Short Shots 2.0 – Kai von Rabenau, Fotograf / Herausgeber

Kategorie: Short Shorts 2.0 | March 22, 2011 | von

Wir wollen wissen, was gar nicht geht – und, was Kopf und Körper wirklich bewegt. Welche App immer eine Lösung parat hat und welches Standardwerk im Bücherregal steht. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Kai von Rabenau.

In erster Linie ist er Fotograf uns setzt Menschen zwischen Musik- Kunst- und Modewelt ins rechte Licht. Dabei verzichtet Kai von Rabenau auf Schnickschnack, sondern setzt auf das Wesentliche in den Fokus: die zu fotografierende Person. Seinen klaren Stil stellt der Wahl-Berliner regelmäßig in den Dienst von Zeitungen wie Die Zeit und Magazinen wie Brand Eins oder The Wire. Und natürlich mono.kultur, das nur nebenbei erwähnt Kai von Rabenaus eigene Zeitschrift ist. Die Affinität zur Drucksachen kommt übrigens nicht von irgendwo – immerhin hat er „Graphic Design“ am Central St. Martins College of Art and Design studiert und dann einen Master in „Visual Communication“ am renommierten Royal College of Art in London hinterher geschoben. Sein Magazin im DIN A5-Format ist, wie der Name schon verrät, stets einem Thema oder besser einer Person gewidmet. In der Vergangenheit waren das so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Frank Leder, Tilda Swinton oder Sissel Tolaas. Die neueste Ausgabe ist dem Musikproduzenten Manfred Eicher gewidmet und soeben erschienen. Aber das heißt nicht, dass es Zeit zum Ausruhen für den 37-jährigen gäbe, denn ein Modelabel betreibt er schließlich auch noch. Das nennt sich passend zum restlichen Oeuvre mono.gramm und kommt mit Kleidungstücken daher, die prädestiniert für das Leben unterwegs sind, weil man sie bestens kombinieren und wahlweise up- oder downdressen kann. Für Sounds Like Me hat Kai von Rabenau trotz vielfältiger Projekte Zeit gefunden und seine Vorlieben und Abneigungen in den Short Shots 2.0-Fragebogen eingetragen.

NAME Kai von Rabenau
JAHRGANG 1973

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?

Ich komme aus Regensburg im schönen Bayern, wohne jetzt seit zehn Jahren in Berlin und will derzeit eigentlich nirgendwo hin – ich liebe Berlin und bin sowieso so viel unterwegs, dass ich ganz froh bin, hier eine Heimat zu haben.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?

Meine Butter verdiene ich mit der Fotografie und mein Herzblut steckt ebenfalls in der Fotografie – ebenso sehr wie in unserem kleinen und feinen Magazin mono.kultur und unserem Womenswear Label mono.gramm.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?

Mich langweilen Menschen, die keine eigene Meinung haben, die immer nur irgendwelchen Trends oder großen Namen hinterherlaufen und nicht den Mut zu etwas Neuem haben. Um so mehr freue ich mich über jeden und alles, was anders, eigen und eigenständig ist, neue Persönlichkeiten, Ideen und Gedanken, an denen man sich reiben kann.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?

Mein aktuelles Objekt der Begierde wäre die Zeit zu haben, für mehrere Wochen auf Reisen gehen zu können, wie ich das früher immer gemacht habe – alles abschalten und nur mit einem Koffer aufzubrechen. Denn das bewegt mich wirklich: Menschen, Erfahrungen, Leben.

HARDWARE vs. SOFTWARE:
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?

Unentbehrlich sind Kamera und Computer. Sie ermöglichen, was mein Gehirn sich ausgedacht hat – diese unschlagbarste aller Software.

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?

Täglich besuche ich unseren hauseigenen mono.blog, aber tatsächlich besuche ich lieber das Leben.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?

