Zwischen Kirschblüten-Lampen – Angus & Julia Stone live

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Angus & Julia Stone sehen genau so aus wie auf den Pressefotos: ein leicht verkifftes Neo-Hippie-Pärchen. Er mit kunstvoll unterm Hut hervorgefusselten Haaren, sie mit Edding-gemalten Rosen auf der Gitarre und langem blauen Kleid, das sie beim Tanzen mit den Fingerspitzen lüpft.

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Das Klischee stimmt am 28.4. im Lido natürlich nur ein paar Minuten lang. Erstens ist Angus ihr Bruder, nicht der Macker – was hin und wieder etwas subtilere Königskinder-Inzest-Phantasien anwirft. Zweitens scheinen sie sich die Bühenrollen effektiver zu teilen: Er der nuschelnde, schüchterne Schlusi, sie die Power-Fee, eine Janis Joplin des Jugendzimmers.
Auch ihre Musik klingt live so ziemlich wie auf ihren 2,5 bisher erschienenen Platten. Und das ist sehr gut so. Wunderbar klarer, federnder – tja, was – Dream Folk? Mal von ihm, mal von ihr geschrieben. Und dieser schlichte zweistimmige Gesang in den Refrains, der seine Sache genau richtig macht.
Julia spielt nicht nur abwechselnd Klavier und Gitarre, sondern auch Mundharmonika und Trompete – cool mit einer Hand, die Westernklampfe vorm Bauch.

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Zusammen mit dem großartigen Drummer Matt Johnson und Bassist Rob Calder – der die Kunst beherrscht, so präzise zu spielen, dass man ihn bewusst kaum hört – machen die beiden etwas, das zeitlos ist, ohne Retro zu werden; klassisch, aber nicht abgeschmackt.
Oft klingt nicht nur die E-Gitarre nach Neil Young – spätestens wenn man sieht, dass sie in der Hälfte der Fälle von Julia gespielt wird, und wie die Geschwister die Köpfe zusammenstecken, behutsam vor sich hin rocken, ist klar: das hat nichts mit Nachmache zu tun. Diese kleinen Transformationen sind auf der Höhe der Zeit.

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Songs wie „For You“, „I’m not yours“ oder „Big Jet Plane“ sind auch einfach schöne Ohrwürmer. Die Geschwister präsentieren sie so unprätentiös, dass man nur ein bisschen Angst hat davor, was Riesenfestivals und O2-Arenen der Intimität ihrer Musik anhaben könnten. In ihrer Heimat Australien sind sie eh schon der Hype: Ihr erstes Album „A Book Like This“ stand auf Platz 5 der Charts und bekam Platin, ihr neues, „Down the Way“ stieg gleich auf Platz eins ein. Spätestens nach diesem schnörkellosen Konzert ist klar – zurecht.

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Am Ende pfeifen verzückte Mädels im Publikum auf vier Fingern. Es gibt geplante und weniger geplante Zugaben. Für eine Minute wird es fast dancefloorig, dann knabbert Angus wie zum Kontrapunkt an seinem Mundharmonika-Halter. Julia sitzt auf dem Boden, schaut ihm beim Singen zu. Steht auf und tanzt, barfuß, ein Rotweinglas in der Hand.

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(alle Fotos: Alexander Gumz)
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