Fall Citygroove – A Waste of Time with Paste and Leim?

Kategorie: Street Art | February 05, 2010 | von Marcus Woeller

sheriff Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Was früher die Feuilletondebatte war, ist heute die Netzdebatte – ein von allen Beteiligten aufgebauschter Wust von Argumenten, Polemiken, Sticheleien, Angriffen und heißer Luft. Angeheizt vom Kreis der Redner und Gegenredner, Kommentatoren und Agitatoren; weitgehend unbemerkt von denen, die keinen Zugang zum jeweiligen Forum haben oder wollen, sei es der Kulturteil einer Zeitung oder irgendeine Net Community.

strudel Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Zurzeit entlädt sich ein solches blogospärisches Gewitter in Teilen dessen, was als Street-Art-Szene bezeichnet wird, aber natürlich schon lange kein konspirativer Haufen weniger Eingeweihter, sondern eine breite und nur locker verbundene Zweck- und Interessengemeinschaft von Leuten, die sich mit der sogenannten „Urban Art“ beschäftigen.

linda telefon Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Der Fall: die Berliner Firma Citygroove hat im Stadtraum gefundene Street Art (von Graffitis über Stencils und Sticker bis zu Installationen) fotografiert und vertreibt die Motive auf Postkarten, bei denen Hinweise auf die jeweiligen Künstler und Künstlerinnen fehlen. Eben diese fühlen sich von der Aktion übergangen, nicht nur durch die Verletzung ihres Urheberrechts, sondern auch durch die Nichtteilhabe am möglichen Profit des Unternehmers. Die Meinungsverschiedenheiten führten mittlerweile zu Sachbeschädigungen, Nötigungen, Drohungen und vor allem einem immer aufgebrachter werdenden, verbalen Schlagabtausch im Netz.

roboter Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Der geneigte Winkeladvokat, der hier mitliest (und zu Kommentaren aufgefordert ist), erkennt sofort, dass es sich bei dem Fall um ein kompliziertes Gespinst aus Rechtsverletzungen handelt. Die Künstler berufen sich auf das Urheberrecht an ihrem Werk, dass auch für die von den Werken angefertigten Fotos gilt. Der Unternehmer beruft sich darauf, dass es sich um (häufig nicht identifizierbare) Kunst im öffentlichen Raum handelt, die er also fotografieren dürfe.

hund Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Rechtlich gesehen hat der Unternehmer (dessen Webseite und vermutlich auch sein Unternehmen sich nach dem medialen Wirbel seit kurzem im Umbau befindet) hier übrigens die schlechteren Karten, denn bei Street Art handelt es sich nicht um bleibend im öffentlichen Raum angebrachte Kunst, sondern um eine temporäre Veränderung. Ob der Künstler dabei identifizierbar ist, spielt keine Rolle, da das Werk nicht registriert (also z.B. signiert) sein muss.

mann hund Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Dass dieses Thema allerdings mit solcher Hitzigkeit diskutiert wird, hat jedoch andere Gründe: Street Art leidet inzwischen an einem massiven Identifikationsproblem, das immer stärker aufs Selbstwertgefühl drückt. Von der Idee her underground, illegal, subversiv, antikommerziell, pluralistisch sind sich die Street-Art-Künstler in die Selbstausbeutungs-Falle gegangen. Eine Revolution mehr frisst mal wieder ihre Kinder…

linda 3 Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Die Nähe der künstlerischen Ausdruckssprache der Street Art zu Streetwear-Firmen und Sneaker-Marken haben diese seit Jahren erkannt und sich die Ästhetik der Street Art angeeignet, zu einem Marketing-Tool gemacht und kommerziell bis ins Mark ausgehöhlt. Und die Künstler? Haben sich in den letzten Jahren bedingungslos darauf eingelassen! Kaum ein „urbaner“ Event, der ein kaufkräftiges „urbanes Trendpublikum“ erreichen möchte, kaum eine Sportartikelfirma, die noch keinen „exklusiven, limitierten Sneaker“ von Street Artist XY im Programm hat, kaum eine Promoveranstaltung für ein Transparentflaschenbier oder eines „neuen“ Energiedrink, der ohne die guerillamarketingerprobte Vereinnahmung eines Graffitidekors oder eines „Kreativ-Workshops mit talentierten Künstlern“ auskommen will. Selbst die nachträgliche Wut der Künstler über die Erkenntnis eingekauft und eingeseift worden zu sein, wird von der Marketingmaschine wieder gewinnbringend aufgesaugt und nach außen wohltäterisch verpackt.

ratte Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Der Ausverkauf der Street Art ist kaum noch aufzuhalten. Verständlich, dass auch älter werdende Künstler dem Dunkel der Nacht in die gleißend hellen Verkaufsräume der Galerien entkommen wollen und hart arbeitende Sprayerinnen ihre Hinterlassenschaften irgendwann auch monetär honoriert sehen wollen. Das verträgt sich allerdings nur schwer mit dem ursprünglichen Anspruch, nicht-kommerziell sein zu wollen.

maennerbeine Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Zurück ins Bundesgesetzblatt… In einer Gesellschaft, in der das Eigentumsrecht einen traditionell hohen Status genießt, wird da Rechtsverletzung gegen Rechtsverletzung ausgespielt. Street Artists, die sich ihrer Ansicht den öffentlichen Raum aneignen, in dem sie Hauswände oder Bushaltestellen, Brückenpfeiler oder S-Bahn-Fenster bemalen oder mit Bildern bekleben, beschmutzen der Ansicht von Haus- und Grundeigentümern, Nahverkehrsunternehmen oder Stadtverwaltungen nach Privatbesitz. Auch die Liebhaber von „Urban Art“ setzen sich vermehrt über Urheberrechte hinweg, lösen frischgeklebte Cut-Outs ab, kaum dass sie aufgehängt wurden, versuchen vermeintliche Banksys mit dem Putz aus der Wand zu fräsen, um sie in die „private“ Sammlung von Street-Art-„Fundstücken“ zu integrieren, schließlich handelt es sich spätestens seit der Mainstream-Nobilitierung durch Brangelina und Aguilera um gute Wertanlagen.

