Tattoo-Haiku: acht Finger für ein TAKE THAT

Der anhaltende Dauerfrost setzt neue ästhetische Standards. Weil wir uns seit Monaten von Kopf bis Fuß in thermofaserige Ganzkörperkondome einpacken, müssen Tätowierungen an die letzten freien Endpunkte des Körpers wandern: an den Hals und auf die Hände.
Ohne Sternchen hinterm Ohr kommt man an der Technotür vom „Berghain“ gar nicht mehr vorbei, habe ich mir flüstern lassen.
Bei Hand-Tätowierungen muss man mehr kreative Finesse zeigen. Die Fingergelenke zwingen einen zu absoluter Konzentration auf eine so begrenzte wie festgelegte Form, die eingedampfte Minimalvariante des eh schon minimalen Haikus. Zwei Worte à vier Buchstaben. Die müssen sitzen, ein Leben lang. Und jetzt kommt mir nicht mit dem Extrem-Blah von „Love“ und „Hate“. Für solchen Dramaqueen-Kitsch bin ich viel zu lauwarm. Wäre ja peinlich.

Ich habe mich für einen Boygroup-Radikalismus entschieden. Ist süß und aggressiv in einem. Rechts: TAKE, links: THAT. Ihr erster Hit „Do what you like“ bringt das eh schon kindische Genre Italo-Piano-House zwingend auf Baby-Niveau. Ein Fels im unsicheren Gewässer der Keine-Haare-am-Sack-Hits. Fast so frühreif wie Helene Hegemann. Im Video zum Hit zeigen Robbie Williams & Co ihre Metalltanga-Ärsche. Vier Ärsche, einer pro Finger. Das wäre ein Spitzenmotiv – würde nur niemand dechiffrieren können, fürchte ich.

(Die vier Tanga-Ärsche von Take That, welcher gehört zu Robbie?)
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