So viele kleine Dinge: morgens einen Kaffee im Bett zu trinken, mit dem Fahrrad durch Berlin zu fahren, Freunde und Freundin, ein gelungenes Foto, die kleinen Überraschungen des Alltags. Ich spare eigentlich auf gar nichts – Geld ist da, um ausgegeben zu werden … Luxus ist für mich vor allem Zeit – wenn ich also sparen würde, dann für eine Reise oder um mir eine Auszeit zu gönnen, in der man sich voll und ganz auf seine eigene Arbeit konzentrieren kann.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?

Mein zweites Wohnzimmer ist Berlin, vielleicht mit Ausnahme von Mitte, denn das geht wirklich fast gar nicht mehr.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?

Berlin und Berlin.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?

Ach, das ist immer so eine Stimmungsfrage: oft und gerne gesellig, hin und wieder auch gerne alleine. Beides ist wunderbar.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?

Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Kürzlich gelesen: McSweeney’s, David Foster Wallace, mono.kultur. Immer geht: Krieg und Frieden, Stiller,
mono.kultur.
Kürzlich gehört: James Blake, Radiohead, Gonjasufi, Interpol. Immer geht: My Bloody Valentine, Miles Davis, Nine Inch Nails, Arvo Pärt.


GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?

Kuchen und Kuchen. Ich liebe Kuchen.

DANKE!


26 ecm cover Short Shots 2.0   Kai von Rabenau, Fotograf / Herausgeber

mono.gramm aw 2011 Short Shots 2.0   Kai von Rabenau, Fotograf / Herausgeber

Short Shots 2.0: Stefanie Lohaus, Magazin-Macherin

Kategorie: Short Shorts 2.0 | February 21, 2011 | von

Wir wollen wissen was geht – und was gar nicht. Welche Domains gebookmarkt und welche Bücher in echt im Regal stehen, worin das Herzblut steckt und was die letzte Sünde war. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Stefanie Lohaus.

An Berufsbezeichnungen, die sich Stefanie Lohaus auf die Fahnen schreiben kann, mangelt es der 32-Jährigen nicht: Stefanie Lohaus ist Redakteurin und Herausgeberin des Missy Magazines – dem „feministischen Magazin für junge Frauen“. Außerdem ist die gebürtigen NRW-lerin, Ex-Hambugerin und Neu-Berlinerin auch Kulturarbeiterin und Radiomoderatorin; seit Januar moderiert sie eine eigene Musiksendung auf reboot.fm. Außerdem ist sie „Projekt-Junkie“, wie sie selbst sagt und bereit, Berlin aufzumischen. Aber vielleicht nicht unbedingt in Berlin-Mitte, aber lest selbst was die Medienexpertin-slash-Multitaktivistin noch so zu sagen hat… Das neue Missy Magazine ist übrings am 21.02. erschienen.

Foto am 18 02 2011 um 14.01 3 Short Shots 2.0: Stefanie Lohaus, Magazin Macherin

NAME Stefanie Lohaus
JAHRGANG 1978

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?

Aus Dinslaken, NRW und mit dem Missy-Medien-Imperium ganz nach oben natürlich.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Ich bin leider ein echter Projekte-Junkie. Ich brauche mindestens ein Projekt, in dem ich tun und lassen kann was ich will, also keine monetären Verpflichtungen habe.
Da ich mir vom Missy Magazine mittlerweile auch ein bisschen Butter kaufen kann, taugt das nicht mehr zum Kein-Geld-Verdienen. Deswegen produziere ich gerade eine Musiksendung für Byte FM, und ab Januar moderiere ich eine regelmäßige Musiksendung in Berlin auf reboot.fm. Näheres erfahrt ihr, wenn es soweit ist hier.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Ich gehe nicht mehr auf Parties, auf denen das Durchschnittsalter unter 28 liegt. Diese jungen Leute wollen immer nur tanzen. Wollte ich früher auch. Mittlerweile besteht der Abend zu eher 20 % aus Tanzen und zu 80 % aus Rumstehen und Reden. Glücklicherweise gibt es aber genügend Alternativen: Ich erinnere mich nur an die tollen UHU (“Unter Hundert”)-Parties im Hamburger Golden Pudel Club.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?

