Anti-Advergames

Kategorie: Protest | November 11, 2009 | von Judith Marthaler

nur spielen_anti advergames_miguel martinez Foto von Spanier.

Meine Angestellten sind unglücklich, aber für die ist keine Zeit. Es gibt zu wenige Rinder, folglich keine Burger. Wir stehen kurz vor dem Ruin. Schnell, schnell. In meiner Not kommt die genmanipulierte Sojabohne auf die Felder. Tiermehl muss dem Fleisch, Hormone dem Futter zugeführt werden. Die Marketingkampagne ist gerade angelaufen und die Kunden stehen Schlange im Laden. Kein Rind heißt keine Burger, keinen Umsatz, keinen Top Score. Ich dachte, spielen entspannt.

Von wegen. Zwischen Korruption und Alibi-Aktion für die Dritte Welt stürme ich in meine Filiale. Die Mitarbeiter sind unglücklich. Das hatte ich vollkommen vergessen. Schnell rügen. Jetzt rollt der Rubel. Mehr Rinder, mehr Felder, mehr Marketing. Ach herrje.

Die hatten Recht: „Du wirst all die schmutzigen Geheimnisse kennenlernen, die uns zu einem der größten Konzerne der Welt gemacht haben.“ Das McDonalds Anti-Advergame zieht mich hinein in den Moloch der Political Incorrectness, wie mich sonst nur der Strudel von Oma ergreift. Und  dabei wollte ich doch eigentlich ganz sachlich recherchieren, weshalb Onlinespiele im sogenannten „Marketingmix“ von Unternehmen eine solch wichtige Rolle spielen.

mc donalds game Anti Advergames

Für Kaugummis, Autos, ja, selbst Taccos habe ich mich in den letzten Stunden investigativ durchs Netz gespielt und jedesmal die gleiche Leier. Einmal drin. Alles gefressen. Doch es kommt noch dicker. Während ich in meinem Alltag höchstens für Sekunden an einer Werbebotschaft verweile, löse ich mich ebenso schwer von den guten Werbe-, Produkt- und Markenspielen wie von einem spannenden Film. Ich ballere, laufe und kämpfe mich durch die Welten als ob es meine eigene wäre. Und das als erklärter Anti-Spieler.

An dieser Stelle sollte meine Recherche eigentlich beendet sein. Den Bann des Spiels habe ich zu Genüge ausgekostet und mir die Frage, weshalb Spiele in der Werbung so erfolgreich sind, wie im Abenteuerrausch selbst beantwortet.

Doch wo sind eigentlich die Kritiker, die Hacker, die Aufmischer in dieser bunten Welt des Spielerausches, frage ich mich? Jene, die Nichtwissern wie mir zeigen, dass der metaphorische Spieß auch umgedreht werden kann. Den de-branding Spielemacher-Untergrund sozusagen. Den zu suchen, ist die nächste Mission. Und McDonalds ist die erste Stufe zur Antwort.

Vor drei Jahren machte das zu Beginn beschriebene McDonald`s Anti-Advertising Spiel seine Runde und gehört bis heute zu den wohl berühmtesten unternehmenskritischen Spielen in dessen Reihe sich höchstens noch das von der PETA initiierte KFC Anti-Advergame positionieren kann. Doch dann ist Schluss. Spielerische Markenhacks gibt’s anscheinend seit einigen Jahren nicht mehr. Bloody Burberry mag als Rettungsanker auch nicht herhalten. Auch wenn ich gerne ein Hase war.

Ich strauchle auf meiner Suche nach spielerischer Substanz, nach Protest und Aufklärung bis ich an den Pforten der Politik & Wirtschaft ankomme. Denn was nach Planspielen klingt entpuppt sich als wahrer Himmel des Mehrwehrtspielens.

Im „The Free Culture Game“, beschäftige ich mich mit Copyrights und geistigem Eigentum, um am Ende zu verstehen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, Wissen zu privatisieren. Beruhigt ziehe ich weiter zu „Cutthroat Capitalism“, um noch schnell das Geschäftsmodell somalischer Piraten kennenzulernen, bevor ich bei „Consumer Culture“, eine Art Robotron ganz ohne Ballern, mit erhobenem konsumkritischen Zeigefinger, auf Protest geeicht werde. Wenn schon Kritik, dann richtig. “Xtreme Xmas” macht mich verrückt und “Bacteria Salad” betroffen. Die Liste von Culture-Jamming spiele ich nicht mehr durch.