linda 1 Fall Citygroove   A Waste of Time with Paste and Leim?Ist der Diebstahl einer illegalen Sachbeschädigung strafwürdig? Ist die fotografische Verbreitung von privater Aneignung öffentlicher Räume rechtswidrig? Ist die Verletzung der Künstlerwürde durch Kumpanei mit dem Kapitalismus illegitim? Der Street Art bleiben wohl nur zwei Wege. Zurück in die Illegalität, um die eigenen Ansprüche zu radikalisieren. Oder sich dem Gesetz des Marktes unterwerfen, und sich als Kunsthandwerker der Industrie betätigen. Stärke kann Kunst immer nur dann entwickeln, wenn sie eine Sprache hat, die über reine Dekoration hinausgeht und die Kontrolle über ihre Artikulation bewahrt. Als Avantgarde hat Street Art ausgedient.

(alle Abbildungen entstammen der Dokumentation “Street Art in Berlin-Friedrichshain 2004″ von Susanne Röllig)

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Oversized and Underpriced

Kategorie: Street Art | December 16, 2009 | von Sounds like NEWS

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In Zeiten wildübersteuerter E-Cards und traurig leerer Postfächer, scheint die Vernissage “Oversized & Underpriced Round Two” ein nostalgischer Exit in Welt des Anfassens, Beklebens und kindlichen Staunens. Künstler wie Dave the Chimp, Flying Förtress oder Jaybo Monk konnten neben 60 weiteren Künstlern für die zweite Runde der Charity-Auktion des Berliner hatch Stickermuseums gewonnen werden.

Ganz im Sinne der “guten, alten Zeit” präsentieren alle teilnehmenden Artists ihre übergroße Version des Sticker-Klassikers “POST PÄCKCHEN” und die DIN A3 Unikate werden in den darauffolgenden Wochen für einen sozialen Zweck versteigert. Weiterlesen »

inKRedible!

Kategorie: Street Art | November 14, 2009 | von Marcus Woeller

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Reclaim the streets! Von diesem Anspruch scheint wenig übrig geblieben zu sein. Von der Straße ist die Street Art oder die in der Werberlingo sogenannte Urban Art endgültig auf dem Boden der kapitalen Tatsachen angekommen. Kaum eine Marketingkampagne, die den städtisch-kreativen Pop-Bourgeois im Visier hat, mag mehr ohne eifriges Zitieren der urbanen Zeichensprache auskommen. Weiterlesen »

Mark me! Backjumps Volume #4

Kategorie: Street Art | November 06, 2009 | von Julia Christian

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Foto > Richard Schwarz | Brad Downey “Don’t worry about that shit René. Dedicated to Eulenspiegel”

„I’d made my mark in the world. And it’s made its mark on me.“ Was der damals noch unbekannte 19-jährige Jean Michel Basquiat 1981 beschreibt, als er durch die Straßen New Yorks streift, verdichtet sich im Jahr darauf zu einem Umbruch, der unsere Kultur bis heute bestimmt: Eine Gruppe Marginalisierter schrieb sich ein in den öffentlichen Raum und das was später HipHop heißen sollte, schwappte aus dem Underground an die Oberfläche der Popkultur. Weiterlesen »

Realität aus Plastik

Kategorie: Street Art | August 23, 2009 | von Mareice Kaiser

Mit dem Kopf durch die Wand? Der amerikanische Künstler Mark Jenkins macht es möglich.

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Vor dem Regen ist nach dem Regen

Kategorie: Street Art | August 19, 2009 | von Judith Marthaler

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Maria und das Jesuskind in einen sinnvollen Zusammenhang mit Street Art zu stellen, mag ein wagemutiges Unterfangen sein, wenn einem beim Stichwort „Kunst im urbanen Raum“ Graffiti- Sprüher und Sticker-Kleber in den Sinn kommen. Weiterlesen »

Watch out or I will gun you down

Kategorie: Street Art | August 11, 2009 | von Miriam Rauh

Klare Ansage. Die junge französische Künstlerin Princess Hijab zieht sich den schwarzen Schleier an und streift durchs nächtliche Paris, um Werbeposter zu „hijabizen“ und ihre Hijab-Ads and Wände zu kleben. Auch das Internet ist nicht vor ihrem Kampf sicher. „Straight edge in behaviour and language, I’m a mutant fighting for a cause,“ beschreibt sie sich selbst.

PrincessHijab 1 15 Watch out or I will gun you down

Sie selbst bleibt im Verborgenen, umschreibt jedoch im Manifest auf ihrer Website sehr klar ihre Motive. „L’Oreal & Co killed me little by little“. Sie fühlt sich beschmutzt, ihre Kunst ist ihre Antwort, ihr Kampf. Dabei betont sie ihre Unabhängigkeit und künstlerische Freiheit. Sie gehört  keiner Lobby, keiner politischen oder religiösen Bewegung an. Princess Hijab sieht sich vielmehr als schlaflosen Punk, als Anführerin eines künstlerischen Djihad… „You know what? My only masters are Bob Flanagan and Darth Vador.“

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