Haben, haben, haben. Leider eine schlechte Eigenschaft von mir. Vor allem Kleidung kann ich immer kaufen. Aber im Moment ist Wohnungseinrichtung angesagt, deswegen gebe ich mein ganzes Geld für überteuerte „Designklassiker“ bei eBay aus. Klamotten würde ich am liebsten hier kaufen: unique-nature.com. Geht aber nicht, weil das Geld bei eBay draufgegangen ist. Was mich wirklich bewegt? Gerechtigkeit. Warum leben wir immer noch in so einer verdammt ungerechten Welt? Und warum stört das so viele Menschen nicht?

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Hardware: Das iPhone ist schon ein tolles Ding. Ich weiß, das gibt es schon seit einem gefühlten Jahrzehnt, aber ich ignoriere neue Technik immer, solange es irgendwie geht. Vor Kurzem hat mir jemand jedoch netterweise sein altes iPhone gegeben und jetzt gehöre ich auch zu denen, die ihre E-Mails in der S-Bahn checken.
Software: Als Neu-Berlinerin ganz klar: Google Maps. Ohne würde ich wahrscheinlich seit drei Tagen frierend im Treptower Süden herumirren und hätte keine Zeit Fragebögen ausfüllen.

ONLINE vs. OFFLINE:
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Online: Ich schaue sehr oft beim New Yorker vorbei. Sehr informativ, und gleichzeitig literarisch anregend. Dazu gibt fundierte Analysen zur aktuellen gesellschaftlichen Lage. In echt: Dem LPG-Biomarkt in der Reichenberger Str. Ich habe einfach immer Hunger.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Da unser Missy-Büro um die Ecke vom Hackeschen Markt liegt, kaufe ich gerade ALLES im Muji Store, sogar mein Putzzeug. Auch wenn die ein für die heutige Zeit eher anachronistisches Konzept haben: Sechs Wochen Wartezeit für ein Regal, das man dann auch noch selbst abholen muss. Sparen kann ich leider gar nicht.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Mein erstes Wohnzimmer ist gerade auch mein Zweites. Es hat noch diesen Neuigkeitsfaktor, deswegen lade ich im Moment alle nach Hause ein. Als Wohnzimmer endgültig verloren hat wohl Berlin-Mitte. Da erinnert alles an Arbeit und Konsum.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Die tollen Leute rund ums Missy Magazine bereichern mich. Und mein Freund. Für das Gegenteil sorgen die konservativen Kräfte dieser Welt, zum Beispiel Kristina Schröder. Da muss ich beim Frühstück schon mal Kaffee prusten, wenn ich lese, was für irres Zeug sie sagt.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB:
Wann baust du auf die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Alles was mit Organisieren zu tun hat, klappt bei mir besser, wenn ich es gemeinsam mit anderen mache. Kulturelle Massenveranstaltungen und Festivals besuche ich mittlerweile eher selten – da sind mir die Schlangen vor den Toiletten zu lang.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?

Das neues Christiane Rösinger Album „Songs of L. And Hate“ passt wunderbar in diese Jahreszeit. Ich habe gerade Rolf Lappert „Auf den Inseln des letzten Lichts“ gelesen. Hat mir sehr gefallen. Ein literarisches Standardwerk, das ich nicht missen möchte ist „A Room of One’s Own“ von Virginia Woolf. Musikalisch würde die Liste zu lang werden.

Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Den Zeitgeist trifft wieder Rösinger: „Ist das noch Bohème oder schon die Unterschicht?“ und geprägt haben mich folgende Zeilen und Noten (und Bilder): The Breeders – Divine Hammer.

0 Short Shots 2.0: Stefanie Lohaus, Magazin Macherin

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?

Missy macht die Welt ein milli-bisschen besser, hoffe ich. Und meine letzte Sünde soll lieber geheim bleiben.

Cover 01 11 300dpi Short Shots 2.0: Stefanie Lohaus, Magazin Macherin