Mir ist die Puste ausgegangen und es reicht gerade noch für Mama Kills Animals – ein PETA-Spiel für Tierschützer.
Hätte ich gewusst, wie spannend und vielseitig die Welt der Anti-Advergames ist, ich hätte gleich dort eingecheckt. Denn wenn schon Zeit verschwenden, dann doch bitte ohne bittersüße Werbebrause von Volkswagen & Co.

Bei Molleindustria, Ian Bogost und persuasive games mehr zum Thema.

Die Hamburger Proteste

Kategorie: Protest | November 02, 2009 | von Judith Marthaler

recht auf stadt die stadt gehört allen miguel martinez Die Hamburger Proteste Foto via Spanier

> Die Marke Hamburg und das Recht auf Stadt <

Die Ohrfeige, der wichtigen Zielgruppe „Creative Class“ an die Standortpolitik der Stadt Hamburg und deren „urbanen Aufwertungsvisionen“ mit „Bruttogeschossflächen-Ideologie“ hat geschallert. Endlich.

Das schwarze Jahr einer städtischen Politik, die Kultur als „integralen Bestandteil einer Eventisierungs-Strategie“ und Stadtteilentwicklung aus der Quadratmeterhöchstpreis-Gebots-Perspektive als Vision für eine wachsende Stadt zu betrachten scheint, neigt sich dem Ende zu und erfährt durch das jüngst von Hamburger Kunst- und Kulturschaffenden veröffentlichte Manifest „Not in or Name, Marke Hamburg!“ einen scharfen, vielbesprochenen Gegenwind. Weiterlesen »

Kill Billy

Kategorie: Protest | October 03, 2009 | von Simone Schoepf

IKEA, das blau-gelbe Einkaufsparadies für Selbstschrauber, ist peinlich um sein positives Image bemüht. Doch der Unmut gegen die Standort- und Beschäftigungspolitik des schwedischen Möbelriesen wächst. Wie zuletzt in Hamburg-Altona: Anrainer wehren sich gegen eine geplante Filiale und weiten ihren Protest aufs Internet aus.

IKEA-"Keksdose"| Kai Herrner via flickr.com

IKEA-"Keksdose"| Kai Herrner via flickr.com

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Fair oder prekär?

Kategorie: Protest | September 23, 2009 | von Simone Schoepf

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt arbeiten in den unterschiedlichsten Branchen etwa eine halbe Million Praktikanten. Was viele von ihnen eint: Keine oder geringe Bezahlung bei hoher Qualifikation. Wer genug von Referenzen und der vagen Aussicht auf eine Festanstellung hat – am 9. Oktober streiken bundesweit Praktikanten, die sich nicht mehr billig abfertigen lassen wollen.

logo+prakti+streik+neu gerade Fair oder prekär? Weiterlesen »

Pudel Art Basel

Kategorie: Protest | September 05, 2009 | von Judith Marthaler

Pudel Art Basel Miguel Martinez kunstkacke Pudel Art Basel
Kunst und Kulturschaffende als Imageproduzenten – „um jene Viertel ins Gerede zu bringen, die noch nicht die erwünschte Rendite erwirtschaften“ – werden in Hamburg derzeit bevorzugt instrumentalisiert, um der Betonstadt Hafencity – neben Franchise-Kaffeklatsch mit affektiertem Tango-Spuk – subversive Charakterzüge aufzumalen und Randzone Wilhelmsburg „für die Mittelschichten belatschbar zu machen“. Weiterlesen »

Fight Club auf St. Pauli Art

Kategorie: Protest | August 02, 2009 | von Judith Marthaler

rock and wrestling 2009 hamburg hafenklang komet 333 Fight Club auf St. Pauli ArtGekämpft wird viel auf St. Pauli. Schanzenfehde, Bambuledrama und schwarzer Block– die nordische Protestbewegung kennt die Schlacht. Selten jedoch ohne Wasserwerfer und Hundertschaften. Die blieben jedoch am letzten Wochenende zuhause.  Der Senat war glücklicherweise ausgeladen bei Hamburgs gepflegtester Hau-Drauf Veranstaltung mit Protestcharakter. Weiterlesen »