm und würde in Kuhsprache darauf verfassen: hier könnte auch ihr Wahlspruch stehen. Für was hält man uns eigentlich? Auch wenn ich bisher nicht der Meinung war, dass unsere Sprache verfällt, hier muss ich zweifeln. Sprache und Denken haben sich zeitweise entkoppelt. Und wie geht es weiter? Weiterlesen »

Man lebt irgendwie, man ist irgendwer

Kategorie: Politik | September 13, 2009 | von Julia Christian

Mode als Kultur

Symposium Man lebt irgendwie, man ist irgendwerFoto: Nicolas Knebel | Korsakow Show

Mode ist Kultur. Soweit die Theorie. Dass Bekleidung aber mehr ist als die Summe ihrer Teile ist in den Subkulturen angekommen, in der deutschen Meinungsmehrheit nicht. Während anderorts Mode in Feuilletons, als Arbeit der Kulturschaffenden oder als kreatives Gebaren auf der Straße wahrgenommen wird, müht man sich hierzulande noch immer an der Kopfblockade alter Klischees. Hier trauert man noch immer einer einheitlichen Uniform oder der Idee eines funktionalen Reformkleids nach, statt zu genießen dass der Nachbar rechts oder links des Vorgartenidylls sein Lebensgefühl auch auf die Mode zu übertragen scheint. Weiterlesen »

Pudel Art Basel

Kategorie: Politik | September 05, 2009 | von Judith Marthaler

Pudel Art Basel Miguel Martinez kunstkacke Pudel Art Basel
Kunst und Kulturschaffende als Imageproduzenten – „um jene Viertel ins Gerede zu bringen, die noch nicht die erwünschte Rendite erwirtschaften“ – werden in Hamburg derzeit bevorzugt instrumentalisiert, um der Betonstadt Hafencity – neben Franchise-Kaffeklatsch mit affektiertem Tango-Spuk – subversive Charakterzüge aufzumalen und Randzone Wilhelmsburg „für die Mittelschichten belatschbar zu machen“. Weiterlesen »