Verschiebunker – Medienforum NRW

June 23, 2011 | von

Man muß sich das so verstellen, als ob Koferenzen den Spruch “Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.” in etwa so übersetzen: “Wenn es gerade spannend wird, dann ist genug geredet worden.” Und so kann man von einer perfekt organisierten Veranstaltung sprechen, wenn möglichst viele interessante Diskussionen mit Blick auf die Uhr abgewürgt werden. In diesem Sinne den Anfang des dritten Tages machen durfte Margrét Tryggvadóttir, Vorsitzende der isländischen Bewegung für unabhängige Medien, investigativen Journalismus und freie Daten namens The Movement. Sie erzählt, daß in Island derzeit eine neue Verfassung geschrieben wird und zwar auf die derzeit transparentest denkbarste Art und Weise – für jeden einsehbar im Internet. Wie man mit dem direkten Feedback umginge, kam die sympathische Frau nicht über ein “I haven’t read all the comments, but…” hinaus. Dafür haben, wenn nicht der Zeitdruck, dann die beiden ihr zur Seite gesellten Dampfplauderer Professor Wolfgang Henseler und E-Pluspole Gunnar Bender schon gesorgt.

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Auf dem Panel Vom Schutz kreativer Güter in der digitalen Welt ist man zu dem Punkt, an dem es interessant hätte werden können, gar nicht erst gekommen. Die Diskutanten (Ich führe die mal eindruckshalber hier auf: Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt Cornelia Holsten, Dr. Christian Hauptmann von der RTL Group, Dr. Kerstin Jorna, Stv. Kabinettschefin von EU-Kommissar Michel Barnie, Prof. Dr. Gerhard Pfennig, Gf. Vorstand der VG Bild-Kunst und Prof. Dr. Mathias Schwarz, Direktor für Internationales bei der Produzentenallianz) machten sich gegenseitig Vorwürfe: EU- und Bundesregierung würden nicht den geeigneten rechtlichen Rahmen liefern, die GEMA würde weder Künstler noch Musikindustrie zeitgemäß vertreten, usw. Reihum wurde der schwarze Kater weitergegeben. Einigkeit schien allerdings darin zu bestehen, daß in Bezug auf die Verwertungskaskade (Beispiel Film: Kino, DVD-Verleih/Verkauf, TV-Premiere, Internet) das Netz als Resterampe immer am Ende stehen sollte. Nur, was sich anderweitig bei Filmvertrieb und Musikverlagen nicht losschlagen ließe, das könne man ja später noch irgendwie im Internet anbieten. Aber wie? So wird das nichts, Leute.

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Konferenzen und ihre Panelnamen; als nächstes also ein Workshop Cities: A spy glass into the future of media mit Edial Dekker and Igor Schwarzmann. Die beiden haben – auch anhand zahlreicher interessanter Beispiele – dargelegt, wie Städte (und insbesondere Großstädte) zum Innovationsmotor der digitalen Welt werden. Einfach, weil aufgrund von Verdichtung die Aktionen und Reaktionen hier mit geballungsräumlicher Kraft ablaufen. Was natürlich neben Leben, Arbeit, Wohnen und Verkehr auch Auswirkungen auf unser Medienverhalten, unseren Medienkonsum haben wird. Erfrischende Blickwinkel wie dieser hätten einer sehr um sich selbst drehenden Branchenveranstaltung wie dem Medienforum gut getan.

Danach wollte eine Reihe Buzzwords mit Leben gefüllt werden: Multimedia storytelling – Neue Content-Formate Fiction & Non-Fiction brachte einige Beispiele auf die Bühne. Burkhard Althoff und Isa Ostertag vom ZDF hätte ich gerne noch ein paar Fragen mehr gestellt als diejenige über den rein zufälligen Fund eines USB-Sticks gerade durch die beiden mit Kamera verfolgten Reportageprotagonisten. Zum Beispiel, warum – nur weil es sich um ein Projekt mit Internetanteil handelt – der Hauptfigur so einen dämlich pseudofuturistischen Namen wie Dina Foxx verpasst werden muß. Oder warum man mit keinem Wort erwähnt, daß viele Ideen des Projekts jetzt nicht bahnbrechend neu sind, sondern aus ähnlichen US-Formaten zusammengeklaut worden sind. Und sorry, wo bei Uwe H. Martins Spill The Beans oder Passports von Jörg Tittel die Multimedialität versteckt sein sollte, hat mir nicht aufgeleuchtet. Von Interaktität ganz zu schweigen, wie Marcus Bösch dankenswerterweise in seinem amüsanten Kurzvortrag festgestellt hat.

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Die Abschluß-Keynote von Prof. Dr. Gunter Dueck habe ich mir dann geknickt, um in einer Regenpause nochmal kurz nach Hause zu kommen. Schließlich liegt der Auftakt zur c/o pop nur wenige Stunden später. Falls der Mann von IBM etwas wesentlich Neues im Vergleich zu seinem Vortrag auf der re:publica zu erzählen hatte, dann wäre ich für einen Hinweis darauf dankbar. Es würde mich allerdings überraschen, denn er hat ja noch nicht einmal den Titel der Keynote geändert.

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